Block 11

Block 11 befand sich in der Südwestecke des Konzentrationslagers Auschwitz. Er trug ursprünglich die Nummer 13, doch wurde die Nummerierung nach dem Bau von acht neuen Blöcken in den Jahren 1941-1943 abgeändert, und der Bau erhielt so die Nummer 11.

“Der Block, der nach dem Ausbau des Lager Auschwitz und der Neunummerierung mit der Nummer 11 bezeichnet wurde, unterschied sich von anderen Blocks dem Äusseren nach, durch eine dauernd verschlossene Eingangstür und einen Hof, der von allen anderen Teilen des Lagers durch hohe Mauern abgetrennt war. Ausser denjenigen Häftlingen, die in Block 11 beschäftigt waren, konnte kein Häftling diesen Block betreten noch verlassen.
Schon im Jahre 1940 wurde Block 11 mit der Strafkompanie belegt und in seinem Kellergeschoss der innere Lagerarrest, der sogenannte Bunker eingerichtet.
Vom Erdgeschoss aus führte eine eiserne, ständig verschlossene Tür in diesen Keller. Die linke und die rechte Seite des Bunkers waren durch eiserne Gitter voreinander getrennt. Auf der linken Seite befanden sich die Zellen 1-14, auf der rechten die von 15-28.
Unter ihnen waren:
1.) Zellen mit einem Fenster, welches nach aussen in einen gemauerten Lichtschacht mündete.
Sie enthielten hölzerne Pritschen und Zinkeimer. Diese Zellen, für die SS-Mannschaft bestimmt, hatten hölzerne Fussböden, diejenigen für die Häftlinge Beton.
2.) Dunkelzellen, die keine Fenster besassen, sondern nur kleine, von der Aussenseite durch blecherne Siebe verschlossene Luftlöcher. Ihre einzige Ausstattung bestand aus einem Zinkeimer. Im Bunker befanden sich zwei solcher Zellen.
3.) Stehzellen, die in die gewöhnliche Zelle Nr. 22 eingemauert waren. Ihre Grösse war die Grösse einer normalen Telefonzelle. In diese Zelle konnte man nur durch eine kleine Öffnung im Fussboden gelangen.”

Beschreibung einer im Jahre 1959 durchgeführten Ortsbesichtigung durch das Staatliche Museum Auschwitz:
“Es wurde festgestellt, dass die Fenster der Zellen 7, 9, 16, 18, 23 und 24 sich in ihrer Grösse von den Fenstern anderer Zellen unterscheiden und Spuren von Umarbeitungen aufwiesen.
Ausserdem stehen an der äusseren Seite der Mauer von Zelle 18 Eisenstangen hervor, an denen ein Korb befestigt war, welcher die Öffnung der Luftlöcher verdeckte. Auf dem Plan Nr. 1152, datiert vom ‘16 März 1942’, sind die Zellen Nr. 7, 8, 9 und 20 als Dunkelzellen bezeichnet. In
Zelle 22 sind 4 kleine Stehzellen. Für diese sind auf dem Plan keine Fenströffnungen angegeben. Indem man die Ergebnisse der Besichtigung mit dem heutigen Zustand des Kellergeschosses vom Block 11 vergleicht, kommt man auf den berechtigen Gedanken, dass die Anzahl der Dunkelzellen verschieden war und dass dies ausser den heute bestehenden (Zellen 8 und 20),
auch die Zellen 7 und 9 (Plan 1152) betrifft, ebenso die Zelle 18 (worauf die herausstehenden Eisenstäbe für Körbe hinwiesen, die nur in Dunkel und Stehzellen angebracht waren). Was
die Umarbeitungen an den Fenstern von Zelle 23 und 24 anbetrifft (dieFenster sind durch einschichtig gelegte Ziegel verschlossen, mit einem unregelmässig herausgeschlagenen Loch),
so kann man heute nicht mehr feststellen, ob sie im Zusammenhang mit einer eventuellen Umarbeitung dieser Zellen in Dunkelzellen gemacht wurden.”

Aus der Zeichnung Nr. 4056 vom 26. Juni 1944 ergeben sich folgende Daten: Der Keller von Block 11 war 45,10 m × 13,84 m groß. Die Zellen 1-7, 9-20 und 23-28 wiesen jeweils eine fast gleiche Grundfläche auf, die zwischen einem Mindestwert von 8,41 m² (2,62 m × 3,61 m) und einem Höchstwert von 8,66 m² (2,70 m × 3,21 m) schwankte. Die Zellen 8, 21 und 22 besaßen eine Grundfläche von jeweils etwa 6,5 m², 6,0 m² bzw. 12,3 m². Die Gesamtfläche aller Zellen betrug 238 m². Der Mittelgang hatte eine Grundfläche von 70,46 m² (36,70 m × 1,92 m). Die Grundfläche der Seitengänge belief sich insgesamt auf etwa 86 m². Die Deckenhöhe des Kellers lag bei 2,18 m. Die Zellen 1-7, 9-13, 15-19 und 22-28 hatten Fenster, die mit Eisengittern verschlossen waren, die im oberen Teil der Außenmauern eingelassen waren. Diese Fenster waren 75 cm × 65 cm groß, außer jene der Zellen 7 und 9 (50 cm × 50 cm) und Zelle 22 (32 cm × 42 cm). Zelle 20 besaß kein Fenster, sondern lediglich ein mit einem blechernen Sieb abgedecktes Luftloch (10 cm × 10 cm). Dasselbe galt für die Stehzellen.
Da das Erdgeschoss des Blocks über Straßenniveau lag (es ist über eine Treppe mit 6 Stufen zugänglich), ist der Bunker eigentlich nur ein Halbkeller, d.h. sein Fußboden liegt etwa 1,50 m unter und seine Decke etwa 70 cm über Straßenniveau. Die Fenster der Zellen gehen nach außen, sind aber außen durch eine 90 cm hohe Mauer mit einer Grundfläche von etwa 50 cm × 140 cm umgeben. Zelle 21 besitzt ein vergittertes Fenster, aber keine äußere Mauer. Die Türen der Zellen sind 92 cm × 205 cm groß.

Aquarellszene von Wladyslaw Siwek

Aquarellszene von Wladyslaw Siwek

In dieser Aquarellszene von Wladyslaw Siwek wird in Block 11 ein Mann verhört, der zur Verfolgung von Gefangenen benutzt wird. Der porträtierte Mann, der mit seinem Arm auf dem Stuhl sitzt, ist der Untersturmführer Maximilian Grabner, Direktor der Politischen Abteilung. Wem der brasilianisch-brasilianische Pery Broad untergeordnet war. Fast alle, die dieses Verhör durchliefen, wurden bald in einen Warteraum und dann in den Hof von Block 11 gebracht. Dort wurden sie an der Todeswand erschossen, meist mit einem Schuss in den Hinterkopf oder in den Hals. Menschen wurden manchmal wegen geringfügiger Übertretungen hingerichtet, wie zum Beispiel Brot stehlen oder Kleidung

Im Kellergeschoß von Block 11, dem Arrestblock, befanden sich 4 kleine Räume in der Größe von 90 x 90 cm, in die man durch kleine, an den Eingang einer Hundehütte erinnernde Öffnungen am Fußboden gelangte. Die Zellen wurden durch eiserne Gitter und kleine Brettertüren verschlossen. Die Luftzufuhr bestand aus einer kleinen mit einer Metallblende verschlossenen Öffnung von 5 x 5cm. In den 4 Zellen herrschte daher vollständige Finsternis. In diesen Zellen wurden je 4 Häftlinge untergebracht, zusammen also bis 16 Häftlinge. Bei der Strafweisen Unterbringung in diesen Zellen bestand die besondere Tortur für die Häftlinge darin, daß sie eng aneinandergepreßt stehen mußten und sich nicht hinsetzen konnten. Hinzu kamen die infolge mangelnder Luftzufuhr auftretenden Erstickungserscheinungen. Die Strafe wurde derart vollstreckt, daß der betreffende Häftling nach dem Einrücken vom Arbeitskommando in die Zelle mußte, dort während der ganzen Nacht stand und am folgenden Morgen aus der Zelle heraus wieder zur Arbeit ging.

