04.01.1945

Belegstärke
im Frauenlager befinden sich 11 600 Personen. 70 Polen werden zum Tode verurteilt

05.01.1945

Polizeistandgericht
im
Block 11 des KL Auschwitz tagt zum letztenmal das Polizeistandgericht der Gestapo Kattowitz. 70 polnische Frauen und Manner werden zum Tode verurteilt und im Krematorium V erschossen

jüdisches Sonderkommando
Am 5. Januar 1945 wurde das jüdische Sonderkommando von der SS zum letzten Mal verkleinert. Seit Mitte Januar lebte die Mehrheit der Sonderkommando-Häftlinge in Block 16 im Männerlager von Birkenau. Dieser Block war anders als die Blöcke 13 und 11, in denen die SS die Männer im November und Dezember untergebracht hatte - kein isolierter Block. Damit konnten sich die Häftlinge zum ersten Mal seit Bestehen des Sonderkommandos mehr oder weniger frei im Lager bewegen.
Sie wurden aus dem Männerlager (Sektor BIId) ins KL Mauthausen überführt, und am 03. April 1945 im Krematorium des KL Mauthausen erschossen.
Es handelte sich um:
Lipka Waclaw * 20.11.1908
(Häftlingsnummer in Auschwitz 2520)

Morawa Mieczysław * 19.03.1920
(Häftlingsnummer in Auschwitz 5730)

Ilczuk Józef * 23.04.1910
(Häftlingsnummer in Auschwitz 14916)

Biskup Władysław * 25.06.1909
(Häftlingsnummer in Auschwitz 74501)

Agrestowski Jan * 24.06.1912
(Häftlingsnummer in Auschwitz 74545)

Slezak Stanislav * 15.07.1920
(Häftlingsnummer in Auschwitz 39340)

06.01.1945

Hinrichtung
Am 06.01.1945 wurden die Häftlinge Ella Gartner, Róza Robota, Regina Safirsztajn und Estera Wajsblum hingerichtet. Sie wurden von der SS beschuldigt, Dynamit aus den Weichsel-Union-Metallwerken geschmuggelt zu haben.

12.01.1945

sowjetischer Angriff
Am 12. Januar 1945 setzten sich sowjetische Panzerkolonnen von Baranow, einer Stadt nordöstlich von Krakau aus in Marsch. Während der Sommeroffensive im Jahr zuvor waren bereits sowjetische Soldaten bei Baranow über die Weichsel vorgestoßen und hatten dort einen Brückenkopf errichtet. Er wurde zum Ausgangspunkt des Großangriffs der Roten Armee gegen die Reichsgrenze Anfang Januar 1945. Mit zwei Panzer- und fünf Schützenarmeen durchbrach Marschall Iwan Stepanowitsch Konjew die schwachen Kräfte des XXIV. deutschen Panzerkorps, das nur noch von einigen Infanterieregimentern unterstützt wurde. Die Generaloffensive hatte begonnen.

14.01.1945

Todeszone
Am 14. Januar 1945 rückten die in Block 16 untergebrachten Sonderkommando-Häftlinge das letzte Mal zur Abbrucharbeit in die Todeszone aus.


Krematorien
am Abriss der Krematorien II und III wird noch gearbeitet

15.01.1945

Krematorium V
das Krematorium V ist noch in Betrieb und beschäftigt 30 Häftlinge mit der Einäscherung von Leichen.

Standesamt II
Die Kanzlei des Standesamtes II Auschwitz erhält Befehl, seine Akten in Autos zum Abtransport zu laden.

16.01.1945

Kommandantur
Standortbefehl Nr. 1/45

17.01.1945

Aktenbestände
Dr. Mengele bringt die Akten seiner Zwillingsforschungsversuchsstation in Sicherheit. Insgesamt beginnt das Vernichten von Aktenbeständen durch Verbrennen.

Sonderkommando
Am 17. Januar 1945 traten die Sonderkommando-Häftlinge zum letzten Abendappell im Lager an. Insgesamt nahmen am 17. Januar beim "letzten Lagerappell" 67012 Häftlinge teil. In den Tagen nach dem 17. Januar 1945 wurden etwa 58.000 Häftlinge unter der Aufsicht von SS-Männern evakuiert.

Appell
Anlässlich des letzten Appells vor der Evakuierung von Auschwitz-Birkenau traten am 17. Januar 1945 noch 10.381 weibliche Häftlinge an

Todesmarsch
Um 16:00 Uhr am 17. Januar setzen sich die ersten Trecks Richtung Westen und Südwesten in andere Lager in Bewegung, "graue Menschenkolonnen in Zebraanzügen" (Chowaniec); für Tausende wird es der Marsch in den Tod.

18.01.1945

Evakuierung der Lager
Die Weichsel-Oder-Offensive der sowjetischen Streitkräfte war so wuchtig, dass die Lagerführung am 18. Januar in aller Eile die Evakuierung der Lager anordnete. In Fußmärschen wurden wir Häftlinge bei 10 bis 15 Grad Frost über tief verschneite Straßen gen Westen getrieben. Wer nicht mehr mitmarschieren konnte, wurde von den begleitenden SS-Leuten erschossen. Es wurde im Freien übernachtet. Wer morgens beim Kommando „Antreten“ nicht mehr hochkam, wurde erschossen.

Marketsch Engelbert
Mit einem Transport aus dem KL Mauthausen trifft der am 30.08.1918 in Bleiberg geborene Landvermesser Marketsch Engelbert im KL Auschwitz ein, und erhält hier die Häftlingsnummer 202 499. Es ist die letzte Häftlingsnummer, die ausgegeben wird. Nach der Kategorisierung der SS galt er als "Berufsverbrecher"; die tatsächlichen Gründe für seine Inhaftierung sind unbekannt. Grund für seine Überstellung war, das er in die Sturmbrigade Dirlewanger eingegliedert werden sollte..

Vernichtung von Häftlingsakten
es beginnt die verstärkte Vernichtung von Häftlingsakten aus dem medizinischen Bereich. Das Lager wird aufgelöst, Gehunfähige
werden durch Selektion getötet. Es kommt zu Massenerschiesungen von Häftlingsgruppen und ungeregeltem Abtransport. Die Aussage des ehemaligen SS-Mannes
Perry Broad vor Gericht:
„Mitte Januar wurde Auschwitz in wilder Flucht geraumt. Vor den Gebäuden aller Auschwitzer Dienststellen loderten Brände von Aktenunterlagen, und die Bauwerke, die zur Durchführung des grösten Massenmordes der Menschheitsgeschichte gedient hatten, wurden gesprengt. Aus den Personalakten wurden alle Schreiben herausgerissen, die irgendwas mit ‚Sonderbehandlung’ oder ‚Gesonderter Unterbringung’ zu tun hatten“.

Transport
Am 18. Januar 1945 verläßt ein Transport mit (173 Personen aus Ital.) das Konzentrationslager Auschwitz. Bestimmungsort ist das Konzentrationslager Mauthausen. Der Transport erreicht das Lager Mauthausen am 25. Januar 1945

Transport
Am 18. Januar 1945 verläßt ein Transport mit (3 Personen aus Ital.) das Konzentrationslager Auschwitz. Bestimmungsort ist das Konzentrationslager Mauthausen. Der Transport erreicht das Lager Mauthausen am 28. Januar 1945

19.01.1945

Todesmarsch
Um ein Uhr am 19. Januar kommt der Befehl für den Aufbruch des letzten Zuges – er besteht aus 3900 ausgemergelten Menschen. Später stellte das Schwurgericht München im Prozeß gegen den verantwortlichen SS-Obersturmführer Wilhelm Reischenbeck fest:
Das Schuhwerk der Häftlinge bestand teilweise aus Holz mit aufgenähtem Segeltuch, nur wenige trugen Lederschuhe.
Als Marschverpflegung hatten sie Brotwecken, Fleischkonserven und Margarine erhalten. Die Temperatur betrug unter minus 15 Grad; es lag eine geschlossene Schneedecke. Der körperliche Zustand der Häftlinge war zum Teil schon beim Abmarsch sehr schlecht. Die Strapazen des Marsches – vereiste Wege, schlechtes Schuhwerk, große Kälte – führten dazu, daß sich schon am ersten Tag mehrere Häftlinge nicht mehr weiterschleppen konnten. Wer nicht mehr kann, wird sofort erschossen. Ein 50jähriger Mann, der seinen 18jährigen Sohn auf den Schultern trägt, legt den Jungen erschöpft auf die Erde – die SS-Männer töten ihn, der Vater muß weitermarschieren. „Auf einen Kilometer“ zählt der Häftling Jacub Gordon 25 Tote. „Ohne zu übertreiben, kann man sagen: Unser Weg war mit Leichen gepflastert.“ Niemanden ergreift das Gefühl, frei zu sein – auch wenn die Zäune von Auschwitz längst außer Sichtweite sind. „Das Lager war schlimm“, sagt der Überlebende Siggi Wilzig, „keiner konnte wissen, daß der Todesmarsch noch schlimmer würde.“
Später stellte das Schwurgericht München im Prozeß gegen den verantwortlichen SS-Obersturmführer Wilhelm Reischenbeck fest:
Das Schuhwerk (der Häftlinge) bestand teilweise aus Holz mit aufgenähtem Segeltuch, nur wenige trugen Lederschuhe. Als Marschverpflegung hatten sie Brotwecken, Fleischkonserven und Margarine erhalten. Die Temperatur betrug unter minus 15 Grad; es lag eine geschlossene Schneedecke. Der körperliche Zustand der Häftlinge war zum Teil schon beim Abmarsch sehr schlecht. Die Strapazen des Marsches - vereiste Wege, schlechtes Schuhwerk, große Kälte - führten dazu, daß sich schon am ersten Tag mehrere Häftlinge nicht mehr weiterschleppen konnten.


Leichenverbrennungen
auf dem Gelände Birkenau werden beim Krematorium V Leichenverbrennungen vorgenommen

20.01.1945

SS-Mannschaften
SS-Mannschaften verlassen zum Teil in Zivil die Vernichtungslager. SS-Angehörige in Zivilkleidern erschiesen jüdische Häftlinge vor dem fluchtartigen Verlassen des Lagers. Die Krematorien II und III sind noch nicht ganz abgerissen und werden gesprengt.

Erschießungen
am 20.01.1945 (nach der Evakuierung) betrat der SS-Unterscharführer Perschel Richard mit einer SS-Abteilung, das Frauenlager im Lagerabschnitt BIIe.
Perschel befiehlt allen jüdischen Häftlingen, die Blöcke zu verlassen, ungefähr 200 Frauen kommen heraus. Sie werden vor das Lagertor geführt und erschossen. Perschel war einer der jüngsten, dümmsten und gefährlichsten Blockführer des Frauenlagers

21.01.1945

Transport
Am 21. Januar 1945 verläßt ein Transport mit (31 Personen aus Ital.) das Konzentrationslager Auschwitz. Bestimmungsort ist das Konzentrationslager Mauthausen. Der Transport erreicht das Lager Mauthausen am 29. Januar 1945

22.01.1945

SS-Obergruppenführer Heinrich Schmauser
Der Höhere SS Polizeiführer -Oberschlesien SS-Obergruppenführer Heinrich Schmauser erhält den Befehl zur endgültigen Liquidation des KZ -Auschwitz – Birkenau - Monowice. Noch einmal beginnen Erschießungen. Die Sondereinheiten der SS töten etwa 700 Gefangene.

Erschießungen
18 Franzosen sterben "methodisch durch Genickschuß"

23.01.1945

Effektenlager
30 Magazinbaracken im Effektenlager werden angezündet. Nach der Befreiung sind sechs Baracken mit Kleidern u.ä. der ermordeten Häftlinge erhalten geblieben, so dass 1 185 345 Stuck Herren und Damenoberbekleidung, 43 255 Paar Schuhe 13 694 Teppiche und eine grose Anzahl Zahnbürsten, Rasierpinsel, Prothesen und Brillen gefunden werden.

24.01.1945

Erschießungen
SS-Sturmbannführer
Kraus Franz Xaver trifft mit einer Abteilung SS-Männer im Lager Birkenau ein und erschießt in der Lagerküche drei Häftlinge, darunter den holländischen Häftling Dr. Ackermann

25.01.1945

Häftlinge
Seit Tagen ist Auschwitz menschenleer. Zum ersten Mal seit seinem Bestehen bleibt die weiße Schneedecke über den Lagerstraßen liegen: Es gibt kaum mehr Häftlinge, die darüber laufen. Die meisten Baracken liegen verwaist da. Doch in einigen gibt es noch Leben: Die SS hat die Kranken und Schwachen zurückgelassen, als Auschwitz vor einer Woche evakuiert wurde: Noch immer jedoch ist das Leben dieser letzten Auschwitz-Häftlinge bedroht. Draußen wie drinnen herrschen Minustemperaturen. Nachts kann es bis zu dreißig Grad kalt werden. Wer noch ein bisschen Kraft aufbringt, muss sich hinauswagen, um etwas zu Essen für sich und andere - noch schwächere Häftlinge zu besorgen. Viele sind auch dazu gar nicht in der Lage. Zwischen den Baracken liegen Leichen auf der gefrorenen Erde.
Und es ist gefährlich, die Blocks zu verlassen, denn immer wieder kehren einzelne SS-Leute oder auch ganze Gruppen zurück und töten die Überlebenden. Mindestens 300 Häftlinge sind so noch nach der Evakuierung zu Tode gekommen.
Alle, die in Auschwitz zurückgeblieben sind, fürchten, dass auch ihnen dieses Schicksal droht: dass sie am Ende alle erschossen werden sollen.
Aber es hilft nichts: Sie müssen hinaus, sonst werden sie verhungern.
An diesem Morgen hört die junge Polin Wanda, dass es im Nachbarabschnitt in einer Küche Kartoffeln gibt. Sie ist nach dem Warschauer Aufstand nach Auschwitz gekommen und hochschwanger. Trotzdem macht sie sich mit einer russischen Freundin namens Katia auf den Weg. Sie kommen am Häftlingskrankenbau der Männer vorbei, einige der dortigen Insassen schließen sich den Frauen an. Die Küche ist verschlossen. Wanda ist trotz ihres dicken Bauches immer noch behände und flink. Sie steigt mit Katia zusammen durch ein Fenster ein. Die Frauen raffen soviel Kartoffeln zusammen, wie es nur geht, und geben sie nach draußen weiter. Plötzlich hören sie auf deutsch "Raus!" Als sie die Küche verlassen, stehen sie zwei SS-Leuten gegenüber, die mit Gewehren auf sie zielen. "Ich ging ganz langsam auf sie zu. Ich wusste, ich muss einfach weitergehen, nicht zu langsam und nicht zu schnell. So ging ich einfach Schritt für Schritt. Dann hörte ich plötzlich einen Schuss. Katia fiel neben mir tot zu Boden. Warum sie auf mich nicht geschossen haben, weiß ich nicht. Ich ging einfach weiter, bis ich wieder in meinem Block war."
Katia ist nicht das einzige Opfer an diesem Tag: Am Nachmittag befiehlt eine Abteilung des Sicherheitsdiensts SD allen Juden in den Lagerabschnitten BIIe und BIIf, ihre Baracken zu verlassen. Einige Häftlinge können sich in Löchern verstecken, die sie zuvor unter den Bodenbrettern der Baracken gegraben haben. Vor den Blocks stehen schließlich 150 Frauen und 200 Männer. Der SD erschießt einige von ihnen und zwingt die übrigen zum Abmarsch. Alle, die das Marschtempo nicht einhalten können, werden auf der Stelle getötet. Aber dann ergeht plötzlich der Befehl an die Häftlinge zurückzukehren. Die Männer vom SD verschwinden. Wahrscheinlich ist es ihnen wichtiger, die eigene Haut zu retten, als die letzten Häftlinge zu ermorden. Die Front ist sehr nahe. Noch zwei Tage bis zur Befreiung von Auschwitz. Immer noch zu spät für viele Häftlinge.

26.01.1945

Krematorium
Das letzte Krematorium – wiederum mitsamt der Gaskammer – wurden am 26.01.1945 gesprengt.


