Berlin

Berlin


übersicht

Deutschland, Land und Stadtstaat Berlin

Berlin ist Bundeshauptstadt und Regierungssitz der Bundesrepublik Deutschland. Als Stadtstaat ist Berlin ein eigenständiges Land und bildet das Zentrum der Metropolregion Berlin/Brandenburg. Berlin ist mit 3,4 Millionen Einwohnern die bevölkerungsreichste und flächengrößte Stadt Deutschlands, sowie nach Einwohnern die zweitgrößte und nach Fläche die fünftgrößte Stadt der Europäischen Union. Das Gebiet Berlins ist unterteilt in 12 Bezirke und wird von den Flüssen Havel und Spree durchquert


08.03.1905

Ein Kriegsgericht der 1. Gardedivision in Berlin verurteilt einen Sergeanten zu eineinhalb Jahren Gefängnis, Degradierung und Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte. Er hatte monatelang 44 Untergebene homosexuell mißbraucht.


06.06.1905

In Berlin heiraten der deutsche Kronprinz Wilhelm und Herzogin Cecilie von Mecklenburg-Schwerin.


19.07.1905

Das Berliner Kaufmannsgericht verurteilt den Inhaber eines großen Putzgeschäfts, einer fristlos gekündigten Angestellten das noch ausstehende Monatsgehalt zu zahlen. Er hatte das Mädchen entlassen, als es am Sonntag vor Pfingsten 15 Minuten zu spät zur Arbeit gekommen war.


13.08.1905

In Berlin häufen sich nach Presseberichten die Fälle von Hundediebstahl. Die Behörden bringen dies mit der akuten Fleischnot in Zusammenhang.


08.10.1905

Um 20 Uhr fällt im verkehrsreichen Zentrum des Berliner Vororts Charlottenburg für eineinhalb Stunden der Strom aus. Alle Straßen liegen im Dunkeln. Nach Angaben der Behörden ist der Stromausfall nicht auf einen Kurzschluß zurückzuführen, sondern auf "Mangel an Strom".


27.02.1906

In der Kapelle des Königlichen Schlosses in Berlin findet die Hochzeit des preußischen Prinzen Eitel Friedrich mit Herzogin Sophie Charlotte von Oldenburg statt.


28.06.1906

Im Rahmen der Sittlichkeitskampagne im Deutschen Reich wird Kritik an der Berliner Meierei Bolle laut. Die halbwüchsigen Bolle-Mädchen trügen auf ihrer Kleidung die Inschrift "Meierei Bolle" genau an einer Stelle, wo sich künftig einmal ein weiblicher Busen entwickeln könnte


11.08.1906

Im Berliner Nordpark kommt es zu einem Fall von Lynchjustiz. Ein etwa 20jähriger Mann wird von Passanten überrascht, als er ein 12jähriges Mädchen vergewaltigt. Die Empörung der immer größer werdenden Menschenmenge über die Tat des Wüstlings steigert sich derart, dass der Übeltäter mit Stöcken und Fäusten bearbeitet wird. Erst als er sich kaum noch rührt, lässt die Menge von ihm ab.


16.10.1906

Der arbeitslose Schuster Wilhelm Voigt lässt - verkleidet als Hauptmann - den Bürgermeister von Köpenick verhaften und beschlagnahmt die Stadtkasse.


01.12.1906

Der Schuhmacher Wilhelm Voigt, der falsche "Hauptmann von Köpenick" wird von der 4. Strafkammer des Landgerichts Berlin II zu vier Jahren Gefängnis verurteilt. Die Staatsanwaltschaft hatte fünf Jahre gefordert sowie "die Einziehung der Uniform", als ob es sich bei Voigt um einen richtigen Hauptmann handle.


16.01.1907

In einem der größten Kaffeehäuser Berlins wird ein Plakat mit der Aufschrift "Negern ist der Zutritt verboten" angebracht. Das Verbot wird begründet mit einer von Farbigen provozierten Schlägerei an der sich auch die Kellner beteiligt hatten und die in eine regelrechte Schlacht zwischen Schwarzen und Weißen ausgeartet war.


18.02.1907

Nach einer Aufstellung der "Welt am Montag" verdient eine Angestellte der größten Fleischerladenkette Berlins 25 Mark brutto im Monat. Dafür arbeiten die Mädchen mit einer zweistündigen Mittagspause in Schichten von 8:00 bis 24:00 Uhr bzw. von 10:00 bis 1:00 Uhr.


23.02.1907

Der Sohn des Berliner SPD-Reichstagsabgeordneten Adolf Hoffmann wird von der Schule verwiesen, weil er am 27. Januar nicht an den Feierlichkeiten anlässlich des Geburtstags von Kaiser Wilhelm II. teilgenommen hatte. Diese Strafmaßnahme ist für den Quartaner gleichbedeutend mit einer Landesverweisung. Nach dem Vorfall wird keine deutsche Schule den jungen Sozialdemokraten mehr aufnehmen.


16.04.1907

Aufsehen erregt die Schließung eines "freien Kindergartens" in Charlottenburg (Berlin) durch das preußische Kultusministerium. In dem Kindergarten würden weder religiöse noch patriotische Ideen vermittelt; daher sei zu befürchten, dass die Kinder dereinst weder staatstreu noch gläubig würden, so die Begründung der Regierung.


01.06.1907

In einem Berliner Kino wird ein Arbeiter verhaftet, als er versucht, ein nicht näher bezeichnetes Verbrechen an einem achtjährigen Mädchen zu begehen; der Vorfall wird nur entdeckt, weil das Mädchen laut aufschreit. Laut Zeitungsberichten werden die verdunkelten Räume der Kinematographentheater immer häufiger von Sittlichkeitsverbrechern aufgesucht, die als "Kinderfreunde" Mädchen und Jungen den Eintritt bezahlen. Die Eingeladenen sehen sich Zudringlichkeiten ausgesetzt, die sie oft aus Angst widerspruchslos über sich ergehen lassen. Besonders an Wochenenden häufen sich solche Fälle.


01.08.1907

Das Schöffengericht Berlin-Tempelhof verurteilt einen arbeitslosen Arbeiter zu drei Wochen Haft wegen Bettelns. Der Mann hatte in einem Bäckerladen um ein Stück übriggebliebenes Brot gebeten.


19.08.1907

Im Englischen Garten in Berlin findet eine Protestveranstaltung der Straßenhändler statt unter dem Motto "Darf ein Staatsanwalt eine nach Zehntausenden zählende Kategorie steuerzahlender Bürger als Zuhälter bezeichnen?" Ein Staatsanwalt hatte festgestellt, dass sich die Straßenhändler "vielfach aus Zuhältern und ähnlichen Individuen" rekrutierten.


02.09.1907

Die Behörden von Großlichterfelde bei Berlin weisen in einer Bekanntmachung darauf hin, dass russische und österreichisch-polnische Gastarbeiter nur in der Landwirtschaft, nicht aber in der Industrie beschäftigt werden dürfen. An alle Betriebe ergeht die Aufforderung, die Fremdarbeiter bis zum 1. Oktober zu entlassen. Die Arbeiter selbst werden angewiesen, "bei Vermeidung des Zwangstransports den Ort spätestens bis 15. Oktober des Jahres zu verlassen".


23.09.1907

In Berlin wird ein neuer Fall sozialer Ausbeutung bekannt. Die Wäschefabrik Jakoby beschäftigt hier zehn taubstumme Mädchen im Alter von 14 bis 16 Jahren mit der Herstellung von Knopflöchern. Die Mädchen, die aus der Taubstummen-Anstalt kommen, erhalten als Lohn für die Akkordarbeit 6 Mark wöchentlich, ab der zehnten Woche 10 Mark wöchentlich. Von diesem Lohn werden die Kosten für verbrauchte Nadeln und Garn abgezogen.


04.11.1907

Die fünfte Strafkammer des Landgerichts I in Berlin verurteilt zwei zwölfjährige Mädchen zu einer Strafe von einer bzw. von zwei Wochen Gefängnis. Die beiden hatten wiederholt kleinen Kindern Geld abgenommen, das ihnen von den Eltern zum Einkaufen mitgegeben worden war.


09.11.1907

Einen starken Rückgang der männlichen Prostitution Unter den Linden und an den anderen Homosexuellentreffs in Berlin registriert die Polizei seit dem Harden-Moltke-Prozeß. Jährlich werden in Berlin zwischen 1000 und 1200 Männer festgenommen, die in Frauen- oder Männerkleidern auf Kundenfang aus sind. Meist bleibt es jedoch bei der Feststellung der Personalien.


16.11.1907

Der Berliner Polizei gelingt die Verhaftung einer jugendlichen Diebesbande von 15 Knaben unter der Leitung des 14jährigen Alfred Hirtel. Die Jungen nächtigten seit den Sommerferien in Lauben, auf Möbelwagen, in Kanalisationsröhren sowie Höhlen und betrieben ein einträgliches Raubgeschäft. Dabei scheuten sie auch vor offenem Straßenraub nicht zurück.


10.12.1907

Im Roten Rathaus in Berlin finden erregte Debatten über die Schulspeisung bedürftiger Kinder statt. Nach Untersuchungen erhalten fast 10 000 Berliner Schulkinder mittags von ihren Eltern nichts zu essen.


29.12.1907

In Berlin und Umgebung unternimmt die Kriminalpolizei in der Nacht zum Montag eine großangelegte Jagd auf Zigeuner. Ziel der Razzia ist die Festnahme eines Mannes, der in Stettin aus verschmähter Liebe seinen Nebenbuhler erschossen hat und seither auf der Flucht ist.


03.01.1908

Der Schriftsteller Maximilian Harden wird in Berlin wegen Beleidigung des Stadtkommandanten Kuno Graf von Moltke, dem er homosexuelle Neigungen vorgeworfen hatte, zu vier Monaten Gefängnis verurteilt.


23.01.1908

Ein Kriegsgericht in Potsdam verurteilt Major a. D. Johannes Graf zu Lynar wegen Mißbrauchs der Dienstgewalt und sittlicher Verfehlungen mit Untergebenen zu einem Jahr und drei Monaten Gefängnis. Der zweite Angeklagte, Generalleutnant Bernhard Graf von Hohenau, wird wegen nicht bewiesener Schuld freigesprochen. Das Verfahren steht in Zusammenhang mit der Eulenburg-Affäre.


16.08.1908

Wilhelm Voigt, der "Hauptmann von Köpenick", wird begnadigt und aus dem Gefängnis entlassen. Voigt war 1906 wegen Überfalls auf die Stadtkasse des Berliner Vororts Köpenick zu vier Jahren Gefängnis verurteilt worden.


26.08.1908

In Berlin findet ein Run auf die Friedrichsberger Bank statt. Ein Lehrer hatte in der Schule das Gerücht verbreitet, dass die Bank in Zahlungsschwierigkeiten sei. Daraufhin erfolgt ein Sturm auf die Bank. In drei Tagen werden 840 000 Mark abgehoben. Die Bank erstattet Strafanzeige gegen den Lehrer.


08.10.1909

In Berlin wird eine neuartige Schutzvorrichtung gegen Unfälle bei Straßenbahnen vorgestellt. Dabei tastet ein Fühler die Schienen vor der Bahn ab, um bei einem eventuellen Hindernis ein Schutzgitter herabzulassen, das eine möglicherweise auf den Gleisen liegende Person aufnimmt. Damit sollen tödliche Unfälle und Selbstmordversuche in Zukunft unmöglich gemacht werden.


19.03.1910

Die Berliner Strafkammer verurteilt den Arbeiter Anton Woytko zu drei Monaten und einer Woche Gefängnis wegen Beamtenbeleidigung, tätlichen Angriffs, Widerstandes gegen die Staatsgewalt und Bedrohung mit dem Tode. Woytko hatte während des "Wahlrechtsspaziergangs" am 13. März Schutzleute als "Bluthunde" beschimpft, einen Mauerstein aufgehoben und sich auf einen Polizisten gestürzt mit den Worten "Dich schlage ich tot".


14.04.1910

Bei der Beratung des Eisenbahnetats im preußischen Abgeordnetenhaus in Berlin prangert der SPD-Politiker Robert Leinert die niedrigen Löhne der Eisenbahnarbeiter an, die nur 85 bis 96 Mark monatlich verdienen, "während zur Renovierung der Wohnung eines Eisenbahndirektionspräsidenten 6000 bis 20 000 Mark aufgewendet werden". Paul von Breitenbach, der Minister für öffentliche Arbeiten, stellt in seiner Antwort klar, "dass Eisenbahner, die sich sozialdemokratischen Verbänden anschließen, entlassen werden".


08.06.1910

In Potsdam findet die Vermählung des Prinzen Friedrich Wilhelm von Preußen mit Prinzessin Agathe von Ratibor und Corvey statt. Kaiser Wilhelm II., das Oberhaupt der evangelischen Landeskirche in Preußen, hat die Einwilligung zur Heirat seines Sohnes mit einer Katholikin gegeben.


12.06.1910

In der Jungfernheide bei Berlin werden durch Blitzschlag sechs Menschen getötet, 17 werden schwer und etwa 80 leicht verletzt.


29.08.1910

In Berlin-Spandau werden zwei Fälle von Cholera registriert.


19.09.1910

In Berlin treten Arbeiter und Kutscher der Kohlenfirma Ernst Kupfer & Co. in den Ausstand. Der zunächst relativ unbedeutende Lohnkampf löst die Moabiter Krawalle aus.


24.09.1910

In Berlin beginnen die Moabiter Krawalle.


30.09.1910

Der Berliner Polizeipräsident Traugott von Jagow weist die Beschwerden der britischen und US-amerikanischen Botschaft wegen der Mißhandlung von Journalisten durch Polizeibeamte während der Moabiter Krawalle zurück mit der Begründung: "Sie und Ihre journalistischen Kollegen begaben sich mutig, aber ordnungswidrig in eine zusammengerottete Menschenmenge."


08.10.1910

Bei einem Polizeieinsatz während der Unruhen in Berlin-Moabit werden zwei Arbeiter getötet.


17.12.1910

Die Vereinsbrauerei der Berliner Gastwirte nimmt den neuen Namen "Berliner Kindl" an.


11.01.1911

Ein Berliner Gericht weist bei der Urteilsverkündung im ersten Moabiter Krawallprozeß darauf hin, das es zu schweren Mißhandlungen durch Berliner Polizeibeamte gekommen sei.


19.07.1911

Von einem Berliner Gericht wird Freiherr Oswald von Richthofen zu zwei Jahren Festungshaft verurteilt. Er war an einem Duell mit tödlichem Ausgang beteiligt.


05.08.1911

Traugott von Jagow, Berlins Polizeipräsident, gibt Anweisung, das jeder Polizist bestraft wird, der im Einsatz zu spät oder gar nicht von seiner Dienstwaffe Gebrauch macht. Als Begründung wird die lebensgefährliche Verletzung eines Schutzmannes beim Kampf mit Einbrechern in der vergangenen Nacht angegeben.


24.12.1911

71 Menschen sterben in Berlin an Methylalkoholvergiftung, das sie von dem Berliner Drogisten Julius Scharmach gekauft hatten. Am 02.01.1912 wird Julius Scharmach verhaftet, und am 04.05.1912 in einem Prozeß von einem Berliner Gericht zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt.


02.01.1912

Der Berliner Drogist Julius Scharmach wird wegen unerlaubten Verkaufs giftigen Methylalkohols verhaftet. Durch den Genuß des Getränks waren am vergangenen Weihnachtsfest 163 Berliner gestorben.


15.04.1912

Die erste Telefonzelle wird in Berlin-Charlottenburg eingeweiht.


09.05.1912

Der sozialdemokratische Abgeordnete Julian Borchardt wird mit Polizeigewalt zum Verlassen des Preußischen Landtags gezwungen.

Vor dem Berliner Oberverwaltungsgericht wird das von Polizeipräsident Traugott von Jagow im August 1911 ausgesprochene Hutverbot verhandelt. Demnach ist den Damen das Tragen von Hüten in den Theaterlogen untersagt, wobei die Theaterleiter für die Befolgung des Verbots verantwortlich sind. Dagegen richtet sich eine Klage der Verbands Berliner Bühnenleiter. Das Gericht erkennt diese Verordnung als gesetzwidrig an.


17.08.1912

In Berlin tritt eine neue Droschkenordnung in Kraft. In ihr ist u.a. festgelegt, dass die Kraftdroschken einen dunkelblauen oder dunkelgrünen, mit schmalen roten Streifen abgesetzten Anstrich tragen müssen.


26.08.1912

In Berlin wird die Charlottenburger Synagoge eingeweiht. Es ist das siebte jüdische Gotteshaus in der Reichshauptstadt.


06.09.1912

Die Oberpostdirektion Berlin beschließt, einem Rechtsanwalt den Telefonanschluß zu sperren. Der Teilnehmer hatte die Telefonistinnen mehrmals wegen schlechter Verbindungen beschimpft und auf Ermahnungen von seiten der Post nicht reagiert.


22.09.1912

Tödlich endet der Versuch des 20jährigen Berliners Erich Bittner, mit einem selbstgebauten Fallschirm von der Siegessäule auf dem Platz vor dem Reichstag zu springen.


28.09.1912

Der sozialdemokratische Abgeordnete des preußischen Landtages, Julian Borchardt, wird wegen Hausfriedensbruchs und Widerstands gegen die Staatsgewalt zu 100 Mark Geldstrafe verurteilt. Das Urteil bezieht sich auf eine Auseinandersetzung vom Mai im Landtag. Borchardt hatte sich geweigert, den Landtag trotz Verweises durch den Präsidenten freiwillig zu verlassen.