Blockführer

Namentlich bekannte Blockführer waren folgende Angehörige der Lager-SS:
1942–1944
Eberle Reinhard
1941
Engelschall Georg
1941–1942
Gehring Wilhelm
1942–1943
Kroh Ernst
1943
Lätsch Otto (Arthur)
1943
Müller Kurt Hugo
1943
Ogurek Otto
1942–1943
Schlage Bruno
1941
Seufert Karl
1941
Villain Heinz
Brol Franciszek
Plagge Ludwig
Gerlach Kurt
Kleinmann Werner
Schulz Gustav

Zusätzlich war ein Mitglied der Politischen Abteilung zur Beaufsichtigung der Polizeihäftlinge in Block 11 abgestellt, der auch die Sitzungen des Polizeistandgerichts vorbereitete. Diese Aufgabe übernahm der SS-Mann
Florschütz Willi

Broad-Bericht

Broad-Bericht:
Block 11

Jedem, der das ehemalige Konzentrationslager Auschwitz kennt, ist der Block 11 ein Begriff. Äußerlich unterschied er sich kaum von den übrigen Blöcken. Zu dem Eingang, der an einer Stirnseite lag, führten ein paar Steinstufen, rechts neben der Türe, durch deren Glasfenster man in einen das Gebäude durchlaufenden Mittelgang sah, hing ein unscheinbares, kleines schwarzes Schild mit der Zahl 11. Im Unterschied zu den anderen Blöcken des Lagers war die Tür von Block 11 stets verschlossen. Wenn man schellte, erschien ein SS-Posten, dessen Schritte in dem ausgestorben wirkenden Bau widerhallten. Durch das Fenster betrachtete er mißtrauisch jeden Ankömmling, um ihn dann durch eine kleine Klappe abzufertigen oder falls unbedingt erforderlich einzulassen. In dem Halbdunkel des Gebäudes erkannte man jetzt ein mächtiges Eisengitter mit einer Gittertüre, das den hinteren Teil des Gebäudes abgrenzte. Schon von außen mag einem als unheimlich aufgefallen sein, daß die Fenster fast ganz vermauert waren und nur durch einen handbreiten Spalt Licht spendeten. Selbst die Kellerfenster waren stark vergittert. An einigen Stellen entdeckte man in Höhe der Kellerfenster eigentümliche Blechkästen, deren Bedeutung man sich auch nicht klar zu machen vermochte. Der Platz, der zwischen Block 11 und dem parallel angrenzenden Block 10 lag, war durch beiderseitige, die Stirnseiten der beiden Gebäude verbindende hohe Steinmauern vor den Blicken unerwünschter Neugieriger geschützt. Ein massives Holztor mit einem von innen verschließbaren Guckloch versperrte die Einfahrt zu diesem Hof. Wenn man dann noch sah, daß die Fenster des Nebenblockes durch schräge Bretterverschalungen abgedeckt waren, war man überzeugt, daß es auch mit diesem Hof eine besondere Bewandtnis haben müsse. Aber auch wenn der Ankömmling in dem unmittelbar rechts hinter der Eingangstüre des Blockes eingerichteten Geschäftszimmer seine dienstliche Angelegenheit erledigt hatte und den Block 11 wieder verließ, wußte er eigentlich nur, daß er in dem berüchtigten KA., d.h. Kommandanturarrest war, in dem irgendwo Häftlinge in Zellen eingesperrt wurden, und schöpfte, wenn er die stickige Atmosphäre des Blockes verlassen hatte, unwillkürlich im Freien erst einmal tief Luft.

Im Dienstzimmer des Leiters der Abteilung II der Kommandantur sind alle Sachbearbeiter und Schreiber versammelt. Der Chef, SS-Untersturmführer Max Grabner, hält eine Dienstbesprechung ab. Wichtigtuerisch schwadroniert der mittelgroße Mann hinter seinem Schreibtisch herum. Seine unzusammenhängenden Sätze und sein falsches Deutsch lassen erkennen, daß man trotz der silbernen Schulterstücke vor einem völlig ungebildeten Menschen steht. Eingeweihte wissen, daß er im Zivilberuf auf irgendeiner Alm Kühe hütete. Jetzt trägt er stolz die Uniform des SD und ist seines Zeichens Kriminalsekretär der Geheimen Staatspolizei. Er ist unzufrieden mit der Arbeit der Abteilung. Es werden ihm zu wenig Strafmeldungen gegen Häftlinge und zu wenig Exekutionsanträge unterbreitet. Weichheit wirft er seinen Untergebenen vor, die vor sich hin starren und keine Entgegnung oder gar Rechtfertigung wagen. Sein Befehl, in Zukunft noch mehr Härte walten zu lassen, wird mit einem stummen Hackenzusammenklappen entgegengenommen. Grabner ist wegen seiner skrupellosen Brutalität, seines krankhaften Ehrgeizes und Geltungsbedürfnisses und seiner sprichwörtlichen Falschheit der erste Mann in Auschwitz geworden. Selbst der Kommandant, SS-Sturmbannführer Höß, der Grabner an sich weder an sadistischer Grausamkeit noch an Gewissenlosigkeit nachsteht, vermeidet es möglichst, sich mit diesem gewiegten Stapomann auf Kriegsfuß zu stellen. Die Dienstbesprechung findet wie üblich an einem Sonnabendvormittag statt. Grabner pflegt, wie er sich zynisch ausdrückt, jedes Wochenende zu benutzen, um »den Bunker auszustäuben«. Die gesamte Abteilung hat sich nach der Besprechung ins Lager, Block 11, zu begeben. Eigentlich sind nur drei oder vier Sachbearbeiter erforderlich. Grabner trommelt aber alles zusammen, weil er sich inmitten eines großen Stabes wohl fühlt. Im Block 11 erwartet man im Geschäftszimmer das Erscheinen des Lagerführers, SS-Hauptsturmführer Aumeier. Nach einer seiner Wichtigkeit entsprechenden Wartezeit betritt der kleine Bayer mit wuchtigen Schritten das Zimmer. Seine scharfe, krächzende Stimme verrät, daß man es mit einem Säufer zu tun hat. Die Grausamkeit, die aus seinen Gesichtszügen und Augen spricht, erspart ihm jede Visitenkarte. Er prahlt damit, ein persönlicher Freund Himmlers und Träger des goldenen Parteiabzeichens zu sein. Diensteifrig folgt ihm sein Rapportführer, SS-Unterscharführer Stiwitz. Dann erscheint noch ein SS-Arzt. Die Aufseher des Zellenbaues und einige Blockführer vervollständigen die Kommission, die sich nun in den Keller begibt, um mit dem »Ausstauben« zu beginnen. Von dem breiten Mittelgang, der wie der im oberen Stockwerk durch starke Eisengitter mit Gittertüren unterteilt ist, zweigen kurze, parallele Seitengänge ab. Jeweils drei bis fünf Zellen, deren dicke Eichentüren mit Stahlverschlägen und Gucklöchern versehen sind, liegen an so einem Gang. Die Luft in dem Kellergewölbe ist so stickig, daß man kaum zu atmen vermag. Das unterdrückte Gemurmel hinter den Zellentüren, das grelle Licht der Glühbirnen, das den scharfen Kontrast zwischen dem schwarz gestrichenen Fußboden und den weiß getünchten Wänden hervorhebt, und die an den Mützen der SS-Leute blinkenden Totenköpfe schaffen eine unheilvolle Atmosphäre.

Ein Arrestaufseher öffnet mit einem umfangreichen Schlüsselbund die erste Zellentüre. Außerdem müssen noch zwei Eisenriegel zurückgeschoben werden. Eine Flucht ist aus diesem Gefängnis, das sich außerdem noch innerhalb der das Lager umgebenden Starkstromhindernisse befindet, ausgeschlossen. Aus der überfüllten, engen Zelle strömt einem ein würgender Gestank entgegen. Ein Gefangener ruft »Achtung!« und mit teilnahmsloser Miene nehmen die ausgemergelten Gestalten in ihren schmutzigen blau-weißen Lumpen in einer Reihe in der Zelle Aufstellung. Einigen sieht man an, daß sie sich nur mit Mühe aufrecht halten. Mit der Gleichgültigkeit von Menschen, deren Lebenswille bereits gebrochen ist, lassen sie die folgende Prozedur über sich ergehen, die sie vielleicht schon einige Male glücklich überstanden haben und die über Leben und Tod entscheidet. Aumeier hält eine Liste aller Arrestanten gegen die Tür, über die er nun mit Grabner zusammen hier unten Gericht halten will. Der erste nennt seinen Namen und gibt an, wie lange er schon im Zellenbau sitzt. Der Lagerführer fragt kurz den Rapportführer nach dem Einlieferungsgrund. Falls der Häftling von der Abteilung II eingesperrt wurde, was namentlich bei Fluchtversuchen der Fall war, ist Grabner zuständig. Die beiden Lagergewaltigen entscheiden dann: Strafmeldung 1 oder Strafmeldung 2. Die Häftlinge, die zu diesen beiden Kategorien bestimmt werden, verlassen die Zelle und müssen in zwei Gruppen auf dem Mittelgang antreten. Die übrigen bleiben in »Untersuchungshaft« zurück. Die »Straftaten« derjenigen Häftlinge, für die Strafmeldung 1 verfügt wird, bestanden beispielsweise darin, daß sie sich irgendwo ein paar Kartoffeln genommen hatten, ein Wäschestück zu viel besaßen, während der Arbeitszeit eine Zigarette rauchten und dererlei Bagatellen mehr. Sie haben das Glück, mit einer Prügelstrafe oder einer gewissen Zeit Strafkompanie, das bedeutet besonders schwere Arbeit, davonzukommen. Anders ergeht es den Unglückseligen, deren weiteres Schicksal durch den Tarnausdruck »Strafmeldung 2« bestimmt wird. Für alle deutlich sichtbar malt Aumeier hinter den betreffenden Namen mit Blaustift ein dickes Kreuz und begrenzt die Ecken sorgfältig mit kleinen Querstrichen. Es war wirklich niemandem mehr ein Geheimnis, was »Strafmeldung 2« bedeutete. Die Gruppe der leichteren Fälle, denen für dies Mal noch das Leben geschenkt wird, bringt man nun ins Lager, um die ihnen zugedachten Strafen zu vollstrecken. Die großen Gemeinschaftszellen, die sich im Erdgeschoß und im ersten Stock des Blockes befinden und in denen oftmals über hundert Menschen in einem Raum zusammengepfercht wurden, entleert man, soweit sie Aussicht auf den Hof gestatten, und führt die Insassen, Häftlinge und von einander getrennt männliche und weibliche Zivilgefangene in Zellen auf der anderen Seite. Die Todeskandidaten werden in einen im Erdgeschoß liegenden Waschraum geführt. Häftlinge, die im Block 11 als Reiniger und Schreiber tätig sind, verhängen mit einer Decke das Fenster und sorgen dafür, daß sich ihre unglücklichen Leidensgenossen ausziehen. Mit Kopierstift malen sie diesen Menschen, die sichtlich mit dem Leben abgeschlossen haben und vielleicht mit einer gewissen Erleichterung wissen, daß sie in wenigen Minuten für immer von ihren Peinigern befreit und von den erduldeten Leiden erlöst sein werden, mit großen Zahlen ihre Häftlingsnummer auf den Oberkörper, um die Registrierung der Leichen in der Leichenhalle oder im Krematorium zu ermöglichen. Unterdessen haben sich Aumeier, Grabner und ein Teil der übrigen SS-Leute auf den Hof begeben. Der größte Teil war jedoch inzwischen gegangen. Die Anwesenheit von Grabner ist niemand angenehm, denn von einem Stapomann dauernd wegen angeblicher Weichheit getadelt zu werden, ist gefährlich. Dabei befanden sich unter seinen Leuten in der Mehrzahl Fanatiker, die alles andere als weichherzig veranlagt waren.