Transport
Am 26. Januar 1945 verläßt ein Transport mit 3935 Häftlingen (Nu 115700-123400) das Konzentrationslager Auschwitz mit dem Ziel Buchenwald. Der Transport erreicht das Konzentrationslager Buchenwald bei Weimar am 26. Januar 1945 Transport

Flucht Rudolf Hoess

Flucht des ehemaligen Lagerkommandant von Auschwitz, Rudolf Hoess
Kurz vor Ende des Krieges bereitete Höß seine Flucht vor. Damit war er nicht alleine, auch der Reichsführer SS hatte nicht vor, wie sein Führer in Berlin unter zu gehen. Himmler überlies seine Getreuen ihrem Schicksal und flüchtete selbst – jedoch nicht ohne in bester Laune einen letzten Befehl seinen SS-Führern mit auf den Weg zu geben: „Taucht unter in der Wehrmacht!“ Diese letzte Meldung, diese letzte Befehlsausgabe erzeugte in Höß tiefe Bitterkeit und sollte ihn in den wenigen Jahren, die ihm noch verblieben, nicht mehr aus dem Kopf gehen. Er hatte erwartet, dass nochmals ein Durchhalte-Befehl kommen würde, ein letztes Aufbäumen, ein letzter Kampf. In seinem Kopf hallten noch die Worte der Propaganda nach, die immer wieder beschworene Treue der Nibelungen, die kämpfend untergingen. Doch stattdessen hörte er aus dem Mund seines Reichsführers SS diesen feigen Fluchtbefehl. An diesem Tag verlor er letztendlich seinen Glauben an das Regime und die Ideologie, der er jahrelang gefolgt war.

So tauchte Höß nach Kriegsende unter dem Namen Franz Lang als Bootsmann in der Marine-Schule in Mürwik unter. Da auch hier kaum mehr Dienst versehen wurde, hatte er viel Zeit über die letzten Jahre nachzudenken. Er fiel auch nicht auf, da er sich durch seine Erfahrung am Ende des 1. Weltkrieges bei der Marine auskannte. Kurze Zeit darauf wurde er mit den restlichen Angehörigen der Marine-Schule von den Briten im Bereitstellungsraum zwischen Nord-Ostsee-Kanal und Schlei inhaftiert. Da seine Familie nun ganz in der Nähe wohnte, bekam er immer wieder mal Besuch seines ältesten Sohnes.

Bericht über sein Untertauchen und seinen Helfern
Unterstützt von Gesinnungsgenossen, ehemaligen Untergebenen, dem
Chef der Marineschule Mürwik, und seinem Schwager − dem Flensburger Kunsterzieher und Maler Gerhard Hensel −gelang es ihm, unter falschem Namen und auf Vermittlung des Arbeitsamtes auf einem Hof in Gottrupel vor den Toren der Fördestadt als Landwirtschafts−Helfer unterzukommen. Höß gehörte fortan zur Familie; im Gemeinderat machte er sich als Schriftführer nützlich. Die Leute im Dorfe, "die mochten ihn alle", erzählte der Bauer später; für die Bäuerin war er "höflich, bescheiden − und fleißig. Immer hat er gearbeitet! Und er saß abends oft über Büchern." Sein berüchtigter schwarzer Ledermantel und seine Aktentasche verblieben in Gottrupel: Den Mantel konnte man gut für Malerarbeiten gebrauchen, die Aktentasche des Massenmörders benutzten die Kinder als Ranzen.

Höß´ Identität als Franz Lang wurde nicht in Frage gestellt und so wurde er schon nach kurzer Zeit aus der Kriegsgefangenschaft entlassen. Bei der Inhaftierung hatte er den Beruf eines Landwirts angegeben und konnte nun auf einem Bauernhof nahe Flensburg als Knecht arbeiten. Er war sich dabei bewusst, dass der Name Rudolf Höß früher oder später bei den Alliierten bekannt werden musste und die einzige Chance für ihn darin bestand, unterzutauchen.
Die Arbeit eines Landwirts war immer schon sein Traum gewesen und so verbrachte Höß, wie er selbst in seinen Aufzeichnungen angibt, eine schöne und unbeschwerte Zeit.

Wie er richtig vermutete, war er zu einem der meist gesuchten Männer geworden. Überall suchte man nach dem Manne, der als Kommandant von Auschwitz traurige Berühmtheit erlangt hatte. Sein Name wurde gleichgesetzt mit dem Massenmord an Millionen. Die britische Militärpolizei stieß auf die Familie von Hoess, die in in Sankt Michaelisdonn lebte
, und verhaftete dessen Frau und Sohn, hoffte von ihnen den Aufenthaltsort von Rudolf Höß zu erfahren. Doch sagte seine Frau bei den unzähligen Vernehmungen immer wieder aus, dass ihr Mann in den letzten Kriegstagen gefallen sei. Nach fünf Tagen griffen die Briten zu einer List und drohten Hedwig Hoess, dass sie ihren Sohn den Russen ausliefern würden. Im Glauben ihren Sohn zu retten brach die Ehefrau zusammen und gestand, wo ihr Mann sich aufhielt.

27.01.1945

Krematorium
morgens: Sprengung des Krematoriums IV.


Befreiung
Der 27. Januar 1945 zählt zu den bedeutendsten Tagen in der Geschichte der Menschheit, denn an diesem Tage wurde das Lager Auschwitz befreit. Obwohl die in polnischen Wäldern versteckten Vernichtungslager, wie Treblinka, Sobibór, Chelmno und Belzec, schon viel früher befreit wurden, erfuhr die Welt erst an diesem Tage die grausigen Einzelheiten. In Ostpolen hatten die Mörder noch Zeit, die Spuren ihrer Verbrechen zu verwischen. Die SS des Lagers Auschwitz wurde aber durch einen Frontdurchbruch der 100. Schützendivision der sowjetischen Armee unter General Wassili Petrenko im Bestand der 1. Ukrainischen Heeresgruppe überrascht. Die Massenmörder hatten keine Zeit mehr, alles zu vernichten, was von ihrer Schuld zeugen würde.
Starker Frost bedeckt am 27. Januar 1945 das ganze Lager mit einer dicken Schneeschicht. In Auschwitz war es still, aber von weitem hörte man ein fernes Echo von Geschützen der nahenden Front. Die Deutschen Wachmannschaften waren bis auf wenige Ausnahmen bereits am 26. Januar allesamt verschwunden. Vor ihrer Flucht haben die Nazis die Beweise ihrer Verbrechen (Gaskammern, Verbrennungsöfen, Gefangenen- Akten), gesprengt oder verbrannt. Fast 60 000 noch lebende und gehfähige Auschwitz Häftlinge sollen Wachmannschaften der SS vor dem Eintreffen der roten Armee in sogenannten Todesmärschen evakuiert haben.
Die Gefangenen hatten mitbekommen, dass die SS abzog, trauten sich aber dennoch nicht die Lager zu verlassen. Zu groß war die Angst vor etwaigen Folgen.
Am Nachmittag dieses 27. Januar 1945 gegen 15 Uhr trafen erste Einheiten der 60. Infanterie-Division der Ukrainischen Front am Stammlager Auschwitz I ein. Kurz darauf erreichten die Sowjets auch Auschwitz II Birkenau. Sowjetischen Angaben zufolge sollen bei angeblichen Gefechten mit deutschen Soldaten über 200 Rotarmisten ums Leben gekommen sein. Sie fanden noch etwa 5800 Häftlinge vor allem völlig entkräftetete und kranke Frauen sowie 180 Kinder in den Lagern vor. In den ersten Tagen nach der Befreiung starben noch 222 Häftlinge

Auschwitz Häftlinge, welche sich beim Eintreffen der Sowjets noch in den Lagern aufhielten, erinnern sich noch gut an den 27. Januar 1945, dem Tag an welchem sie wieder frei waren

Henryk Duszyk (Häftlingsnummer 192692 damals 9 Jahre alt) berichtet später dazu:
Im Lager Auschwitz-Birkenau war es so still, das wir das ferne Grollen von Geschützfeuer der nahenden Front hören konnten. In dem riesigen Lager Komplex gab es nur noch knapp 6 Tausend Häftlinge. Vor allem Frauen, Kinder und Kranke. Obwohl wir diesem Tag keine Wachen mehr gesehen hatten, besaßen wir keinen Mut die Lager zu verlassen. Plötzlich sah ich zwischen den Gebäuden Bewegung aufkommen. Bewaffnete Männer in Uniformen steuerten direkt auf unseren Block zu. Anfangs hatte ich keine Ahnung was los war. Erst als uns nach einiger Zeit ein Soldat etwas in russischer Sprache zurief, war mir klar was sich hier abspielte. Ich konnte nicht glauben, dass dies schon das Ende eines Alptraums bedeuten könnte. Henryk Duszyk war während des Warschauer Aufstandes im August 1944 nach Auschwitz deportiert worden.

Joanna Wardak (Nummer 86760 - damals 7 Jahre alt)
Ich werde mich immer an diesen Tag erinnern. Ich war sehr hungrig, und es war bitterkalt. Ich schaute die ganze Zeit auf das verlassene, unbewachte aber gefüllte Lebensmittel Lager. Ich sah zwei sowjetische Soldaten. Sie hatten Seile in den Händen und kamen auf uns Kinder zu. Wir wussten nicht was sie wollten und bettelten um etwas zu essen, doch sie gaben uns nichts und meinten, dass sie nicht zum Helfen gekommen seien. Sie überließen uns einfach dem Schicksal. Mit einer Gruppe von Frauen und Kindern, begleitet von Sowjets, verließ ich das Lager. Durch den rutschigen Schnee fielen einige Kinder in einen tiefen Panzergraben. Auch hier die völlige Gleichgültigkeit unserer Befreier. Eine erste Hilfe und etwas zu Essen bekamen wir erstmals, nachdem wir zu einem polnischen Dorf gelangten.
Joanna Wardak war ebenfalls während des Warschauer Aufstandes nach Auschwitz gekommen.

Kazimiera Wasiak (Nummer 83803), als 11-jährige ins Lager Auschwitz gekommen
Die Gleichgültigkeit der Befreier traf uns mit unmenschlicher Härte. Wir waren sehr hungrig, denn wir hatten seit mindestens 24 Stunden nichts mehr zu essen bekommen. Aber auch die Russen waren unglaublich hungrig. Sie hatten das Lebensmittellager aufgebrochen und Suppe mit Fleisch gekocht. Wir bekamen auch etwas von der heißen Brühe, doch als wir um ein Stück Fleisch bettelten, warfen sie uns nur Knochen in den Schnee. Ich ging dann mit anderen Kindern durch ein von den Sowjets in den Zaun geschnittenes Loch um zu Landsleuten in den Dörfern der Umgebung zu gelangen. Für mich war das Verhalten der Befreier der Beginn eines neuen Albtraumes.

Ex-Gefangene berichten später:
Die dann am nächsten Tage folgende symbolische Befreiung sah tatsächlich völlig anders aus als die damalige und spätere Propaganda dies darstellte. Im Großen Vaterländische Krieg Stalins war schon kein Platz für Mitleid mit den eigenen Opfern, wie konnte man da an die Opfer anderer Nationen des Totalitarismus denken. Diese waren zu allem Übel gleich nach ihrer Befreiung in die blutverschmierten Hände des nächsten Diktators gefallen. Der Mann welcher zusammen mit Hitler und Mussolini den europäischen Teil des zweiten Weltkrieges auslöste, sollte später Auschwitz und andere Arbeitslager besonders propagandistisch zur Verschleierung eigener Verbrechen nutzen.


Jirı´ Steiner
Gegen Mittag des 27. Januar hört Jirı´ Steiner „Explosionen“ nicht weit vom Lager. Er zieht sich in den ersten Stock seiner Unterkunft zurück – und erschrickt. In einem Bett liegen „zwei dürre Skelette, eine Hure mit einem Mann: Die beiden haben miteinander geschlafen“. Wenig später sei „ein Mann mit Gewehr und einem roten Stern auf der Mütze“ gekommen. Jirı´ schreit: „Die
Russen, die Russen!“ Sie nehmen den Soldaten auf die Schultern und tragen ihn, wie einen Triumphator, über die Lagerstraße.

Maurice Goldstein
Um 20.30 Uhr sieht Maurice Goldstein den ersten Befreier. Den kurzen Satz, den er damals auf russisch hörte, hat er nicht vergessen: „Idti ssuda“, komm her!

Hermann Langbein
Der Häftling Hermann Langbein denkt bangen Herzens an die Zukunft. „In unseren Adern kreiste zusammen mit unserem erschöpften Blut das Gift von Auschwitz. Wo sollten wir die
Kraft hernehmen, unser Leben wieder zu beginnen?“

Bei den Kämpfen um Auschwitz sind 231 sowjetische Soldaten gefallen, darunter der muslimische Leutnant Gilmudin Baschirow.

Die Soldaten fanden ca. 7600 bis auf die Knochen ausgemergelte Überlebende, darunter 600 Kinder, hinter Stacheldraht. Hunderte bettlägerige Gefangene wurden aus ihren vor Schmutz und Kot klebenden Kojen herausgeholt und in sowjetische Feldlazarette sowie in das Spital des Roten Kreuzes gebracht. Die völlig entkräfteten Menschen mussten wieder nach und nach an normale Nahrung gewöhnt werden. Das Essen wurde ihnen anfangs wie Medizin löffelchenweise verabreicht. Noch viele Wochen nach der Befreiung fanden Krankenschwestern unter den Matratzen der Patienten verstecktes Brot. Viele, die zum Baden geschickt wurden, liefen wieder weg, da sie Baderäume mit den Gaskammern assoziierten. Sie verweigerten Spritzen, da sie sich noch gut an das Töten ihrer Kameraden mit Phenol erinnerten. Die während des Lageraufenthalts unter lang anhaltender Angst erworbenen Instinkte erwiesen sich stärker als der Bezug zur Realität. Die Traumatisierung prägte die Überlebenden für den Rest ihres Lebens.

In den verbliebenen Depots registrierten die Rotarmisten: 368 820 Herrenanzüge, 836 255 Frauenkleider; 5 525 Paar Damenschuhe. In der Gerberei: sieben Tonnen Frauenhaar. Da rüberhinaus: Berge von Brillen, Zahnprothesen und - Kindersachen: rüschenbesetzte Kleidchen, Puppen, Spielzeug, Teddybären, winzige Schuhe.

28.01.1945

Adolf Forbert
Adolf Forbert war einer der ersten polnischen Soldaten der am 28.01.1945 zusammen mit der Roten Armee das Lager erreichte. Er filmte mit seinen Kameras (Bell und Howell von den Russen hergestellt und eine Leica) alles was er sah. Da er aber nur über circa 300 Meter verfügte, waren seine Möglichkeiten eingeschränkt. Dieses Filmmaterial ist bis heute (Stand 2013) verschwunden.


Bei der Befreiung des Lagers fiel am 28.01.1945
Soldat
Zander Karl
* 02.01.1906 in Werder
+ 28.01.1945 bei Auschwitz gefallen (durch Volltreffer)

02.02.1945

DAW
Am 2. Februar 1945 kündigt die DAW bei der Allianz Versicherung per Einschreiben sämtliche Kfz- und Feuer-Versicherungen, von AN 913365 (Auschwitz) bis 304332 (Stutthof).

07.02.1945

Rote Armee
Am 02. Februar 1945 wurde von seiten der Roten Armee damit begonnen, die sich noch im Lager befindlichen Häftlinge in ihre Heimat zu bringen.

28.02.1945

Massenbegräbniss
Aufgrund der Wetterbesserung wurden am 28.02.1945 470 verstorbene (darunter 222 Häftlinge die nach der Befreiung verstoben waren) auf einen kleinen Friedhof außerhalb des Lagers feierlich beigesetzt.


07.03.1945

Untersuchungskommission
Am 7. März 1945 fand die Kommission in der Gerberei des Lagers Auschwitz 293 Ballen Frauenhaare, die zusammen 7.000 kg wogen. Der Sachverständige der Kommission stellte fest, dass die Haare 140.000 Frauen abgeschnitten worden waren.