06.12.1912

In der kanadischen Stadt Winnipeg verhaftet die Polizei den aus Berlin geflüchteten Kassenboten Gustav Bruning, der am 26. Juni von der Berliner Filiale der Dresdner Bank 260 000 Mark gestohlen hat.


29.12.1912

Die Berliner Behörden teilen mit, dass vom 1. April bis zum 27. Dezember 6500 uneheliche Kinder in der Stadt geboren wurden. Seit dem 1. April 1912 sind die Standesämter verpflichtet, dem Vormundschaftsamt solche Geburten mitzuteilen.


18.04.1913

In der Berliner Universitätsbibliothek wird ein an der juristischen Fakultät immatrikulierter ungarischer Rechtsanwalt als Bücherdieb festgenommen. Er hat aus verschiedenen Büchern wertvolle Seiten herausgetrennt und mitgenommen, aber auch vollständige Bücher gestohlen. In seiner Wohnung werden außerdem Bücher aus der Leipziger Universitätsbibliothek gefunden.


20.12.1913

Nachdem sich die Geschäftsleitung der Deutschen Bank in Berlin weigert, ihren Angestellten das Recht zur gewerkschaftlichen Organisation schriftlich zu bestätigen, verkünden die Freien Gewerkschaften einen Boykott des Bankinstitutes. Gleichzeitig sollten nach gewerkschaftlicher Ansicht bei Geldgeschäften Banken bevorzugt werden, die ihren Mitarbeitern ein Recht auf gewerkschaftliche Organisation garantieren.


26.02.1914

Elf Menschen kommen in Berlin-Rummelsburg ums Leben, als eine Nitrobenzolfabrik explodiert.


01.08.1914

Um 17 Uhr verfügt der deutsche Kaiser Wilhelm II. die Generalmobilmachung im Deutschen Reich. Zwei Stunden später erfolgt in Sankt Petersburg die deutsche Kriegserklärung an Russland.

Kriegserklärung und Generalmobilmachung lösen im Deutschen Reich eine Welle nationalistischer Hysterie aus. Der deutsche Kaiser Wilhelm II. erklärt von seinem Berliner Schloss aus der aufgeputschten Menge: "In dem jetzt bevorstehenden Kampfe kenne Ich in Meinem Volke keine Parteien mehr. Es gibt unter uns nur noch Deutsche." Die Mobilmachung trat am 2. August in Kraft.


04.08.1914

Das 2. Garde-Regiment zu Fuß marschiert feldmarschmäßig ausgerüstet von der Kaserne in der Friedrichstraße über die Charlottenburger Chaussee zum Bahnhof Westend, um von dort Richtung Front verladen zu werden. Es wurde von Tausenden Berlinern begleitet.


22.08.1914

In Berlin treffen die ersten Transporte mit an der Front verwundeten deutschen Soldaten ein. Die Verletzten werden in Lazarette eingeliefert, die u.a. in der Universität, im Luna-Park und im Freibad am Müggelsee eingerichtet worden sind.


06.11.1914

Die deutsche Regierung beschließt die Verhaftung sämtlicher britischer Männer im Alter zwischen 17 und 55 Jahren, die sich im Deutschen Reich aufhalten. Sie werden im Lager Ruhleben bei Berlin unter militärischer Bewachung festgesetzt. Ausgenommen von der Regelung sind lediglich Geistliche und Ärzte.


17.12.1914

Ein Explosionsunglück im Kaiser-Wilhelm-Institut für physikalische Chemie und Elektrochemie in Berlin-Dahlem fordert ein Todesopfer. Das von dem deutschen Chemiker Fritz Haber geleitete Institut befaßt sich u.a. mit der Entwicklung von Gaskampfstoffen für das deutsche Militär.


11.01.1915

In Berlin und der Provinz Brandenburg wird der Verkauf von Wolldecken verboten. Die vorhandenen Bestände werden für den Heeresbedarf beschlagnahmt.


05.03.1915

Der Verkauf von Weizen- und Roggenmehl wird in Berlin am Freitag, Samstag und Sonntag jeder Woche untersagt. Dadurch soll das Horten von Mehl erschwert werden.


26.03.1915

In den privaten Haushalten in Berlin ist das Kuchenbacken bis zum 12. April verboten. Anlaß für diese Bestimmung ist die Befürchtung, dass für die Osterkuchen zuviel Mehl verbraucht werden könnte. Das Backen von Kuchen mit Hefe oder Backpulver ist über den 12. April hinaus untersagt.


22.04.1915

Ein Straßenbahnunglück am Berliner Reichstagsufer, bei dem ein Straßenbahnwagen in die Spree stürzt, fordert fünf Todesopfer; acht Personen werden verletzt.


26.05.1915

Um die Verschwendung von Nahrungsmitteln einzuschränken, dürfen auf Anordnung des Polizeipräsidiums in Berliner Gaststätten vom 1. Juni an keine Menüs mehr angeboten werden. Außerdem soll mehr Gemüse und weniger Fleisch und Kartoffeln gereicht werden.


02.09.1915

Der Bundesrat beschließt eine Verordnung über die Einschränkung des Milchverbrauchs, die u.a. die Verwendung von Sahne zum Backen sowie den sonstigen Verbrauch von Schlagsahne verbietet.


07.09.1915

Der Berliner Polizeipräsident erlässt eine Verordnung, durch die der Branntwein- und Spirituosenausschank in Berlin eingeschränkt wird. Der Ausschank wird u.a. zwischen 21:00 Uhr und 9:00 Uhr sowie in allen Lokalen mit weiblicher Bedienung untersagt.


19.10.1915

Der türkische Botschafter im Deutschen Reich rechtfertigt in Berlin die Verfolgung und Ermordung der armenischen Bevölkerung im Osmanischen Reich damit, dass die christlichen Armenier einen Aufstand gegen die moslemische Bevölkerung geplant und sich auf die Seite Russlands gestellt hätten.


26.10.1915

Auf einer Konferenz der Zentralstelle für Volkswohlfahrt in Berlin wird betont, dass die durch den Krieg verursachten Bevölkerungsverluste durch eine geringe Steigerung der ehelichen Fruchtbarkeit auszugleichen seien.


15.12.1915

Der Berliner Polizeipräsident ordnet an, dass am Heiligabend und zu Silvester der Verkauf von Fleisch nicht wie an anderen Freitagen untersagt ist.


18.12.1915

In Berlin wird die Gründung der "Genossenschaft zur Verwertung musikalischer Aufführungsrechte" (GEMA) bekanntgegeben. Die GEMA soll im Auftrag der Komponisten und Texter die Tantiemen für die Aufführung von deren Musikstücken einziehen.


23.12.1915

In der Berliner Innenstadt kann ein Schlachtfeld besichtigt werden. Auf dem Gelände der Ausstellungshallen am Zoo sind vom Garde-Pionier-Bataillon Schützengräben und Unterkünfte nachgebaut worden, um der Bevölkerung einen Einblick in den Alltag der Frontsoldaten zu vermitteln.


09.02.1916

Wegen Vergehens gegen die Bestimmungen des Belagerungszustandes wird der "Vorwärts"-Redakteur Ernst Meyer in Berlin zu einer Woche Gefängnis verurteilt. Meyer hatte entgegen der seit 1915 geltenden Richtlinien über die Kriegsziele geschrieben.


12.03.1916

In Groß-Berlin wird die Butterkarte eingeführt. Erwachsene erhalten pro Woche 125 g, Kinder bis 14 Jahren 62,5 g, Kinder unter zwei Jahren haben keinen Anspruch auf Butter.


27.04.1916

Im engsten Familienkreis heiraten in Klein-Glienicke bei Berlin Prinz Friedrich Sigismund von Preußen und Prinzessin Marie von Schaumburg-Lippe. Der Bräutigam ist ein Neffe von Kaiser Wilhelm II.


01.05.1916

Auf dem Potsdamer Platz in Berlin demonstriert der Reichstagsabgeordnete Karl Liebknecht gegen den Krieg und wird verhaftet.


28.05.1916

Der bisherige Berliner Polizeipräsident Traugott von Jagow wird zum Regierungspräsidenten von Breslau ernannt. Seine Nachfolge übernimmt der bisherige Breslauer Polizeipräsident Heinrich von Oppen.


28.06.1916

Das Kommandanturgericht Berlin verurteilt Karl Liebknecht wegen versuchten Kriegsverrats, erschwerten Ungehorsams und Widerstand gegen die Staatsgewalt zu zwei Jahren, sechs Monaten und drei Tagen Zuchthaus und Entfernung aus dem Heer. Daraufhin kommt es in Berlin, Braunschweig und Bremen zu den ersten Massenstreiks während des Krieges, die jeweils nach kurzer Zeit beendet werden.


10.07.1916

In Berlin wird die erste Großküche für Bedürftige eröffnet. Pro Tag können hier bis zu 30 000 Menschen eine warme Mahlzeit erhalten.


28.07.1916

Das Reichstagsgebäude in Berlin erhält über dem Eingang die Inschrift "Dem deutschen Volke".


23.08.1916

Das Oberkriegsgericht Berlin verurteilt Karl Liebknecht wegen seiner Anti-Kriegskundgebung am 1. Mai in der Berufungsverhandlung zu vier Jahren und einem Monat Zuchthaus, zur Entfernung aus dem Heer und zur Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von sechs Jahren.


13.11.1916

Die auf Anregung des Berliner Magistrats von den Schlachtermeistern entwickelte Einheitswurst wird in den Handel gebracht. Je nach Qualität kostet die Leber- bzw. Blutwurst 1,20 Mark (mit Semmelzusatz) oder 1,60 Mark.


05.02.1917

In Berlin erregen einige Elefanten aus dem Hamburger Tierpark Hagenbeck Aufsehen, weil sie zu Reklamezwecken Wagen mit Zeitungspapier des Verlagshauses Ullstein ziehen.


09.02.1917

Eine Pockenepidemie löst Unruhe in der Bevölkerung Berlins aus. In Rathenow sind mehrere Erkrankungen festgestellt worden.


24.02.1917

Wegen des Kohlen- und Holzmangels werden in Berlin sämtliche Schulen geschlossen.


05.03.1917

Fünf neue Pockenfälle werden in Berlin bekannt. Seit Jahresbeginn sind 85 Menschen an der Infektion erkrankt.


12.03.1917

In Berlin sind zur Zeit 135 Pockenerkrankungen gemeldet. Hinzu kommen zahlreiche Fälle von Hungertyphus.


30.04.1917

Die Bevölkerung Berlins hamstert Nickel- und Silbermünzen. Als Wechselgeld werden wegen des Mangels an Münzen Briefmarken ausgegeben.


01.06.1917

Das Ministerium für Wohnungswesen in Berlin warnt Hauseigentümer und Vermieter im Deutschen Reich vor neuen Mietern, die sich nur zum Schein polizeilich anmelden, in Wahrheit aber in ihrer alten Wohnung bleiben. Die Betrüger versuchen auf diese Weise, sich zusätzliche Lebensmittelkarten zu beschaffen.


14.06.1917

Das Kriegsernährungsministerium in Berlin teilt mit, dass die Kartoffelvorräte im Deutschen Reich vollständig erschöpft sind.


28.06.1917

Im Betrugsverfahren gegen Margarethe Kupfer in Berlin werden die Einnahmen der Betrügerin vom Gericht mit 6,7 Millionen Mark beziffert.


20.07.1917

Die Reichsbekleidungsstelle in Berlin verbietet die Verwendung von Stoffservietten. Hotels dürfen nur noch alle sieben Tage die Bettwäsche wechseln.


28.07.1917

In Berlin wird das Weinrestaurant "Unter den Linden" wegen überhöhter Preise vom Reichswucheramt geschlossen.


30.07.1917

In Berlin wird das Weinrestaurant "Karl Hiller" wegen Kriegswucher vom Reichswucheramt geschlossen.


24.08.1917

Die Reichsbekleidungsstelle in Berlin beschlagnahmt Bett-, Haus- und Tischwäsche von gewerbetreibenden Betrieben. Eingeschlossen in die Verordnung sind auch Kurheime und private Krankenhäuser.


31.08.1917

In Berlin kommt es zu Lebensmittelunruhen, auf den Märkten werden zahlreiche Stände geplündert.


04.10.1917

In Berlin findet ein Entmündigungsprozeß gegen den preußischen Prinzen Friedrich Leopold statt. Der mit 900 000 Mark verschuldete Prinz hatte 5000 Mark monatliche Unterstützung aus seinem Erbe verlangt.


21.01.1918

Die größte Briefmarkensammlung der Welt hat der vor kurzem verstorbene französische Adlige Philippe de la Renotière von Ferrary dem deutschen Postmuseum in Berlin vermacht. Der Wert der etwa 200 000 Briefmarken wird auf etwa 400000 Pfund Sterling geschätzt.


01.02.1918

Um die Massenstreiks der Industriearbeiterschaft in Berlin zu beenden, unterstellt Generaloberst Joachim von Kessel im Auftrag des Kaisers sieben Berliner Großbetriebe der Militäraufsicht. Falls die Arbeiter bis zum 4. Februar die Arbeit nicht wieder aufgenommen haben, droht ihnen schwere Strafe.


04.02.1918

Zu fünf Jahren Festungshaft wegen versuchten Landesverrats wird der USPD-Reichstagsabgeordnete Wilhelm Dittmann in Berlin verurteilt.


28.04.1918

Die Berliner Bevölkerung wird aufgefordert, leicht entbehrliche Metallgegenstände bei den Behörden abzuliefern. Dabei ist besonders an Fenster- und Türgriffe gedacht.


08.06.1918

Die Reichsbekleidungsstelle in Berlin verbietet den Gebrauch von Tischwäsche im Gaststätten- und Hotelgewerbe. Bislang konnten Tischdecken noch benutzt werden, wenn die Tischplatten unansehnlich waren. Das jetzt erlassene Verbot soll den "unnötigen" Verbrauch von Textilien im zivilen Bereich weiter einzudämmen.


21.06.1918

Eine Explosion zerstört die Räumlichkeiten der nationalen Filmgesellschaft in der deutschen Reichshauptstadt Berlin. Dem anschließenden Brand fallen 15 Menschen zum Opfer.


04.07.1918

In Berlin findet der Austausch der Ratifikationsurkunden zum Friedensvertrag zwischen Österreich-Ungarn und der russischen Sowjetrepublik statt.


12.09.1918

Der Salon der Gräfin Margarethe von Fischler-Treuberg in Berlin wird durch die Polizei aufgelöst. Der Gräfin wird vorgeworfen, sie habe in ihren Räumlichkeiten zersetzende Unterhaltungen über die mangelhaften Siegesaussichten der Mittelmächte geduldet. Sie wird einstweilen in einer märkischen Kleinstadt interniert.


13.09.1918

In Berlin erklärt Prinz Friedrich Karl von Hessen seine Bereitschaft, König von Finnland zu werden.


19.09.1918

Nach einer Parteiversammlung der Unabhängigen Sozialdemokraten (USPD) in Berlin wird der Abgeordnete Adolf Hoffmann verhaftet. Ein Polizeioffizier hatte die Versammlung aufgelöst, als der Reichstagsabgeordnete Hugo Haase sprechen wollte. Daraufhin soll die Polizei von Versammlungsteilnehmern tätlich angegriffen worden sein.


27.09.1918

Untersuchungen des Berliner Kriegswucheramtes ergeben, dass mehrere, vom Amt beschlagnahmte Eisenbahnwaggons samt Inhalt verschwunden sind. Das Material wurde offenkundig von höheren Beamten der Behörde illegal verkauft bzw. gegen Bestechungsgelder an die Besitzer zurückgegeben.


06.10.1918

Bei einem Postraub in Berlin fallen den Räubern mehrere Millionen Mark in die Hände. Bei diesem in der Kriminalgeschichte beispiellosen Fall gelingt es nicht, die Täter zu fassen.


08.10.1918

Nach offiziellen Angaben gibt es in Berlin zurzeit 17 akut an Cholera erkrankte Personen. 13 Patienten sind der Seuche bereits erlegen.


12.10.1918

Die 10 000 Lokomotive verlässt das Borsig-Werk in Berlin Tegel.


09.11.1918

In Berlin wird vom Reichstag aus die deutsche Republik durch den Sozialdemokraten Philipp Scheidemann proklamiert.

Karl Liebknecht ruft in Berlin vor dem königlichen Schloss die Räterepublik aus.

In Berlin wird der Generalstreik ausgerufen, dem sich rasch auch Truppenteile anschließen.


12.11.1918

In Berlin tritt erstmals die revolutionäre preußische Regierung unter der Kontrolle der Arbeiter- und Soldatenräte zusammen. Einer der ersten Beschlüsse ist die Beschlagnahmung des gesamten Vermögens des Königshauses.


06.12.1918

Ein Putschversuch von Offizieren und Soldaten in Berlin, der sich gegen die Macht der Arbeiter- und Soldatenräte richtet, schlägt fehl. - Im Verlauf der Unruhen kommen bei tumultartigen Auseinandersetzungen zwischen Spartakisten und Regierungstruppen 16 Menschen ums Leben.


23.12.1918

Wegen noch ausstehender Lohnzahlungen besetzen Matrosen der Volksmarinedivision das Berliner Schloss sowie die Reichskanzlei und nehmen den Stadtkommandanten Otto Wels (SPD) fest.


24.12.1918

Auf Befehl des Reichskanzlers Friedrich Ebert gehen Truppenverbände gegen die Matrosen vor, die seit dem Vortag das Berliner Schloss besetzt halten.


gefallene Soldaten 1914 - 1918

gefallene Soldaten jüdischen Glaubens der Stadt Berlin im ersten Weltkrieg 1914-1918

Hahn Richard * 17.06.1890 Berlin, Wohnort Aachen
1. I. R. 25 + 06.09.1914


04.01.1919

Der provisorische preußische Ministerpräsident und Innenminister Paul Hirsch (MSPD) verfügt die Entlassung des Berliner Polizeipräsidenten Emil Eichhorn (USPD).