An der einen Steinmauer im Hof des Blockes 11 steht die schwarze Wand. Für Tausende unschuldiger Menschen, Patrioten, die nicht um materieller Vorteile willen ihre Vaterlandsliebe zu verraten bereit waren, für Menschen, denen es geglückt war, aus der Hölle von Auschwitz zu entfliehen und die das bittere Los betraf, wieder ergriffen zu werden, für nationalbewußte Männer und Frauen aus allen einst von den Deutschen besetzten Ländern ist diese Wand aus schwarzen Isolierplatten zum Endmeilenstein ihres Daseins geworden. Der Rapportführer oder ein Arrestaufseher vollzieht die Erschießung. Um nicht die Aufmerksamkeit der Passanten zu erregen, die auf der nicht weit hinter der Steinmauer vorbeiführenden Landstraße entlanggehen, wird ein Kleinkalibergewehr mit einem Magazin für 10 bis 15 Schuß verwendet. Aumeier, Grabner und der jeweilige Henkersknecht der bereits das schußfertige Gewehr hinter dem Rücken verborgen hält, stehen im Vollgenuß ihres Machtbewußtseins in Positur. Im Hintergrund warten verängstigt einige Totenträger mit Bahren auf ihre traurige Beschäftigung. Sie können das Grauen nicht bezähmen, das aus ihrem Gesichtsausdruck spricht. Neben der schwarzen Wand steht ein Häftling mit einer Schaufel. Ein ausgesucht starker Gefangener des Reinigungspersonals bringt im Laufschritt die ersten beiden Opfer. Er hält sie an den Oberarmen fest und drückt sie mit dem Gesicht gegen die Wand. »Proste« (geradeaus), kommandiert jemand, falls sie die Köpfe seitwärts drehen. Obwohl diese wandelnden Skelette, von denen manch einer monatelang in den stinkenden Kellerzellen ein Dasein fristete, wie man es keinem Tier zumuten würde, kaum noch auf den Beinen stehen können, rufen viele von ihnen in dieser letzten Sekunde »Es lebe Polen« oder »Es lebe die Freiheit!« Der Henkersknecht beeilt sich dann jedesmal mit dem Genickschuß oder sucht sie durch brutale Schläge zum Schweigen zu bringen. Die so machtbewußten SS-Leute stoßen dann zwar ein krampfhaftes Lachen aus, hören aber solche Zeugnisse durch keinen Terror zu brechenden Nationalstolzes und unbeugsamer Freiheitsliebe nicht gerne. So starben Polen und Juden, von denen die Nazipropaganda doch immer behauptete, daß sie um Gnade winselnde Sklavenkreaturen seien, denen keine, bzw. keine auch nur im entferntesten den Deutschen entsprechende Lebensberechtigung zukäme! Ob bei Männern oder Frauen, Jugendlichen oder Greisen, fast ausnahmslos mußten sie das gleiche Bild sehen, daß diese Menschen sich mit letzter Kraft zusammenrissen, um aufrecht zu sterben. Kein Winseln um Gnade, oftmals ein letzter Blick abgrundtiefer Verachtung, den diese primitiven Mordgesellen mit sadistischer Wut zu beantworten wußten.


Kaum hörbar fällt Schuß auf Schuß. Röchelnd brechen die Opfer zusammen. Der Henker stellt fest, ob seine Genickschüsse, die er aus wenigen Zentimetern Entfernung abgibt, gut sitzen. Er tritt den am Boden Liegenden auf die Stirne, zieht die Haut zurück, um auf diese Weise festzustellen, ob ihr Blick gebrochen ist. Aumeier und Grabner sehen sachverständig zu. Wenn ein Erschossener noch röchelt, dann befiehlt einer dieser beiden SS-Führer: »Der muß noch einen kriegen!« Ein Schuß in die Schläfe oder ins Auge bereitet dann diesem unglücklichen Leben ein endgültiges Ende. Im Laufschritt eilen die Leichenträger mit den Bahren hin und her, laden die Toten auf und werfen sie am anderen Ende des Hofes auf einen Haufen. Immer mehr blutüberströmte Leiber liegen dort. Noch minutenlang strömt den Erschossenen in einem feinen Strahl das Blut aus der Einschußwunde am Hinterkopf und ergießt sich über den Rücken. Stumm und ohne äußerliches Zeichen einer inneren Bewegung tritt jedesmal, wenn zwei Erschossene abtransportiert werden, der Häftling mit Schaufel heran und bedeckt die schaumigen Blutlachen mit Sand. Mechanisch lädt der Henker jedesmal sein Gewehr durch und führt Exekution auf Exekution durch. Entsteht einmal eine Verzögerung, dann setzt er die Waffe ab, pfeift sich ein Liedchen oder unterhält sich mit den Umstehenden über betont gleichgültige Themen. Er will mit dieser zynischen Haltung zeigen, wie wenig es ihm ausmacht, »dieses Pack umzulegen« und wie »hart« er ist. Er ist stolz darauf, ohne jede Gewissensempfindung diese unschuldigen Menschen umzubringen. Wenn einer nicht den Kopf stillhält, dann preßt er ihm die Gewehrmündung ins Genick und drückt ihn mit dem Gesicht an die Wand. Das geschieht vor allem auch bei patriotischen Rufen, denn die SS-Leute ahnen, welche moralische Stärkung und Aufrichtung des Nationalbewußtseins diejenigen Häftlinge empfangen, die jenseits der Steinmauer diese letzten Kundgebungen fanatischen Glaubens zu Tode gequälter Märtyrer hören. Oft wird die letzte Sekunde der an der schwarzen Wand stehenden Menschen qualvoll verlängert. Sie spüren, wie ihnen die kalte, mit Blut besudelte Gewehrmündung ins Genick gehalten wird, hören das Knacken des Gewehrhahns ... Ladehemmung! Gelangweilt setzt der Henker ab, bastelt umständlich an der Waffe herum, spricht mit den Anwesenden darüber, daß es Zeit sei, ein neues Gewehr zu beschaffen. Um die Todesqualen des an der Wand wartenden Opfers kümmert sich niemand. Ein eiserner Griff umklammert seinen Arm und hält ihn fest. Schließlich wird das Gewehr wieder angesetzt. Diesmal kann es funktionieren, es können sich aber noch weitere Ladehemmungen einstellen. Nach etwa einer Stunde ist dieses unbeschreiblich grauenhafte Schauspiel vorbei. Grabner hat seinen Bunker »ausgestaubt« und sitzt nun bei einem guten Frühstück. Der Hof von Block 11 liegt wieder wie ausgestorben da. Der Sand vor der unbeteiligt dastehenden schwarzen Wand ist frisch geharkt. Über ein paar großen schwarzroten Flecken am anderen Ende des Hofes brummt ein Fliegenschwarm. Durch das Lager führt eine breite, dunkle Spur. Sie kommt von dem massiven Holztor mit dem Guckloch, das die Einfahrt zum Hof des Blockes 11 versperrt und zieht sich zum Lagerausgang hin in Richtung Krematorium. Am Lagertor spielt gerade die Häftlingskapelle einen flotten deutschen Marsch zum Aufbruch der Nachmittagsschicht der Arbeitskommandos. Es ist nicht leicht, mit den unförmigen Holzschuhen und den wundgeriebenen Füßen Gleichschritt zu halten, aber wer auffällt, bekommt einen unbarmherzigen Fußtritt oder einen Faustschlag ins Gesicht. Im Waschraum des Blockes 11 sortieren die Reiniger die armseligen Kleidungsstücke der Ermordeten. Der Henker entfernt in bester Laune einige Blutflecken von seiner Kleidung und macht sich fertig zu einem Truppenbetreuungsvortrag. Thema: »Die europäischen Aufgaben der SS«