Das Krakauer Gutachten von 1945

11.06.1945

Michal Kula: Zeugenaussage im Gerichtsverfahren gegen Rudolf Höß am 11. Juni 1945
Einbringung des Gases Zyklon B in die Gaskammer:
Die Krematorien II und III hatten unterirdische Gaskammern, wo in der Decke vier Öffnungen angebracht waren, die in Drahtgittersäulen endeten.
Unter anderem wurden in der Schlosserei die falschen Duschen für die Gaskammern und die Netzsäulen zur Einschüttung der Zyklongranulate in die Gaskammern hergestellt. Diese Säule war 3 Meter hoch, mit einem Durchmesser von ca. 70 cm. Diese Säule bestand aus drei ineinander eingefügten Netzen. Das äußere Netz war aus 3 mm dickem Eisendraht gefertigt, der auf 50 x 10 mm messenden Eckpfeilern aufgespannt war. Diese Eckpfeiler befinden sich in allen Ecken des Netzes und waren im oberen Teil durch einen Pfeiler desselben Typs miteinander verbunden. Die Maschen des Netzes waren viereckig und maßen 45 mm. Das zweite Netz war auf dieselbe Art gefertigt und im Abstand von 150 mm innerhalb des ersten installiert. Die Maschen dieses Netzes waren viereckig und maßen ca. 25 mm. Beide Netze waren in den Ecken durch eine Eisenstange verbunden. Der dritte Teil der Säule war mobil. Es war eine leere Säule aus dünnem Zinkblech mit einem Durchmesser von rund 150 mm. Oben mündete sie in einen Kegel und unten in ein flaches Viereck. Etwa 25 mm von den Rändern dieser Säule waren auf dünnen Blechstäben Eckpfeiler aus Blech angeschweißt. Über diese Eckpfeiler war ein feines Netz mit viereckigen Maschen von ca. 1 mm Größe gezogen. Dieses Netz endete am Fuß des Kegels; von da führte ein Rahmen aus Blech ganz nach oben bis zur Spitze des Kegels. Der Inhalt einer Zyklonbüchse wurde von oben in den zur Ausstreuung [der Granulate] dienenden Kegel geschüttet, und so wurde eine gleichmäßige Verteilung des Zyklons auf allen vier Seiten der Säule erreicht. Nach der Verdunstung des Gases wurde die ganze innere Säule nach oben gezogen, und man nahm die entleerten Trägergranulate heraus…“

29.10.1945

Gefängnis Akershus, Norwegen, dem 29.10.1945
Aus dem Vernehmungsprotololl des ehemaligen Schutzhaftlagerführers im KL Auschwitz: SS-Sturmbannführer
Aumeier Hans
Im November 1942 wurden 50-80 Gefangene in der Leichenkammer des Krematoriums im Stammlager streng geheim mit Gas getötet. Am nächsten Tag eröffnete Höß unter äußerster Geheimhaltung ihm, dem Lager-Gestapo-Chef Grabner, dem Lagerführer Hößler, dem Arbeitseinsatzführer Schwarz und dem Lagerarzt, er habe über das RSHA einen Befehl Himmlers empfangen, alle schwachen, kranken oder arbeitsunfähigen jüdischen Gefangenen "zu vergasen", um einer weiteren Ausbreitung der Epidemien vorzubeugen. Höß habe berichtet, daß er in der vorigen Nacht die ersten Vernichtungen vollzogen und sich dabei herausgestellt habe, daß die improvisierte Gaskammer überhaupt nicht den Notwendigkeiten entspreche. Deshalb seien bei der Errichtung der neuen Krematorien in Birkenau Gaskammern als ständiges Zubehör zu bauen. Das Ganze sei eine Geheime Reichssache, Indiskretionen oder sorgloses Geschwätz würden mit dem Tode bestraft, was die Anwesenden wie auch weiter hinzugezogene Mittäter schriftlich bestätigen mußten.

11.03.1946

Bericht: Bernard Clarke vom British Intelligence Service
Am 11. März 1946 dringen Bernard Clarke und fünf weitere Spezialisten des britischen geheimen Nachrichtendienstes (British Intelligence Service) in Uniform, fast alle von ihnen von hoher Gestalt und bedrohlich aussehend, in die Wohnung von Frau Höss ein. Die sechs Männer, sind »alle auf die ausgeklügeltsten Techniken des ununterbrochenen und erbarmungslosen Verhörs gedrillt worden«. Clarke schrie Frau Höss an:
»Wenn Sie nicht sagen wo Ihr Mann ist, liefern wir Sie den Russen aus, die Sie dann vor ein Erschießungskommando stellen. ihr Sohn wird nach Sibirien verschleppt. «
Frau Höss bricht schließlich zusammen und gibt sowohl den Aufenthaltsort ihres Mannes als auch den falschen Namen, unter dem er sich versteckt hält, preis.
»Eine entsprechende Einschüchterung des Sohnes und der Tochter brachte genau die gleichen Auskünfte hervor.«

Der jüdische Sergeant und die fünf anderen Verhörspezialisten des »dritten Grades« machen sich dann auf die Suche nach R. Höss, den sie mitten in der Nacht überraschen. Er liegt in einer der vielen Nischen in einem Raum des Bauernhofes, der normalerweise als Schlachtraum benutzt wird.

Clarke »erinnert sich lebhaft«:
»Er lag ganz oben auf einer dreigeschossigen Schlafkoje und war mit einem neuen seidenen Schlafanzug bekleidet. Wir fanden später heraus, daß er seine Cyanidpille, die ja die meisten von ihnen bei sich trugen, verloren hatte. Nicht daß er eine große Chance gehabt hätte, sie zu benutzen, denn wir hatten ihm schon eine Taschenlampe ins Maul gerammt. «
Höss stieß beim bloßen Anblick der britischen Uniformen einen Schreckensruf aus.

Clarke brüllte: »Wie heißen Sie?«
Jedesmal wenn die Antwort ›Franz Lang‹ lautete, krachte Clarkes Faust ins Gesicht des Gefangenen. Beim vierten Schlag brach Höss zusammen und gab seine wahre Identität zu. Dieses Geständnis löste plötzlich bei den jüdischen Sergeanten des Festnahme-Kommandos, deren Eltern auf Grund eines von Höss unterzeichneten Befehls in Auschwitz umgekommen waren, einen Wutanfall aus.
Der Gefangene wurde von der obersten Pritsche heruntergezerrt und man riß ihm den Schlafanzug vom Leibe. Dann wurde er nackt zu einem der Schlachttische gezerrt. Dort erschien es Clarke, als wollten die Schläge und Schreie kein Ende nehmen.
Schließlich drang der anwesende Sanitätsoffizier auf den Captain Cross ein: ›Lassen Sie aufhören, es sei denn Sie wollten eine Leiche mitnehmen.‹ Man warf Höss eine Decke über und er wurde zu Clarkes Wagen geschleift, wo der Sergeant ihm einen beträchtlichen Schuß Whisky in die Kehle schüttete. Höss versuchte dann zu schlafen. Clarke stieß ihm seinen Dienststock unter die Augenlider und befahl in deutscher Sprache: ›Halt Deine Schweinsaugen auf, Du Schwein.‹
Zum ersten Male brachte Höss seine oft wiederholte Rechtfertigung hervor: ›Ich erhielt meine Befehle von Himmler. Ich bin Soldat wie Sie. Wir mußten den Befehlen gehorchen.‹
Die Gruppe traf gegen drei Uhr morgens wieder in Heide ein. Der Schnee wirbelte immer noch, doch man riß Höss die Decke herunter und er mußte völlig nackt durch den Gefängnishof bis zu seiner Zelle laufen. Clarke: ›Es dauerte drei Tage, bis wir eine zusammenhängende Aussage (coherent statement) von ihm hatten. Aber als er einmal zu reden angefangen hatte, konnte ihn keiner mehr halten‹«

Bericht: Nürnberger Prozeß
Am 11. März 1946 um 23 Uhr stürmte die britische Militärpolizei den Bauernhof im Sönke-Nissen-Koog bei Flensburg verhaftet. und nahm Rudolf Hoess den ehemaligen Kommandanten von Auschwitz fest. Dieser behauptete jedoch nach wie vor, dass sein Name Franz Lang sei. Viele der Soldaten waren Zeuge der Befreiung des Lagers Bergen-Belsen geworden und kannten kein Mitleid. „Stundenlang wurde Höß körperlich schwer misshandelt, bis er seine Identität zugab“. Seit Anfang 1945 hatte er immer eine Giftphiole bei sich getragen. Wenige Tage vor seiner Verhaftung war diese jedoch zerbrochen. Es gab für ihn keinen Fluchtweg mehr, die Soldaten verbrachten ihn zu weiteren Vernehmungen in eine Kaserne bei Heide.
Die Bewacher von Rudolf Höß hatten keinerlei Mitleid mit ihm. Er gab an, während der Verhöre mehrfach physisch und psychisch misshandelt worden zu sein. Man setzte ihn angeblich unter Alkohol und setzte auch Schlafentzug ein. Die Protokolle, die dabei entstanden, waren ein Zeugnis des Schreckens, konnten von den Verhöroffizieren kaum geglaubt werden. Höß, ein gebrochener Mann, unterschrieb sie jedoch anstandslos. Allerdings würde er sie auch später in seinen selbst niedergeschriebenen Erinnerungen nicht widerrufen sondern nur berichtigen. Er wird angeben, dass die in den Protokollen genannten Zahlen zu hoch gewesen waren und korrigierte sie nach unten.

Hoess in seiner Autobiografie:
»Am 11. März 1946 gegen 23 Uhr wurde ich verhaftet. Meine Giftphiole war zwei Tage vorher zerbrochen. Da ich beim ersten Aufschrecken aus dem Schlaf auch noch annahm, es handle sich um einen der dort häufig vorkommenden Raubüberfälle, gelang die Verhaftung. Es wurde mir übel zugesetzt durch die Field Security Police. Ich wurde nach Heide geschleift, ausgerechnet in die Kaserne, in der ich von den Engländern acht Monate vorher entlassen worden war. Unter schlagenden Beweisen kam meine erste Vernehmung zustande. Was in dem Protokoll drin steht, weiß ich nicht, obwohl ich es unterschrieben habe. Doch Alkohol und Peitsche waren auch für mich zuviel. Die Peitsche war meine eigene, die durch Zufall in das Gepäck meiner Frau geraten war. Kaum hat je mein Pferd einen Schlag damit bekommen, noch viel weniger Häftlinge. Doch der eine Vernehmende war wohl der Ansicht, daß ich ununterbrochen damit Häftlinge verdroschen hätte. Ich kam nach einigen Tagen nach Minden a. d. Weser, dem Hauptvernehmungsplatz der englischen Zone. Dort wurde mir noch mehr zugesetzt durch den 1. englischen Staatsanwalt, einem Major. Das Gefängnis entsprach dessen Verhalten. Nach drei Wochen wurde ich überraschend rasiert, es wurden mir die Haare geschnitten, und ich durfte mich auch waschen.
Seit meiner Verhaftung waren meine Handschellen nicht geöffnet worden. Am anderen Tage wurde ich mit einem aus London herübergeholten Kriegsgefangenen, der Entlastungszeuge für Fritzsche war, im Pkw nach Nürnberg überführt. Die Haft dort beim IMT (International Military Tribunal) war geradezu ein Sanatoriumsaufenthalt nach dem Vorhergegangenen. Ich saß im Bau der Hauptangeklagten und konnte diese täglich sehen, wenn sie zu der Verhandlung geführt wurden. Fast täglich waren dort Besichtigungen von Vertretern aller alliierten Länder. Ich wurde auch stets als ganz besonders interessantes Tier gezeigt. Nach Nürnberg war ich gekommen, weil mich der Verteidiger Kaltenbrunners als Entlastungszeuge angefordert hatte. Es ist mir nie aufgegangen und auch heute noch unerklärlich, wie ich, ausgerechnet ich, Kaltenbrunner entlasten sollte. Während die Haft in jeder Hinsicht gut war - ich habe, soviel ich nur Zeit hatte, gelesen, es war eine reichhaltige Bibliothek benutzbar waren die Vernehmungen wirklich nicht angenehm nicht etwa physisch, aber um so stärker psychisch. Ich kann es den Vernehmenden auch nicht verübeln, es waren alles Juden. Psychologisch wurde ich beinahe seziert - so genau wollte man alles wissen -, auch von Juden. Von ihnen wurde ich absolut nicht darüber im Zweifel gelassen, was mir noch alles bevorstünde.

27.02.1946

Augenzeugenbericht Severina Schmaglewskaja
Die polnische Staatsangehorige Severina Schmaglewskaja trat in Nürnberg am 27. Februar 1946 in den Zeugenstand. Sie war ihren Aussagen zufolge vom 7. Oktober 1942 bis zum Januar 1945 in Auschwitz interniert.
Im Lager geborene Kinder wurden, soweit es sich um jüdische Kinder handelte, sofort getötet. Die Kinder wurden den Muttern ein paar Minuten nach der Geburt weggenommen, und diese haben die Kinder niemals wieder gesehen. Ein paar Tage später musste die Mutter wieder zur Arbeit. Ich arbeitete sehr nahe am Eisenbahngeleise, das zum Krematorium führte. Manchmal kam ich morgens in die Nähe der deutschen Latrinen, und von dort konnte ich sehen, wie die Transporte einliefen. Die Kinder wurden vor den Krematorien von den Eltern getrennt und gesondert in die Gaskammern geführt. Zu der Zeit, als die meisten Juden in Gaskammern vernichtet wurden, wurde ein Befehl erlassen, die Kinder in die Öfen des Krematoriums oder in die Gruben um das Krematorium herum zu werfen, ohne sie vorher zu vergasen. Ich weiss nicht, ob die Deutschen Gas sparen wollten, oder weil es keinen Platz in der Gaskammer gab, ich weiss es nicht. Ich möchte hinzufügen, dass man die Anzahl der Kinder nicht, wie zum Beispiel die der Juden, feststellen konnte, da die Transporte direkt ins Krematorium geführt, nicht registriert und daher nicht tätowiert wurden. Sehr oft wurden sie nicht einmal gezählt. Wir, die Haftlinge, versuchten oft, uns uber die Anzahl der Menschen, die in den Gaskammern umkamen, Rechenschaft zu geben, aber die Zahl der umgebrachten Kinder konnten wir nur nach der Anzahl der Kinderwagen schätzen, die ins Magazin kamen. Manchmal waren es Hunderte, manchmal Tausende von Kinderwagen.

14.03.1946

Erklärung des ehemaligen Lagerkommandanten Höß vom 14. März 1946 (Nbg. Dok. NO-1210):
Zwei alte Bauernhäuser, die abgelegen im Gelände Birkenau lagen, wurden fugendicht gemacht und mit starken Holztüren versehen. Die Transporte selbst wurden auf einem Abstellgleis in Birkenau ausgeladen. Die arbeitsfähigen Häftlinge wurden ausgesucht und nach den Lagern abgeführt, sämtliches Gepäck wurde abgelegt und später zu den Effektenlagern gebracht. Die anderen, zur Vergasung bestimmten, gingen im Fußmarsch zu der etwa 1km entfernten Anlage. Die Kranken und nicht Gehfähigen wurden mit Lastwagen hintransportiert. Bei Transporten, die des Nachts ankamen, wurden alle mit Lastwagen dahinbefördert. Vor den Bauernhäusern mußten sich alle ausziehen hinter aufgebauten Reisigwänden. An den Türen stand "Desinfektionsraum". Die diensttuenden Unterführer mußten durch Dolmetscher den Menschen sagen, daß sie genau auf ihre Sachen achten sollen, damit sie diese nach der. Entlausung gleich wieder fanden. Die Ausgezogenen gingen dann in die Räume hinein.


Erklärung Höß v. 14. März 1946 über die Leichenverbrennung an den Gasbunkern:
"Nach einer halben Stunde wurden die Türen geöffnet und die Leichen durch ein Kommando von Häftlingen, die ständig dort arbeiteten, herausgezogen und ab September 1942 in Erdgruben verbrannt. Vor der Verbrennung wurden die Goldzähne und Ringe entfernt, zwischen die Leichen wurde Brennholz geschichtet, und wenn ein Stoß von ca. 100 Leichen drin war, wurde mit Petroleum getränkten Lappen das Holz entzündet. Wenn die Verbrennung dann richtig im Gange war, wurden die anderen Leichen dazugeworfen. Das auf den Boden der Gruben sich sammelnde Fett wurde mit Eimern dem Feuer wieder zugegossen, um bei besonders nasser Witterung den Verbrennungsprozeß zu beschleunigen. Die Dauer der Verbrennung dauerte 6-7 Stunden. Der Gestank der verbrannten Leichen konnte bei Westwind selbst im Lager bemerkt werden. Nach Räumung der Gruben wurden die Aschenreste zerstampft. Dies geschah auf einer Zementplatte, wo Häftlinge mit Holzstampern die Knochenreste pulverisierten. Diese Reste wurden dann mittels Lastwagen an einer abgelegenen Stelle in die Weichsel
geschüttet".