07.01.1919

Während des Spartakusaufstands in Berlin besetzen die Aufständischen die Eisenbahndirektion, das Haupttelegrafen- und das Proviantamt, das Brandenburger Tor und den Schlesischen Bahnhof.


08.01.1919

Deutsche Regierungstruppen und Freikorps beginnen mit der Rückeroberung der von den Spartakisten besetzten öffentlichen Gebäude in Berlin.


10.01.1919

Deutsche Regierungstruppen besetzen Spandau. Die Spartakisten halten weiterhin Stellungen im Berliner Zeitungsviertel und im Polizeipräsidium am Alexanderplatz.


11.01.1919

Regierungstruppen erstürmen das von bewaffneten Spartakisten besetzte Gebäude des SPD- Zentralorgans "Vorwärts" in Berlin.


25.01.1919

Der ermordete deutsche Kommunistenführer Karl Liebknecht wird in Berlin beigesetzt.


12.02.1919

Der sowjetische Politiker Karl Radek wird in Berlin-Charlottenburg bei wegen kommunistischer Agitation verhaftet.


02.03.1919

General Paul von Lettow-Vorbeck zieht mit seiner Truppe nach der Rückkehr aus Ostafrika in Berlin ein.


25.03.1919

Der deutsche Bildhauer und Grafiker Wilhelm Lehmbruck scheidet in Berlin im Alter von 38 Jahren durch Freitod aus dem Leben.


03.05.1919

In Berlin kommt es zu bewaffneten Auseinandersetzungen, als die Polizei am Andreasplatz gegen den illegalen Straßenhandel und gegen die Schwarzhändler vorgeht.


19.05.1919

In Berlin beginnt der Prozeß gegen Georg Ledebour (USPD) wegen Rädelsführerschaft beim Spartakusaufstand.


31.05.1919

Die Leiche der am 15. Januar ermordeten kommunistischen Politikerin Rosa Luxemburg wird aus dem Landwehrkanal in Berlin geborgen; Rosa Luxemburg war von Soldaten getötet und in den Kanal geworfen worden.


06.06.1919

In Berlin beginnt ein 24 stündiger Generalstreik aus Protest gegen die Hinrichtung des Münchner Räteführers Eugen Leviné.


13.06.1919

Rosa Luxemburg, die am 15. Januar ermordet wurde, wird in Berlin beigesetzt.


23.06.1919

Soldaten der Berliner Freikorps verbrennen französische Fahnen, aus Protest gegen den Friedensvertrag von Versailles.


26.06.1919

In Berlin kommt es wegen steigender Lebensmittelpreise zu einem Eisenbahnerstreik.


07.07.1919

Die Firma Siemens in Berlin-Lichtenberg stellt wegen Kohlenmangels den Betrieb ein und kündigt 1500 Arbeitern.


12.07.1919

Bei einem Zusammenstoß zwischen Zivilisten und französischen Soldaten in Berlin wird ein französischer Sergeant erstochen.


06.08.1919

Die Berliner Presse meldet eine gemeinsame Aktion des Reichsernährungsamts und des Reichswirtschaftsministeriums gegen den wilden Handel. Der Schwarzmarkt im Deutschen Reich wird seit Monaten zunehmend aus den besetzten Gebieten versorgt. Lebens- und Genußmittel sowie Gebrauchsgegenstände aller Art werden in Massen eingeführt, zu einem großen Teil unter Mitwirkung der Besatzungssoldaten.


30.09.1919

Die Deutsche Nationalversammlung tagt erstmals nach ihrem Umzug aus Weimar im Berliner Reichstagsgebäude.


04.12.1919

Der sowjetische Politiker Karl Radek wird nach einem Dreivierteljahr Schutzhaft in Berlin nach Russland abgeschoben. Radek war mit dem Auftrag der sowjetischen Führung gekommen, die KPD zu unterstützen.


15.12.1919

In der preußischen Landesversammlung in Berlin beginnen dreitägige Beratungen über den Antrag der Regierungsparteien auf Schaffung eines deutschen Einheitsstaates ohne Länderparlamente. Angesichts des wirtschaftlichen Elends, so die Regierung, könne sich das Deutsche Reich nicht länger 168 Minister und 3000 Abgeordnete leisten.


28.12.1919

Berlin leidet unter strengem Frost. Temperaturen von bis zu 14 Grad unter dem Gefrierpunkt beeinträchtigen den Verkehr und verschlimmern die ohnehin kritische Lage in der Brennstoffversorgung.


13.01.1920

Bei einem Polizeieinsatz anlässlich einer Kundgebung gegen das Betriebsrätegesetz kommen in Berlin 42 Menschen ums Leben, 105 werden verletzt. Im Anschluß an die Kundgebung wird der Ausnahmezustand verhängt, führende Politiker von USPD und KPD werden festgenommen.


19.01.1920

In Berlin beginnt der Prozeß des Zentrumspolitikers und Reichsfinanzministers Matthias Erzberger gegen den Vorsitzenden der Deutschnationalen Volkspartei (DNVP), Karl Helfferich. Wie auch andere rechte Politiker hatte Helfferich mit verleumderischen Behauptungen zu einer Hetzkampagne gegen Erzberger beigetragen.


26.01.1920

Der ehemalige Fähnrich Oltwig von Hirschfeld verübt in Berlin ein Attentat auf den Zentrumspolitiker und Reichsfinanzminister Matthias Erzberger und verletzt ihn dabei. Hirschfeld, gibt "vaterländische Interessen" als Tatmotiv an.


21.02.1920

Ein Berliner Schwurgericht verurteilt den ehemaligen Fähnrich Oltwig von Hirschfeld zu der relativ milden Strafe von 18 Monaten Gefängnis. Hirschfeld hatte bei einem Attentat am 26. Januar den von Rechten angegriffenen Zentrumspolitiker und Reichsfinanzminister Matthias Erzberger verletzt.


06.03.1920

Zwischen Mitgliedern der französischen Kontrollkommission und deutschen Gästen - unter ihnen Prinz Joachim Albrecht von Preußen - kommt es in einem Berliner Hotel zu Zusammenstößen. Daraufhin entschuldigt sich die Reichsregierung bei den Franzosen. Prinz Joachim Albrecht wird in Schutzhaft genommen.


12.03.1920

Mit dem Anmarsch einer von Korvettenkapitän Hermann Ehrhardt geführten und in Döberitz stationierten Marinebrigade auf Berlin beginnt in der Nacht zum 13. März der Kapp-Putsch

Im Berliner Erzberger/Helfferich-Prozeß wird nach siebenwöchiger Verhandlung das Urteil gesprochen. Der deutschnationale Politiker und frühere Bankier Karl Helfferich wird wegen Beleidigung zu einer geringfügigen Strafe von 300 Mark verurteilt, gilt aber als Prozeßgewinner. Nach Verkündung des Urteils erklärt der Zentrumspolitiker und Reichsfinanzminister Matthias Erzberger seinen Rücktritt.


13.03.1920

Der 61jährige deutsche Jurist und Politiker Wolfgang Kapp erklärt sich in Berlin mit Unterstützung des putschistischen Generals Walther Freiherr von Lüttwitz in Berlin zum Reichskanzler.


01.04.1920

In Berlin beschließt die Reichsregierung den Einmarsch von Reichswehreinheiten in das aufständische Ruhrgebiet. Zugleich erörtern die Kabinettsmitglieder mögliche Folgen eines solchen Vorgehens für die dortige entmilitarisierte Zone. Frankreich hatte die Erlaubnis zum Einmarsch verweigert.


01.07.1920

Als erste kommunistische Abgeordnete hält die KPD-Politikerin Clara Zetkin eine Rede im deutschen Reichstag in Berlin. Sie legt dabei ein Bekenntnis zur internationalen Solidarität der Arbeiterklasse, besonders zur Sowjetunion, ab und fordert zum Kampf gegen Imperialismus und Militarismus auf. Neben Clara Zetkin ist die KPD durch Paul Levi im Reichstag vertreten.


14.07.1920

Deutsche Demonstranten reißen eine anlässlich des französischen Nationalfeiertags vor der französischen Botschaft in Berlin gehißte französische Flagge herunter. Die deutsche Regierung entschuldigt sich in Frankreich für den Vorfall, muss aber auf französische Forderung eine Reichswehreinheit zur Ehrenbezeugung antreten lassen.


18.07.1920

Prinz Joachim von Preußen, jüngster Sohn des früheren deutschen Kaisers Wilhelm II., kommt bei einem Selbstmordversuch in Berlin ums Leben. Der 1890 geborene Prinz litt an einer psychischen Krankheit.


01.10.1920

Das Groß-Berlin-Gesetz tritt in Kraft. Danach umfaßt die deutsche Hauptstadt durch die Eingemeindung u.a. von Charlottenburg, Köpenick, Lichtenberg und Neukölln in nunmehr 20 Bezirken 3,86 Mio. Einwohner.


06.11.1920

In Berlin beginnt ein Streik der Elektrizitätsarbeiter für höhere Löhne, dem sich die Beschäftigten von Gaswerken und Transportunternehmen anschließen. Dadurch werden öffentliches Leben, Industrie und Handel gelähmt. Mit einer Entlassungsdrohung durch den Magistrat wird der Abbruch des Streiks erzwungen.


23.12.1920

Im Urteil des Landgerichtes Berlin I wird dem Cotta-Verlag die Herausgabe des dritten Bandes von Otto von Bismarcks "Gedanken und Erinnerungen" weiterhin untersagt. Zur Begründung des Urteils führt das Gericht das Urheberrecht des früheren deutschen Kaisers Wilhelm II. an seinen von Bismarck verwerteten Briefen an. Der Verlag hatte gegen das zuvor ausgesprochene Verbot der Herausgabe geklagt.


06.01.1921

Das Berliner Gesundheitsamt meldet, dass von 485 000 Kindern der Stadt 29 000 (6%) an Tuberkulose erkrankt sind. Insgesamt sind 120 000 (24,7%) Kinder unterernährt, 77 000 (15,9%) krank und stark unterernährt.


20.01.1921

In Berlin wird der bisherige Stadtkämmerer Gustav Böß (DDP) als Nachfolger Adolf Wermuths (parteilos) zum neuen Oberbürgermeister gewählt.


15.02.1921

In Berlin verhaftet die Polizei die Putzmacherin Anna Sannek, eine Hochstaplerin, die sich als Gemahlin eines russischen Großfürsten ausgegeben und hohe Hotel- und Schmuckrechnungen bis zu 50 000 Mark unbezahlt gelassen hatte.


16.02.1921

In Berlin unternehmen die Kriminal- und die Schutzpolizei Unter den Linden eine großangelegte Razzia, da sich die Straße in den vorhergehenden Monaten zu einem Treffpunkt von Hehlern entwickelt hat. Mehr als 300 Personen werden untersucht.


15.03.1921

In Berlin wird der türkische Politiker Mehmet Talat Pascha von einem Armenier ermordet. Talat Pascha war als Großwesir 1917/18 maßgeblich an der Vertreibung der Armenier aus dem Osmanischen Reich beteiligt.


03.04.1921

Bei einem Galopprennen in Berlin-Karlshorst kommt es zu einem Skandal, als alle vier Pferde so langsam laufen, dass die Höchstzeit überschritten wird. Trotz der Disqualifikation der Pferde müssen die Wetten ausgezahlt werden.


21.04.1921

Die Dadaisten Johannes Baader, George Grosz und Wieland Herzfelde werden wegen Beleidigung der Reichswehr in der Mappe "Gott mit uns" von der Strafkammer des Berliner Landgerichts zu einer Geldstrafe verurteilt.


26.04.1921

Vor dem Berliner Landgericht wird ein Gastwirt zu 20 000 Mark Geldstrafe verurteilt, weil er Lebensmittel ohne Marken an alliierte Soldaten verkauft und die Sperrstunde häufig überschritten hat.


26.05.1921

Der Magistrat der Stadt Berlin gestattet die Beschäftigung von Tauschhändlern für Küchenabfälle. Bisher mußten Hausfrauen ihre Abfälle in Behältern in Häuserhöfen deponieren, nun aber können sie diese den Händlern verkaufen. Die Tauschhändler wiederum geben sie zu festgesetzten Preisen an die Verwaltung ab. Auf diese Weise wird eine geregelte Abfallbeseitigung gewährleistet.


06.06.1921

Das Landgericht Berlin verurteilt den Vorsitzenden der KPD, Heinrich Brandler, wegen Beteiligung an den Märzaufständen zu fünf Jahren Festungshaft.


17.06.1921

Im Reichstag kommt es zu Tumulten und Handgreiflichkeiten, als ein Abgeordneter der Deutschen Volkspartei (DVP) in einem Zwischenruf äußert, dass Kommunisten keine Deutschen seien und an die Wand gestellt werden müßten.


22.06.1921

In Berlin wird der Kommunist Max Hölz aufgrund seiner Beteiligung am Märzaufstand wegen Hochverrats und Totschlags zu einer lebenslänglichen Freiheitsstrafe und dem Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte verurteilt.


23.06.1921

Auf Anordnung der alliierten Reparationskommission wird das Wachregiment Berlin aufgelöst. Die im Versailler Vertrag festgelegte Höchstgrenze von 21 Infanterieregimentern der Reichswehr sei durch diese Truppeneinheit überschritten.


30.07.1921

In Berlin werden bei der Durchsuchung mehrerer Wettbüros und "Sportbanken" 12 Mio. Mark sichergestellt. Den Besitzern wird Steuerhinterziehung vorgeworfen.

In Berlin beginnt eine Reihe von Prozessen gegen Frauen, die spiritistische Sitzungen veranstaltet haben, bei denen Kunden hofften, mit ihren im Weltkrieg gefallenen Angehörigen in Verbindung zu treten.


22.08.1921

In Berlin wird der Arbeiter Karl Graßmann verhaftet. Er soll 20 Frauen getötet haben.


07.09.1921

Das Reichsjustizministerium in Berlin ordnet eine Untersuchung der Behandlung von Max Hölz im Moabiter Zuchthaus an. Hölz, der maßgeblich an den Märzaufständen in Mitteldeutschland beteiligt war, hatte sich über Mißhandlungen der Aufseher beschwert.


11.09.1921

Der Wettbüroinhaber Max Klante meldet den Konkurs seines Berliner Konzerns an und wird kurz darauf verhaftet. Er hatte innerhalb eines Jahres 60 000 Menschen um insgesamt 100 Mio. Mark betrogen.


12.09.1921

Die städtischen Beamten Berlins treten für die Dauer eines Tages in den Streik, weil ihr Tarifvertrag von 1919 gekündigt wurde. Die Reichshauptstadt ist ohne Strom, und die Gasversorgung sowie der Straßenbahnverkehr sind überwiegend lahmgelegt. Ebenso liegt die Produktion in den Fabriken still.


25.10.1921

Der Zentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens veranstaltet in Berlin eine Kundgebung gegen antisemitische Angriffe, vor allem von seiten des ehemaligen Generalquartiermeisters des deutschen Heeres, Erich Ludendorff. Dieser hatte in der Öffentlichkeit geäußert, die deutschen Juden hätten die Niederlage im Weltkrieg gewollt.


28.10.1921

Im Berliner Vorort Ketzin überfallen sechs Männer ein Postgebäude und erbeuten 80 000 Mark Bargeld sowie Wertpapiere im Wert von 300 000 Mark. Da sie alle Telefon- und Telegrafendrähte in Ketzin vorher durchschnitten haben, können sie flüchten, bevor die Berliner Polizei verständigt ist. Der Polizeipräsident von Berlin beklagt nach Bekanntwerden des Coups ein starkes Ansteigen derartiger Überfälle.


30.10.1921

Auf dem Berliner Wannsee ereignet sich ein schweres Unglück. Der Dampfer "Kaiser Wilhelm der Große" rammt den Dampfer "Storkow", der nach wenigen Minuten sinkt. 20 Personen ertrinken. Als Ursachen gibt die Polizei die Baufälligkeit des "Kaiser Wilhelm" und die Trunkenheit des Kapitäns an.


16.11.1921

Zum wiederholten Mal wird in Berlin-Neukölln ein Lebensmittelgroßhandel von rund 200 arbeitslosen Männern geplündert. Auch in anderen Stadtteilen der Reichshauptstadt werden Metzgereien ausgeraubt.


17.11.1921

Ein viertägiger Lohnstreik der Potsdamer Leichenträger wird beendet, nachdem die Bestattungsunternehmer die Erfüllung der Forderung zugesichert haben. Die überfüllten Leichenhallen hatten eine schnelle Beendigung des Ausstands nötig gemacht.


18.11.1921

Die Theaterdirektion und die Schauspieler der Theateraufführung von Arthur Schnitzlers "Der Reigen" werden vom Landgericht Berlin vom Vorwurf der Erregung öffentlichen Ärgernisses freigesprochen.


22.11.1921

Eine Gruppe von rund 100 Arbeitslosen versucht im Berliner Stadtteil Pankow, das Arbeitsamt zu besetzen und die Kasse auszurauben. Zuvor war es in Neukölln zu Plünderungen von Lebensmittelgeschäften gekommen.


23.11.1921

In einer Sitzung des preußischen Landtags in Berlin, deren geordneter Ablauf durch ausgestreutes Niespulver beeinträchtigt wird, wirft der KPD-Abgeordnete Wilhelm Pieck eine Stinkbombe unter die Fraktionsbänke der Deutschnationalen.