Klodzinski Stanislaw

1. Frankfurter Auschwitz-Prozess (Strafsache gegen Mulka u.a., 4 Ks 2/63)
Landgericht Frankfurt am Main
46. Verhandlungstag, 15.05.1964 und 48. Verhandlungstag, 22.05.1964

Aussage Häftlingsarzt Klodzinski Stanislaw
Im September 1941 wurden die Schwerkranken, in erster Linie Tuberkulosekranke, und die sowjetischen Kriegsgefangenen ausgesucht und auf den Block 11 gebracht, wo die erste versuchsweise durchgeführte Vergasung stattgefunden hat.

Zenon Rozanski

Häftlingsnummer 8214 (Angehöriger der Strafkompanie)
Aussage zu den Vorgängen zum 03. - 05.09.1941 (erste Vergasung von Menschen mit
Zyklon B)
“An einem Septembertage führte man uns, nachdem wir die Arbeit beendet hatten, nicht auf unserem Block 11 zurück, sondern auf den Boden des noch unausgebauten Blocks 5. Als Grund für die unverständliche Umquartierung gab uns der Blockälteste die Desinfektion des alten Blocks an. Weil sich der fünfte Block im Bereich des allgemeinen Lagers befand, rief diese Umquartierung eine allgemeine Freude hervor. Hier waren wir vor ‘Appellauftritten’ der Kapos gesichert, und außerdem gab das Fehlen der Isolationsmauer unseren Kameraden aus dem allgemeinen Lager die Möglichkeit, uns etwas zum Essen zu reichen. Nach einem ganz ruhigen Appell bildeten zwar die Kapos, Stubenältesten und Vorarbeiter ein Spalier, das unseren Block vom restlichen Lager trennte, trotzdem erhielten viele Kameraden ganz anständige ‘Lebensmittelabfälle’... Den nächsten Tag kam die Nachricht durch, daß man einen ganzen Transport russischer Kriegsgefangener auf Block 11 getrieben hatte. Dieses Ereignis wurde verschieden ausgelegt. Einige behaupteten, daß man die Strafkompanie gänzlich auflösen wollte, andere wußten aus ganz ‘sicherer Quelle’, daß man die Russen auf unserem Block richten würde, andere wieder machten geheimnisvolle Mienen, die ausdrücken, daß sie viel wüßten, aber nichts sagen könnten. Das eine war jedoch sicher: Auch an diesem Tag würden wir nicht auf die ‘11’ zurückkehren.
Und am Morgen des dritten Tages ließ Wacek, der Stubendienst, mit wichtigtuerischer Miene jene Häftlinge vor dem Abmarsch zur Arbeit hervortreten, die gut gebaut waren und die man noch als stark bezeichnen konnte. Auch ich befand mich unter den zwanzig Auserwählten. Die Kompanie marschierte zur Arbeit ab, wir aber blieben auf dem Block.
Niemand von uns wußte, worum es geht. Nach einer halben Stunde kam Wacek zu uns.
‘Mal herhören! Ihr seid im Lager geblieben und bekommt einen zweiten ‘Schlag’ beim Essen. Ihr geht aber sofort an eine ‘Spezialarbeit’. Dabei werdet ihr auch etwas organisieren können, nur müßt ihr die Schnauze halten.
Verstanden?’.
Keiner hatte ihn zwar verstanden, trotzdem antworteten wir einstimmig:
‘Jawohl!’.
Die nächste Viertelstunde warteten wir in den Reihen ab, bis
Gerlach kam. Dieser musterte uns genau, nickte mit dem Kopf und wandte sich an uns mit einigen unklaren Sätzen, wie es schon Wacek getan hatte:
‘In einigen Minuten werdet ihr an eine ‘Vertrauensarbeit’ gehen. Wenn irgend jemand von euch über das, was er zu sehen bekommt, auch nur ein Wort fallen läßt – hier führte Gerlach mit der Hand eine bezeichnende Bewegung um den Hals –, ‘Kaputt!… Ein Häufchen Asche im Krematorium!
Zu essen bekommt ihr genügend viel… Verstanden?’.
Wir verstanden auch weiter nichts. Nur eins wurde uns klar: Die Arbeit, zu der man uns bestimmt hatte, konnte uns die Köpfe kosten. Das verstanden wir alle. Immerhin wirkte die Erklärung, daß wir ausreichend zu essen bekommen sollten, tröstlich. Das war wichtig. Nach einigen Minuten durchschritten wir in Doppelreihe das Tor des Stammblocks Nr. 11.

Auf dem Hofe befanden sich der Vertreter des Lagerführers Fritsch, SSObersturmführer Mayer, der Rapportführer des Lagers, SS-Hauptscharführer Palitsch, der Lagerarzt, SS-Obersturmführer Entreß, SS-Oberscharführer Clair, SS-Unterscharführer Stark, der Kriminalassistent der örtlichen politischen Abteilung, Woznica, und unsere beiden Blockführer Gerlach und Edelhardt.
Wacek gab den vorschriftsmäßigen Befehl: ‘Mützen ab!’ und meldete Mayer: ‘Zwanzig Häftlinge zur Arbeit angetreten!’.
Dieser wechselte einige Worte mit dem Rapportführer, wonach er zu Wacek etwas sagte.
Der Stubenälteste schrie: ‘Jawohl!’ und wandte sich an uns: ‘Jeder von euch erhält eine Gasmaske. Genau anpassen, damit man die anderen nicht zu rufen braucht, um euch rauszutragen. Verstanden?’.
‘Jawohl!’.
An der Wand stand eine große Kiste mit Gasmasken. Man verteilte sie schnell unter uns.
Nach drei Minuten standen wir schon mit angelegten Gasmasken bereit. SS-Oberscharführer Clair stellte noch fest, ob jedem die Gasmaske auch gut anliegt.
All das ging so schnell, daß wir keine Zeit hatten, Gedanken zu fassen.
Wir scheuten einander nur dumm an, ohne von dem ganzen Geschehen etwas zu verstehen.
Unsere ‘Uninformierten’ legten ebenfalls Gasmasken an. Wacek und der Bunkerkapo, Kurt Pennewitz liefen mehrere Male nervös zum Block und zurück, sprachen dort mit Palitsch, dieser schüttelte unwillig den Kopf, die beiden liefen zurück, und so ging es hin und her.
Schließlich zogen alle SS-Männer die Pistolen hervor. In der Hand von Palitsch blitze feindlich der verchromte Lauf einer Maschinenpistole.
‘Die wollen uns erschießen!’ war unser erster Gedanke. Unsere Kehle schnürt sich zu, die Augenlider beginnen zu brennen. Die Luft in der Maske ist dick, man kann sie nur schwer einziehen.
Unwillkürlich rücken wir enger aneinander. Jemand versucht, die Maske herunterzureißen. Er bekommt dafür mit dem Pistolenkolben einen Schlag auf den Hals und fällt zu Boden. Die Sekunden vergehen unheimlich langsam.

Sie schießen nicht! Noch nicht…

Vielleicht werden sie uns gar nicht erschießen? Dieser neue Gedanke beruhigt mich; ich schaue mich um. Die SS Männer halten schußbereite Pistolen in ihren Händen, schießen jedoch nicht.
Palitsch winkt Wacek mit der Hand.

‘Los! Angefangen!’.

Der Stubenälteste kommt zu uns gelaufen.

‘Kein Angst haben, folgen!’. Er wendet sich zum Block. Wir laufen ihm nach, uns folgen Palitsch, Stark und noch irgendein SS-Mann. Ich befinde mich ziemlich am Ende unserer Gruppe. Der Lauf eines ‘Schießeisens’ des Hintermannes berührt meinen Rücken. Ich dränge mich vor und gehe unmittelbar hinter Wacek her.
Dieser steigt die Treppe herunter. Für einen Augenblick halten wir…alle…Bunker! … Die SS-Männer geben uns aber keine Zeit zum Überlegen.

Am Ende der Gruppe liegt schon jemand.
‘Los! Los!’.