25.05.1946

Rudolf Hoess vor seinem Abflug aus Nürnberg

Auslieferung Höß an Polen
Am 25. Mai 1946, seinem 17. Hochzeitstag, wurde Rudolf Hoess polnischen Offizieren übergeben und mit einer US-Maschine über Berlin nach Warschau geflogen.
Im Untersuchungsgefängnis Krakau verfasste er Anfang 1947 auf 114 beidseitig beschriebenen Blättern seine Autobiografie:
"Meine Psyche. Werden, Leben und Erleben".
Auszug:
Ich durfte mich noch nicht einmal abwenden, wenn allzumenschliche Regungen in mir hochstiegen. Mußte kalt zusehen, wie die Mütter mit den lachenden oder weinenden Kindern in die Gaskammern gingen. – Einmal waren zwei kleine Kinder so in ihr Spiel vertieft, daß sie sich absolut nicht von ihrer Mutter davon wegreißen lassen wollten. Selbst die Juden des Sonderkommandos wollten die Kinder nicht aufnehmen. Den um Erbarmen flehenden Blick der Mutter, die bestimmt wußte, was geschieht, werde ich nie vergessen. Die in der Kammer wurden schon unruhig – ich mußte handeln. Alles sah auf mich – ich gab dem diensthabenden Unterführer einen Wink, und er nahm die sich heftig sträubenden Kinder auf die Arme und brachte sie mit der herzzerbrechend weinenden Mutter in die Kammer. Ich wäre am liebsten vor Mitleid von der Bildfläche verschwunden – aber ich durfte nicht die geringste Rührung zeigen. Ich mußte alle Vorgänge mit ansehen. Ich mußte, ob Tag oder Nacht, beim Heranschaffen, beim Verbrennen der Leichen zusehen, mußte das Zahnausbrechen, das Haarabschneiden, all das Grausige stundenlang mit ansehen. Ich mußte selbst bei der grausigen, unheimlichen Gestank verbreitenden Ausgrabung der Massengräber und dem Verbrennen stundenlang dabeistehen. Ich mußte auch durch das Guckloch des Gasraumes den Tod selbst ansehen, weil die Ärzte mich darauf aufmerksam machten.“

00.11.1946

Aus den Aufzeichnung Rudolf Höß von November 1946
Die provisorische Anlage I wurde bei Beginn des Bauabschnittes III des Lagers Birkenau abgerissen. Die Anlage II, später als Freianlage oder Bunker V bezeichnet, war bis zuletzt in Betrieb, und zwar als Ausweichmöglichkeit bei Pannen in den Krematorien I bis IV. Bei Aktionen mit dichterer Zugfolge wurden die Vergasungen bei Tage in V durchgeführt, die nachts ankommenden Transporte in I bis IV.
Die zur Vernichtung bestimmten Juden wurden möglichst ruhig - Männer und Frauen getrennt - zu den Krematorien geführt. Im Auskleideraum wurde ihnen durch die dort beschäftigten Häftlinge des Sonderkommandos in ihrer Sprache gesagt, daß sie hier nun zum Baden und zur Entlausung kämen, daß sie ihre Kleider ordentlich zusammenlegen sollten und vor allem den Platz zu merken hätten, damit sie nach der Entlausung ihre Sachen schnell wiederfinden könnten. Die Häftlinge des Sonderkommandos hatten selbst das größte Interesse daran, daß der Vorgang sich schnell, ruhig und reibungslos abwickelte. Nach der Entkleidung gingen die Juden in die Gaskammer, die mit Brausen und Wasserleitungsröhren versehen, völlig den Eindruck eines Baderaumes machte. Zuerst kamen die Frauen mit den Kindern hinein, hernach die Männer, die ja immer nur die an Zahl wenigeren waren. Dies ging fast immer ganz ruhig, da die Ängstlichen und das Verhängnis vielleicht Ahnenden von den Häftlingen des Sonderkommandos beruhigt wurden. Auch blieben diese Häftlinge und ein SS-Mann bis zum letzten Moment in der Kammer.
Die Tür wurde nun schnell zugeschraubt und das Gas sofort durch die bereitstehenden Desinfektoren in die Einwurfluken durch die Decke der Gaskammer in einen Luftschacht bis zum Boden geworfen. Dies bewirkte die sofortige Entwicklung des Gases. Durch das Beobachtungsloch in der Tür konnte man sehen, daß die dem Einwurfschacht am nächsten Stehenden sofort tot umfielen. Man kann sagen, daß ungefähr ein Drittel sofort tot war. Die anderen fingen an zu taumeln, zu schreien und nach Luft zu ringen. Das Schreien ging aber bald in ein Röcheln über, und in wenigen Minuten lagen alle. Nach spätestens 20 Minuten regte sich keiner mehr. Je nach Witterung, feucht oder trocken, kalt oder warm, weiter je nach Beschaffenheit des Gases, das nicht immer gleich war, nach Zusammensetzung des Transportes, viele Gesunde, Alte oder Kranke, Kinder, dauerte die Wirkung des Gases fünf bis zehn Minuten. Die Bewußtlosigkeit trat schon nach wenigen Minuten ein, je nach Entfernung von dem Einwurfschacht. Schreiende, Ältere, Kranke, Schwächliche und Kinder fielen schneller als die Gesunden und Jüngeren.

03.04.1947

Gericht
Am Tag nach der Urteilsverkündung forderten ehemalige Häftlinge das Gericht auf, die Exekution auf dem Lagergelände durchzuführen. Sie wurde für den 14. April angesetzt, wurde aus Angst, dass die Bewohner Oświęcims Hoess während des Transports auf das Lagergelände Lynchen würden, verschoben.

22.11.1946

Nbg. Dok. N0-819
Aussage des ehemaligen Auschwitz Häftlings: Balitzzi Chaim (Häftlingsnummer 132266)
(Opfer von Versuchen zur Massensterilisierung mit Röntgenstrahlen)
Wir mußten uns ausziehen, und die Geschlechtsteile wurden unter einen Apparat gebracht und für 15 Minuten unter dem Apparat gehalten. Der Apparat hat die Geschlechtsteile und Umgebung stark erwärmt und nachher haben sich diese Teile schwärzlich verfärbt. Nach dieser Aktion mußten wir sofort wieder arbeiten. Im Verlaufe von einigen Tagen haben die Geschlechtsteile bei den meisten Kameraden geeitert, und die hatten große Schwierigkeiten beim Gehen. Sie mußten aber trotzdem arbeiten, bis sie umfielen. Die Umgefallenen kamen zur Vergasung. Ich selbst habe nur eine Nässe gehabt, aber keine Eiterung. Nach zwei Wochen, ungefähr im Oktober 1943, hat man sieben Mann unserer Gruppe nach Auschwitz I geführt. Diese Strecke mußte zu Fuß zurückgelegt werden. Sie hatten sehr große Schwierigkeiten beim Gehen, weil die Geschlechtsteile schmerzten. Wir kamen nach Auschwitz I in den Krankenbau, Block 20. Dort hat man uns operiert. Beide Hoden wurden entfernt. Ich fühle mich sehr mutlos und schäme mich über meine Kastrierung. Das Schlimmste ist, weil ich keine Zukunft mehr habe. Ich esse sehr wenig und werde trotzdem dick.

12.04.1947

Wadowice, am 12. April 1947
„In der Abgeschiedenheit meiner Haft kam ich zu der bitteren Erkenntnis, wie schwer ich an der Menschheit gefrevelt habe. Als Kommandant des Vernichtungslagers Auschwitz verwirklichte ich einen Teil der grauenhaften Menschenvernichtungspläne des ,Dritten Reiches‘. Ich habe so der Menschheit und der Menschlichkeit schwersten Schaden zugefügt ... Meine Verantwortlichkeit büße ich mit meinem Leben. Möge mir einst der Herrgott mein Handeln vergeben. Das polnische Volk bitte ich um Verzeihung. In den polnischen Gefängnissen erst habe ich erfahren, was Menschlichkeit ist. Es wurde mir trotz allem Geschehenen eine Menschlichkeit bezeugt, die ich nie erwartet hätte und die mich zutiefst beschämte. Mögen die derzeitigen Enthüllungen und Darstellungen der an der Menschheit und der Menschlichkeit begangenen ungeheuerlichen Verbrechen dazu führen, daß für alle Zukunft schon die Voraussetzungen zu derartigen grauenvollen Geschehnissen verhindert werden.
Rudolf Franz Ferdinand Höß

16.04.1947 Hinrichtung Rudolf Höß

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02.06.1947

Gedenkstätte
Am 2. Juni 1947, zwei Jahre nach der Befreiung, wurde im ehemaligen Vernichtungslager auf Beschluss des polnischen Parlaments eine Gedenkstätte als Mahnmal für künftige Generationen errichtet. Auschwitz wurde zum wichtigsten Symbol für den Holocaust.

19.09.1947

Aussage des ehemaligen Auschwitz Häftling Bogdan Glisnki Häftlingsnummer: 11958
In Auschwitz eingeliefert am 5. April 1941
Bericht über die erste Vergasung von Häftlingen in Auschwitz im
Septemmber 1941
“Als ich krank im Häftlingsrevier in Block 22 lag, sah ich eines Nachts, wie eine Gruppe von einigen hundert russischen Gefangenen – etwa 600, meine ich – in den Hof von Block 11 hineingeführt wurde, der sich auf der anderen Straßenseite befand, gegenüber von Block 21. Während die Gefangenen dort hingebracht wurden, hörte man Schreie, weil die SS-Eskorte sie
mit Schlägen und Tritten antrieb. Ich sah ganz genau – und dies sahen auch meine anderen Genossen –, dass diese SS-Leute mit Gasmasken ausgerüstet waren, was uns sehr auffiel. In der Eskorte sah ich Grabner, Plagge und Lachmann. Ich sah deutlich, wie auch sie diese Männer schlugen. Aus der Art, wie sie mit ihnen umgingen – ich hatte vorher nie gesehen, dass Grabner oder Lachmann irgendjemand im Lager schlugen –, und auch weil sie schrien, schloss ich, dass sie getrunken hatten und unter Alkoholeinfluss standen. Nach dem Abendappell, vor der Abenddämmerung, wurden alle Revierblöcke von Kranken und Genesenden geleert, und die von einem Arzt ausgewählten Leute wurden in den Block gebracht und unten in die Zellen geführt bzw. transportiert, wenn sie nicht laufen konnten. Ich weiß das von Leuten, die diese Kranken dahin getragen haben. Auch die Genesenden wurden die Treppe heruntergeführt. Zwei Tage vorher war dieser Block vollständig geleert und die Häftlinge woanders untergebracht worden.
Drei Tage nach der Nacht, in der die russischen Gefangenen dorthin gebracht worden waren, versammelte Rapportführer Palitzsch ein Gruppe von Häftlingen aus dem Revierblock – Pfleger und Ärzte, mehr als 20 Personen. Zu der Gruppe zählte auch ich. Wir gingen in den Bunker und holten die Leichen dieser russischen Kriegsgefangenen und der vom Revier selektierten Kranken und Genesenden aus den Zellen. Erstere waren in Uniform, die Leichen der Häftlinge in Unterzeug, denn so waren sie dorthin geschafft worden, was uns sehr auffiel. In den Zellen waren Haufen von Leichen, und aus dem erstickenden und tränenreizenden Geruch in den Kellern und aus dem Anblick der Leichen – Augen geschlossen oder weit geöffnet – schlossen wir, dass diese Männer vergast worden waren. Obwohl der Bunker drei Tage lang gelüftet worden war, waren dort noch Gasdämpfe. Auf dem Boden lagen diverse Dokumente auf russisch, Fotos, russische Banknoten und Münzen.”

13.10.1947

Häftling Heinrich Schuster
Der Häftling Heinrich Schuster, der von April 1942 bis Januar 1945 in Auschwitz inhaftiert war und einer Strafkompanie zugehörte, sagte bei seiner Vernehmung vom 13.10.1947 vor einer Untersuchungskommission des US-Militärs aus, dass er erstmals im August 1942 von Vergasungen in Birkenau gehört habe. Im Oktober 1943 habe er vom Einsatz von Zyklon B in den Gaskammern gehört.

10.12.1947

Häftling Ian Olbrycht
Aus der Aussage des ehemaligen Auschwitz Häftlings Ian Olbrycht (Häftlings Nu. 46688) am 10.12.1947 im Krakauer Auschwitz-Prozeß:
Das für die Gefangenen zur Zubereitung von Suppen gelieferte Fleisch war sehr oft verdorben, mit Blasen bedeckt, bereits in Fäulnis übergehend. Außerdem erreichten die zu kleinen offiziellen Lebensmittelrationen nie vollständig die Häftlinge, wegen Diebstahls der wertvolleren Produkte, hauptsächlich der eiweißreichen, durch die SS-Männer und die Funktionen ausübenden Häftlinge.
weiter heißt es:
daß ein Häftling, obwohl es ihm auf die eine oder andere Weise gelungen war, sogar 5 Teller Lagersuppe zu bekommen und zu essen, in dem Falle, daß er kein anderes Essen bekam, zum Beispiel durch Organisieren oder aus Paketen, die Hungerkrankheit bekam, und das meistens nach 3 Monaten. Dies fand sogar in den Redensarten der SS -Leute seinen Niederschlag: Ein anständiger Häftling darf nicht länger als 3 Monate leben, sonst ist er ein Dieb.

Hinrichtung Höß Rudolf

Deutsche Kriegsgefangene errichteten den mit einer Falltür ausgestatteten Galgen im Morgengrauen. Es kann nicht ausgeschlossen werde, dass sie auch als Henker fungierten. Ohne spezielle Genehmigung hatte niemand Zutritt zum Lagergelände. Bewaffnete, uniformierte Wachen waren über das gesamte Gelände verteilt. Um 08:00 Uhr traf Hoess ein und wurde zunächst in das Gebäude gebracht, das einst das „Büro des Kommandanten“ beherbergte. Dort fragte er nach einer Tasse Kaffee. Nachdem er ihn getrunken hatte, wurde er in eine Zelle im „Bunker“, dem Lagergefängnis im Block 11, auch bekannt als „Todesblock“, gebracht.
Hoess wurde um exakt 10:00 Uhr hinaus geführt. Er war ruhig. Mit energischen Schritten, beinahe stolzierend, ging er die Lagerstraße entlang. Da seine Hände hinter seinem Rücken mit Handschellen gefesselt waren, halfen ihm die Henker auf den Hocker
, der auf der Falltür platziert war. Ein Priester, nach dem der Verurteilte verlangt hatte, näherte sich dem Galgen. Es war Vater Tadeusz Zaremba, ein Salesianer aus Oświęcim.
Ein Staatsanwalt verlas das Urteil. Der Henker legte Hoess die Schlinge um, welcher ihren Sitz durch eine Bewegung seines Kopfes veränderte. Als der Henker den Hocker unter dem ehemaligen Kommandanten wegzog, traf dessen Körper auf die Falltür, welche sich öffnete und ihn Hängen ließ. Der Priester begann das Gebet für die Sterbenden zu rezitieren. Es war 10:08 Uhr. Ein Arzt erklärte Hoess´ Tod um 10:21 Uhr. Seine sterblichen Überreste wurden vermutlich verbrannt.
Die polnische Presse berichtete über die Hinrichtung nur kurz. Zeitungen wurde offenbar verboten, Augenzeugenberichte zu drucken. Dokumente zu den Akten des Höß Fall die später gefunden wurden, zeigen an, dass die staatlichen Behörden Anfang 1947 beschlossen, die Veranstaltung öffentlicher Hinrichtungen gegen deutsche Kriegsverbrecher einzuschränken. Dies war eine Reaktion auf die Hinrichtung im Sommer 1946 von Arthur Greiser, Gauleiter von "Warthe-Land." Aufgeregte Menschenmassen hatten zugesehen wie er an der Zitadelle in Posen gehängt wurde. Es herrschte eine Picknick Atmosphäre, es gab Kinder unter den Beobachtern und Händler verkauften Eis, Softdrinks und Süßigkeiten. Nach der Hinrichtung, kämpften Menschen über Stücke des Henkers Seil. Intellektuelle und Vertreter der Kirche protestierte bei den Behörden. Das Ministerium für Justiz entschied, dass die Hinrichtung des Auschwitz-Kommandanten sollte ein weniger öffentliche Angelegenheit sein. Nur etwa 100 Menschen ehemalige Gefangene-und hohe Beamte aus dem Ministerium der Justiz, der Staatsanwaltschaft und der Sicherheitsrat waren als Zeuge zugelassen.. Dies war die letzte öffentliche Hinrichtung in Polen.