15.12.1921

Der Polizeipräsident von Berlin erlässt eine neue Dienstmannsordnung. Wer als selbständiger Dienstmann arbeiten will, muss für seine Lizenz 5000 Mark zahlen und sich verpflichten, "bei der Ausübung seines Gewerbes weder in zerrissener oder unsauberer Kleidung noch in angetrunkenem Zustande zu erscheinen und sich gegen das Publikum in höflicher Weise zu betragen".


30.12.1921

Der rumänische Hochstapler Addje Aurel wird von der Strafkammer des Berliner Landgerichts zu vier Jahren Gefängnis und Ehrverlust verurteilt. Er hatte von einer vertrauensseligen Witwe, die ihm sogar glaubte, er stamme von dem römischen Kaiser Mark Aurel ab, insgesamt 106 000 Mark erschlichen. Aurel verbrachte dann die meiste Zeit auf Reisen, auf denen er sich angeblich mit seiner Familie aussöhnen wollte. Diese hatte ihn verstoßen, weil er im Weltkrieg auf deutscher Seite kämpfte.


15.01.1922

In Berlin schließen sich Vertreter der deutschen Juden zusammen, um über die Schaffung eines Fonds für die Gründung einer jüdischen Heimstätte in Palästina zu beraten.


20.01.1922

Bei einem Brand des Sarotti-Werks in Berlin-Tempelhof brennt das Fabrikgebäude völlig aus.


21.01.1922

Der preußische Landtag in Berlin beschließt mit 191 gegen 36 Stimmen Disziplinierungsmaßnahmen für Abgeordnete, die wegen grober Ordnungsstörung auf Tage oder Wochen von den Sitzungen ausgeschlossen werden müssen. Ihnen sollen künftig für diese Zeit auch die ihnen zustehenden Tagegelder entzogen werden.


15.02.1922

Das berühmte "Castans Panoptikum" in Berlin muss geschlossen werden. Die Ausstellungsstücke kommen zur Versteigerung.


16.02.1922

Die Abgeordneten des deutschen Reichstages in Berlin diskutieren aufgrund einer Anfrage der Bayerischen Volkspartei (BVP) den Fall der Entführung eines deutschen Kindes in Frankreich während des Weltkrieges. Die Fraktion der BVP versucht, eine private familiäre Auseinandersetzung zu einem Politikum hochzustilisieren. Das achtjährige Kind war während des Krieges in eine französische Familie gekommen, die für eine Rückgabe an die deutschen Eltern 100 000 Mark verlangt.


24.02.1922

Auf einer von der Kommunistischen Partei veranstalteten Kundgebung in Berlin protestieren Tausende von Teilnehmern gegen die Auslieferung der Attentäter des spanischen Ministerpräsidenten Eduardo Dato Iradier an Spanien durch die deutsche Justiz. Der konservative Politiker wurde im März 1921 Opfer eines von linken anarchistischen Gruppen verübten Attentats.


17.03.1922

In Berlin entdeckt die Polizei eine von Kommunisten installierte Funkanlage. Mit ihr agitierten Kommunisten seit einiger Zeit Angestellte in den Staatsbetrieben von Post und Polizei.


18.04.1922

Zwei türkische Politiker, Bha Eddin Chakir und Djemal Azmy Bey, werden in Berlin von zwei Mitgliedern einer armenischen Geheimorganisation ermordet. Die Opfer des Attentats gehörten zur türkischen Kriegspartei, die von den Exilarmeniern für die Verfolgung ihres Volkes in der Türkei verantwortlich gemacht wird.


03.05.1922

Während der Sitzung des Berliner Abgeordnetenhauses kommt es auf der Straße vor dem Rathaus der Hauptstadt zu gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und der Polizei. Die Kundgebung wandte sich gegen die immer schlechter werdenden sozialen Zustände in der Stadt.


31.05.1922

Ein Berliner Gericht verurteilt den ehemaligen Reichswehroffizier Ernst Krull wegen Diebstahls. Krull hatte am Tag des Mordes an Rosa Luxemburg deren Uhr an sich genommen.


24.06.1922

Auf der Fahrt von seiner Villa in Berlin ins Auswärtige Amt wird Außenminister Walther Rathenau (DDP) von Angehörigen der rechtsextremen Organisation Consul erschossen.


27.06.1922

Walther Rathenau
In Berlin finden die Beisetzungsfeierlichkeiten für den ermordeten Außenminister des Deutschen Reiches, Walther Rathenau (DDP), statt.

Unfall
Am Tag der Beerdigung des aus politischen Motiven ermordeten Berliner Industriellen Walter Rathenau legen die Mitarbeiter der Berliner Verkehrsbetriebe die Arbeit nieder. Aus diesem Grund sind die Züge der Berliner Ringbahn hoffnungslos überfüllt, sodass zahlreiche Fahrgäste als Trittbrettfahrer auf den Trittbrettern der Abteilwagen mitfahren. Einer dieser Trittbrettfahrer trägt einen Rucksack, aus dem eine Fahnenstange ragt. In einem Bogen zwischen den Stationen Gesundbrunnen und Schönhauser Allee auf Höhe Schönfließer Brücke springt die Tür auf, an die sich der Rucksackträger hält und die Fahnenstange ragt ins Lichtraumprofil des Gegengleises. Im selben Moment kommt ein Gegenzug und die Fahnenstange räumt die Trittbrettfahrer des Gegenzuges ab, die aufs Gleisbett fallen und von beiden Zügen überrollt werden. Opferbilanz: 40 Tote und über 30 Verletzte.


03.07.1922

Der jüdische Publizist Maximilian Harden wird in Berlin von Rechtsradikalen überfallen und mißhandelt.


22.07.1922

Die Leitung des Berliner Zoos beschließt, die Einrichtung vom 1. Oktober bis zum 1. April aus finanziellen Gründen zu schließen. Lediglich das Aquarium bleibt geöffnet.


02.08.1922

Das Erscheinen des "Berliner Lokalanzeigers" wird vom Innenministerium entsprechend dem Paragraphen 21 des Republikschutzgesetzes für drei Wochen verboten. Anlaß dafür ist ein Artikel des Anzeigers, worin Regierungsmitglieder beschimpft werden.


06.08.1922

In einem Aufruf an die Öffentlichkeit bittet der Direktor des Berliner Zoos, Franz Hermann Meißner, um Unterstützung für den Tiergarten.


09.08.1922

In Berlin wird das Rauchen in den Straßenbahnwaggons zunächst versuchsweise zugelassen. Man erhofft sich so mehr Fahrgäste.


15.08.1922

Die deutsche Regierung in Berlin erklärt ihre Unfähigkeit zur Zahlung der fälligen Reparationsrate von zwei Mio. Pfund (etwa 9,2 Mrd. Mark). Sie sieht sich lediglich in der Lage, ein Drittel der Summe zu zahlen.


08.09.1922

Auf der Generalversammlung des Vereins der Lichtspieltheaterbesitzer Berlins und der Provinz Brandenburg und dem Schutzverband Deutscher Filmtheater beschließen die Teilnehmer eine vorübergehende Schließung von 320 Berliner Kinos wegen der hohen Lustbarkeitssteuer.


05.10.1922

Die deutsche Regierung in Berlin verbietet aufgrund der schlechten Ernährungslage im Deutschen Reich die Verwendung inländischen Zuckers bei der Herstellung von Schokolade, Süßigkeiten und Branntwein. Die Herstellung von Branntwein aus Obst und die von Starkbier ist ebenfalls verboten.


10.10.1922

Gegen den Schriftsteller Carl Einstein und seinen Verleger Ernst Rowohlt beginnt vor dem Berliner Landgericht Moabit ein Prozeß wegen Gotteslästerung. Der Vorwurf bezieht sich auf die im Jahr zuvor veröffentlichte Szenenfolge "Die schlimme Botschaft".


12.10.1922

Die Siemens-Werke in Berlin begehen das 75jährige Bestehen der Firma. Siemens & Halske begann am 12. Oktober 1847 in einer Hinterhauswerkstatt in der Berliner Schöneberger Straße.


15.10.1922

Anlässlich der in Berlin stattfindenden Tagung des Bundes Freiheit und Ordnung kommt es zu gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen rechtsgerichteten Veranstaltungsteilnehmern und kommunistischen Gegendemonstranten.


17.10.1922

Unter dem Verdacht, zu den Anstiftern der Unruhen am 15. Oktober vor dem Berliner Zirkus Busch gehört zu haben, werden die Redaktionsmitglieder der kommunistischen Tageszeitung "Rote Fahne" verhaftet.


13.11.1922

Ein schweizerisch-deutsches Hilfskomitee überreicht Reichspräsident Friedrich Ebert (SPD) 25 Mio. Mark zur Linderung der Not deutscher Journalisten und Schriftsteller.


14.11.1922

In Berlin gibt Reichskanzler Joseph Wirth (Zentrum) den Rücktritt der deutschen Regierung bekannt.


23.11.1922

In einer Urabstimmung an den Berliner Bühnen lehnt die Mehrheit die durch einen Schiedsspruch der Oberschlichtungsstelle festgelegte Mindestgage als zu niedrig ab. In den Berliner Theatern beginnt daraufhin ein Streik der Schauspieler, der erst Mitte Dezember beendet wird. Als Streikposten nehmen daran u.a. so bekannte Schauspieler wie Paul Bildt und Paul Hartmann teil. Prominente Stars wie Käthe Dorsch, Max Pallenberg, Fritzi Massary und Alexander Moissi verpflichten sich, an den bestreikten Theatern nicht aufzutreten.


02.12.1922

Vor dem Berliner Kriminalgericht beginnt ein Prozeß gegen den Hochstapler und Kreditgeber Max Klante, der als der Prototyp des kleineren Inflationsgewinners gilt.


04.12.1922

Das Uraufführungstheater am Berliner Kurfürstendamm zeigt erstmals in Deutschland einen Film über "Das neue jüdische Palästina". Den Erlös der Veranstaltung erhält der jüdische Nationalfonds, der für jüdische Einwanderer in Palästina Land kauft.


16.12.1922

Der deutsche Reichstag beschließt die Einführung der Zwangsanleihe für Besserverdienende. Personen mit einem Einkommen ab 30 000 Mark jährlich und Besitzer von Vermögen über 250 000 Mark werden durchschnittlich mit 5% belastet.


19.12.1922

Reichskanzler Wilhelm Cuno (parteilos) empfängt den Berliner Oberbürgermeister Gustav Böß zu einem längeren Gespräch über die Notlage der armen Bevölkerung in der Stadt. Böß erhofft sich vom Reich durchgreifende Maßnahmen und Hilfen für Berlin.


17.01.1923

Wegen der drohenden Kohlenknappheit nimmt die Berliner Stadtverordnetenversammlung einen Dringlichkeitsantrag an, der u.a. die Einstellung der Lichtreklame fordert.


19.01.1923

An die Beamten in den besetzten Gebieten an Rhein und Ruhr geht von seiten der deutschen Reichsregierung und der betroffenen Länderregierungen die Weisung, den Anordnungen der Besatzungsmächte Belgien und Frankreich keine Folge zu leisten, sondern sich ausschließlich an die Weisungen der eigenen Regierungen zu halten.


20.01.1923

In Berlin findet eine Kundgebung gegen die Ruhrbesetzung mit einer halben Million Teilnehmer statt.


30.01.1923

Die neue Nord-Süd-Strecke der Berliner U-Bahn wird dem Publikumsverkehr übergeben.


02.02.1923

Für die vergangene Nacht registriert die Berliner Polizei acht Fälle von tödlichen Gasvergiftungen. Als Grund für die Selbstmorde wird die Furcht vor dem Verhungern angegeben.


03.03.1923

Reichspräsident Friedrich Ebert erlässt die Verordnung über Spionage, welche die verräterische Zusammenarbeit Deutscher mit den französischen und belgischen Besatzungsbehörden unter schwere Zuchthausstrafen stellt.


04.04.1923

Die deutsche Reichsregierung protestiert bei der französischen Regierung gegen die Vorgänge in den Essener Krupp-Werken am 31. März. Das französische Requisitionskommando habe, ohne angegriffen oder bedroht zu sein, in die Menge friedlich demonstrierender Arbeiter hineingeschossen und ein entsetzliches Blutbad mit 13 Toten angerichtet.

Bei der Innung in Potsdam besteht die erste Frau in Preußen die Gesellenprüfung als Kunstmöbeltischler.


14.04.1923

Bei der Eröffnung des provisorischen Berliner Flughafens auf dem Tempelhofer Feld kommt es zu einem für drei Stadtverordnete tödlich endenden Flugzeugabsturz.


04.06.1923

Wegen eines Tollwutfalls wird über einige Berliner Bezirke eine Hundesperre verhängt. Hundebesitzer dürfen ihre Hunde nur noch mit Maulkorb und an der Leine ausführen.


07.06.1923

Der deutsche Reichstag debattiert über die Inflation. Heftige Angriffe richtet der Abgeordnete Siegfried Aufhäuser (SPD) gegen die Regierung, die nicht genügend gegen die besonders die Arbeiter belastende Inflation tue. Die Stützungsaktion der Reichsbank sei durch Devisenspekulationen führender Wirtschaftskreise sabotiert worden.


15.06.1923

Die deutsche Reichsregierung lässt fast allen europäischen Regierungen und der US-amerikanischen Regierung eine Protestnote wegen der Morde an sechs Deutschen in Dortmund überreichen.


02.07.1923

In einem Schreiben an den päpstlichen Nuntius in Berlin, Eugenio Pacelli, verurteilt Papst Pius XI. deutsche Sabotageakte im besetzten Ruhrgebiet.


04.07.1923

Die Berliner Stadtverordnetenversammlung erhöht die Hundesteuer. Für den ersten Hund eines Haushaltes sind nunmehr 48 000 Mark, für den zweiten 72 000 Mark und für den dritten 96 000 Mark jährlich zu entrichten.


08.07.1923

Auf der Berliner Straße Unter den Linden landet ein Flugzeug vom Typ D 284. Der Pilot Antonius Rab aus Breslau erklärt, ein Motorversagen habe ihn zu der Notlandung gezwungen und er habe sich die breiteste Straße dafür ausgesucht.


09.07.1923

Für einen Liter Vollmilch in Berlin müssen nunmehr 4000 Mark gezahlt werden.


11.07.1923

Die deutsche Reichsregierung veröffentlicht folgende Bilanz der Ruhrbesetzung: 80 000 französische und 7000 belgische Soldaten sind im Ruhrgebiet stationiert, 17 000 Eisenbahner aus beiden Ländern tun die Arbeit ihrer ausgewiesenen Kollegen. Bisher wurden 92 Menschen getötet und über 70 000 ausgewiesen. Die Beschlagnahme von 169 Schulen betrifft 50 000 Schüler.


25.07.1923

In den Städten des Deutschen Reichs leidet die Bevölkerung unter einer zunehmenden Lebensmittelknappheit. Der Kartoffelverkauf in Berlin muss unter Polizeischutz stattfinden, weil sich die Händler dem Ansturm der Kunden nicht gewachsen fühlen.


29.07.1923

In Berlin findet eine Pazifistenkundgebung statt. Einer der Redner ist der Physiker und Nobelpreisträger Albert Einstein.


30.07.1923

Bei einer Besprechung mit Reichskanzler Wilhelm Cuno in Berlin signalisieren die Führer der deutschen Gewerkschaften, dass sie das Vertrauen in seine Regierung verloren haben.


06.08.1923

Für einen Liter Vollmilch müssen in Berlin derzeit 21 000 Mark bezahlt werden.

In Berlin wird der Grundstein für eine Moschee gelegt
.


10.08.1923

Reichspräsident Friedrich Ebert erlässt eine Notverordnung zum Schutz der öffentlichen Ordnung, die den Reichsinnenminister zum Verbot von verfassungsfeindlichen Druckschriften ermächtigt. Die Notverordnung dehnt die Reichskompetenzen aus.


12.08.1923

Unter heftigen Unruhen erzwingen die Kommunisten in Berlin die Arbeitseinstellung in der Metallindustrie und dem öffentlichen Verkehr. Auch in anderen Städten des Deutschen Reichs brechen Unruhen aus (Brandenburg, Breslau, Ratibor, Krefeld, Hamburg).


13.08.1923

Die neue Reichsregierung unter Gustav Stresemann (DVP) wird vereidigt. Dieses Kabinett der Großen Koalition (SPD, DDP, Zentrum, DVP) besitzt im Gegensatz zur Regierung Wilhelm Cuno die parlamentarische Mehrheit. Stresemann wird zugleich Reichskanzler und Reichsaußenminister.


14.08.1923

Der am Vortag ernannte Reichskanzler Gustav Stresemann (DVP) stellt im Reichstag das neue Kabinett und das Regierungsprogramm vor. Mit 239 von 459 Stimmen billigt der Reichstag das Vertrauensvotum für die neue Regierung. Mehr als ein Viertel der Abgeordneten bleibt der Abstimmung fern.


18.08.1923

Das "Deutsche Tageblatt", das der Deutschvölkischen Freiheitspartei nahesteht, wird von der Berliner Polizei wegen gehässiger und beleidigender Angriffe gegen Reichskanzler Gustav Stresemann und Verunglimpfung der republikanischen Staatsform für die Dauer von zwei Wochen verboten.


24.08.1923

Wegen des katastrophalen Defizits wird der Berliner Straßenbahnbetrieb vorübergehend eingestellt.


27.08.1923

Ein Liter Vollmilch kostet in Berlin derzeit 178 000 Mark.


31.08.1923

Der von Gerhard Lamprecht in Lübeck gedrehte Film "Die Buddenbroocks" - nach dem Roman von Thomas Mann - wird im Berliner Tauentzienpalast uraufgeführt.