Wacek hält vor der Bunkertür. In der rechten Hand trägt er eine Axt. Er nimmt sie in die linke Hand und holt mit der rechten einen Schüssel aus der Tasche. Man sieht, daß er das Schlüsselloch nicht finden kann, denn es dauert einige Sekunden. Vom Ende der Gruppe ertönt die Stimme von Palitsch:
‘Schneller!’.

Endlich hat er’s. Der Schlüssel dreht im Schloß. Wacek ergreift die Türklinke. Unwillkürlich halte ich den Atem an. Ich befeuchte die inzwischen ganz trocken gewordenen Lippen. Was wird nun?
Wacek geht zurück. Er nimmt die Axt wieder in die rechte Hand. Was soll denn das allen bedeuten?
Was soll hier die Axt?
Warum hat er Angst?
Er ergreift das zweitemal die Türklinke, jetzt mit der linken Hand. Die rechte, in der er die Axt hält, hebt er hoch, als ob er zu einem furchtbaren Hieb bereit wäre. Es wird mit kalt, und plötzlich bekomme ich es mit der Angst zu tun. Das ist aber eine andere Angst als vorher. Jetzt bange ich nicht um mich selbst, nein, ich empfinde jetzt eine panische Angst vor dieser Tür. Das Herz schlägt heftig, unter den Gummibändern der Gasmaske fühle ich deutlich jeden Pulsschlag.
Wacek drückt auf die Türklinke, geht dabei einen halben Meter zurück und reißt die Tür gewaltig auf.
Die Tür geht auf, und ich fühle im demselben Augenblick, wie meine kurzgeschorenen Haare zu Berge stehen. Etwa ein Meter vor mir stehen Menschen! Zusammengedrängt, irgendwie unheimlich verdreht, mit furchtbar hervorstehenden Augen, zerkratzt, mit Blut besudelt, unbeweglich…

Diejenigen, welche an der Tür angelehnt waren, neigen sich merkwürdig steif und fallen auf uns zu und schlagen mit ihren Gesichtern dicht vor unseren Füßen hart auf den Betonboden auf.

Leichen… Ganz steif stehende Leichen…

Sie füllen den ganzen Korridor des Bunkers aus. Dabei sind sie so zusammengedrängt, daß sie ja gar nicht umfallen können. Einen Augenblick wird es mir übel. Waceks Stimme bringt mich wieder zur Besinnung: ‘Erledigt!’ schreit er durch die Maske zu Palitsch und läßt die Axt auf dem Boden fallen.
‘In Ordnung! Raustragen!’.
Jetzt denke ich wieder ganz klar und verstehe alles. Die Leichen tragen Uniformen der Roten Armee. Es ist bestimmt jener Transport, von dem wir gestern während der Arbeit sprachen. Man hat sie alle in den Bunker getrieben und dort vergast. Deshalb haben wir auch die Gasmasken aufsetzten müssen. Das Rätsel ist nun gelöst!
Wacek ergreift den ersten Leichnam unter den Armen und reicht ihn uns weiter. ‘Ach so ist es!’ denke ich nun, ‘unsere Arbeit ist es also, die Vergasten aus dem Bunker zu tragen’. ‘Aufstellen!’, schreit wieder Wacek, ‘macht eine Kette!’. ‘Die Kette’ war gewöhnlich ein Mittel, mit deren Hilfe man Ziegel beim Ausladen aus einem Eisenbahnwagen schnell weiterreichen konnte. Es kam mir aber beim Ziegelladen nie der Gedanke, daß man auf ähnliche Weise auch Menschen ‘laden’ könnte.

Wir arbeiteten bis spät in der Nacht.

Nachdem wir den Bunker geleert hatten, mußten wir noch die Toten nackt ausziehen und deren Bekleidung auf besondere Haufen legen. Am nächsten Tag wanderte sie in die ‘Bekleidungskammer’ und vermehrte deren Bestand.

Wir zählten 1473 russische Uniformen und über 190 Stück Lagerbekleidung.
Die letztere gehörte den Kranken aus dem Krankenbau, welche vom SS-Obersturmführer Entreß als ‘arbeitsunfähig’ bezeichnet und bei der ‘Gelegenheit’ zusammen mit den russischen Kriegsgefangenen vergast wurden…
Nach getaner ‘Arbeit’ brachte man uns zwanzig Mann einen Fünfzigliterkessel voll Suppe, wobei noch jeder von uns ein halbes Brot bekam.
Der ganze Kessel wurde fast unberührt auf den Block zurückgebracht.
Das war in Auschwitz das erste Mal, daß man Gas als Liquidierungsmittel der Häftlinge anwandte.”

Täter

SS-Unterscharführer
Eberle Reinhard
+ im SS-Lazarett an Flecktyphus
1942 bis 1944 Angehöriger der Standortverwaltung (unter anderem Blockführer im Block 11) im KL Auschwitz


SS-Unterscharführer
Kroh Ernst
* 07.08.1910 in Fischern (Rybare)
† 1953 vom AG Groß-Gerau für tot erklärt
1942–1943 Blockführer im Block 11. Erschoß Häftlinge an der Schwarzen Wand)

08.07.1940

Fünf im Lager als Elektriker beschäftigte Zivilarbeiter werden auf Grund von Nachforschungen der Politischen Abteilung (PA) im Zusammenhang mit der Flucht des Häftlings Tadeusz Wiejowski (06.07.1940) verhaftet. Sie werden beschuldigt, Wiejowski bei der Vorbereitung und der Flucht geholfen zu haben. Die Verhafteten werden im Kellergeschoß des Block 11 (hatte zu Zeit noch die alte Nummer 13) untergebracht. Es handelt sich um die Zivilarbeiter: Boleslaw Bicz, Emil Kowalowski, Stanislaw Mrzyglöd, Jözef Muszyriski und Jözef Patek. Nach Verhören und Folterungen werden weitere 11 Häftlinge in den Bunker gesperrt. Ihnen werden Kontakte mit den Zivilarbeitern, die im Lager beschäftigt sind, und Beihilfe zur Flucht des Häftlings Tadeusz Wiejowski zur Last gelegt. Unter den im Bunker von Block 11 eingesperrten Häftlingen, die dann in die Strafkompanie eingewiesen werden, befinden sich: Jerzy Olek, Rudolf Gregor, Jerzy Urbaiiski, Wladyslaw Szczudlik, Karol Jurek, Pawel Zbieszczyk, Tadeusz Kukulski, Stanislaw Bargiel, Leopold Gonia, Eugeniusz Gerhard Hejka und Zdzislaw Wiesiolek.

16.10.1940

Auf Anordnung des Reichsführers SS Himmler wurden am 16.10.1940 die 11 Häftlinge die der Fluchthilfe des Häftlings Tadeusz Wiejowski beschuldigt wurden, und die mit der Prügelstrafe bestraft und in das KL Flossenbürg überstellt werden sollen, aus der Strafkompanie entlassen und in den Bunker von Block 11 gesperrt.

01.11.1940

Aus dem Bunker werden die 11 Häftlinge zum Appell hinausgeführt, die in die Flucht von Tadeusz Wiejowski verwickelt sind und die der Kontakte mit den Zivilarbeitern im Lager Auschwitz beschuldigt werden. Der Schutzhaftlagerführer, SS-Obersturmführer Karl Fritzsch, liest ihnen das Todesurteil vor und sagt, daß Himmler festgelegt habe, sie mit einer einmaligen Prügelstrafe von 25 Schlägen und der Überstellung für drei Jahre in die Steinbrüche des KL Flossenbürg zu bestrafen. Nach der öffentlichen Verabreichung der Prügelstrafe werden diese 11 Häftlinge wieder in den Bunker des Block 11 gebracht.

09.01.1941

Franciszek Brol (Häftlingsnummer 1159), macht erste Eintragungen in einem von ihm angelegten, damals noch inoffiziellen Heft über die im Bunker von Block 11 im Lagerarrest, eingesperrten Häftlinge. Das Verzeichnis der im Bunker von Block 11 eingesperrten Häftlinge wird offiziell von dem Blockführer, einem SS-Mann, chaotisch und ungenau geführt. Der Blockschreiber führt dagegen eine Anwesenheitsliste der übrigen Häftlinge, die in den Räumen im Erdgeschoß oder im ersten Stockwerk untergebracht sind; er ist verpflichtet, bei Lagerappellen die Gesamtzahl der Häftlinge anzugeben. Nichtübereinstimmungen in den angegebenen Häftlingsstärken verlängern die Dauer des Appells und wirken sich ungünstig auf die Häftlinge aus. Dies veranlaßt den Schreiber, inoffiziell ein eigenes Register anzulegen. Das Bunkerbuch wird später von den SS-Männern akzeptiert.

25.02.1941

Am 25.02.1941 "stirbt" der am 01.09.1915 geborene "Häftling" Kalus Jan (Johann) im Bunker von Block 11. Kalus war am 19.02.1941 in den Bunker gesperrt worden. Kalus gilt als erster Bunkertoter im Block 11.