Gebet/Schuldbekenntnis

Herr, unser Gott,
wenn wir an Auschwitz denken und an alles Entsetzliche,
für das dieser Name steht - was ist der Mensch,
dass er zu solchen Verbrechen fähig ist?
Und wie kann es sein, dass die Täter von damals oft,
mitunter sogar bis heute, nicht einmal wahrhaben wollen,
was sie angerichtet haben?
Gott, wenn wir an Auschwitz denken, fragen wir uns:
Sind wir wirklich anders?
Können wir besser widerstehen,
und uns dem Bösen verweigern?
Können die heutigen Opfer von Ungerechtigkeit und Gewalt auf uns zählen?
Merken sie etwas von unserem Entsetzen?
Und sind sie weniger allein und ausgeliefert?
Gott, Auschwitz weckt so viele Fragen,
im Blick auf uns Menschen,
aber auch im Blick auf dich:
Warum hast du die Ermordung deines Volkes zugelassen?
Warum die Vernichtung so vieler, vieler Menschen, die doch nichts anderes wollten
als in deiner Schöpfung zu leben und glücklich zu sein?
Warum bist du den Tätern nicht in den Arm gefallen?
Warum hast du zu all dem geschwiegen?
Gott, du bist uns manchmal unheimlich und fremd
und wir selber sind es uns auch.
Wir bitten dich:
Lass uns nicht zerbrechen an dem Dunkel,
das sich vor uns auftut.
Lass uns gerade da zu dir rufen und schreien,
wo du uns auf schreckliche und unheimlich Weise verborgen bist.
Herr, unser Gott, lehre uns diese einfache und doch so schwierige Kunst,
menschliche Menschen zu werden. Amen.

30.07.1948

Fritz ter Meer
Das für das Buna Werk in Auschwitz verantwortliche IG Farben Vorstandsmitglied Fritz ter Meer (Schwiegervater des späteren CDU- Schatzmeisters und Bundestagsabgeordneten Walter Leisler Kiep) wird vom Nürnberger Kriegsverbrechertribunal wegen Versklavung und Plünderung zu sieben Jahren Haft verurteilt. Als Fritz ter Meer im Prozess befragt wurde, ob er die bekannt gewordenen Versuche an Menschen für gerechtfertigt gehalten habe, antwortete er, dass dies unerheblich gewesen sei: "Den Häftlingen ist dadurch kein besonderes Leid zugefügt worden, da man sie ohnedies getötet hätte". Fritz ter Meer wurde 1950 wegen guter Führung vorzeitig aus der Haft entlassen. Er wurde Mitglied des Aufsichtsrates des unter dem alten Firmennamen Bayer ehemaligen IG Farben Betriebsteils und 1956 Vorsitzender des Aufsichtsrates der Bayer AG in Leverkusen. Fritz ter Meer starb am 21. Oktober 1967. Die Bayer AG ehrt ihn bs heute. An Allerheiligen 2005 ließ das Unternehmen am Grab in Krefeld-Uerdingen zum wiederholten Mal einen Kranz aufstellen.

17.04.1957

Bundesgerichtshof
Mit Beschluss vom 17. April 1959 übertrug der BGH auf Antrag der Frankfurter Staatsanwaltschaft die Untersuchung und Entscheidung in der angestrengten Sache gegen Auschwitz-Täter dem Frankfurter Gericht.

24.05.1957

Häftling Bardy Thomas
Am 24.05.1957 gibt der ehemalige KL Häftling Bardy Thomas geb. 27.11.1923 in Budapest Überlebender oft tödlicher Versuche des Fahnenjunkers Heinz Kaschub begangen im KL Auschwitz, in Sydney eine Erklärung ab:
Heinz Kaschub habe u. a. durch Einspritzen einer petroleumhaltigen Flüssigkeit und künstlich herbeigeführte Brandwunden Mithäftlinge mißbraucht und zu Tode gebracht.
Im Rechtsstreit mit der BRD, erklärt der deutsche Bundesminister der Finanzen - für die Entschädigung von NS-Verbrechen zuständig:
(Gesch.Z.: VI A/4 -0 1472 - B 17/59):
Medizinische Versuche, wie sie von Bardy in seiner Eingabe geschildert hat, sind nach amtlichen Unterlagen nicht im Lager Auschwitz durchgeführt worden. Die Krankheitserscheinungen, über die er heute noch klagt, können daher keine Folgen eines von Ärzten angeordneten und in seinen Ergebnissen verwerteten medizinischen Experiments sein. Es erscheint vielmehr wahrscheinlich, daß es sich in seinem Falle um therapeutische Maßnahmen gehandelt hat. (siehe auch Kaschub-Verfahren)

09.08.1957

SS-Gruppenführer d. Res. Prof. Dr. med. Clauberg Carl (Wilhelm)
Am 09. August 1957 verstirbt in der Haftanstalt (U-Haft Kiel) an einem Schlaganfall, der SS-Gruppenführer d. Res. Prof. Dr. med. Clauberg Carl (Wilhelm). Dieser war in Auschwitz für seine Menschenversuche berüchtigt.
Eine Obduktion, die das gerichtsmedizinische Institut Kiel durchführte, weil Zweifel an seinem natürlichen Tod geäußert wurden, ergab „beginnende Gehirnerweichung“ (Enzephalomalazie).

13.08.1957

SS-Gruppenführer d. Res. Prof. Dr. med. Clauberg Carl (Wilhelm)
Am 13. August 1957 schrieb die Frankfurter Rundschau zum Tod des SS-Gruppenführer d. Res. Prof. Dr. med. Clauberg Carl (Wilhelm). Dieser war in Auschwitz für seine Menschenversuche berüchtigt.
Nun wird es also nicht mehr zum Prozeß gegen diese wissenschaftliche Größe des Nazireiches kommen. Das ist bedauerlich, denn die Verhandlung hätte nicht nur mehr Licht auf die Vorgänge selbst geworfen, sondern auch die Tätigkeit der Claubergschen Mitarbeiter klarstellen können. Manchem aber starb dieser Mortimer gelegen; es war der Staatsanwaltschaft reichlich schwer gefallen, Sachverständige zu finden, die gewillt waren, ihre Gutachten in unmißverständlicher Weise abzugeben. Mancher mag daher aufgeatmet haben, als er die Nachricht von des Vivisektors Tod las. Daß es aber der Staatsanwaltschaft so schwer fiel, überhaupt namhafte Sachverständige zu finden, und daß der Verdacht besteht, daß so mancher das Nichtzustandekommen des Prozesses begrüßt, läßt leider auch unerfreuliche Schlüsse ziehen. Clauberg ist ein Symbol gewesen, eines der Symbole des Dritten Reiches. Man muß hoffen, daß die Ärzte, die Bedenken trugen, seine Methoden als das zu bezeichnen was sie waren, nicht als lebende Symbole der Nachkriegszeit anzusehen sind.

19./20.10.1959

Häftling Erwin Bartel
Der Häftling Erwin Bartel, der von Juni 1941 bis Oktober 1944 in Auschwitz inhaftiert war und hauptsächlich als Schreiber bei der politischen Abteilung eingesetzt wurde, bekundete bei seiner Vernehmung vom 19. u. 20.10.1959 vor dem Oberstaatsanwalt beim Landgericht Frankfurt, dass er von Erzählungen seines Vorgesetzten davon erfahren habe, wie die Selektionen auf der Rampe abliefen. Ihm war auch bekannt, dass für die Vergasungen Zyklon B verwendet wurde.

20.03.1960

Treffen Überlebender des KL Auschwitz
Überlebende des Konzentrationslagers Auschwitz kommen in New York zu ihrem ersten Treffen zusammen

22.03.1960

Landgericht Frankfurt
Der Häftling Xaver Achter, der von April 1941 bis September 1944 in Auschwitz inhaftiert war und ab 1942 als Kapo eingesetzt wurde, berichtete bei seiner Vernehmung vom 22.03.1960 vor dem Oberstaatsanwalt beim Landgericht Frankfurt, dass "damals unter den Häftlingen davon die Rede war, dass diese Leute die er 1943 oder 1944 in Zügen nach Birkenau fahren sah vergast werden sollten". Er selbst habe jedoch "nie konkrete Einzelheiten hierüber erfahren".

26.10.1960

Landgericht Frankfurt
Aussage des Wachmanns Horst Czerwinski vom 26.10.1960 vor dem Oberstaatsanwalt beim Landgericht Frankfurt, wonach die Angehörigen einer Wachkompanie die eigentlichen Lager nicht betreten durften. Seine Kompanie habe bis zur Fertigstellung der Rampe nach Birkenau die Postenkette bei der Ankunft von Transporten gestellt. Es dürften immer etwa 50 SS-Männer dazu abgestellt worden sein. Diese Postenkette sei um den Transportzug im Abstand von ca. 50 m aufgestellt gewesen. Ausgeladen wären die Transporte zu dieser Zeit nur nachts geworden. Es sei allgemein bekannt gewesen, dass die Arbeitsunfähigen in das Krematorium zur Vergasung gebracht wurden. Gesehen habe es jedoch keiner, da die Krematorien nochmals besonders abgesichert waren.

02.11.1960

Landgericht Frankfurt
Der im Fahrdienst eingesetzte SS-Mann
Richard Böck bekundete bei seiner Vernehmung vor dem Oberstaatsanwalt beim Landgericht Frankfurt vom 02.11.1960, dass er im Winter 1942/43 einmal trotz sonst strengen Verbots bei einer Vergasung dabei gewesen sei und von daher Einzelheiten erlebt habe. Im Übrigen seien die Vergasungsaktionen jedoch uns allgemein bekannt gewesen.

04.11.1960

Landgericht Frankfurt
Aussage des SS-Wachmanns Wilhelm Krist vom 04.11.1960 vor dem Oberstaatsanwalt beim Landgericht Frankfurt, wonach bei der SS allgemein bekannt war, dass in Birkenau in den Krematorien Häftlinge vergast und verbrannt wurden. Seine Kompanie, deren Spieß er war, hätte auch zeitweilig den Auftrag gehabt, das Gelände um den Transportzug abzusperren, wobei die Kommandantur vorher die Zahl der benötigten Mannschaften bekanntgegeben habe. Er habe während seiner gesamten Dienstzeit niemals ein Häftlingslager in Auschwitz betreten, da dies streng verboten gewesen wäre. Aus diesem Grunde könne er über die internen Vorgänge in den Häftlingslagern nicht berichten.

17.05.1961

Landgericht Frankfurt
Aussage des Wachmanns Arthur Willi Wildermuth vom 17.05.1961 vor dem Oberstaatsanwalt beim Landgericht Frankfurt, wonach an der Rampe auch immer SS-Leute mit Gewehren gestanden hätten, die vermutlich zu einer Wachkompanie gehört hätten.

25.08.1961

Landgericht Frankfurt
Aussage des Wachmanns Baretzki vor dem Untersuchungsrichter beim Landgericht Frankfurt am 25.08.1961, wonach für den Transport der Häftlinge in die Gaskammern ein Sonderkommando vom Krematorium bestanden hätte. Das Schreien der zur Vergasung bestimmten Häftlinge habe man bis weit ins Lager gehört, etwa 500 m weit.

07.11.1961

Landgericht Frankfurt
Aussage des Wachmanns Detlef Hebbe vom 07.11.1961 vor dem Oberstaatsanwalt beim Landgericht Frankfurt, wonach Mitglieder des Wachsturmbannes in mehr oder weniger unregelmäßigen Zeitabständen zum sogenannten Transportdienst abkommandiert worden seien. Die Leute hätten dann um einen angekommenen Transport eine Postenkette im Abstand von etwa 30 - 35 m von Mann zu Mann und in einem Abstand von 100 - 150 m vom Zug gebildet. Es sei vorgekommen, dass zum Transportdienst immer nur wachfreie Einheiten eingeteilt werden konnten. Als Spieß sei es ferner seine Aufgabe gewesen, den Dienstplan nachträglich zu korrigieren.

15.03.1962

Landgericht Frankfurt
Aussage des SS-Wachmanns Hans Schillhorn vom 15.03.1962 vor dem Untersuchungsrichter beim Landgericht Frankfurt, in der er angibt, dass für die Wachleute kein Zutritt in das sog. Schutzhaftlager möglich war, sie jedoch teilweise auch zum Umstellen der Rampe angefordert wurden, wobei die Kommandos aus ca. 20 Mann bestanden hätten. Die Existenz der Gaskammern war nach dessen Aussage allgemein bekannt. Für den Betrieb auf der Rampe seien jedoch die Angehörigen des Schutzhaftlagers und der Kommandantur verantwortlich gewesen.

16.04.1962

Landgericht Frankfurt
Der SS-Wachmann Kurt Hartmann sagte bei seiner Vernehmung vor dem Untersuchungsrichter des Landgerichts Frankfurt vom 16.04.1962 aus, der Ablauf der Vergasungen im Einzelnen sei ihm durch Erzählungen anderer bekannt geworden.

17.06.1963

Untersuchungshaftanstalt Frankfurt am Main
Am 17.06.1963 stirbt In der Untersuchungshaftanstalt Frankfurt am Main der 51jährige frühere SS-Obersturmbannführer und letzte Kommandant des Konzentrationslagers Auschwitz,
Richard Baer

20.12.1963

1. Frankfurter Auschwitz-Prozess
18 Jahre nach Kriegsende beginnt mit dem 1. Frankfurter Auschwitz-Prozess die öffentliche Auseinandersetzung mit der nationalsozialistischen Vernichtungspolitik. Bis dahin war Auschwitz ein weißer Fleck in der kollektiven Erinnerung. Im "Land der Täter" schien es keine Auschwitz-Täter zu geben. An diesem 20. Dezember 1963 stehen sich SS-Männer und ihre Opfer zum ersten Mal seit 1945 gegenüber.

Untersuchungsrichter
Düx Heinz

29.01.1964

1. Frankfurter Auschwitz-Prozess
Im Frankfurter Auschwitzprozess berichtete über zwei Verhandlungstage hinweg der ehemalige KL Häftling (Häftlingsnummer 128 828) Wolken Otto, Sozialist und Häftlingsarzt im KZ Auschwitz-Birkenau (* 24. April 1903 in Wien, + 1. Februar 1975) als so genannter Milieuzeuge, erbarmungslos sachlich und minutiös vom Zustand körperlich und seelisch ausgemergelter Häftlinge und wie sich Züchtigungen und Marterungen der SS auf die geschwächten Menschen im Lager auswirkten.
Die Dystrophien (Ernährungskrankheiten hatten ihre Ursache in der vollkommen unzureichenden Ernährung der Leute. Dazu kommt noch, daß Lagerneulinge, und mit solchen hatten wir es ja vorwiegend zu tun, wochenlang fast nur das Brot aßen, bis sie sich soweit überwinden konnten, die übel schmeckende Lagersuppe, die zu essen jedes Durchschnittsschwein abgelehnt hätte, aus einer schmutzigen, ungewaschenen Schüssel, aus der 5 oder 6 Personen schon vorher gegessen hatten, und mit einem schmutzigen und ausgeliehenen Löffel zu essen. Über mehr als 100-150 Eßschüsseln und Löffel verfügte kein Block. Erst bis die Erschöpfung und der Hunger einen unerträglichen Grad erreicht hatten, stürzten sich die Ausgehungerten wie Bestien auf das Essen, lasen mit den Händen auf der Straße beim Tragen verschüttete Suppe auf, kratzten nahezu das Holz aus den Suppenfässern, um ja keinen Tropfen zu verlieren, und nicht selten wurden die Essenträger auf der Lagerstraße überfallen, um aus den Fässern mit der bloßen Hand etwas Suppe rauben zu können. Nach dem Abzug der Deutschen konnten wir uns davon überzeugen, daß die Magazine mit Eßschüsseln und Löffeln vollgestopft waren, so daß jede Person ihre eigene Schüssel hätte haben können. Es war demnach zweifellos der Wille der Lagerführung, die Menschen unter tierischen Verhältnissen leben und sich gegenseitig mit Infektionskrankheiten anstecken zu lassen.