12.09.1923

Seinen Mut zur Unpopularität beweist Reichskanzler Gustav Stresemann mit seiner Rede vor Berliner Pressevertretern. Um die Wirtschaftskrise zu überwinden, seien noch stärkere Eingriffe in "Besitz und Wirtschaft" sowie die Verlängerung der Arbeitszeit notwendig. Außerdem müsse der Ruhrkonflikt beigelegt werden, was bei einer Fortsetzung des passiven Widerstands nicht möglich sei.


13.09.1923

Die Händler der Berliner Markthalle tragen der Inflation Rechnung. Erst um 11.30 Uhr, wenn die Kurse der Vorbörse bekannt sind, eröffnen sie ihre Stände. Ein eigens eingerichteter Dienst informiert die Händler halbstündlich über die Kurse, denen die Preise unmittelbar angepaßt werden, so dass eine fünf- bis sechsmalige Preisänderung pro Tag keine Seltenheit ist.


14.09.1923

Ein Brot kostet in Berlin zur Zeit 4,5 Millionen Mark. Die Berliner Straßenbahnen kann man für 600 000 Mark (einfache Fahrt) oder 700 000 Mark (Umsteigetarif) benutzen.


15.09.1923

Hugo Stinnes, Reichstagsabgeordneter der Deutschen Volkspartei und einflußreicher Großindustrieller, informiert den US-amerikanischen Botschafter in Berlin, Alanson B. Houghton, über die Hintergründe einer "in zwei bis drei Wochen" bevorstehenden politischen Umwälzung im Deutschen Reich. Ausführlich erläutert Stimmes die Pläne für eine Rechtsdiktatur.


24.09.1923

Ein Liter Vollmilch kostet in Berlin zur Zeit 7,6 Millionen Mark. Für ein Brot müssen die Berliner 10,37 Millionen Mark zahlen und ein kg Kartoffeln geht für 1,24 Millionen Mark über den Ladentisch; Fleisch ist kaum erschwinglich, ein kg Rindfleisch kostet 76 Millionen Mark.


01.10.1923

In Küstrin und Spandau unternehmen Einheiten der Schwarzen Reichswehr (friedensvertragswidrige geheime Reserveformationen der Reichswehr) unter der Führung von Major Bruno Ernst Buchrucker einen Putschversuch, der von der regulären Reichswehr rasch niedergeschlagen wird.

Reichskanzler Gustav Stresemann fordert ein Ermächtigungsgesetz, damit die Reichsregierung ohne die Verzögerungen des normalen Gesetzgebungsverfahrens die zur Überwindung der Wirtschaftskrise notwendigen finanziellen und sozialpolitischen Maßnahmen ergreifen kann. Da die SPD ihre Zustimmung verweigert, kommt es am 3. Oktober zur Regierungskrise.


03.10.1923

Da die SPD dem von Reichskanzler Gustav Stresemann geforderten weitgefaßten Ermächtigungsgesetz nicht zustimmt, tritt die Reichsregierung zurück. Stresemann wird mit der Neubildung der Regierung beauftragt.


04.10.1923

Die Reichstagsfraktion der Deutschnationalen Volkspartei teilt offiziell mit, sie werde auch einer neuen Regierung unter Gustav Stresemann kein Vertrauen entgegenbringen.

Ein Liter Vollmilch kostet in Berlin derzeit 14 Millionen Mark.


06.10.1923

Nach dem Einlenken der SPD in der Frage des Ermächtigungsgesetzes wird die neue Reichsregierung unter Reichskanzler Gustav Stresemann (DVP) vereidigt. Die bisherigen Koalitionsparteien (SPD, DDP, DVP, Zentrum) sind an ihr beteiligt. An die Stelle von Rudolf Hilferding (SPD) tritt der parteilose Hans Luther als Finanzminister.


08.10.1923

Auf dem Tempelhofer Feld wird der neue Berliner Flughafen eröffnet und den Luftverkehrsgesellschaften Junkers und Aero Lloyd AG zur regelmäßigen Nutzung übergeben.

Für ein Brot müssen in Berlin 64 Millionen Mark gezahlt werden.


15.10.1923

In Berlin finden Demonstrationen gegen die Inflation und die zunehmende Arbeitslosigkeit statt, die z.T. in blutige Kämpfe zwischen Arbeitslosen und der Polizei übergehen.


17.10.1923

In Berlin werden von der städtischen Volksspeisung zur Zeit täglich 20 000 Portionen Mittagessen ausgegeben. Mit der Schulspeisung soll möglichst bald begonnen werden.


19.10.1923

Seine erste Hauptrolle spielt Willy Fritsch in dem Film "Seine Frau, die Unbekannte", der im Berliner Tauentzienpalast uraufgeführt wird.


20.10.1923

In Berlin brechen Lebensmittelunruhen aus. Wegen des empfindlichen Brotmangels werden besonders die Bäckerläden von erregten Menschen umlagert.


25.10.1923

Wegen der Stockungen in der Geldversorgung wird die Reichsbank in Berlin regelrecht von wartenden Geldkurieren belagert. Obwohl die Notenpresse ununterbrochen in Betrieb ist, kann der immense Zahlungsmittelbedarf nicht befriedigt werden.


29.10.1923

Mit der ersten Sendung der Radiostunde AG Berlin beginnt der öffentliche Rundfunk im Deutschen Reich. Weitere Rundfunkgesellschaften werden gegründet.


30.10.1923

Nach Mitteilung der Reichsregierung ist im Zusammenhang mit der Reduzierung des Personals der Reichsverwaltung zunächst die Entlassung der über 65jährigen Beamten vorgesehen.


05.11.1923

Wegen der enormen Brotpreiserhöhung kommt es in Berlin zu mehrtägigen Hungerkrawallen und Plünderungen von Bäckerläden, die sich z.T. gezielt gegen jüdische Geschäfte richten.


08.11.1923

Ein Brot kostet in Berlin 105 Milliarden Mark und ein Liter Vollmilch 26 Milliarden Mark.


09.11.1923

Erstmals sendet der deutsche Rundfunk politische Nachrichten. Am 29. Oktober nahm der erste öffentliche Sender Radiostunde AG in Berlin den Betrieb auf.


16.11.1923

In Berlin wird "The Kid", der erste abendfüllende Spielfilm, von und mit Charlie Chaplin, gezeigt. Kritiker und Publikum sind gleichermaßen begeistert.


22.11.1923

Auf die Reden von Reichskanzler Gustav Stresemann und Reichsfinanzminister Hans Luther reagieren alle nicht an der Minderheitsregierung beteiligten Reichstagsparteien mit heftigen Angriffen. KPD, SPD und DNVP stellen jeweils eigene Mißtrauensanträge gegen die Reichsregierung.


01.12.1923

In Berlin-Treptow kommt es zu einem gewaltsamen Zusammenstoß zwischen Arbeitslosen und Schutzpolizei, bei dem jedoch niemand verletzt wird.


16.12.1923

In Berlin werden 300 Personen, die zu einem Kommunisten-Kongress aus dem ganzen Deutschen Reich in die Hauptstadt gekommen waren, von der Polizei festgenommen. Der Kongress war verboten worden.


25.12.1923

Reichskanzler Wilhelm Marx richtet in der Radiostunde (erster offizieller Sender in Berlin) einen Weihnachtsgruß an das deutsche Volk.


26.12.1923

Nachdem es am Vortag heftig schneite, herrscht in Berlin nun klares, aber kaltes Wetter (-15, Sogar der Wannsee ist zugefroren, was viele Schlittschuhläufer zu nutzen wissen. Allgemein freut man sich über die seit Jahren erste weiße Weihnacht.


22.03.1926

Kurt Daluege und Waldemar Geyer Angehörige des Frontbann Berlin gründen im Berliner Lokal Wernicke, Potsdamer Straße 35 zusammen mit weiteren Mitgliedern des Frontbann Berlin die Berliner SA. Aufgrund eines Verbots des Frontbanns nennt sich die Vereinigung vorerst »Sportverband Groß-Berlin der NSDAP«.


14.01.1930

Am 14.01.1930 betritt die Witwe Elisabeth Salm ein als KPD-Sympathisanten bekanntes Lokal in der Berliner Dragonerstraße. Sie bittet die hier Anwesenden ihr zu helfen. Bei dem Gespräch stellt sich heraus, das sie mit ihrem Untermieter, einem gewissen Horst Wessel Streit wegen Außenstehender Mietforderungen hat. Der arbeitslose Tischler Albrecht Höhler und Erwin Rückert erklären sich bereit, ihr zu helfen. Sie begeben sich zur Wohnung Horst Wessels in die Große Frankfurter Straße 62 und steigen die Treppe hinauf. Albrecht Höhler zieht einen Revolver und klopft. Der SA-Mann Horst Wessel der sich zusammen mit seiner Freundin, der früheren Prostituierten Erna Jaenichen in der Wohnung aufhält, öffnet die Tür, Albrecht Höhler schießt Horst Wessel vor den Augen seiner Freundin nieder. Horst Wessel bricht getroffen zusammen und wird schwerverletzt ins Krankenhaus Friedrichshain eingeliefert, hier verstirbt er am 23.02.1930. In den nun folgenden Propagandaschlachten wird sein Tod als Folge eines Streites zwischen Zuhältern dargestellt.


06.03.1933

Beginn von Angriffen der Nationalsozialisten gegen Juden auf dem Berliner Kurfürstendamm, mit einem ersten blutigen Höhepunkt am 9. März. Mehrere Nazis stürmen in das Pensionszimmer des amerikanischen Touristen Nathaniel S. Wolff am Kurfürstendamm 48-49. In einem Brief an den Reichsminister des Innern schildert Wolff den Vorgang:„Heute morgen, um 5 Uhr, kamen fünf oder sechs Nazis mit gezogenen Revolvern in mein Zimmer. Sie beschimpften mich, nannten mich einen schmutzigen russischen Juden und fingen an, meine Sachen zu durchsuchen.”Wolff wird geschlagen und in einen Raum in der Knesebeckstraße in Charlottenburg verbracht, gefesselt an Händen und Füßen. Vor seiner Freilassung im Grunewald wird er gezwungen, folgendes Papier zu unterschreiben:
“1. Ich bin Jude.
2. Ich werde heute Abend nach Paris abreisen.
3. Ich verspreche, nie wieder meinen Fuß auf deutschen Boden zu setzen.”
Eine Angestellte der Pension hat mittlerweile mit dem zuständigen Polizeirevier in der Grolmannstraße telefoniert. Man habe ihr aber mitgeteilt, der Vorfall ginge die Polizei nichts an. Die Nazis hätten das Recht, in jedes Haus mit Gewalt einzudringen.


10.03.1933

Der jüdische Bezirksbürgermeister von Berlin-Kreuzberg, Dr. Carl Herz (SPD), wird gewaltsam aus seinem Amt vertrieben. Die SA treibt den seit 1926 amtierenden Kommunalpolitiker zur “Belustigung” der Nazis und ihrer Anhängerschaft durch die York-, Möckern- und Bergmannstraße, um ihn schließlich in einem berüchtigten “Sturmlokal” in der Friedrichstraße 234 zu foltern.


18.03.1933

Am 18.03.1933 wird der aus einer jüdischen Familie stammende, achtzehnjährige Bäckerlehrling Siegbert Kindermann aus Rache weil er im Jahr zuvor Nazis angezeigt hatte, die ihn auf offener Straße überfallen hatten, in Berlin- Kreuzberg Hedemannstraße von SA-Leuten zu Tode geprügelt.


03.04.1933

am Montag den 03.04.1933 werden mit einem Transport 200 Häftlinge aus Berliner Strafanstalten ins Zuchthaus Sonnenburg bei Neumark in Ostbrandenburg. Begleitet werden sie von 60 SA-Hilfspolizisten aus Berlin, die in Sonnenburg Dienst verrichten sollen.


12.04.1933

Am Abend des 12.04.1933 wird Max Rosenhand ein zum Judentum konvertierte “Arier” aus seiner Wohnung in Berlin–Kreuzberg, Skalitzer Straße 46 von Angehörigen der SA verschleppt, und in einem ihrer “wilden KZ” mißhandelt und brutal zusammengeschlagen. Max Rosenhand hatte an diesem Tag eine Jüdin geheiratet, und all das mußten die Mitglieder der Hochzeitsfeier mit Entsetzen miterleben.


02.07.1933

Am 02.07.1933 findet unter "herzlicher Anteilnahme der Berliner Bevölkerung“ in der Berliner Lazaruskirche eine Massentrauung von Angehörigen der Glaubensbewegung der Deutschen Christen (D.C.) statt. Die Glaubensbewegung Deutsche Christen (D.C.) war 1932 von Joachim Hossenfelder gegründet worden und stellte eine Bewegung innerhalb der Deutschen Ev. Kirche dar. 50 nationalsozialistische Paare, davon 47 Brautpaare aus der Gemeinde, die Männer tragen SA-Uniformen werden von Pfarrer Lengning in dem mit Hakenkreuzfahnen geschmückten Altarraum getraut. Beim Verlassen der Kirche durchschreiten die Paare ein Spalier grüßender Hitlerjugend.
Propagandaminister Goebbels kommentierte diese Massentrauung mit den Worten: „Zurückgewonnen für die Kirche durch die Glaubensbewegung der Deutschen Christen“.


04.09.1933

Das Geheime Staatspolizeiamt in Berlin ordnet in einem Erlaß vom 4. September 1933 an, "gegen die Personen mit aller Schärfe vorzugehen, die in gemeinschaftlichen Zusammenkünften den Moskauer Sender abhören" und "die an derartigen Zusammenkünften festgestellten Teilnehmer in Schutzhaft zu nehmen und unverzüglich einem Konzentrationslager zu überweisen". Dieser Erlaß wurde im April 1938 wieder aufgehoben, nachdem die Justiz dazu übergegangen war, das Abhören von kommunistischen Sendern als Straftat zu verfolgen


19.09.1933

Am 19.09.1933 wird der am 22.10.1893 in Berlin geborene SPD-Politiker und Redakteur des Lübecker Volksboten, Fritz Solmitz im Konzentrationslager Hamburg-Fuhlsbüttel in seiner Zelle erhängt aufgefunden.
Nach der Machtübernahme der NSDAP und dem Reichstagsbrand wurde Solmitz am 11. März verhaftet. Man hängte ihm ein Schild mit der Aufschrift „Jude“ um den Hals und karrte ihn durch die Stadt. Solmitz wurde zunächst im Gefängnis Lübeck-Lauerhof und ab Mai 1933 im KZ Fuhlsbüttel inhaftiert. Seine Frau Karoline Solmitz erwirkte seine Entlassung, doch diese Zusage wurde Solmitz vorenthalten. Solmitz war in Einzelhaft schwer misshandelt worden. Nachdem ihm von SS-Wachleuten unter Willi Dusenschön weitere Prügel angedroht worden waren, wurde er am 19. September 1933, drei Tage nach dem eigentlich vorgesehehen Termin seiner Haftentlassung in seiner Zelle erhängt aufgefunden. Die nationalsozialistischen Behörden gaben der Ehefrau gegenüber Selbstmord als Todesursache an.


Hamburger Tageblatt, 10. November 1938

Die Synagoge brennt

Berlin, 10. November

Der Zorn über den feigen Meuchelmord des Juden Grünspan an dem Legationsrat Pg. Vom Rath führte, wie überall im Reich, auch in Berlin zu zahlreichen judenfeindlichen Kundgebungen. In allen Stadtteilen kam es in der vergangenen Nacht zu spontanen Demonstrationen, die sich bis in die Morgenstunden fortsetzten und in deren Verlauf sich die Empörung über den Überfall in antijüdischen Aktionen, vor allem in den Judengegenden des Kurfürstendamms und des Alexanderplatzes, entlud: Schaufenster wurden eingeschlagen, Schaukästen zertrümmert.

In einer Nebenstraße des Kurfürstendammes wurde die Synagoge angesteckt. Sie brannte innen vollkommen aus. Noch in den Mittagsstunden zog dichter Rauch über die angrenzenden Straßen dahin. Immer wieder züngelten die Flammen aus dem angeräucherten Gemäuer hervor. Die an dem Tempel der Juden angebrachten ,,Verzierungen“ , der fünfzackige Stern und ähnliche Symbole, waren in den Hof gestürzt. Trotz der Löscharbeiten der Feuerwehr griff das Feuer auf das Nebengebäude der Synagoge über. Tausende von Volksgenossen standen in den Straßen. Empörung und Genugtuung zugleich, daß die echt jüdische Provokation ihre gerechte Strafe fand, malte sich auf ihren Gesichtern. Die Bevölkerung wahrt trotz des noch immer provozierenden Auftretens des jüdischen Pöpels äußerste Disziplin. Einige Juden-Lümmels, deren Schaufensterscheiben gleichfalls demoliert wurden, besaßen die unglaubliche Frechheit, ihre deutschen Angestellten zu zwingen, die Glassplitter von dem Straßenpflaster mit den Händen aufzusammeln.


Berlin Nr. 234 404 09.11.2355

An alle Stapo-Stellen und Stapo-Leitstellen
An Leiter oder Stellvertreter

Dieses FS ist sofort auf dem schnellsten Wege vorzulegen.

1.
Es werden in kürzester Frist in ganz Deutschland Aktionen gegen Juden, insbesondere gegen deren Synagogen, stattfinden.
Sie sind nicht zu stören. Jedoch ist im Benehmen mit der Ordnungspolizei sicherzustellen, daß Plünderungen und sonstige besondere Ausschreitungen unterbunden werden können.