09.04.1941

Der am 30.06.1930 in Pieniazkowice geborene polnische Häftling Stoch Jozef (Häflingsnummer 10801) wird am 09.04.1941 in den Bunker von Block 11 gesperrt. Er kommt am 11.04.1941 im Bunker ums Leben.

11.04.1941

am 11.04.1941 verstirbt der am 30.06.1930 in Pieniazkowice geborene polnische Häftling Stoch Jozef (Häflingsnummer 10801) im Bunker von Block 11. Stoch befand sich seit dem 09.04.1941 in dem Bunker.

19.06.1941

Um 17:30 Uhr wird der am 10.01.1906 in Jastrzebia geborene "Häftling" Grzywacz Edward in den Bunker von Block 11 eingesperrt. Er kommt noch am selben Tag unter nicht bekannten Umständen ums Leben.

27.06.1941

der am 19.06.1904 in Krakau geborene "Häftling" Zych Julian Häftlingsnummer 5866 wird in den Bunker von Block 11 eingewiesen. Er kommt noch am gleichen Tag im Bunker ums Leben

09.08.1941

am 09.08.1941 wird der am 24.12.1904 in Warschau geborenen "Häftling" Sanowski Roman (Häftlingsnummer 13474) auf der Flucht festgenommen, um 14:30 Uhr ins Lager eingeliefert und in den Bunker von Block 11 gesperrt. Sanowski war am 07.08.1941 aus der Strafkompanie geflohen. Er wird in der Nacht vom 19.08.1941 zum 20.08.1941 "ermordet".

19.08.1941

Fluchtversuch
In der Nacht vom
19.08.1941 zum 20.08.1941 wird der am 24.12.1904 in Warschau geborenen "Häftling" Sanowski Roman (Häftlingsnummer 13474) "ermordet". Sanowski war am 07.08.1941 aus der Strafkompanie geflohen und am 09.08.1941 wieder aufgegriffen, um 14:30 Uhr ins Lager eingeliefert und in den Bunker von Block 11 gesperrt.

01.09.1941

dem am 11.01.1915 in Janow geborenen "Häftling" Nowaczek Jan alte Häftlingsnummer 8488 (Sterbebuch Häftlingsnummer 26056/1942) gelingt am 01.09.1941 in SS Uniform (mit Pistole) die Flucht aus der Strafkompanie. (Die Strafkompanie war an dem Tag in der Kiesgrube neben dem sog. Theatergebäude beim Sandaushub eingesetzt). Nowaczek ist am 27.08.1942 in Auschwitz „verstorben“. Nachdem das Fehlen Nowaczeks festgestellt wurde, werden 19 "Häftlinge" aus der Strafkompanie in den Bunker von Block 11 eingewiesen.

11.09.1941

unter dem Verdacht Vorbereitungen zur Flucht getroffen zu haben, werden die "Häftlinge" Kokielniak Josef (Häftlingsnummer 17421) geb. 24.12.1917 in Hisfeld-Dnislaken, Smulski Stefan (Häftlingsnummer 17497) geb. 23.01.1907 in Lowicz († 07.10.1941 in Auschwitz), Marcula Boleslaw (Häftlingsnummer 17632) geb. 13.07.1913 in Debowe († 29.07.1942 in Auschwitz), Wöjcik Marceli (Häftlingsnummer 17305) geb. 16.01.1907 in Doliska in den Bunker von Block 11 eingeliefert.

15.10.1941

am 15.10.1941 kommt der am 28.08.1923 in Krakau geborenen "Häftling" Karwat Jerzy im Bunker von Block 11 ums Leben.
Hintergrund:
Am
22.09.1941 trifft mit einem Transport aus dem Gefängnis Montelupich in Krakau der am 28.08.1923 in Krakau geborenen Karwat Jerzy im KL Auschwitz ein. (Dieser wird von den deutschen verdächtigt Mitglied einer illegalen Organisation zu sein), aus dem Gefängnis Montelupich in Krakau ins KL Auschwitz deportiert. Nach der Übernahme ins Lager erhält er die Häftlingsnummer 21054. Jerzy ist an Händen und Beinen mit starken, miteinander verbundenen Ketten gefesselt, die auf Anordnung der Gestapo in der Lagerschlosserei gelöst werden. Jerzy Karwat wird sofort in den Bunker von Block 11 gesperrt, wo er am 15. Oktober 1941 ums Leben kommt.
(
Verhaftung, erste Flucht)

24.11.1941

der am 28.03.1915 in Wenzkau (Wieckowy) geborenen “Häftling“ Nakielski Feliks Häftlingsnummer 16004 (Häftlingsnummer Sterbebuch 988/1942) wird in den Bunker von Block 11 eingewiesen. Nakielski hatte am 22.11.1941 einen Fluchtversuch aus dem KL unternommen und war am 23.11.1941 beim Versuch den Fluß Sola zu überqueren, von dem SS-Schützen Johann Kamphuis, Kdtr.-Stab Abteilung II und dem SS-Oberschützen Fritz Rott, 1./SS-T-Stuba. festgenommen und ins KL zurückgebracht. Hier wird er nach Misshandlungen und einem Verhör durch die PL in den Bunker von Block 11 eingewiesen. Er wird am 02.12.1941 in die Strafkompanie eingewiesen. Nakielski wird am 07.02.1942 im KL Auschwitz ermordet.

30.11.1941

Fluchtversuch
Der am 07.10.1920 in Bialystok geborenen Häftlings Linowski Henryk Häftlingsnummer 20384 (Sterbebuch Häftlingsnummer 1324/1942) wird in den Bunker von Block 11 eingeliefert. Grund ist die Flucht Henryks am
29.11.1941 aus dem KL. Linowski Henryk stirbt am 17.02.1942 im Block 11.

03.12.1941

nach einem mißglückten Fluchtversuch wird der am 04.03.1915 in Heinrichswalde geborene "Häftling"Kubiak Jan Häftlingsnummer 17806 (Häftlingesnummer Sterbebuch 829/1942) am 03.12.1941 in den Bunker von Block 11 eingeliefert. Er kommt am 06.02.1942 im Bunker von Block 11 ums Leben.

11.12.1941

Einweisung
am
11.12.1941 um 2:50 Uhr wird neben Turm 21 beim Versuch die Postenkette zu überwinden der am 28.03.1915 in Wenzkau (Wieckowy) geborenen “Häftling“ Nakielski Feliks Häftlingsnummer 16004 (Häftlingsnummer Sterbebuch 988/1942) festgenommen und in den Bunker von Block 11 gesperrt. Es war sein zweiter Fluchtversuch. Er kommt am 07.02.1942 im Bunker ums Leben. (erster Fluchtversuch)

17.12.1941

8 "Häftlinge" der Strafkompanie (die Strafkompanie ist im Block 11 untergebracht) kommen am 17.12.1941 ums Leben. (Namensliste)

Einweisung
der am 28.07.1905 in Gierałtowice geborene "Häftling" Batek Franciszek Häftlingsnummer 22331 (Häftlingsnummer Sterbebuch 288/1942) wird auf Anordnung der Politische Abteilung in den Bunker von Block 11 eingewiesen. Batek verübt am
17.01.1942 im Bunker Selbstmord. Er war mit einem Transport am 28.10.1941 durch die Stapoleitstelle Kattowitz ins KL eingewiesen worden

18.12.1941

11 "Häftlinge" der Strafkompanie (die Strafkompanie ist im Block 11 untergebracht) kommen am 18.12.1941 ums Leben. (Namensliste)

30.12.1941

beim Abendappell (circa 18:00 Uhr) wird das Fehlen des am 10.07.1905 in Oberhalbendorf geborenen "Häftlings" Preußing Arthur (Artur) Häftlingsnummer 17112 gemeldet. Es wird Alarmbereitschaft angeordnet und die große Postenkette wird verstärkt. Gegen 20 Uhr wird er von SS-Posten zwischen den Türmen 15 u. 16 entdeckt. Nachdem diese Warnschüsse (3 Schüsse) auf den fliehenden abgeben, gibt Preußing auf, und er wird von der SS ins Lager zurückgebracht. Er wird später in den Bunker von Block 11 untergebracht wo er ums Leben kommt. Sein Leichnam wird am Morgen des 1. Januar 1942 in die Leichenhalle überführt.

06.02.1942

der am 04.03.1915 in Heinrichswalde geborene "Häftling" Kubiak Jan Häftlingsnummer 17806 (Häftlingesnummer Sterbebuch 829/1942) kommt am 06.02.1942 im Bunker von Block 11 ums Leben. Kubiak war am 03.12.1941 nach einem mißglückten Fluchtversuch in den Bunker von Block 11 eingeliefert worden.