09.03.1964

Landgericht Frankfurt am Main
25. Verhandlungstag, 09.03.1964
SS-Richter Konrad Morgen (SS-Hauptsturmführer) im Auschwitz-Prozeß über die Krematorien in Birkenau:
Es waren einstöckige Hallen mit Satteldächern, die genausogut Werkschuppen oder kleine Werkstätten hätten sein können. Selbst die sehr breiten und massiven Schornsteine brauchten dem Laien nicht weiter aufzufallen, denn sie waren sehr niedrig, sie endeten kurz über dem Dach. Hinter dem Hof war ein großes Tor, das in die sogenannten Umldeidungsräume führte, ähnlich wie die Auskleidehalle von einer Turnhalle. Einfache Holzbänke standen da, mit Kleiderrechen, und auf-fälligerweise war jeder Platz numeriert, trug auch eine Garderobenmarke. Und man schärfte noch den Opfern ein, ja acht auf ihre Garderobe zu geben, die Garderobenmarke festzuhalten - alles, um bis zur buchstäblich letzten Sekunde nicht den geringsten Verdacht aufkommen zu lassen und die Todesopfer ahnungslos in die gestellte Falle zu bringen. Dann an der Wand war ein großer Pfeil, der in einen Gang wies, und darauf stand kurz und bündig: Zu den Duschräumen, und das wurde in sechs oder sieben Sprachen wiederholt. Man sagte denen also: Ihr kleidet euch aus und werdet geduscht und desinfiziert. Und an diesem Gang lagen dann verschiedene Kammern ohne jede Einrichtung, kahl, nackt, Zementfußboden. Auffällig und zunächst unerklärlich war nur, daß in der Mitte ein vergitterter Schacht stand, der bis zur Decke führte. Ich hatte zunächst dafür keine Erklärung, bis man mir sagte, daß durch eine Öffnung vom Dach aus Gas, und zwar in kristalliner Form, das Zyklon B, in diese Todeskammern gegossen würde. Bis zu diesem Moment war also der Häftling ahnungslos, und dann war es natürlich zu spät. Gegenüber den Gaskammern lagen drei Leichenaufzüge, und diese führten dann nun in den ersten Stock oder, von der anderen Seite aus gesehen, in das ebenerdige Geschoß. Das eigentliche Krematorium war ein riesiger Saal, an dessen einer Seite in langer Reihe Krematoriumsöfen standen, mit geplättetem Fußboden, alles atmete eine sachliche, neutrale, technische, wertfreie Atmosphäre aus.

Komplex Auschwitz
Meine Untersuchungen im Konzentrationslager Auschwitz wurden ausgelöst durch ein Feldpostpäckchen. Es war ein etwas kleineres, mehr langes als schmales Paket, gewöhnlicher Karton, das wahrscheinlich wegen seines ungeheuren Gewichtes bei der Feldpost aufgefallen war, und wegen seines Inhalts hatte ihn die Zollfahndung beschlagnahmt. Es enthielt nämlich drei Klumpen mit Gold. Gold war eine Devise, ablieferungspflichtig, und so ergab sich die Beschlagnahme durch die Zollfahndung. Absender war ein SDG, das heißt ein Sanitätsdienstgrad des Konzentrationslagers Auschwitz, und adressiert war dieses Paket an seine Frau. Er unterstand damit der SS- und Polizeigerichtsbarkeit, und mir wurde diese beschlagnahmte Sendung mit einem kurzen Anschreiben – "zur weiteren Veranlassung", glaube ich, hieß es – zugeleitet.
Bei dem Gold handelte es sich um hochkarätiges Zahngold, das in einer primitiven Weise zusammengeschmolzen war. Es war ein sehr großer Klumpen, vielleicht in der Größe von zwei Fäusten, der andere war wesentlich kleiner, der dritte mehr unbedeutend. Aber immerhin, es war eine ganze Anzahl von Kilos. Ehe ich nun weiter etwas veranlaßte, überlegte ich mir die Sache. Zunächst war die Dreistigkeit, mit der hier der mir bis dahin unbekannte Täter vorgegangen war, verblüffend. Und es schien sich hier um eine ausgemachte Dummheit zu handeln. Aber je länger ich über die Sache nachdachte, glaubte ich, daß eine solche Auffassung den Täter unterschätzte. Denn immerhin: Bei Hunderttausenden von Feldpostpäckchen war die Chance sehr gering, daß nun ausgerechnet diese gefährliche Sendung beschlagnahmt und entdeckt werden würde. Sondern hier schien mir ein Zug einer raffinierten Primitivität und einer skrupellosen Rücksichtslosigkeit bei dem Täter vorzuwalten, ein Zug, der sich dann bei meinen späteren Ermittlungen im Konzentrationslager Auschwitz als richtig erweisen sollte. Denn nach dieser Methode wurde da eigentlich durchweg gearbeitet. Meine weitere Überlegung, die jagte mir allerdings einen nicht geringen Schauder den Rücken herunter, denn ein Kilogramm Gold besteht ja aus 1 000 Gramm.

Ich wußte, daß die Zahnstationen der Konzentrationslager beauftragt waren, in den Krematorien das dort anfallende Gold der Leichenverbrennung zu sammeln und an die Reichsbank abzuführen. Und eine Goldplombe, das sind ja nur wenige Gramm. 1 000 Gramm oder mehrere Tausend Gramm bedeuteten also den Tod von mehreren Tausend Menschen. Aber es trägt ja nicht jeder Goldplomben, sondern in der damaligen, doch sehr armen Zeit nur ein gewisser Bruchteil. Und je nachdem, wie man schätzte, ob jeder Zwanzigste oder Fünfzigste oder Hundertste Gold im Mund trug, mußte man diese Zahl damit multiplizieren, und so stellte eigentlich diese beschlagnahmte Sendung sozusagen den Gegenwert von Zwanzig-, Fünfzig- oder Hunderttausenden von Leichen dar. Ein erschütternder Gedanke. Aber das geradezu Unfaßbare daran war, daß der Täter unbemerkt derartig bedeutende Mengen beiseite bringen konnte. Und so wenig die Tat des Angeklagten aufgefallen war, so schloß ich weiter, so wenig konnte es da auffallen, daß da 50 000 oder 100 000 Menschen verschwunden und verascht worden waren. Eine natürliche Todesursache konnte hier ja nicht obwalten, sondern die Menschen, die mußten hier ermordet worden sein.

Unter diesem Gesichtspunkt erfaßte ich erstmals, daß dieses damals kaum bekannte Auschwitz, dessen geographische Lage ich mit einigen Schwierigkeiten auf der Karte suchen mußte, eine der größten Menschenvernichtungsstätten sein mußte, die überhaupt die Welt gesehen hatte. Ich hätte diesen Vorgang der beschlagnahmten Goldsendung sehr einfach erledigen können. Die Beweisstücke waren ja nun überzeugend. Ich hätte den Täter verhaften lassen können und anklagen, und damit war der Sachverhalt erledigt. Aber nach meinen Überlegungen, die ich Ihnen kurz geschildert habe, mußte ich unbedingt mir das ansehen. Und ich fuhr deshalb, so schnell ich konnte, nach Auschwitz, um die Untersuchungen an Ort und Stelle zu führen.

So stand ich dann an einem Vormittag auf dem Bahnhof in Auschwitz. Man erwartet unwillkürlich von einer Stätte, in der sich Ungeheuerliches, Unsagbares, Unvorstellbares vollzieht, daß irgendwie da Spuren sichtbar sein müßten, eine besondere Atmosphäre. Ich blieb deshalb längere Zeit auf dem Bahnhof stehen, um da irgend etwas zu sehen. Aber Auschwitz war eine kleine Stadt mit einem sehr großen Durchgangs- und Verschiebebahnhof, etwa wie Bebra. Es gingen dauernd Züge durch, Truppentransporte nach dem Osten, Verwundetentransporte kamen zurück, Kohlenzüge, Erzzüge, Güterzüge, auch Personenzüge. Die Menschen, die stiegen da aus, die jungen lustig, die älteren mürrisch, abgearbeitet, als wäre es die alltäglichste Sache von der Welt. Ich sah auch Häftlingstransporte in gestreiften Anzügen. Aber die gingen von Auschwitz weg, es kam keiner an.

Nun, das Konzentrationslager war nicht zu übersehen, aber von außen bot es auch nur den Anblick, den man von Kriegsgefangenenlagern oder anderen Konzentrationslagern gewohnt war: hohe Mauern, Stacheldraht, Wachtürme, Posten, die auf und ab gingen. Ein Tor, ein geschäftiges Treiben der Häftlinge, aber sonst nichts Auffälliges. Ich meldete mich bei dem Kommandanten, dem Standartenführer Höß, ein etwas untersetzter, sehr wortkarger, einsilbiger Mann mit einem steinernen Gesicht. Ich hatte ihm meine Ankunft bereits durch Fernschreiben mitgeteilt und eröffnete ihm, daß ich hier Untersuchungen zu führen hätte. Er sagte etwa dem Sinne nach, daß ihnen eine ungeheuer harte Aufgabe übertragen sei, und dieser Aufgabe seien charakterlich nicht alle gewachsen. Er fragte dann kurz, wie ich beginnen wolle. Ich sagte ihm, ich müßte zunächst mal das ganze Lager besichtigen. Ehe ich eine Untersuchung in einem Konzentrationslager begann, habe ich mir das Lager allgemein und insbesondere seine Schwerpunkte da angesehen. Er sah kurz auf den Dienstplan, telefonierte, und es kam dann ein Hauptsturmführer. Und den wies er an, mich mit einem Wagen durch das Gelände zu fahren und mir alles zu zeigen, was ich sehen wollte. Ich fing mit dem Anfang vom Ende an, nämlich der Rampe in Birkenau.

Die Rampe sah aus wie jede andere Rampe auf einem Güterbahnhof auch. Es war nichts besonderes daran festzustellen, und es waren auch gar keine besonderen Vorkehrungen irgendwie getroffen. Ich fragte deshalb meinen Führer, wie das nun vor sich ginge. Er erklärte mir, daß ein Transport, meistens Juden, vom Bahnhof, kurz vor der Ankunft, vorm Einlaufen in Auschwitz, dem Lager gemeldet wird. Darauf rückte eine Wachmannschaft aus, sperrte die Gleise und die Rampe ab. Dann wurden die Türen der Waggons geöffnet, die Ankömmlinge mußten aussteigen und ihr Gepäck absetzen. Männer und Frauen mußten sich getrennt aufstellen, und dann, erklärte er mir, würde zunächst nach Rabbinern gefragt. Rabbiner und sonstige bedeutende jüdische Persönlichkeiten wurden sofort ausgesondert, ins Lager gebracht, in eine Baracke, die sie für sich hatten. Ich habe sie später gesehen, es stimmte. Gut gehalten, sie brauchten nicht zu arbeiten, es wurde erwartet, daß sie möglichst viele Briefe und Postkartengrüße in alle Welt von Auschwitz schickten, um damit von vornherein jeden Verdacht, daß hier irgend so etwas Greuliches vor sich gehe, zu zerstreuen.

Danach fragte man nach Spezialisten, die das Lager brauchte – das Lager war ja mit großen Industriebetrieben verbunden –, die suchte man dann vorher aus. Und der Rest, der wurde dann nach arbeitsfähig, arbeitsunfähig getrennt. Die Arbeitsfähigen marschierten zu Fuß in das Lager Auschwitz, wurden dort regulär als Häftlinge aufgenommen, eingekleidet, eingeteilt. Die andere Gruppe mußte auf Lastwagen Platz nehmen und ging sofort, ohne daß eine namentliche Feststellung erfolgte, in die Gaskammern nach Birkenau. Als schwarzen Witz erzählte mir mein Begleiter, daß, wenn man keine Zeit habe oder kein Arzt da sei, zu viele Ankömmlinge da seien, daß man dann auch gelegentlich ein Verfahren abkürze, man den Ankömmlingen dann sagte, in höflichen Worten, das Lager wäre doch einige Kilometer entfernt, und wer sich zu krank oder zu schwach fühle oder wem das Gehen zu unbequem sei, der könne auch hier von der Fahrgelegenheit, die das Lager bereitgestellt habe, Gebrauch machen. Darauf setzte dann ein Massenansturm auf die Fahrzeuge ein. Und nur diejenigen, die nicht mitkamen, die konnten dann in das Lager marschieren, während die anderen unbewußt den Tod gewählt hatten.

Von der Rampe folgten wir der Spur der Todesfrachten zum Lager Birkenau, es lag einige Kilometer entfernt. Äußerlich war da auch nichts Auffälliges zu sehen: großer Maschendrahtzaun, etwas windschief, mit einem Posten. Dahinter lag das sogenannte Lager "Kanada", wo die Effekten der Opfer durchsucht, geordnet, weiterverwandt wurden. Man sah von den letzten Transporten noch einen Haufen aufgebrochener Koffer, Wäschestücke, Aktentaschen, aber auch ganze Zahnarzteinrichtungen, Schustereinrichtungen, Medikamententaschen liegen. Offensichtlich waren die sogenannten Evakuierten wirklich der Auffassung, sie würden im Osten, wie man es ihnen gesagt hatte, angesiedelt und fänden dort eine neue Existenz, und hatten dann das Notwendige dazu mitgebracht.

Und dahinter lagen dann die Krematorien. Es waren einstöckige Hallen mit Satteldächern, die genau so gut Werkschuppen oder kleine Werkstätten hätten sein können. Selbst die sehr breiten und massiven Schornsteine brauchten dem Laien nicht weiter aufzufallen, denn sie waren sehr niedrig, sie endeten kurz über dem Dach. Auf der Seite, wo die Lkws anfuhren, war der Boden schräg vertieft, etwa in Schulhofgröße, mit Schlacke bestreut und kurz abgestellt. Da fuhren die rein, so daß also ein Außenstehender, der diese Lastwagenkolonne sah, dann plötzlich nur feststellte, daß die in einer Bodensenkung verschwunden waren, ohne daß er aber nun feststellen konnte, wo die Transportierten abgeblieben waren – auch wieder eine dieser raffinierten, im Grunde aber primitiven Vorsichtsmaßnahmen, die man als roten Faden durch die ganze Organisation immer wieder feststellen konnte. In dem Hof war ein Rudel, muß man sagen, jüdischer Häftlinge mit gelbem Stern, mit ihrem Kapo, der einen langen Knüppel trug, und die uns sofort umkreisten. Sie liefen dauernd so im Kreise da herum, gegenwärtig jeden Befehls und nach jedem Blick haschend. Und es schoß mir so durch den Kopf: Die verhalten sich ja genauso wie ein Rudel Schäferhunde. Und das sagte ich dann auch da meinem Begleiter, der darüber lachte und sagte, ja, das wäre auch die Aufgabe. Die Todesopfer, die sollten zunächst mal, indem sie also ihre Glaubensgenossen da sahen, Vertrauen haben. Und dieses Kommando hatte auch Anweisung, ja nicht die Ankömmlinge zu schlagen. Es sollte alles vermieden werden, damit keine Panik ausbricht. Sondern man sollte denen ein bisschen Angst und Respekt machen, im übrigen aber eben nur da sein und die da hinleiten und -führen, wo man sie haben wollte.

Hinter dem Hof war ein großes Tor, das in die sogenannten Umkleidungsräume führte, ähnlich wie die Auskleidehalle von einer Turnhalle. Einfache Holzbänke standen da, mit Kleiderrechen, und auffälligerweise war jeder Platz nummeriert, trug auch eine Garderobenmarke. Und man schärfte noch den Opfern ein, ja acht auf ihre Garderobe zu geben, die Garderobenmarke festzuhalten – alles, um bis zur buchstäblich letzten Sekunde nicht den geringsten Verdacht aufkommen zu lassen und die Todesopfer ahnungslos in die gestellte Falle zu bringen.