2.
Sofern sich in Synagogen wichtiges Archivmaterial befindet, ist dieses durch eine sofortige Maßnahme sicherzustellen.

3.
Es ist vorzubereiten die Festnahme von etwa 20 000 – 30 000 Juden im Reiche. Es sind auszuwählen vor allem vermögende Juden. Nähere Anordnungen ergehen noch im Laufe dieser Nacht.

4.
Sollten bei den kommenden Aktionen Juden im Besitz von Waffen angetroffen werden, so sind die schärfsten Maßnahmen durchzuführen. Zu den Gesamtaktionen können herangezogen werden Verfügungstruppen der SS sowie Allgemeine SS.
Durch entsprechende Maßnahmen ist die Führung der Aktionen durch die Stapo auf jeden Fall sicherzustellen.

Gestapo II
Müller

Dieses FS ist geheim


09./10.11.1938

Reichspogromnacht
Es gab in Berlin einen Fall, wo sich die NSDAP gründlich verrechnet hatte. In der Nähe des Roten Rathauses in Berlin-Mitte befand sich ein sehr gutes und vornehmes Warenhaus mit dem Namen N. Israel. Auch dieses Warenhaus wurde von dem SA-Pöbel nicht verschont. Schaufensterscheiben wurden eingeschlagen, die Fassaden beschmiert. Man bedachte allerdings nicht, dass die damaligen Inhaber englische Staatsangehörige waren. Der scharfe Protest der Englischen Botschaft ließ nicht lange auf sich warten. Der englische Botschafter war mit seinem Stab sofort am Tatort. Die englische Regierung forderte eine umgehende und totale
Wiederherstellung des Gebäudes innerhalb 48 Stunden. Wird die Forderung nicht erfüllt, werden Maßnahmen gegen deutsche Geschäftsinhaber in England durchgeführt. Die Hitlerregierung hatte keine andere Wahl als sich zu beugen. Göring, der Reichsmarschall, war gezwungen, Schaufensterscheiben aus ganz
Deutschland zu organisieren, die gleichen SA-Truppen wurden eingesetzt, um die Fassaden abzuwaschen und Aufräumungsarbeiten zu machen.


31.12.1938

Erlass: Berlin, den 31. Dezember 1938.
Der Reichsführer SS und Chef der Deutschen Polizei im Reichsministerium des Innern.
S.V.6.5304/38 – 453 – 12.
An die Herren Regierungspräsidenten pp. Nicht zur Veröffentlichung geeignet.
Betrifft: Transport jüdischer Kinder nach dem europäischen Ausland. In nächster zeit sind Transporte von jüdischen Kindern und Jugendlichen bis zu 18 Jahren zur Durchführung ihrer Auswanderung nach England, Holland, Belgien und den nordischen Staaten beabsichtigt. Nach Mitteilungen, die der Reichsstelle für das Auswanderungswesen zugegangen sind, stößt die Durchführung der Transporte vielfach dadurch auf Schwierigkeiten, dass die Ausstattung der Kinder unter 15 Jahren mit Kinderausweisen und der Jugendlichen bis 18 Jahren mit Pässen sehr viel Zeit in Anspruch nimmt. Im Interesse der Förderung der Auswanderung der jüdischen Kinder und Jugendlichen ersuche ich daher, die Passbehörden umgehend anzuweisen, Kinderausweise und Reisepässe an die fraglichen Personen mit größtmöglichster Beschleunigung auszustellen, wenn einwandfrei nachgewiesen wird, dass die erwähnten Passpapiere zum Zwecke der Auswanderung benötigt werden.
Im Auftrage: gez. Krause


Abwanderung

Jüdische Kultusvereinigung zu Berlin EV
Berlin den 18.09.1942

Herrn/Frau/Fräulein
Transport-Nr.:
Betr.: Abwanderung

Ihre Abwanderung ins Protektorat ist für den Do. 24.09.1942 behördlich angeordnet worden. Diese Anordnung gilt für Sie und Ihre Ehefrau, soweit Sie zur Abgabe der Vermögenserklärung aufgefordert sind.

Das mitzunehmende Gepäck setzt sich zusammen aus Reise- und Handgepäck. Als Reisegepäck darf lediglich ein Coupekoffer und ein Rucksack, der höchstens von der Hüfte bis zur Schulter reicht, mitgenommen werden.
Da die Mitnahme des Reisegepäcks bei der Abholung aus Ihrer Wohnung nicht möglich ist, ist es am So. 20.09. in der Zeit von 9 bis 13 Uhr in der unterstrichenen Bezirksstelle der Kleiderkammer abzuliefern:

I. Mitte: Auguststraße 17
II. Süden: Thielschufer 10-16
III. Norden: Eberswalder Straße 26
IV. Südwest: Münchener Straße 37
V. Charlottenburg: Pestalozzistraße 14-15

Das Handgepäck darf nur aus einem Stück bestehen, enthaltend:
Nachtzeug, eine Decke, Eßgefäß, Löffel, Trinkbecher und Lebensmittel.

Das gesamte mitzunehmende Gepäck darf nicht mehr als 50 kg wiegen! Wer sich nicht an diese Bestimmungen hält, muß mit dem Verlust seines Gepäcks rechnen.
Am Mo. 21. 9. ab 8 Uhr wird Ihre Wohnung durch einen Beamten versiegelt werden. Sie müssen sich zu diesem Zeitpunkt bereithalten. Wohnungs- und Zimmerschlüssel sind dem Beamten auszuhändigen. Sie selbst werden dann mit einem von uns bestellten Wagen nach der Sammelunterkunft Große Hamburger Straße 26 gebracht werden.
Etwa vorhandene Sparkassenbücher und Banksparbücher etc., Wertpapiere, soweit sie nicht bei einem Bankunternehmen aufbewahrt werden, Hypothekenpfandbriefe, Bankbelege usw., kurz alle Hinweise, die über Ihr Vermögen Aufschluß geben, und etwa vorhandene Tresorschlüssel sind in einem festen unverschlossenen, aber verschließbaren Umschlag in der Sammelunterkunft Große Hamburger Straße 26 abzuliefern. Auf dem Umschlag sind Ihr Name, Ihre Anschrift sowie Transport-Nummer genau anzugeben.
Für die Verpflegung in der Sammelunterkunft und während der Bahnfahrt wird von uns gesorgt werden. Jedoch sollen die im Haushalt befindlichen Lebensmittel, insbesondere Abendbrotstullen, im Handgepäck mitgebracht werden.
In der Sammelunterkunft und während der Bahnfahrt stehen Krankenbehandler und Pflegepersonal zur Verfügung. Eine Verabreichung etwa erforderlicher Medikamente findet ausschließlich durch das Sanitätspersonal statt. Absendung schriftlicher oder mündlicher Benachrichtigungen sowie die Erteilung von Aufträgen an die Helfer des Durchgangsheimes ist verboten.
In der Anlage ist ein Merkblatt beigefügt, das alle zu beachtenden Anweisungen enthält. Wir bitten Sie herzlich, diese Anweisungen genauestens zu beachten und die Transportvorbereitungen in Ruhe und Besonnenheit zu treffen.
Unsere von der Abwanderung betroffenen Mitglieder müssen sich bewußt sein, daß sie durch ihr persönliches Verhalten und die ordnungsgemäße Erfüllung aller Anweisungen entscheidend zur reibungslosen Abwicklung des Transportes beitragen können. Es ist selbstverständlich, daß wir, soweit dies zugelassen ist, alles tun werden, um unseren
Gemeindemitgliedern beizustehen und ihnen jede mögliche Hilfe zu leisten.

Jüdische Kulturvereinigung zu Berlin e.V.
Der Vorstand


Völkischer Beobachter, 11. November 1938

Empörte Volksseele schaffte sich Luft
Berliner Bevölkerung gegen Judengeschäfte
Berlin, 10. November 1938

Unmittelbar nach dem Bekanntwerden des Todes des Gesandtschaftsrates I. Klasse vom Rath, der an den Folgen des jüdischen Mordbubenstreiches in Paris verstarb, suchte sich, wie in allen Teilen des Reiches auch in Berlin die zutiefst empörte Volksseele gegen die Umtriebe des Judentums Luft zu schaffen.

Nur zu sehr ist verständlich, daß sich die deutsche Volksgemeinschaft nun in aktiver Weise gegen die volksfremden Individuen zur Wehr setzt, die eng verfilzt mit ihren Rassegenossen im Ausland in ihrem Haß gegen das neue Deutschland auch nicht vor dem Mord zurückschrecken. Das Judentum, das bisher innerhalb der Grenze des Reiches jeden nur erdenklichen Schutz genießen, das ungehindert seinen Schachergeschäften nachgehen konnte, das in seinen kulturellen Äußerungen überhaupt nicht begrenzt war, hat in der ihm eigenen Unverschämtheit aus dem Bestand des Dritten Reiches erst zum allergeringsten Teil die Konsequenzen gezogen. Im Berliner Westen, vornehmlich am Kurfürstendamm und dem Tauentzien, war fast jedes zweite Geschäft in jüdischem Besitz. Juda hatte es verstanden, allen gegenteiligen Hetzmeldungen zum Trotz, seine Stellung zu halten. Nach den nächtlichen antijüdischen Demonstrationen der Berliner Bevölkerung, die mit Recht überall ihrer Empörung Luft machte, sind nun von heute auf morgen mit einemmal die jüdischen Geschäfte sämtlich gekennzeichnet. Geräumte Auslagen, zertrümmerte Fensterscheiben und Schaukästen sind die neue Visitenkarte der Judenläden, die bestimmt besser wirken dürfte, als der vielfach geforderte, aber niemals angebrachte Hinweis „Jüdisches Geschäft“. Im ganzen Berliner Westen, wie überall auch sonst, wo die Juden sich auch sonst in der Reichshauptstadt breit machen, ist kein Schaufenster eines Jüdischen Geschäftes heilgeblieben. Zorn und Wut der Berliner, die trotz allem größte Disziplin bewahrten, hielten sich jedoch in bestimmten Grenzen, so daß Ausschreitungen vermieden und keinem einzelnen Juden auch nur ein Haar gekrümmt wurde. Die in den zum Teil allzu prächtig ausgestatteten Fenstern feilgebotenen Waren blieben unberührt, höchstens, daß hier und da der eine oder andere Gegenstand durch einen Steinwurf oder durch eine herabfallende Scheibe beschädigt wurde.

Einen Ausruf hörte man in der Nacht zum Donnerstag und im Lauf des ganzen Tages immer wieder in allen Stadtteilen, besonders im Norden und Osten Berlins, wo der Jude es verstanden hatte, nach wie vor bestens getarnt seiner dunklen Tätigkeit nachzugehen, den Ausruf: „Nanu, das ist ein jüdisches Geschäft gewesen?“ Manchem Berliner Arbeiter und
Mancher Hausfrau ist über Nacht ein Licht aufgegangen, wo der Jude haust und wie er, oft maulwurfsgleich, in Kellern und Höfen seinem schmierigen Gewerbe nachging.

In der Skalitzer Straße, dem Görlitzer Bahnhof, am Moritzplatz und dem Kombusser Tor ist keine einzige Scheibe der vielen jüdischen Läden heilgeblieben und die Volksgenossen, die heute an den zertrümmerten Auslagen vorübergehen,ballen noch oft die Fäuste in den Taschen, verhalten sich aber über alle Maßen ruhig und diszipliniert und murmeln höchstens ein: „Ist Ihnen nur zu Recht geschehen!“

Die drei Berliner Synagogen sind in Brand geraten. In diesen Stätten, wo die allem Nichtjüdischen todfeindlichen Lehren des Talmud und des Schulchan-aruch gepflegt wurden, ist Feuer angelegt worden, so daß die Inneneinrichtung in Flammen aufging, die Gebäude aber erhalten blieben.

In allen Straßen Berlins, in den Städten der Mark, überall wo Juden wohnen und „arbeiten“, bietet sich den Passanten das gleiche Bild: In geräumten Auslagen und Schaukästen gähnt die Leere. Nirgendwo ist ein Jude zu sehen. Nur hier und da sieht man hinter den teilweise verriegelten und durch Gitter geschützten Eingängen einen Sohn Israels bei Aufräumungsarbeiten. Die Bevölkerung verhält sich heute absolut ruhig. Jeder geht seiner Beschäftigung nach und nimmt von den zertrümmerten Schaufenstern nur im Vorübergehen, allerdings mit unverständlicher Freude und Genugtuung gebührend Kenntnis.


Augenzeugenbericht

Berlin
Die Synagoge brennt!

Der Morgen des 10. November 1938 brach trübe an wie jeder Novembertag in Norddeutschland. Während ich noch bei der Toilette war, klingelte das Telefon. Kollege R. der in der benachbarten Hildegardstraße wohnte, meldete sich: „Herr Doktor, ich wollte Ihnen mitteilen, daß ich heute nicht in die Schule kommen kann.“ „Sind Sie krank?“ „Nein! Ich war schon auf der Straße. Da habe ich etwas gesehen. Ich kann nicht kommen.“ „Sonderbar. Sie haben etwas gesehen und können deswegen nicht in die Schule kommen. Wie lange sind Sie noch zu Hause?“ „Wenigstens noch eine Stunde.“ „Dann komme ich sofort zu Ihnen, in 10 bis 15 Minuten bin ich dort.“ Sonderbare Geschichte. Bald ist Herr Dr. R. da, weiß im Gesicht wie eine Leiche.
„Die Synagoge brennt!“ ? „Die Synagoge brennt. Ich war auf dem Weg zur Bahn. Wie ich an die Kaiserallee komme, sehe ich über der Prinzregentenstraße einen Feuerschein. Ich denke mit Schrecken, das muß doch die Synagoge sein, laufe ein paar Schritte weiter, richtig, da schlagen die Flammen aus der Kuppel. Zwei Radfahrer kommen vorbei, da höre ich, wie der eine sagt: Es brennt noch eine. Das ist sicher die Fasanenstraße.“ „Ich mache mich fertig und fahre gleich zur Schule.“
„Nun, da ich den ersten Schreck überwunden habe, fahre ich auch.“

Da ist die Totenfeier für Herrn v. Rath in Paris! Gestern Abend brachte das Radio die Nachricht von seinem Tod. Eine Woche vorher etwa hatte ich ebenfalls am Radio die Mitteilung vom Attentat gehört: „Der Attentäter ist ein junger Pole namens Grünspan“, meldete der Londoner Sender. Ich stürzte gleich zu meiner Frau: „Es ist wieder ein Unglück passiert!
Grünspan heißt er, das ist doch ein Jude! Mein Gott, was werden wir wieder erleben.“ Dann kam die auffallende Zurückhaltung der deutschen Stellen: keine Hetze, keine Anklagen, keine Drohungen. Jetzt fiel der Schlag, wohlüberlegt und sorgsam vorbereitet. Dies waren meine Gedanken auf dem Weg zur Schule.

Die Synagoge „Fasanenstraße“ liegt unmittelbar an der Stadtbahn zwischen den Stationen „Savignyplatz“ und „Zoologischer Garten“. Als ich die erste hinter mir hatte, schlugen mir alle Pulse. Da war die Synagoge: durch die Fensterhöhlen und die Kuppel drangen dicke Rauchwolken, die Straße war vollständig von Löschzügen besetzt, aber sie Arbeiteten nicht, es war wohl auch nichts mehr zu tun, wenn sie überhaupt etwas getan hatten. Kopf und Herz waren mir Leer, ich fühlte nichts und dachte nichts. Nur eines brachte ich zuwege – wie immer in kritischen Situationen: Ich beobachtete die Mitreisenden, wie sie wohl auf den Anblick reagieren möchten. Wenige hoben den Kopf, sahen zum Fenster hinaus, zuckten zusammen und – lasen ihre Zeitung weiter. Kein Erstaunen, keine Fragen vom einen zum anderen. So waren eben die Berliner. Unterwegs kam mir dann die Besinnung wieder: Welcher Nazi-Herostratus mochte dieses wahnwitzige Verbrechen ausgeheckt haben? „Deutschland, Deutschland über alles“, das wirst du noch einmal teuer bezahlen. Als ich in die Oranienburger Straße einbog, sah ich vor dem Laden eines jüdischen Zigarrenhändlers einen Haufen leerer Kistchen und Schachteln liegen, beim Näherkommen konnte ich die Verwüstung des Geschäfts feststellen. Schaufenster und Tür eingeschlagen und der Laden völlig ausgeplündert – wie ausgefegt. Also auch das noch! Wie sorgfältig vorbereitet und organisiert, wie eben alles bei uns.

Die Schule war unversehrt, mir fiel ein schwerer Stein vom Herzen. Gleich in der ersten Pause rief ich das Lehrerkollegium zusammen. Allgemeine Fassungslosigkeit. Die Schüler waren fast vollständig erschienen, die meisten hatten ja auch zu Hause noch keine Kenntnis von den nächtlichen Vorgängen gehabt. Es sollten noch mehrere Synagogen in Brand gesteckt sein, fest stand jetzt schon, daß die Verwüstung und Plünderung der jüdischen Geschäfte allgemein war. Was war zu tun?
Arbeiten, arbeiten, die Kinder in der Schule und zusammenhalten. Maßnahmen zu treffen war nicht unsere Sache. Was zu tun sei, mußte die Gemeinde mit der Schulbehörde vereinbaren.


08.10.1939

Der D 17 fährt im Bahnhof Berlin-Gesundbrunnen auf den stehenden P 411 auf. Unfallursache ist das Überfahren eines Halt zeigenden Hauptsignales durch die Lokmannschaft des D 17. Opferbilanz: 23 Tote, 31 Verletzte.