07.02.1942

Tod eines Häftlings
der
am 28.03.1915 in Wenzkau (Wieckowy) geborenen “Häftling“ Nakielski Feliks Häftlingsnummer 16004 (Häftlingsnummer Sterbebuch 988/1942) kommt im Bunker ums Leben. Er hatte zuvor zweimal die Flucht aus dem KL versucht. (erster Fluchtversuch) (zweiter Fluchtversuch)

08.01.1942

Einweisung des "Häftlings" Bebel Ryszard
Nach seinem mißglückten Fluchtversuch wird der
am 08.03.1912 in Brzeziny Duze geborenen "Häftlings" Bebel Ryszard Häftlingsnummer 23062 (Häftlingsnummer Sterbebuch 1307/1942) in den Bunker von Block 11 eingeliefert. Er kommt am 17.02.1942 im Bunker ums Leben. (siehe auch Auschwitz 07.01.1942, 08.01.1942 u. 17.02.1942). Bebel war am 20.11.1941 mit einem Transport ins KL eingewiesen worden.

17.01.1942

Tod des "Häftlings" Batek Franciszek
der am 28.07.1905 in Gierałtowice geborene "Häftling" Batek Franciszek Häftlingsnummer 22331 (Häftlingsnummer Sterbebuch 288/1942) verübt im Bunker von Block 11 Selbstmord. Batek war am
17.12.1941 auf Anordnung der Politische Abteilung in den Bunker von Block 11 eingewiesen worden. Er war mit einem Transport am 28.10.1941 durch die Stapoleitstelle Kattowitz ins KL eingewiesen worden

04.02.1942

nach seinem gescheiterten Fluchtversuch aus dem KL Auschwitz wird der am 28.03.1923 in Zawodzie geborene "Häftling" Kalicinski Tadeusz Häftlingsnummer 26074 festgenommen und in den Bunker von Block 11 eingeliefert. Er kommt am 27.02.1942 im Bunker ums Leben. Kalicinski war am 30.01.1942 mit einem Transport aus dem Gefängnis Radom ins KL eingewiesen worden

17.02.1942

Tod des Häftlings Linowski Henryk
der am 07.10.1920 in Bialystok geborenen Häftlings Linowski Henryk Häftlingsnummer 20384 (Sterbebuch Häftlingsnummer 1324/1942) kommt im Block 11 ums Leben. Er war am
30.11.1941 in den Bunker von Block 11 eingeliefert worden. Grund war sein Fluchtversuch am 29.11.1941.

Tod des Häftlings Bebel Ryszard
der am 08.03.1912 in Brzeziny Duze geborenen "Häftling" Bebel Ryszard Häftlingsnummer 23062 (Häftlingsnummer Sterbebuch 1307/1942) kommt im Block 11 ums Leben. Er war am 08.01.1942 nach einem
Fluchversuch in den Bunker von Block 11 eingeliefert worden. (siehe auch Auschwitz 08.01.1942 u. 17.02.1942) Bebel war am 20.11.1941 mit einem Transport ins KL eingewiesen worden.

27.02.1942

Tod des "Häftlings" Kalicinski Tadeusz
der am 28.03.1923 in
Zawodzie geborene "Häftling" Kalicinski Tadeusz Häftlingsnummer 26074 kommt im Bunker ums Leben. Er war am 04.02.1942 nach seinem gescheiterten Fluchtversuch in den Bunker von Block 11 eingeliefert worden. Kalicinski war am 30.01.1942 mit einem Transport aus dem Gefängnis Radom ins KL eingewiesen worden

24.04.1942

der am 11.11.1905 in Piaseczno geborenen "Häftling" Lenard (Lenart) Stanislaw Häftlingsnummer 16907, der nach seiner mißglückten Flucht (22.04.1942) am 24.04.1942 um 2:30 Uhr in der Militär-Bäckerei von einem Aufseher erkannt und festgenommen worden, wird in den Bunker von Block 11 gesperrt. Lenard war am 29.05.1941 mit einem Transport aus dem Pawiak-Gefängnis in Warschau ins KL Auschwitz deportiert worden. Er wird am 13.05.1942 im KL Auschwitz ermordet. (siehe auch 07.05.1942)

07.05.1942

der 11.11.1905 in Piaseczno geborenen "Häftling" Lenard (Lenart) Stanislaw Häftlingsnummer 16907, wird aus dem Bunker von Block 11 in die Strafkompanie eingewiesen. Lenard war am 24.04.1942 nach seiner mißglückten Flucht (22.04.1942) in Bunker gesperrt worden. Lenard war am 29.05.1941 mit einem Transport aus dem Pawiak-Gefängnis in Warschau ins KL Auschwitz deportiert worden. Er wird am 13.05.1942 im KL Auschwitz ermordet.

09.05.1942

Die Häftlinge der Strafkompanie werden am 09.05.1942 aus dem Block 11 des Stammlagers nach Birkenau überstellt und zuerst in der Baracke Nr. 2 und dann in der Baracke Nr. 1 des Männerlagers auf dem Lagerabschnitt BIb untergebracht.

12.05.1942

der am 05.06.1922 in Posiadały geborene "Häftling" Kaczorek Henryk Häftlingsnummer 16725 wird nach seiner mißglückten Flucht am 12.05.1942 in den Bunker von Block 11 eingewiesen. Er wird am 14.05.1942 nach Birkenau überstellt und in die Strafkompanie eingewiesen. Kaczorek war am 28.05.1941 mit einem Transport aus dem Pawiak-Gefängnis Warschau ins KL eingewiesen worden, (in dem gleichen Transport befand sich auch der Pater Maksymilian Rajmund Kolbe). Kaczorek wurde am 28.05.1942 im KL Auschwitz ermordet.

13.05.1942

die "Häftlinge" (Vermessungskommando Auschwitz)
Kokesz Tadeusz Häftlingsnummer 10745 (Häftlingsnummer Sterbebuch 24289/1942) * 25.04.1918 in Jordanow (am 25.02.1941 ins KL eingewiesen) am 25.06.1943 im KL Auschwitz ermordet
Dobosz Roman Häftlingsnummer 19595 * 06.07.1913 in Lublin (am 30.07.1941 ins KL eingewiesen) am 15.06.1942 im KL Auschwitz ermordet
Daniel Jozef Häftlingsnummer 19380 (Häftlingsnummer Sterbebuch 37968/1942) * 10.02.1912 in Lublin (am 30.07.1941 ins KL eingewiesen) am 29.10.1942 im KL Auschwitz ermordet
Kret Jozef Häftlingsnummer 20020 * 03.03.1895 in Staromiescie (am 12.08.1941 ins KL eingewiesen) 1944 ins KL Flossenbürg überstellt
werden in den Bunker von Block 11 eingewiesen. Sie stehen im Verdacht, Kontakte mit der Zivilbevölkerung zu unterhalten.

27.05.1942

Massenhinrichtung
Am 27.05.1942 findet im Hof des Blocks 11 des
KL Auschwitz eine Massenerschießung statt. Einer der Ermordeten ist der am 11.09.1911 in Wodzisław geborene Paczkowski Hubert. Er wurde am 24.04.1942 ins KL Auschwitz übernommen (Häftlingsnummer 32.551). Laut dem Totenschein No. 8984/1942 ausgestellt vom Lagerarzt verstarb er um 15:53 Uhr an einem Herzinfarkt

28.05.1942

Überstellung
16 "Häftlinge" werden am
28.05.1942 aus dem Bunker von Block 11 in die Strafkompanie (KL Auschwitz-Birkenau) überführt.

Überstellung
4 "Häftlinge" des Kommandos Bodenwirtschaftsdienst, die am
13.05.1942 wegen verbotener Kontakte zur Zivilbevölkerung in den Bunker gesperrt worden sind, werden am 28.05.1942 aus dem Bunker von Block 11 in die Strafkompanie (KL Auschwitz-Birkenau) überführt.

03.06.1942

der am 17.06.1918 in Wola Kurowska geborene "Häftling" Basta Jan Häftlingsnummer 11801 wird nach einem mißglückten Fluchtversuch am 03.06.1942 in den Bunker von Block 11 eingewiesen. Basta war am 05.04.1941 mit einem Transport ins KL eingewiesen worden. Er wurde am 31.07.1942 im KL Auschwitz ermordet

10.06.1942

Tod des "Häftlings" Diament Selmon
der am 18.02.1899 in Siedlce geborene "Häftling" Diament Selmon Häftlingsnummer 28568 (Häftlingsnummer Sterbebuch 10440/1942) wird am
10.06.1942 auf Anordnung des Lagerführers im Bunker von Block 11 eingewiesen. Er verübt dort am selben Tag Selbstmord.

14.06.1942

Die "Häftlinge"
Buczynski Aleksander Häftlingsnummer 12754
* 19.02.1915 in Jelonki
† 13.07.1942 im KL Auschwitz ermordet
am 06.04.1941 aus dem Pawiak-Gefängnis in Warschau ins KL Auschwitz eingewiesen
u.
Stoczewski Eugeniusz Häftlingsnummer 22883
* 25.03.1915 in Kaluszyn
† 14.07.1942 im KL Auschwitz gehängt
am 20.11.1941 ins KL Auschwitz eingewiesen
werden etwa 25 Kilometer vom KL
Auschwitz entfernt festgenommen, ins Lager zurückgebracht und in den Bunker von Block 11 eingeliefert. Sie waren am 10.06.1942 aus der Strafkompanie geflohen.