Dann an der Wand war ein großer Pfeil, der in einen Gang wies, und darauf stand kurz und bündig: "Zu den Duschräumen", und das wurde in sechs oder sieben Sprachen wiederholt. Man sagte denen also: Ihr kleidet euch aus und werdet geduscht und desinfiziert. Und an diesem Gang lagen dann verschiedene Kammern ohne jede Einrichtung, kahl, nackt, Zementfußboden. Auffällig und zunächst unerklärlich war nur, daß in der Mitte ein vergitterter Schacht stand, der bis zur Decke führte. Ich hatte zunächst dafür keine Erklärung, bis man mir sagte, daß durch eine Öffnung vom Dach aus Gas, und zwar in kristalliner Form, das Zyklon B, in diese Todeskammern gegossen würde. Bis zu diesem Moment war also der Häftling ahnungslos, und dann war es natürlich zu spät. Gegenüber den Gaskammern lagen die Leichenaufzüge, und diese führten dann nun in den ersten Stock oder, von der anderen Seite aus gesehen, in das ebenerdige Geschoß. Das eigentliche Krematorium war ein riesiger Saal, an dessen einer Seite in langer Reihe die Krematoriumsöfen standen, mit geplättetem Fußboden, alles atmete eine sachliche, neutrale, technische, wertfreie Atmosphäre aus. Es war alles spiegelblank, geleckt, und einige Häftlinge in Monteuranzügen, die polierten da ihre Armaturen, machten sich da künstlich Bewegung. Sonst war alles still und leer.

Nachdem ich diese äußeren Einrichtungen gesehen hatte und irgendwie SS gar nicht in Erscheinung getreten war, interessierte mich natürlich, nun mal die SS-Leute zu sehen und kennenzulernen, die diesen ganzen Apparat da verwalteten und in Betrieb hielten. Es wurde mir dann ein kurzer Blick in die sogenannte Wachstube des Lagers Birkenau gestattet, und hier habe ich dann zum ersten Mal einen wirklichen Schock erlitten. Sie wissen, eine militärische Wachstube, die zeichnet sich bei sämtlichen Armeen der Welt durch eine spartanische Einfachheit aus. Es steht da ein Schreibtisch, es hängen Anschläge, es sind da einige Pritschen da für diejenigen, die da abgelöst werden, Schreibtisch und Telefon. Aber das hier war anders. Es war ein niedriger, etwas schummriger Raum, und da standen bunt zusammengewürfelte Couchen herum. Und auf diesen Couchen, da lagen malerisch einige SS-Leute, meistens untere Führerdienstgrade, und dösten da mit glasigen Augen vor sich hin. Ich hatte den Eindruck, daß sie die Nacht vorher ziemlich viel Alkohol genossen haben mußten.

Statt eines Schreibtisches stand ein riesiger Hotelherd da, und auf diesem buken vier, fünf junge Mädchen Kartoffelpuffer. Es waren offensichtlich Jüdinnen, sehr schöne, orientalische Schönheiten, vollbusig, feurige Augen, trugen auch keine Häftlingskleider, sondern normales, ganz kokettes Zivil. Und die brachten nun ihren Paschas, die auf den Couchen da rumlagen und dösten, die Kartoffelpuffer und fragten besorgt, ob auch genügend Zucker darauf war, und fütterten die. Keiner nahm von mir und meinem Begleiter – immerhin also doch einem Hauptmann Notiz. Es wurde keine Meldung gemacht, es ließ sich keiner stören. Und ich glaubte, meinen Ohren nicht zu trauen: Diese weiblichen Häftlinge und die SS, die duzten sich gegenseitig. Ich muß also wohl ziemlich entgeistert meinen Begleiter angeschaut haben. Der zuckte nur die Achseln und sagte: "Die Männer haben eine schwere Nacht hinter sich. Sie hatten einige Transporte abzufertigen". Ich glaube, so drückte er sich aus. Das bedeutete also, daß in der Nacht, während ich da im Zuge stehend nach Auschwitz fuhr, einige Tausend Menschen, einige Zugladungen voll hier vergast und verascht worden waren. Und von diesen Tausenden von Menschen, da war auch nicht das Stäubchen auf einer Ofenarmatur übriggeblieben.

Nachdem ich also in Birkenau alles gesehen hatte, was es zu sehen gab, habe ich dann einen Rundgang durch das Lager gemacht. Was man da so auf die Schnelle gezeigt bekommt, irgendeine gut ausgesuchte Häftlingsstube oder -baracke, Kultureinrichtungen des Lagers, die es auch gab, der Krankenbau. Und dann ließ ich mich natürlich in den sogenannten Bunker unter anderem auch führen, und dabei wurde mir ganz offen und mit größter Bereitwilligkeit die sogenannte Schwarze Wand gezeigt, wo die Erschießungen stattfanden.

Nachdem ich das Lager besichtigt hatte – es war mittlerweile Spätnachmittag geworden –, da schritt ich nun zur Aktion und ließ das ganze SS-Krematoriumskommando in seiner Unterkunft vor den Spinden antreten und nahm eine Durchsuchung vor. Und wie ich mir es gedacht hatte, kam dann da einiges zum Vorschein: goldene Ringe, Münzen, Ketten, Kettchen, Perlen, so ziemlich sämtliche Währungen der Welt. Bei dem einen wenig Souvenirs, wie der Betreffende sagte, bei dem anderen ein kleines Vermögen. Was ich aber nicht erwartet hatte, war, daß aus einem der zwei Spinde mir die Geschlechtsteile frisch geschlachteter Bullen entgegenfielen. Ich war zunächst völlig entgeistert und konnte mir also den Verwendungszweck nicht vorstellen. Bis mir der betreffende Spindinhaber errötend – tatsächlich, das gab es, dann gestand, daß man sich das besorge zur Auffrischung der eigenen sexuellen Potenz. Nachdem ich also diese Durchsuchung vorgenommen und damit ziemlich das ganze Krematoriumskommando da festgenagelt, kurz vernommen hatte, war der Tag zu Ende. Und ich begab mich dann in meine Unterkunft.

Verständlicherweise konnte ich in dieser Nacht kein Auge schließen, obwohl ich da schon einiges in Konzentrationslagern gesehen hatte, aber so etwas nun doch noch nicht. Und ich überlegte mir, was nun dagegen unternommen werden könnte. Der Laie neigt ja nun angesichts der scheinbaren Machtfülle eines Richters, eines Staatsanwaltes dazu, die Frage zu stellen: Warum hast du denn die Verantwortlichen, und zwar an höchster Stelle befindlichen, nicht sofort verhaftet und denen dieser entsetzlichen Verbrechen wegen den Prozeß gemacht? Ich darf die Laienbeisitzer zunächst daran erinnern, daß ja kein Richter außerhalb der Hauptverhandlung einer Strafsache die Macht hat, eine Verhaftung vorzunehmen. Sondern er ist darauf angewiesen, daß der zuständige Staatsanwalt einen Haftantrag stellt. Der Staatsanwalt muß in wichtigen Sachen seinem Vorgesetzten, dem Oberstaatsanwalt, dem Generalstaatsanwalt oder dem Bundesanwalt oder dem Justizminister berichten. Die Staatsanwaltschaft ist eine bürokratische Behörde, die weisungsgebunden ist, und es kann nicht irgendein Hilfsarbeiter einer Staatsanwaltschaft einfach den Antrag stellen, irgendwie eine bedeutende Persönlichkeit zu verhaften.

Bei der SS- und Polizeigerichtsbarkeit lagen nun die Dinge ganz anders. Die SS- und Polizeigerichtsbarkeit war ja Kriegsgerichtsbarkeit, neben der Kriegsgerichtsbarkeit des Heeres, der Marine, der Luftwaffe, die Kriegsgerichtsbarkeit des vierten Wehrmachtsteiles, nämlich der Waffen-SS und der Polizei in besonderem Einsatz. Die Kriegsgerichtsbarkeit ist ein Ausfluss der militärischen Kommandogewalt, von dieser abgeleitet und abhängig. Alle wichtigen Funktionen, die sonst das Gericht, mit unabhängigen Richtern besetzt, ausübt, liegen in den Händen des sogenannten Gerichtsherrn, das heißt des kommandierenden Generals. Und über ihm der Korps-, der Armeegeneral und als oberster Gerichtsherr der Oberbefehlshaber der Wehrmacht, damals Hitler. Der Gerichtsherr fertigt, unterschreibt einen Haftbefehl. Der Gerichtsherr ordnet die Eröffnung eines Verfahrens an. Der Gerichtsherr besetzt das Kriegsgericht. Er bestätigt oder verwirft Urteile, er ordnet die Vollstreckung an.

Um also nun gegen Himmler oder Hitler, die Urheber dieser Verbrechen, vorgehen zu können, gerichtlich vorgehen zu können, hätte ich also bei Hitler selbst oder bei Himmler selbst einen Haftbefehl gegen sie selber beantragen müssen. Und selbst wenn er gegen sich selbst ein Verfahren eröffnet hätte, wäre es unmöglich gewesen, ein Gericht zusammenzustellen. Denn das Gericht mußte so besetzt sein, mit einem Beisitzer als Laienbeisitzer im Range des Angeklagten und mit einem Diensthöheren. Man hätte also einen Hitler als Beisitzer, einen Über-Hitler als zweiten Beisitzer gebraucht. Also, Sie sehen daraus, das war absolut unmöglich. Man mußte feststellen, daß Hitler sich in einem rechtsfreien Raum bewegte, in dem sämtliche Schranken der Gewaltenteilung aufgehoben waren, und er Reichskanzler, Reichspräsident, Oberbefehlshaber der Wehrmacht, oberster Gesetzgeber, oberstes Vollzugsorgan, oberster Gerichtsherr, alles in einer Person darstellte.

10.07.1964

1. Frankfurter Auschwitz-Prozess
Aus dem Schreiben des ehemaligen Häftlingsarztes Dr. Rudolf Vitek (im Lager noch Rudolf Weißkopf) vom 10. Juli 1964 an den Frankfurter Generalstaatsanwalt Fritz Bauer über die Liquidierung des Zigeunerlagers in der Nacht vom 01. zum 02.08.1944:
Es wurde im Zigeunerlager ein eigener Arbeitstransport zusammengestellt, für alle Zigeuner, egal, ob Mann oder Frau, die sich noch arbeitsfähig fühlten. Ihr kommt in bessere Lebensbedingungen, wurde ihnen gesagt, wenn ihr arbeiten werdet, bekommt ihr mehr zum Essen. Danach wird ein Transportzug auf die Birkenauer Rampe geschoben, direkt zur kurzen Seite des Zigeunerlagers. 1408 Menschen werden einwaggoniert. Der Zug bleibt stundenlang stehen, die Schiebetüren werden nicht geschlossen, der Starkstrom des Lagerzauns ist abgeschaltet.
Weisskopf:
Ein Ereignis, das sich noch nie abgespielt hatte. Kein einziger SS-Mann war zu sehen. Die zurückgebliebenen Alten, Schwachen und Kinder konnten so stundenlang Abschied nehmen von Söhnen, Töchtern, Vätern und Müttern. Sie durften über, resp. durch den ungeladenen Draht Flaschen mit Wasser, Stücke Brot und andere Liebesgaben ihren Leuten übergeben. Dann wurden die Türen der Viehwagen geschlossen, der Zug rollte ab, die Zigeuner im Lager wurden fortgejagt, und die Lampen flammten auf als Zeichen, daß die Lagerumzäunung wieder unter Hochspannung stehe. Das Ende: Wenige Minuten nach Abfahrt des Transports kam der Befehl: Strengste Lagersperre! Niemand durfte aus der Baracke, schwerbewaffnete SS besetzte das Lager, Maschinengewehre wurden in Stellung gebracht, lange Reihen von Lastautos und SS zu Motorrad mit leichten Maschinenpistolen fuhren über die Lagerstraße. Eine Horde brüllender, sich wie rasend gebärdender SS der verschiedensten Dienstgrade begann blockweise die Zigeuner aufzuladen und fortzufahren, immer begleitet von SS zu Motorrad.
Weisskopf:
Wir hörten Kindergejammer. Zwei kleine Zigeunerchen hatten sich auf der dritten Etage unter alten Matratzen versteckt und waren der suchenden SS entgangen. Aber die SS liebte peinliche und präzise Arbeit, wenn morden, dann vollkommen! Bald erschien ein Militär-Sanitätsauto mit dem Roten Kreuz auf dem Dach, ein SS-Sanitäter holte die drei Kinder ab und fuhr sie zum Krematorium. Ob die SS dort eine neue Dose Zyklon B öffnete? Kaum anzunehmen, die Preise der I.G. Farben waren nicht gerade billig, das wäre unökonomisch, da genügt doch völlig ein Nackenschuß.

27.11.1964

1. Frankfurter Auschwitz-Prozess
Aussage von Willi Hilse am 27.11.1964 im Frankfurter Auschwitz-Prozess. Hilse, zum Zeitpunkt seiner Aussage Bundesbahn-Oberinspektor, war nach eigener Angabe "von 1942 bis 1944 erster Vertreter des Dienstvorstehers bei der Güterabfertigung im Bahnhof Auschwitz". Hilse sagte aus: "Soweit ich mich erinnere, sind bis zu meinem Weggang im Juli 1944 im Rahmen der Ungarntransporte vielleicht 120 solche Züge angekommen. Ob nach meinem Weggang noch weitere Transporte gekommen sind, weiß ich nicht." Im Urteil schrieb das Frankfurter Landgericht: "Die Ungarn-Transporte, die ab Mai 1944 in Auschwitz ankamen, waren nach der glaubhaften Aussage des Zeugen Hi., der in der damaligen Zeit bei der Güterabfertigung am Bahnhof Auschwitz beschäftigt gewesen ist, durchschnittlich 3000 Personen stark. Rechnet man hiervon 25% ab, die im Höchstfall als arbeitsfähig ausgesondert und in das Lager aufgenommen worden sind, so verbleiben 2250 Menschen, die getötet worden sind." Die sich daraus ergebende Dimension der Deportiertenzahl kann mit elementarer Rechenoperation erschlossen werden.

12.12.1964

1. Frankfurter Auschwitz-Prozess
»Strafsache gegen Mulka u.a.«, 4 Ks 2/63
Augenscheinseinnahme in Auschwitz
Rechtsanwalt Henry Ormond legte dem Gericht am 53. Verhandlungstag den Antrag auf Besichtigung des Tatorts vor, ausgerechnet in einer Zeit politisch harter Fronten zwischen der Bundesrepublik und Polen, das wegen der bundesdeutschen Haltung zur polnischen Westgrenze die eigene nationale Existenz bedroht sah. Der Kalte Krieg prägte das Verhältnis zischen den beiden Staaten. Dennoch gelang es Ormond in enger Abstimmung mit seinem Kollegen Jan Sehn, Direktor des Kriminologischen Instituts der Universität Krakau, den Lokaltermin durchzusetzen. Sie erhielten die Vollmacht des polnischen Justizministeriums und die DDR garantierte eine ungehinderte Durchreise, um den Eindruck eines Alleingangs seitens der polnischen Regierung zu vermeiden. Damit war der Ortstermin zu einer internationalen Angelegenheit geworden.
Die Bundesregierung konnte ohne Ansehensverlust die "Augenscheinseinnahme" kaum ablehnen und so taten die deutschen Behörden auf diplomatischer Ebene nichts, um die Sache zu befördern, aber sie konnten sie aufgrund des polnischen Entgegenkommens - ein deutscher Richter sollte auf polnischem Boden im KZ Auschwitz Amtshandlungen vornehmen! - auch nicht verhindern. Unter Leitung von Amtsgerichtsrat Walter Hotz, der Mitglied des Frankfurter Schwurgerichts war, fuhren 24 Prozessbeteiligte am 12. Dezember 1964 für sechs Tage nach Polen: 11 Verteidiger, drei Staatsanwälte, drei Vertreter der Nebenklage, ein Protokollführer, zwei Justizwachtmeister, ein Gerichtsfotograf und eine Dolmetscherin. Nur ein Angeklagter, der frühere SS-Arzt Dr. Franz Bernhard Lucas, brachte den Mut auf, an den Tatort zurückzukehren und erneut durch das Lagertor von Auschwitz zu gehen.
Die Ortsbesichtigung hatte sowohl aus juristischer wie aus psychologischer Sicht ihre Nachwirkungen. Zum einen konnte sich kaum jemand der Wirkung des Ortes entziehen, an dem die Spuren der Vernichtung damals sichtbarer waren als heute, wo sie musealisiert sind. Zum anderen konnten die Aussagen der beschuldigten SS-Leute großteils widerlegt werden, während sich die der ehemaligen KZ-Häftlinge bestätigten. Damit verfügte das Gericht über eine weitaus gefestigtere Beweislage als vorher. Die Ergebnisse wurden in einem 23-seitigen Protokoll festgehalten. Die Ortsbesichtigung, heißt es, war aber auch für die das deutsch-polnische Verhältnis einschneidend, da der Justiz gelang, was die Politik erst später erreichte: "Entspannung im Zeichen von Verständigung und Aussöhnung."