Jüdische Gemeinde Berlin

Bericht einer Krankenschwester

Der Winter 1942/43 war die schrecklichste Zeit, die ich je erlebt habe. Ich glaube, in Berlin gab es in dieser Zeit keinen Juden mehr, der nicht seinen Rucksack fertig gepackt bereitstehen hatte. In den Abendstunden fuhren SS-Autos und von der SS gemietete Möbelwagen durch die Stadt. Sobald das Auto hielt, umstellten SS-Männer den ganzen Block, so daß es unmöglich war, zu entkommen. Je zwei SS-Männer gingen, mit Pistolen bewaffnet, in die Wohnungen, die durch den Stern an der Tür gekennzeichnet waren, und nahmen nach wüsten Durchsuchungen alle Menschen mit, die sie vorfanden. Die Wohnungen wurden versiegelt, die Menschen in das Möbelauto verladen, und die Fahrt ging zum nächsten Wohnblock. An manchen Tagen fuhren bis zu dreißig Wagen durch Berlin.


18.10.1941

Die letzten Minuten der Charlotte Friedländer vor ihrer deportation aus Berlin
Sie hatte gewartet, zwei Tage lang. Charlotte Friedländer saß ruhig zwischen ihren Kindern und Enkeln, seit sie die Aufforderung erhalten hatte, sich zur Deportation bereitzuhalten. Ihre Enkelin überlieferte der Nachwelt, wie sie die letzten Minuten mit ihrer Familie in Berlin verbrachte: "Keine Träne, kein Wort. Was man sagen würde, wenn man etwas sagen wollte, wusste jeder, also konnte es unausgesprochen bleiben. ,Achte auf Dich, bleib gesund, gib uns Nachricht, wir werden schreiben, wir werden Dich vermissen, Mutter. – Wir sehen uns wieder, Kinder.’"
Dann kam die angegebene Zeit, der Lastwagen der Polizei war pünktlich. "Ein kurzer, ernster Abschied. Ein Blick von einem zum anderen, mehr nicht. Eine harte Stimme forderte den Brief und die Kennkarte."

Charlottes Schwiegersohn wollte ihren einzigen Koffer zum Lastwagen hinübertragen, doch nicht einmal das durfte er:

"Sie bleiben hier!"

Ein letztes Winken, dann folgte der Abtransport
Seine Tochter sah ihre Oma hinübergehen zum Wagen; sie stellte den Koffer auf die Ladefläche und kletterte selbst hinauf. "Großmutter hob die rechte Hand in Hüfthöhe und bewegte sie sacht. Ihr letztes Winken. Keine Träne, nur ein Gesicht, wie man es sich trauriger nicht vorstellen kann."


23.10.1941


Auswanderungsverbot für Juden

Auswanderungsverbot für Juden


24.10.1941

Mit Schnellbrief vom 24.10.1941 teilte der Chef der Ordnungspolizei in Berlin den Polizeibehörden die beabsichtigte Evakuierung von 50.000 Juden aus Deutschland, Österreich und der Tschechoslowakei in die Gegend um Riga und um Minsk mit.
Die Transportzüge von je 1000 Personen werden in Berlin, Hamburg, Hannover, Dortmund, Münster, Düsseldorf zusammengestellt.


29.10.1941

Ein US-Korrespondent beobachtet die "Evakuierungen"
Natürlich wollten auch die wenigen, noch in der Reichshauptstadt tätigen, ausländischen Journalisten mehr wissen über die "Evakuierungen". Der wohl letzte verbliebene Korrespondent der US-Nachrichtenagentur United Press erfuhr von der geplanten Abfahrt eines "Judenzuges" am
29. Oktober 1941. Es war die dritte Deportation aus Berlin. Der Bahnhof Grunewald war abgesperrt, die Postenkette stand rund 180 Meter vom Zug entfernt. Dennoch fand der Journalist eine Position, von der er die Vorgänge beobachten konnte.
"Eilig, effizient und mit so viel Geheimhaltung wie die Situation erlaubte ordneten deutsche Polizisten und Bahnarbeiter die menschliche Fracht von etwa tausend Juden für den erzwungenen Abtransport", telegrafierte er nach Amerika. Außer Reichsbahnmitarbeitern und Gestapo befand sich nach der Verladung nur eine Gruppe jüdischer Gepäckträger am Bahngleis.
Sie wurden als Gruppe zu Lastwagen geführt, doch der US-Reporter konnte trotzdem kurz mit einem von ihnen sprechen. Doch er konnte nur sagen, dass das Ziel des Zuges "irgendwo in Polen" läge, und dass diesmal nicht Personen-, sondern Güterwaggons benutzt worden seien. Schon am nächsten Tag konnten die Leser der "New York Times" seinen Bericht lesen – als nüchtern aufgemachten Einspalter auf der sechsten Seite der Zeitung.


14.11.1941

Am 14.11.1941 verließ der 4. Transport mit 1030 Juden Berlin mit dem Ziel Ghetto Minsk. Infolge des großen Umweges kam der Transport erst am 18.11.1941 gegen 10 Uhr vormittags in Minsk an.


23./24.04.1942

Im WVHA in Berlin findet eine Versammlung aller Kommandanten der Konzentrationslager und der Werkleiter, die KL Häftlinge beschäftigen, statt, um die Richtlinien für den Arbeitseinsatz und die Arbeitsorganisation der Häftlinge zu klären.


11.03.1942

Die Berliner Gestapo teilt den Rüstungsbetrieben in einer weiteren Beratung mit, daß und welche Vorbereitungen für die Unterbringung der jüdischen Zwangsarbeiter in Baracken zu treffen sind, wenngleich Hitlers Zustimmung zur Trennung der Familien noch ausstehe: "Die nicht arbeitsfähigen Juden werden evakuiert, in nächster Zeit 8.600."Die Baracken stünden in Kürze zum Erwerb bereit "und können nach endgültiger Evakuierung der Juden, über deren Zeitpunkt keine Angaben gemacht werden konnten, beliebige Verwendung finden". Ersetzt würden die jüdischen Zwangsarbeiter "zu gegebener Zeit" durch deportierte Zwangsarbeiter aus dem Osten, möglicherweise Russen.


15.08.1942

Am 15.08.1942 verläßt der Sonderzug Da 401 (18. Osttransport) mit 1004 Juden Berlin. Abfahrtsort war der Güterbahnhof Berlin-Moabit, zwischenhalt in Berlin war an der Quitzow- und der Putlitzstraße. Ziel war das Ghetto Riga. Der Zug erreichte Riga am 18.08.1942. Die Deportierten wurden bald nach ihrer Ankunft auf dem Bahnhof Riga-Skirotava in den Wäldern von Rumbula und Bikernieki ermordet. Darunter auch 57 Kinder unter zehn Jahren.


08.09.1942

Am 08.09.1942 verläßt ein Sonderzug mit 100 Personen Berlin. Ziel ist Theresienstadt. Der Zug erreicht die dortige Bahnstation am 08.09.1942. Es handelte sich um den 59. Alterstransport.


18.09.1942

Am 18. September 1942 teilt die Jüdische Kultusvereinigung zu Berlin den betroffenen Berliner Juden mit: "Ihre Abwanderung... ist für den Donnerstag, 24. September 1942, behördlich angeordnet worden ... Das gesamte mitzunehmende Gepäck darf nicht mehr als 50 Kilogramm wiegen! Wer sich nicht an diese Bestimmungen hält, muß mit dem Verlust seines Gepäcks rechnen. Am Montag, 21.09. ab 8 Uhr wird Ihre Wohnung durch einen Beamten versiegelt werden. Sie müssen sich zu diesem Zeitpunkt bereithalten. Wohnungs- und Zimmerschlüssel sind dem Beamten auszuhändigen. Sie selbst werden dann mit einem von uns bestellten Wagen nach der Sammelunterkunft Große Hamburger Straße 26 gebracht werden." "Unsere von der Abwanderung betroffenen Mitglieder müssen sich bewußt sein, daß sie durch ihr persönliches Verhalten und die ordnungsgemäße Erfüllung aller Anweisungen entscheidend zur reibungslosen Abwicklung des Transports beitragen können."


24.09.1942

Vorgeschichte
Die Jüdische Kultusvereinigung in Berlin, teilte am 18. September 1942 den Berliner Juden mit: "Ihre Abwanderung, ist für den Donnerstag, 24. September 1942, behördlich angeordnet worden. Das gesamte mitzunehmende Gepäck darf nicht mehr als 50 Kilogramm wiegen! Wer sich nicht an diese Bestimmungen hält, muß mit dem Verlust seines Gepäcks rechnen. Am Montag, 21.09. ab 8 Uhr wird Ihre Wohnung durch einen Beamten versiegelt werden. Sie müssen sich zu diesem Zeitpunkt bereithalten. Wohnungs- und Zimmerschlüssel sind dem Beamten auszuhändigen. Sie selbst werden dann mit einem von uns bestellten Wagen nach der Sammelunterkunft Große Hamburger Straße 26 gebracht werden." Der Vorstand der Kultusvereinigung, der sich dem tragischen Auftrag nicht entziehen mochte, vergaß nicht einmal die Todes-Kandidaten zu Ruhe und Besonnenheit zu mahnen: "Unsere von der Abwanderung betroffenen Mitglieder müssen sich bewußt sein, daß sie durch ihr persönliches Verhalten und die ordnungsgemäße Erfüllung aller Anweisungen entscheidend zur reibungslosen Abwicklung des Transports beitragen können."

Am 24.09.1942 werden mit dem
Transport I/69 100 Juden u. unerwünschte Elemente aus der Sammelunterkunft Große Hamburger Straße 26 in Berlin ins Ghetto Theresienstadt deportiert.


19.10.1942

Am Montag den 19.10.1942 verläßt der von der Deutschen Reichsbahn eingesetzte Sonderzug ("21. Osttransport") mit 959 Menschen den „Güterbahnhof Putlitzstraße“ in Berlin-Moabit nahe dem Westhafen. Dieser Transport bestand ausschließlich aus Einwohnern Berlins, deren Durchschnittsalter mit 36,7 Jahren errechnet wurde.
Ziel der dreitägigen Fahrt war das etwa eintausend Kilometer entfernte
Ghetto Riga in Riga. Man kann davon ausgehen, das die meisten der Menschen nachdem sie durch die Gestapo aus ihrern Wohnungen abgeholt worden waren, in das Berliner Sammellager Große Hamburger Straße 26 gebracht wurden. In dem Sonderzug befanden sich zudem 140 Kinder im Alter bis zu zehn Jahren, so auch der Knabe Gert Rosenthal (geb. 26. Juli 1932), (Bruder des späteren Entertainers Hans Rosenthal), der als Vollwaise in dem – mit diesem Transport aufgelösten – Jüdischen Kinderheim an der Schönhauser Allee 162 gewohnt hatte.
Auf der handschriftlichen Titelseite der Liste steht am unteren Ende groß der Vermerk „Welle 34“, wobei eine „Welle“ die Bezeichnung für mehrere unmittelbar aufeinanderfolgende Transporte war, in diesem Fall aber nur für den Transport am 19. Oktober 1942 galt. Die Liste wurde von der Geheimen Staatspolizei (Gestapo), Staatspolizeileitstelle Berlin, an die Vermögensverwertungsstelle des Oberfinanzpräsidenten Berlin-Brandenburg gesandt; der zugehörige Begleitbrief ist auf den 23. Oktober 1942 datiert – den Tag nach dem Todestag der überwältigenden Mehrheit der am 19. Oktober nach Riga Deportierten. Das Geschäftszeichen lautet „Stapo IV C 3 -J.E.-“, und letztere Abkürzung ist vermutlich als „Juden-Evakuierung“ aufzulösen, da als Betreff angegeben ist: „Evakuierte Juden.“ Die Unterschrift ist unleserlich. Dem Brief beigefügt sei „eine Transportliste über diejenigen Juden, deren Vermögen im Rahmen der Abschiebung durch Einziehung dem Reiche angefallen ist.“ Das Vermögen sei „teils verfallen, teils durch Einziehung auf das Deutsche Reich übergegangen.“ Die entsprechenden „Vermögenserklärungen“ seien gleichzeitig beigefügt, heißt es abschließend.
Am 22. Oktober 1942 erreichte der Berliner Transport den Bahnhof Skirotava etwa 8 km südöstlich von Riga. Obwohl in diesem Zug 264 Menschen, zwischen 16 und 40 Jahre alt waren, wurden bei der nach ihrer Ankunft vorgenommenen Selektierung nur 81 Männer mit handwerklichen Berufen ausgesucht und anschließend sofort am Bahnhofsgelände zum Entladen von Kohlenwaggons eingesetzt. Anschließend wurden sie verschiedenen Arbeitskommandos, darunter einem Schlachthof, zugeteilt. Nur 17 von ihnen überlebten den Krieg. Alle anderen Insassen des Transports wurden sofort nach der Ankunft in die umliegenden Wälder gebracht und dort an Gruben ermordet.“


09.12.1942

am 09.12.1942 verläßt der 24. Osttransport mit 1.000 Juden und unerwünschten Elemente Berlin. Ziel ist das KL Auschwitz. Der Transport erreicht Auschwitz mit 980 lebenden Menschen am 10.12.1942. 20 Menschen ist unterwegs die Flucht gelungen oder sind unterwegs verstorben. Bei der Selektion werden 137 Männer (Nummern 26621-26645) und - möglicherweise -28 Frauen (Nummern 81263-81399), mithin insgesamt allenfalls 165 Menschen im Lager aufgenommen. 815 Menschen werden der Sonderbehandlung zugeführt.


15.12.1942

Am 15.12.1942 verläßt der Sonderzug I/80 mit 100 Personen Berlin. Ziel dieses Zuges ist das Ghetto Theresienstadt. Der Transport erreicht Theresienstadt am 15.12.1942.


02.03.1943

Mit diesem 32. Osttransport wurden 1756 Männer, Frauen und Kinder ins KZ Auschwitz deportiert


03.03.1943

Am 03.03.1943 verläßt der 33. Osttransport mit 1726 Deportierten mit Ziel Auschwitz Berlin. Der Transport trifft in Auschwitz am 04.03.1943 ein.


12.03.1943

Mit dem 36. Osttransport aus Berlin werden am 12.03.1943 344 jüdische Männer sowie 620 jüdische Frauen und Kinder in das Konzentrationslager Auschwitz deportiert. Der Transport trifft am 13. März 1943 in Auschwitz ein. Nach der Selektion werden 218 Männer und 147 Frauen als Häftlinge ins Lager geschickt, die übrigen 599 Personen sofort in der Gaskammer umgebracht.


17.05.1943

am 17.05.1943 verläßt der 38. Osttransport mit 395 Juden und unerwünschten Elemente den Güterbahnhof Putlitzstraße in Berlin-Moabit. Ziel ist das KL Auschwitz. Der Transport erreicht Auschwitz mit mindestens 385 lebenden Menschen am 19.05.1943. allenfalls 10 Menschen ist unterwegs die Flucht gelungen oder sind unterwegs verstorben. Bei der Selektion werden 80 Männer und 115 Frauen im Lager aufgenommen. 190 Menschen werden der Sonderbehandlung zugeführt.


28.05.1943

Am 28.05.1943 verläßt der Sonderzug I/95 als 90. Alterstransport mit Ziel Theresienstadt Berlin. Mit dem 90. Alterstransport vom 28. Mai 1943 wurden das Krankenhaus und die Altersheime Auguststraße und Elsässer Straße in Berlin geräumt. Der Transport erreicht Theresienstadt am 28. Mai 1943


20.01.1944

Am 20.01.1944 werden mit dem Transport I/106 48 "Juden und unerwünschte Elemente" aus Berlin ins Konzentrationslager Auschwitz deportiert. Der Transport erreicht das Lager Auschwitz am 21.01.1944.


21.01.1944

Am 21.01.1944 werden mit dem 100. Alterstransport 64 "Juden und unerwünschte Elemente" aus Berlin ins Ghetto Theresienstadt deportiert. Der Transport erreicht Theresienstadt am 21.01.1944. Aus diesem Transport wurden 23 ermordet, 41 haben überlebt.


09.02.1944

Am 09.02.1944 werden mit dem Transport I/107 (101. Alterstransport) 100 "Juden und unerwünschte Elemente" aus Berlin ins Ghetto Theresienstadt deportiert. Der Transport erreicht Theresienstadt am 10.02.1944


22.02.1944

Am 22.02.1944 werden mit dem 49. Transport (Osttransport) 29 „Juden und unerwünschte Elemente“ von Berlin ins Konzentrationslager Auschwitz deportiert. Der Transport erreicht Auschwitz am 22.02.1944. 3 Personen werden ins Lager übernommen, 26 werden der Sonderbehandlung zugeführt. Unter den deportierten befindet sich auch Ernst Loevy, Letzter Firmeninhaber der S. A. Loevy. Die jüdischen Bronzegießer Albert und Siegfried Loevy fertigten den Schriftzug "DEM DEUTSCHEN VOLKE", Inschrift am Berliner Reichstag 1916 für den Kaiser an. Die neue Widmung nach 1945 am deutschen Parlamentsgebäude lautet: "DEM .EUTSCHEN .OLKE". Welche tragische Geschichte sich hinter der Reichstagsinschrift verbirgt weiß kaum jemand. Die Familiengeschichte der Bronzegießer Loevy blieb dahinter jahrzehntelang verschüttet: Im "Dritten Reich" wurden sie verfolgt und ermordet, Nachkriegsdeutschland interessierte sich nicht für sie. Die Firma "S. A. Loevy" wird Juli 1939 vom Arisierer Hans Bötzelen "übernommen" - nachdem die Loevys noch die Bronzearbeiten für Hitlers Neue Reichskanzlei geliefert hatten.