16.06.1942

Während des Appells im KL Auschwitz I wird das Fehlen von Häftlingen vom Kommando Bauhof festgestellt. Um20:10 Uhr wird die Suchaktion erfolgreich beendet. Der auf der Flucht ergriffene "Häftling" Zurek Feliks Häftlingsnummer 21242 (Häftlingsnummer Sterbebuch 17697/1942) * 03.10.1904 in Ludzmierz wird in den Bunker von Block 11 eingeliefert. Zurek wird am 31. Juli 1942 erschossen. Er wurde am 01.10.1941 ins KL Auschwitz eingewiesen.

23.06.1942

am 23.06.1942 wird der am 16. Oktober 1895 in Neusatz geborene ehemalige Häftling Kapo Pachala Kurt in den Bunker von Block 11 gesperrt. Er war wegen der Beihilfe zur Flucht von vier Häftlingen am 20.06.1942 zum Tode durch Verhungern verurteilt worden. Er verstirbt am 14.01.1943 in einer Stehzelle im Block 11.

25.06.1942

dem am 23.02.1910 in Zatory geborenen "Häftling" Pilawski Zygmunt (Häftlingsnummer 17688/1942) dem die Flucht aus dem Lager gelungen war, (siehe auch 20.06.1942) wird nach seiner erneuten Festnahme am 25.06.1942 erneut in das Lager eingeliefert und in den Bunker von Block 11 gesperrt. Pilawski war am 29. Juli 1941 aus dem Lager geflohen. Er wird am 31.07.1942 erschossen.

30.06.1942

der am 29.06.1942 entflohene "Häftling" Husak Gregor Häftlingsnummer 37421 wird nach seiner Festnahme in den Bunker von Block 11 eingewiesen und am 10.07.1942 aus dem Bunker entlassen und in die Strafkompanie überstellt.

08.07.1942

der am 10.02.1920 in Leslau geborene "Häftling" Pejsik Tadeusz Häftlingsnummer 12549 (Häftlingsnummer Sterbebuch 14400/1942) wird am 08.07.1942 in einer öffentlichen Hinrichtung durch den Strang hingerichtet. Er war am 06.04.1941 ins KL Auschwitz eingewiesen worden. Pejsik war nach seiner am 10.06.1942 am 25.06.1942 etwa 25 Kilometer von Auschwitz entfernt ergriffen und in den Block 11 des Stammlagers gebracht worden

öffentliche Hinrichtung
der am 24.06.1911 in Warszawa geborene "Häftling" Pajaczkowski Henryk Häftlingsnummer 22867 (Häftlingsnummer Sterbebuch 14399/1942) wird am
08.07.1942 in einer öffentlichen Hinrichtung durch den Strang hingerichtet. Er war am 20.11.1941 ins KL Auschwitz eingewiesen worden. Pajaczkowski war nach seiner am 10.06.1942 am 25.06.1942 etwa 25 Kilometer von Auschwitz entfernt ergriffen und in den Block 11 des Stammlagers gebracht worden

10.07.1942

der am 30.06.1942 in den Bunker eingewiesene "Häftling" Husak Gregor Häftlingsnummer 37421 wird aus dem Bunker entlassen und in die Strafkompanie überstellt. Husak war nach seiner gescheiterten Flucht am 29.06.1942 in den Bunker eingewiesen worden.

13.07.1942

der am 30.01.1916 in Kłodne geborene "Häftling" Legnik Kazimierz Häftlingsnummer 39500 der auf der Flucht ergriffen worden ist, wird am 13.07.1942 in den Bunker von Block 11 eingeliefert. Er kommt am 17. Juli im Bunker ums Leben

29.07.1942

der am 24.04.1909 in Groningen (zuletzt Wohnhaft in Amsterdam) geborenen Holländer Jacobs Simon (Mauritz) Häftlingsnummer 48177 (18057/1942), der am 25.07.1942 aus dem KL Auschwitz geflohen war, wird ergriffen. Er wird in den Bunker von Block 11 gesperrt und am 31.07.1942 in die Strafkompanie in Birkenau eingewiesen, in der er am 03.08.1942 ums Leben kommt.

30.07.1942

der am 29.07.1942 aus dem KL Auschwitz geflohene "Häftling" Frantiśek Franz Häftlingsnummer 39751 (am 04.02.1893 in Prag geboren) wird am 30.07.1942 ergriffen und nach den übkichen Mißhandlungen in den Bunker von Block 11 eingeliefert, wo er am 31.07.1942 "Selbstmord" durch Erhängen verübt.

31.07.1942

der am 04.02.1893 in Prag geborene "Häftling" Frantiśek Franz Häftlingsnummer 39751 verübt am 31.07.1942 im Bunker von Block 11 "Selbstmord" durch Erhängen. Frantiśek war nach seinem Fluchtversuch (29.07.1942) am 30.07.1942 ergriffen und nach den übkichen Mißhandlungen in den Bunker von Block 11 eingeliefert worden.

07.08.1942

Massenhinrichtung
Am 07.08.1942 findet im Hof des Blocks 11 des
KL Auschwitz eine Massenerschießung statt. Es werden 20 polnische politische Häftlinge erschossen.

21.08.1942

der am 15.19.1924 in Amsterdam geborene Leimann Franz Häftlingsnummer 52497 wird am 21.08.1942 auf der Flucht gefaßt und nachdem er ins Lager gebracht wurde, wird er in den Bunker von Block 11 gesperrt. Am 02.09.1942 wird er aus dem Bunker entlassen und in die Strafkompanie in Birkenau überstellt.

02.09.1942

17.09.1942

der am 06.01.1904 in Lemberg geb. Elster Ernest Häftlingsnummer 58834 wird am 17.09.1942 nach seiner gescheiterten Flucht in den Bunker von Block 11 gesperrt. Er wird am 03.10.1942 er aus dem Bunker entlassen und in die Strafkompanie überstellt. Elster wird am 16.10.1942 im KL Auschwitz ermordet. (Sterbebuch Eintrag 35705/1942)

25.09.1942

der am 25.12.1918 in Jelizawietowka geborene Bauer/Landarbeiter Litwin Filip Häftlingsnummer 6 0314 wird am 25.09.1942 aus dem Bunker in Block 11 entlassen und in die Strafkompanie nach Birkenau überstellt. Litwin wird am 18.01.1943 im KL Auschwitz ermordet (Sterbebuch 2976/1934)

14.01.1943

Am 14.01.1943 verstirbt in einer Stehzelle im Block 11 der am 16. Oktober 1895 in Neusatz geborene ehemalige Häftling Kapo Pachala Kurt. Er war wegen der Beihilfe zur Flucht von vier Häftlingen am 20.06.1942 zum Tode durch Verhungern verurteilt worden. Er wurde am 23.06.1942 in den Bunker von Block 11 gesperrt.
Die Stehzelle war 90 Zentimeter im Quadrat breit, und 2 Meter hoch. Die Stehzelle wurde nie geöffnet. Er konnte schreien, ja selbst auf Hitler fluchen, niemand öffnete. Am letzten Tag hörte man nur mehr Stöhnen und Würgen. Am Ende hatte er seine Schuhe gegessen, seinen Urin getrunken, die Wände der Zelle abgeleckt. Nach 14 Tagen wurde seine Zelle geöffnet. Gehring fragte einen anderen Blockführer: „Was hat denn der Hund mit seinen Schuhen gemacht, vielleicht hat er sie gar aufgefressen?“
Aussage des Auschwitz Häftlings Kral Jozef im Auschwitz ProzeßAls Kurt Pachala gestorben ist, kam der Oberscharführer Gehring und wahrscheinlich Seufert, aber den anderen habe ich nicht gut gesehen. Sie haben Licht angemacht. Sie haben gehorcht und dann bemerkt, daß Kurt Pachala kein Lebenszeichen mehr von sich gibt. Sie zogen ihn auf den Korridor heraus, und legten ihn vor meine Zelle. Vor die kleine Tür neben meiner Zelle. Und ich sah durch die Ritze die Leiche von Kurt Pachala. Ich habe bemerkt, daß Kurt Pachala barfuß war und Furchtbar abgemagert. Der Gehring sprach, er war damals Blockführer auf dem Block 11, »Was hat der Hund mit den Schuhen gemacht?«. Ich höre noch seine Worte: »Was hat der Hund mit den Schuhen gemacht?«. »Vielleicht hat er die aufgefressen.« Antwortete der andere. Er ging dann in die Zelle, und wirklich, warf aus der Zelle heraus diese Schuhe ohne das Oberteil. Das war abgegessen.

05.01.1945

im Block 11 des KL Auschwitz tagt zum letztenmal das Polizeistandgericht der Gestapo Kattowitz. 70 polnische Frauen und Manner werden zum Tode verurteilt und im Krematorium V erschossen