(Die Teilnehmer am Lokaltermin flogen am 12./13. Dezember 1964 von Stuttgart über Wien nach Warschau und setzten die Reise per Bus nach Krakau fort. Am Morgen des 14. Dezember 1964 fuhren die Prozessbeteiligten nach Oświęcim und wurden von Sehn, Szmulewski und Kazimierz Smoleń, dem Direktor des Auschwitz-Museums, willkommen geheißen. Sehn hielt eine Ansprache und endete mit den Worten: »Und nun, Herr Amtsgerichsrat Hotz, bitte, walten Sie Ihres Amtes.« Hotz hatte einen Aufgabenkatalog mit rund 40 Fragen ausgearbeitet, in dem er neben den Zeugen, auf die die zu prüfenden Beweistatsachen zurückgingen, auch die entsprechenden Angeklagten aufgeführt hatte. Der Fragenkatalog und das am 7. Januar 1965 verlesene dreiundzwanzigseitige richterliche Protokoll der Augenscheinseinnahme, dem in der Anlage 37 Fotos beigefügt sind, gibt Aufschluss über das Bemühen des beauftragten Richters, die durch die Aussagen der Zeugen aufgekommenen Fragen und Zweifel anhand einer genauen Besichtigung des Tatorts zu klären. Sichtverhältnisse wurden überprüft, Sichtmöglichkeiten durch das Abmessen der Örtlichkeiten genauestens getestet, die Erkennbarkeit von Personen durch Sehproben verifiziert, die Hörbarkeit von Stimmen in den Zellen von Block 11 experimentell festgestellt. Die beim Ortstermin gewonnenen Erkenntnisse bestätigten im Großen und Ganzen die Aussagen der Zeugen.

Teilnehmer am Lokaltermin
Richter (Hotz), drei Staatsanwälte (Großmann, Kügler, Wiese), drei Vertreter der Nebenkläger (Ormond, Raabe, Kaul), elf Verteidiger (Steinacker, Bürger, Eggert, Joschko, Gerhardt, Staiger, Reiners, Knögel, Naumann, Zarnack, Schallock), ein Angeklagter (Lucas), ein Protokollführer (Josef Hüllen), zwei Justizwachtmeister (Walter Arnold, Walter Lanz), ein Gerichtsfotograf (Paul Schmelefski), eine Dolmetscherin (Wera Kapkajew)

19.08.1965

LG Frankfurt/Main, 19.08.1965 - 4 Ks 2/63
Das LG Frankfurt (Auschwitz-Urteil) über den Ablauf einer Trarısportankunft
Beim Eintreffen der angekündigten Transporte verständigte der Adjutant oder ein anderes Mitglied des Kommandanturstabes telefonisch die verschiedenen Abteilungen des Lagers sowie den Wachsturmbann (SS-Totenkopfsturmbann) von der Ankunft des betreffenden RSHA-Transportes und befahl, daß die für den Rampendienst eingeteilten Führer, Unterführer und Männer sich auf die Rampe zu begeben hätten. Die "Abwicklung" eines für die Vernichtung bestimmten RSHA-Transportes war bis ins einzelne organisiert. Bei den verschiedenen Abteilungen des Lagers und beim Wachsturmbann war hierfür ständig ein sogenannter Rampendienst eingeteilt. Die Schutzhaftlagerführung stellte den Diensthabenden Führen, dessen Aufgabe es war, die Empfangnahme, Einstellung und Vernichtung der in einem Transport angekommenen Menschen zu leiten und zu beaufsichtigen. Vom Wachsturmbann wurde eine bewaffnete Kompanie zum Rampendienst geführt Der Wachsturınbann war unterteilt in Wachkompanien.

25.05.1966

1. Frankfurter Auschwitz-Prozess
Der Häftling Josef Seweryn, der von Dezember 1942 bis Oktober 1944 in Auschwitz inhaftiert war und in der SS-Unterkunftskammer eingesetzt wurde, erklärte bei seiner Vernehmung vom 25.05.1966 vor dem Untersuchungsrichter des Landgerichts Frankfurt, dass wegen der Häufigkeit der ankommenden Transporte ausnahmsweise selbst auf die SS-Leute aus der Küche und der Druckerei für den Rampendienst zurückgegriffen werden musste.

22.01.1968

Göppinger Kreisnachrichten vom 22. Januar 1968
Dr. Capesius wieder in Göppingen
Der Göppinger Apotheker Dr. Victor Capesius ist aus langjähriger Haft nach Göppingen zu seiner hier lebenden Familie zurückgekehrt. Dr. Capesius war im Alter von 52 Jahren am 4. Dezember 1959 in Göppingen verhaftet worden. Im Verlaufe des sogenannten Auschwitz-Prozesses wurde er vom Frankfurter Schwurgericht im August 1965 wegen Beihilfe zum gemeinschaftlichen Mord zu neun. Jahren Zuchthaus und zu fünf Jahren Ehrverlust verurteilt. Dr. Capesius war, zuletzt als SS-Sturmbannführer, in Auschwitz Leiter der Apotheke des Vernichtungslagers gewesen. Die Untersuchungshaft wurde angerechnet. Dr. Capesius wurde zehneinhalb Monate vor Ablauf der Strafzeit ohne jede Auflage entlassen. Er war in Frankfurt und zuletzt in Gießen inhaftiert. Der jetzt 61jährige Apotheker will, wie er gestern der NWZ gegenüber äußerte, zunächst gesundheitlich wieder auf die Höhe kommen, „denn acht Jahre Entzug der Freiheit — das geht nicht spurlos an einem Menschen vorüber". Er will in Göppingen bleiben, hier arbeiten, und zwar voraussichtlich in der Apotheke seiner Frau.
Er besuchte noch am Tag seiner Entlassung ein Stadtkonzert und wurde mit Beifall begrüßt

16.08.1970

Neues Deutschland vom 16.08.1970
Die Warschauer Presse gedachte am Sonnabend des 30. Jahrestages des ersten Transports Warschauer Hitlergegner nach Auschwitz. Am
15. August 1940 waren 1700 Antifaschisten der polnischen Hauptstadt in Güterwagen gepfercht, und in das faschistische Vernichtungslager transportiert worden

27.06.1972

LG Wien Vr 3805/64

Graf Otto (geb. 1920), Lackierergehilfe
Wunsch Franz (geb. 1922), Reisender

Tatort
Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau

Funktion
SS-Bewachungs- und Verwaltungspersonal
(Aufseher und Kommandoführer im sog. Kommando „Kanada“ im Effektenlager, in der Lederfabrik und im Sonderkommando)

Tatvorwürfe
Teilnahme an Massenmorden (Verbringung der für die Vergasung Vorgesehenen mittels Gewaltanwendung
zur Gaskammer
Mitarbeit beim „Rampendienst
Werfen des Blausäurepräparats Zyklon B in die Gaskammern
Gewaltverbrechen an jüdischen Häftlingen (u.a. Ermordung eines griechischen Juden des Sonderkommandos
Ermordung eines jüdischen Häftlings des Aufräumungskommandos

Tatzeit
1942 bis 1944

Angeklagt gem.
§ 212 RStGB

Urteil
27.06.1972: 2x Freispruch (die Eventualfrage nach Totschlag wurde von den Geschworenen bei beiden Angeklagten bejaht, jedoch erfolgte je ein Freispruch wegen Verjährung)

24.10.1980

vergrabene Schriftstücke
am 24.10.1980 entdeckt Lesław Dyrcz, ein Student der Forstlichen Berufsschule Brynek bei Arbeiten in der Nähe des gesprengten Krematoriums III in Auschwitz- Birkenau eine Flasche die etwa einen Fuß tief in den Boden vergraben war. Als er sie öffnete, sah er, daß sie viele Papierblätter mit Handschriften in einer Sprache enthielt, die ihm unbekannt war. Das Dokument entpuppte sich als ein 12-seitiger Brief, den der Gefangene des Sonderkommandos
Marcel Nadjary, ein Jude aus Thessaloniki, der am 11. April 1944 nach Auschwitz deportiert worden war, geschrieben hatte. Nadjary war einer der 100 Gefangenen, die an das Sonderkommando geschickt wurden, das die vier Krematorien in Birkenau betrieb. Sein Schreiben mit enthielt Informationen über die Verbrechen der Deutschen.

Von 1945 bis 1980 wurden insgesamt 19 Handschriften von jüdischen Sonderkommando-Mitgliedern in der Nähe der Krematoriumsruinen gefunden. Die Autoren waren Załmen Gradowski, Chaim Herman, Lejb (Langfus), Załmen Lewental, Marcel Nadjary und eine unbekannte Autorin. Nur Marcel Nadjary überlebte den Krieg.

27.01.2000

Max-Planck-Gesellschaft
55 Jahre nach der Befreiung von Auschwitz. Die Max-Planck-Gesellschaft will keine Opfer von Mengeles Menschenversuchen, will keine "Mengele-Zwillinge" einladen. Beschämend, aber: Wer dort könnte ihnen auch in die Augen sehen?

02.08.2001

Staatliches Museum Auschwitz-Birkenau
Der polnische Außenminister Wladislaw Bartoszewski eröffnet im Staatlichen Museum Auschwitz-Birkenau (Block 13 des ehemaligen Stammlagers) eine ständige Ausstellung zur Vernichtung der europäischen Sinti und Roma

20.10.2015

Akif Pirinçci bei Pegida: Auschwitz Komitee nennt KZ-Rede "widerliches Signal"
Das Internationale Auschwitz Komitee hat die KZ-Bemerkung des deutsch-türkischen Autors Akif Pirinçci bei der Pegida-Kundgebung in Dresden als "ein widerliches Signal der Schamlosigkeit" verurteilt. Die Instrumentalisierung des Begriffes "KZ" lasse die Überlebenden deutscher Konzentrationslager, die KZs am eigenen Leib erfahren hätten, fassungslos und verstört zurück, teilte das Komitee am Dienstag in Berlin mit. Dass dies in Deutschland geschehe, sei "jenseits jeden Geschmacks".
Akif Pirinçci hatte in seiner Rede den Satz gesagt: "Es gäbe natürlich andere Alternativen, aber die KZs sind ja leider derzeit außer Betrieb". Das war allerdings nicht auf Flüchtlinge bezogen. Vielmehr versuchte er damit, deutsche Politiker zu verunglimpfen, die "zunehmend als Gauleiter gegen das eigene Volk" agierten. Die Staatsanwaltschaft Dresden leitete Ermittlungen wegen Volksverhetzung ein. Der Vizepräsident des Auschwitz Komitees, Christoph Heubner, forderte die Politik zum Handeln auf. "Bisher sind die Antworten Europas auf rechte Herausforderungen kläglich und desillusionierend." Das gelte auch besonders für Menschen, die in Europa Schutz und Hilfe suchten. "Wenn aus der deutschen Hilfsbereitschaft nicht sehr schnell eine europäische Lösung wird, wird Europas Selbstbild und seine Bedeutung weiter zerbröseln." Rechtsextremen und populistischen Bewegungen sei dann "Tür und Tor noch weiter geöffnet", erklärte Heubner.
© dpa

Unter Sowjetischer Herrschaft

Kurz nach der Befreiung besetzten die Bolschewisten die Stadt Oswiecim und richteten sich auch in den örtlichen Konzentrationslagern ein, die sich schon bald wieder mit Häftlingen füllen sollten. Zum festen Bestandteil der sowjetischen Besatzung von Auschwitz gehörte alsdann nicht nur eine Hundertschaft von NKWD- Schergen, sondern auch Dokumentarfilmer und Kriegsbericht- Erstatter, unter der Regie von Ilja Ehrenstein. Professionelle Propaganda war fester Bestandteil der sowjetischen Verschleierungsmaschinerie. So mussten sich Kinder und ein polnischer Arzt mit stark anti-kommunistischen Ansichten gegen ihren Willen vor laufenden Kameras stellen und im Chor Willkommen den Befreiern ausrufen. Der Mediziner sollte später auch für Fotos herhalten, die ihn zeigten, als er mit dem Finger auf angeblich durch die SS ermordete Leichen wies.
Leider wissen in diesem Zusammenhang nur wenige Menschen, dass Auschwitz schon kurz nach der Übernahme durch die rote Armee zum höllischen Gulag für deutsche Soldaten und Zivilisten wurde.

In diesen Lagern waren schnell mindestens 15 Tausend Deutsche eingesperrt. Mitglieder der NSDAP, deutsche Zivilisten, Volksdeutsche, Oberschlesier und auch einige Polen die erst befreit und dann wieder eingesperrt worden waren. Wie viele Menschen dort auch noch nach dem Kriege ermordet wurden, weiß keiner. Alles was Deutsch war hatte man vorab als vogelfrei erklärt und so wurde man schon ins Lager gezerrt, nur weil man eine Immobilie hatte. Die Geschehnisse in sowjetischen bzw. polnischen Lagern nach dem zweiten Weltkrieg wird und wurde als eine Folge der Nazi-Aggression in Europa gerechtfertigt. Eine Gleichsetzung mit dem ehemaligen Lager Auschwitz sei nicht möglich, da es keine Kontinuität der Existenz der Lager nach 1945 gab. Es waren nicht die gleichen Lager - heißt es heute noch offiziell. Ein Paradox ist auch, dass ebenso die Sowjets 1939 Polen angriffen, heute aber als Befreier gefeiert werden, weil sie ein paar Löcher in die Zäune von Konzentrationslagern schnitten.

Natürlich haben die Sowjets die von ihnen eroberten Gebiete von Nazis gesäubert. Die Nazis aber unterdrückten Polen 6, die Sowjets allerdings 45 Jahre lang. Und mit Grausamkeiten sparten sie bekanntlich auch nicht. Millionen Menschen verschwanden seit dem 17. September 1939 bis weit nach Kriegsende in russischen Lagern.

Gedenken wir also heute gemeinsam besser allen Opfern des Totalitarismus, den Juden, Polen, Zigeunern, Ukrainern, Russen, Deutschen, Chinesen, Bosniern, Ungarn, Japanern, Irakern, Afghanen und allen anderen Unschuldigen Erdenbürgern. Gerade Geschichtsfälschungen sind es, die mangels objektiver Aufklärung, Wiederholungen von Völkermorden jederzeit möglich machen. Es reicht nicht nur die bosnischen Serben für derartige Taten vor Gericht zu stellen, denn in der ganzen Welt laufen viel schlimmere Täter frei herum und keiner macht etwas dagegen.

Erinnerungen von Lingens-Reiner Ella

* 18.11.1908 in Wien
+ 30.12.2002 in Wien
Juristin und Ärztin, als Gegnerin des Nationalsozialismus von 1943 bis 1945 in KL Haft (unter anderem in Auschwitz)

Der Lagerarzt wollte einmal zu wissenschaftlichen Zwecken das Blut von zehn Frauen untersuchen lassen, die ein Jahr im Lager waren und sich nur von der offiziellen Lagerkost genährt hatten. Er konnte die Arbeit nicht durchführen, denn wir konnten unter den 25000 Frauen, die damals im Lager lebten, keine zehn solcher Frauen finden.

Reichsbahnangehöriger Hewig

Ich habe alle meine Patienten immer nach ihrem Leben gefragt, und die Generation zu Beispiel des alten Hewig nach der Jugendzeit in Schlesien, nach der Kriegszeit und Soldatenzeit und nach der Vertreibung.

Dabei kam heraus, daß er kein Soldat gewesen war, sondern während des Krieges immer im Osten als Reichsbahn - Beamter eingetzt war . Eine Tages erzählte er mir von der Rampe in Birkenau: Dieser kleine Kerl hatte, ich glaube einen Sommer lang Güterzüge von Auschwitz? nach Birkenau als Zugführer begleitet, bis an die Rampe und war dann immer leer zurückgefahren. Er erzählte das etwas vorsichtig und leise so wie ein Geheimnis oder auch etwas wichtigtuerisch. Jedenfalls habe er genau gewußt was da passierte, und es habe immer enorm gestunken. So lange her, so weit weg und trotzdem schneit ein Zeuge oder was sonst noch dieser grässlichen Dinge ausgerechnet in meine Praxis und erinnert mich: immer wieder an meinen Abschied von Sonja Lebenstein. Das Wissen war in Deutschland mannigfach vorhanden.

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