23.02.1944

Am 23.02.1944 werden mit dem 102. Alterstransport I/108 73 "Juden und unerwünschte Elemente" von Berlin ins Ghetto Theresienstadt deportiert. In diesem Transport waren mehrere Personen (Greifer), die zuvor im Fahndungsdienst der Gestapo eingesetzt waren, das heißt, die nach illegal lebenden Juden gefahndet hatten. Die meisten der Menschen waren zuvor ins Sammellager Berlin-Mitte, Große Hamburger Straße 26 gebracht worden, hier mußten sie unter menschenunwürdigen Zuständen die letzten Stunden vor der Deportation zubringen. Der Transport erreicht Theresienstadt am 23.02.1944. Von den 73 deportierten dieses Transportes wurden 40 Menschen ermordet, 33 haben das Kriegsende überlebt


27.04.1945

Am 27. April 1945 verlegte Generaloberst Tschuikow seinen Gefechtsstand nach Kreuzberg, Mehringdamm/Ecke Schulenburgring. Dort unterzeichnete der "Kampfkommandant von Berlin", General Weitling, am 2. Mai 1945 die Kapitulation für die Hauptstadt.
Den Befehl dazu hatte der deutsche Antifaschist und Leutnant der Roten Armee Stefan Doernberg auf einer Reiseschreibmaschine getippt. Hierher war in den frühen Morgenstunden des 1. Mai auch der letzte Generalstabschef des deutschen Heeres, General Krebs, gebracht worden. Er wollte über einen Waffenstillstand verhandeln. Erfolglos mußte er gehen. Kurze Zeit später erschoß er sich im Führerbunker.


Personenverzeichnis

Politiker (KPD) Nürnberger Stadtrat
Hermann Schirmer
* 02.12.1897 in
Stockheim bei Kronach
+ 12.02.1981 in Berlin (Ost)
verheiratet mit Anna Schirmer
Ihr Sohn Gregor Schirmer übersiedelte 1950 in die DDR, promovierte 1959 zum Dr. jur. und war ab 1965 Professor für Völkerrecht an der Friedrich-Schiller-Universität in Jena, von 1963 bis März 1990 Volkskammerabgeordneter, ab 1977 stellvertretender Leiter der Abteilung Wissenschaften des ZK der SED
arbeitete ab 1914 in Nürnberg bei der MAN und schloss sich zuerst der SPD an. Später wechselte er zur USPD und schließlich zur KPD
00.03.1933 Beschlagnahmung der Bibliothek mit ungefähr 400 Bänden anlässlich einer Hausdurchsuchung
29.04.1933 zusammen mit Hanne Schmitt auf offener Straße verhaftet
01.06.1933-30.06.1933
Polizeigefängnis Nürnberg Ludwigstraße 36 „Schutzhaft“
30.06.1933-07.02.1934 Konzentrationslager
Dachau „Schutzhaft“ Häftlings Nu 2225 und 4178
07.02.1934-26.02.1935 Polizeigefängnis Nürnberg Ludwigstraße 36 Untersuchungshaft
26.02.1935-20.03.1935 in den Gefängnissen Berlin-Moabit und Berlin-Charlottenburg in Untersuchungshaft
00.03.1935 vom Volksgerichtshof wegen Vorbereitung zum Hochverrat zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt
20.03.1935-04.10.1935
Strafgefängnis Nürnberg Mannertstraße 6
05.10.1935-16.10.1936 Konzentrationslager Dachau „Schutzhaft“ Häftlings Nu 8325
23.08.1944-02.09.1944 Konzentrationslager Dachau „Schutzhaft“ Häftlings Nu 93006
1946 kam er in die Bayerische Verfassunggebende Landesversammlung
1948 erster Landesvorsitzender der DKP in Bayern
1956 Herausgeber der links-progressiven Zeitung "Tribüne"
1956 wurde die KPD verboten. Hermann Schirmer verlor sein Stadtratsmandat, er durfte es nach einer Entscheidung des damaligen bayerischen Innenministers Otto Bezold, FDP, nicht einmal als Parteiloser behalten.
bekam 1975 von der DDR den Karl-Marx-Orden verliehen


Täter und Mitläufer 1933-1945

SS-Sturmbannführer
Abb Gustav Dr. phil.
* 23.02.1886 in Berlin
† 28.04.1945 in Berlin
vor 1945 Mitarbeiter im Einsatzstab Reichsleiter Rosenberg

SS-Sturmbannführer u. Kriminalrat
Altekrüger Otto
* 04.02.1899 in Ilsenburg
+ 22.10.1943 Kassel
letzter bekannter Wohnort: Kassel Moltkestraße
vor 1945 Angehöriger der Gestapo

SS-Unterscharführer u. Oberwachtmeister der Schupo
Auerswald Heinz
* 26.07.1908 in Berlin
† 05.12.1970 in Düsseldorf
vor 1945 Kommissar für den jüdischen Wohnbezirk in Warschau (Ghetto)
nach 1945 Rechtsanwalt in Düsseldorf

SS-Oberscharführer
Beck Günther
* 27.10.1917 in Berlin-Wittenau
vor 1945 Angehöriger der Lagermannschaft im KL Auschwitz

SS-Sturmbannführer und Regierungs- und Kriminalrat
Berndorff Emil
* 01.12.1892 Berlin
† nach 1968
vor 1945 Kriminalkommissar im Geheimen Staatspolizeiamt

SS-Schütze
Bräuer Gerhard
* 16.11.1916 in Berlin-Lichtenberg
vor 1945 Angehöriger der Lagermannschaft im KL Auschwitz

SS-Oberscharführer
Broad Pery
* 25.04.1921 in Rio de Janeiro
† 28.11.1993 in Düsseldorf
letzter bekannter Wohnort: Düsseldorf-Rath Derfflingerstraße 14
vor 1945 Angehöriger der Lagermannschaft im KL Auschwitz u. KL Dora-Mittelbau

SS-Obersturmbannführer
Eichmann Adolf (Otto)
* 19.03.1906 in Solingen
+ 01.06.1962 im Gefängnis Ramleh bei Tel Aviv
vor 1945 Leiter des Referats IV B 4 im RSHA (Spediteur des Todes)

SS-Maid (KL Aufseherin)
Ehlert Herta geb. Liess (geschiede Naumann)
* 26.03.1905 in Berlin
+ 04.04.1997
letzter bekannter Wohnort: Bad Homburg
vor 1945 Angehörige der Lagermannschaft im KL Ravensbrück, KL Majdanek, KL Plaszow NL Rajsko u. KL Bergen-Belsen

SS-Unterscharführer
Everth Joachim (Wolfgang)
* 09.11.1907 in Magdeburg
† 08.05.1986 in Berlin
vor 1945 Angehöriger der Lagermannschaft im KL Neuengamme, KL Auschwitz u. Personalstelle IKL

SS-Unterscharführer
Godwinski Alexander
* 17.08.1903 in Beltz
† 22.01.1973 in Berlin
vor 1945 Angehöriger der Lagermannschaft im KL Auschwitz, KL Monowitz, NL Eintrachthütte u. KL Gross-Rosen

SS-Oberscharführer
Haubold Gerhard
* 25.10.1907 in Berlin
vor 1945 Angehöriger der Lagermannschaft im KL Auschwitz u. KL Flossenbürg

SS-Maid (SS-Gefolge)
Haupt Gertrud (Gerda) geb. Bohne
* 03.03.1911 in Magdeburg
letzter bekannter Wohnort: Berlin
vor 1945 Angehörige der Lagermannschaft im KL Ravensbrück u. KL Auschwitz

SS-Oberscharführer
Heinrichsohn Ernst
* 13.05.1920 in Berlin
† 1994
vor 1945 Mitarbeiter des Judenreferats der deutschen Sipo in Frankreich
nach 1945 Bürgermeister von Bürgstadt

SS-Obersturmbannführer und Oberregierungsrat
Heller Reinhold
* 15.07.1885 Freienwalde
+ 07.05.1945 in Berlin-Nikolasee
vor 1945 Kriminalbeamter u. Angehöriger der Gestapo

SS-Brigadeführer und Polizeipräsident
Henze Max
* 23.09.1899 Köthen
+ 10.03.1951 Bromberg (Hingerichtet)
vor 1945 SS-Führer, Politiker u. Polizeipräsident von Kassel, Bromberg, Danzig u. Essen

Hildegard Lächert
* 19. März 1920 in Berlin
+ 1995
Aufseherin in den Konzentrationslagern Ravensbrück, Majdanek und Auschwitz.
Von April bis Juni 1944 war sie als Aufseherin in den Außenlagern Rajsko und Budy des KZ Auschwitz tätig.
Nachdem sie bereits 1946 in Internierungshaft genommen wurde, stand sie beim Krakauer Auschwitz-Prozess vom 24. November 1947 bis zum 22. Dezember 1947 vor Gericht. Am 22. Dezember 1947 wurde sie zu 15 Jahren Zuchthaus verurteilt, die sie bis zu ihrer Entlassung 1956 in Polen verbüßte. Lächert soll nach ihrer Haftentlassung in Heidelberg gelebt und als Hilfsarbeiterin sowie als Putzfrau in einem Bordell gearbeitet haben. Noch 1979 kandidierte sie bei der Europawahl für die rechtsradikale „Aktionsgemeinschaft Nationales Europa" auf Listenplatz 4. Im
Majdanek-Prozess, der ab Mitte der 1970er Jahre vor dem Landgericht Düsseldorf stattfand, wurde sie der Mordbeihilfe in 1196 Fällen beschuldigt und am 30. Juni 1981 wegen gemeinschaftlicher Beihilfe zum Mord an mindestens hundert Menschen zu zwölf Jahren Haft verurteilt.

SS-Unterscharführer
Hinze Günter
* 30.01.1921 in Berlin
letzter bekannter Wohnort: Berlin-Mariendorf Körtingstraße 72
vor 1945 Angehöriger der Lagermannschaft im KL Auschwitz

SS-Sturmmann
Hopfner Bruno
* 20.05.1905 in Berlin
07.11.1940 - 10.08.1943 Angehöriger der Lagermannschaft Gestapogefängnis Pawiak

SS-Hauptsturmführer
Horstmann Rudolf Dr.
* 12.10.1913 in Berlin
† 09.05.1945 in Süderhastedt
vor 1945 SS Arzt im KL Papenburg, KL Sachsenhausen, KL Auschwitz u. KL Bergen-Belsen

SS-Maid (KL Aufseherin)
Fryc Gertrud geb. Stange
* 10.04.1914 in Berlin-Neukölln
vor 1945 Angehöriger der Lagermannschaft (Effektenkommando) im F.K.L Auschwitz

SS-Obergruppenführer u. General der Waffen-SS
Grawitz Ernst (Robert) Prof. Dr.
* 08.06.1899 in Charlottenburg
† 22/23.04.1945 in Potsdam-Babelsberg
vor 1945 Reichsarzt-SS u. Geschäftsführender Präsident des DRK

Funktionshäftling
Grönke Erich
* 15.09.1902 in Berlin
letzter bekannter Wohnort: Freiburg im Breisgau
ab 20.05.1940 Funktionshäftling im KL Auschwitz

SS-Obergruppenführer
Kammler Hans Dr. Ing.
* 26.08.1901 in Stettin
† 09.05.1945 bei Prag
vor 1945 Chef des SS Bauwesens

SS-Hauptsturmführer
Klebeck Kurt
* 03.06.1906 in Berlin
+ 05.05.2004 in Hamburg
Angehöriger verschiedener KL Lagermannschaften

SS-Sturmbannführer u. Major der Gendarmerie
Konrad Erich
* 04.06.1910 in Berlin
† 26.06.1987 in Hannover
vor 1945 Angehöriger Res.Pol.Btl. 101 u. 102
nach 1945 Angehöriger der dt. Polizei u. Md des Niedersächsischen Landtags

SS-Unterscharführer
Klawitter Paul
* 03.02.1907 in Berlin
ab Januar 1941 Angehöriger der Lagermannschaft im KL Auschwitz

SS-Hauptsturmführer
Kramer Günther (Herbert)
* 03.04.1906 in Berlin
letzter bekannter Wohnort: Kiel
vor 1945 Angehöriger der Lagermannschaft im KL Mauthausen u. KL Auschwitz

Funktionshäftling
Krankemann Ernst
letzter bekannter Wohnort: Berlin
† 28.07.1941 (auf Transport)
vor 1945 Funktionshäftling im KL Sachsenhausen u. KL Auschwitz

SS-Obersturmbannführer u. Oberregierungsrat
Kreklow Arnold
* 18.04.1879 in Landsberg an der Warthe
letzter bekannter Wohnort: Nürnberg
vor 1945 Mitarbeiter der Gestapa u. im RSHA

SS-Maid (SS-Gefolge)
Lächert Hildegard
* 19.03.1920 in Berlin
† 01.01.1995 in Berlin
vor 1945 Angehöriger der Lagermannschaft im KL Auschwitz, KL Ravensbrück, KL Lublin-Majdanek, NL Rajsko,. NL Budy u. Durchgangslager Bozen

SS-Sturmmann
Lariviere Heinz
* 16.01.1921 in Berlin
vor 1945 Angehöriger der Lagermannschaft im KL Auschwitz

SS-Sturmbannführer und Kriminaldirektor
Lipik Erich
* 03.07.1897 in Berlin
+ nach 1944
vor 1945 Mitarbeiter der Gestapa u. der Gestapo

SS-Unterscharführer
Lorentz Lothar
* 02.10.1903 in Helbra
† 15.05.1954 in Berlin
ab 00.07.1941 Angehöriger der Lagermannschaft im KL Auschwitz u. NL Neu-Dachs

SS-Sturmbannführer u. Regierungs- u. Kriminalrat
Lüdcke Karl Dr.sc.pol.
* 11.03.1897 in Berlin
vor 1945 Angehöriger der Gestapo u. des SD

SS-Sturmmann
Maschewski Ernst (Franz)
* 16.03.1901 in Berlin
vor 1945 Angehöriger der Lagermannschaft im KL Auschwitz u. NL Eintrachthütte

Meister Kurt
* 11.5.1912 in Berlin
letzter bekannter Wohnort: Berlin
vor 1945 Angehöriger der Lagermannschaft im KL Auschwitz u. KL Monowitz

SS-Hauptsturmführer
Möhlmann Arie
* 19.04.1915 in Ibbenbüren
† 01.10.1989 in Berlin
00.03.1940 - 00.06.1941 Kompanieführer der 1. SS-Wachkompanie im KL Auschwitz

SS-Unterscharführer
Noack Walter
* 05.01.1896 in Berlin
ab 00.09.1944 Angehöriger der Wachmannschaft im KL Auschwitz u. KL Monowitz

SS-Maid (SS-Gefolge)
Orlowski Alice (Minna Elisabeth) geb. Elling
* 30.09.1903 in Berlin
† 1976 in Düsseldorf
vor 1945 Angehörige der Lagermannschaft im KL Ravensbrück, KL Majdanek, KL Auschwitz, KL Plaszow u. NL Budy

SS-Sturmmann
Pahl Heinz (Emil Gustav)
* 27.10.1923 in Berlin
vor 1945 Angehörige der Lagermannschaft im KL Auschwitz

SS-Maid (SS-Gefolge)
Senff Gertrud geb. Heise
* 23.07.1921 in Berlin
letzter bekannter Wohnort: Hamburg Lilienthalplatz
vor 1945 Angehöriger der Lagermannschaft im KL Ravensbrück, KL Lublin-Majdanek, KL Krakau-Plaszow, KL Auschwitz, NL Bremen-Obernheide u. NL Hamburg-Eidelstedt


Wehrwirtschaftsführer
Sohl Hans-Günther Dipl.-Ing.
* 02.05.1906 Langfuhr bei Danzig
† 13. 11.1989 in Düsseldorf
vor 1945 Wehrwirtschaftsführer der Reichsvereinigung Eisen
nach 1945 Vorstandsvorsitzender der Thyssen AG


Verfahren nach 1945

NS-Archiv des MfS, Bezirksverwaltung Karl-Marx-Stadt
Obj. 14 ZB 54/087
Ermittlungsverfahren (nach SMAD-Befehl 201; Kontrollrats-Gesetz Nr. 10; Kontrollrats-Direktiven Nr. 24 und Nr. 38) gegen den ehemaligen Hausmeister der SS-Führerschule der Sicherheitspolizei, Berlin-Charlottenburg, Wachmann der Waffen-SS (2./SS-Totenkopfsturmbann) im KZ-Lager Mauthausen bei Linz und SD-V-Mann Karl Haller, geb. 03.03.1897, wegen Beteiligung an Misshandlungen von KZ-Häftlingen, Denunzierung von politischen Gegnern, wegen Gestapo-Tätigkeit und wegen politischer Tätigkeiten


NS-Archiv des MfS, Bezirksverwaltung Karl-Marx-Stadt
Obj. 14 ZD 54/2964/44
Ermittlungsverfahren (nach SMAD-Befehl 201; Kontrollrats-Gesetz Nr. 10; Kontrollrats-Direktiven Nr. 24 und Nr. 38) gegen den ehemaligen Direktor der Fa. Siemens-Apparate- und Maschinen-Werke, Berlin und Thalheim (Gerätewerk Thalheim), Dr. Horst Knörrich, geb. 26.10.1906, wegen Beteiligung an Misshandlungen von Fremdarbeitern (Ostarbeitern) und wegen politischer Tätigkeiten


Lager und Haftstätten 1932-1946

Gestapo- Gefängnis
Berlin Prinz-Albrecht-Straße 8
Wehrmachts-Untersuchungsgefängnis
Berlin Lehrter Straße 64

Mitbürger der Gemeinde die hier geboren oder gelebt haben und zwischen 1933 bis 1945 verfolgt, deportiert sowie zu schaden gekommen sind.

Nameslisten