Antopol (Antopal)

Ghetto Antopol (Antopal)


Übersicht

Weißrussland, Voblast Brest, Rajon Kobryn

während des zweiten Weltkrieges: Reichskommissariat Ukraine
In der Zweiten Polnischen Republik gehörte Antopol zu Polen
nach dem Zweiten Weltkrieg UdSSR/Weißrussland

Neben der Stadt verlief eine wichtige Bahnlinie in die sog. "Pinsker Nase", die im Juli 1944 von der Wehrmacht geräumt wurde. Auf ihrem Rückzug durchquerte das XX. Armeekorps den Ort am 16. Juli 1944 auf dem Weg zum Orzechowsk-Kanal.

1847 gab es 1108 Juden in Antopol
1897 gab es etwa 3140 Juden in Antopol
1921 gab es 1792 Juden in Antopol (80 % der Bevölkerung)

Die Juden verdienten ihren Lebensunterhalt als Handwerker, Händler, als Hersteller von Lebensmitteln und Kleidung, Lehrer, Angestellte und Bauern. Sie konnten eine Gesellschaft für zinslose Darlehen sowie zeitweise Spar- und Darlehnskasse nutzen. Zu den Bildungseinrichtungen zählten eine hebräischsprachige Tarbut-Schule. (sowie eine Zeit lang ein Kindergarten), eine Bibliothek mit jiddischen, hebräischen und russischen Büchern, eine Talmud-Tora-Schule eine Jeschiwa. Die jüdische Gemeinde betrieb ein eigenes Hospital und eine Apotheke sowie traditionelle wohltätige und soziale Einrichtungen, darunter ein Waisenhaus. Es gab in der Kleinstadt Ortsgruppen zionistischer Parteien und Jugendbewegungen des Bund. Vor dem 2. Weltkrieg gab es 5 Beth Midrasch und eine chassidische "Stibl" in der Stadt.

am 20. September 1939 wird Antopol durch die Rote Armee besetzt.

am 22. Juni 1941 gegen 06:00 Uhr erreichen die ersten Einheiten der Deutschen Wehrmacht das Gebiet um Antopol. Am 23.07.1941 2:00 Uhr setzt die 2. Kompanie des Infanterie-Regiment 513 ihren Marsch nach Antopol fort.

am 25. Juni 1941 wird Antopol durch Einheiten der Deutschen Wehrmacht besetzt.

Bereits kurz nach dem Einmarsch beginnen die Nazis mit der Plünderung jüdischer Wertgegenstände. Der Jüdischen Bevölkerung wird jeder Kontakt zur christlichen Bevölkerung untersagt. Die jüdischen Bewohner müßen auf Anordnung der Besatzer wie alle Juden in den besetzten Gebieten sowie im Reich einen gelben Davidsstern tragen.

Auf deutsche Anordnung wurde ein fünfköpfiger Judenrat und ein jüdischer Ordnungsdienst mit fünf Mitgliedern ernannt.
Der Chef der Miliz war Barukh Hersh Rabinowits. Seine Assistenten waren der Polizist David Kaplan, Shertok, Epstein und der älteste Sohn von Vulf.

Ende August 1941 erschien ein (Nazi) Einsatzkommando in der Stadt.

Am 28. August 1941 wurde die Stadt und die Umgebung von Teilen des
Polizei-Bataillon 322 des Polizei-Regimentes Mitte umstellt. 257 Juden werden von "Polizisten" ermordet. Am selben Tag führte das Bataillon in Bereza-Kartuska einen Sondereinsatz durch, bei dem eine unbekannte Zahl an Menschen Opfer der Polizeieinheit wurde.
Die Nazis forderten durch den Judenrat die Juden auf, Ihre Wertgegenstände (Gold, Silber, Leder, Lebensmittel und polnische und sowjetische Währung) an die Deutschen abzuliefern.

Am 30. August 1941 werden durch Angehörige des Polizeiregiment Mitte. Pol. Bat. 322A-II. weitere Massenerschießungen durchgeführt.

Anfang Oktober 1941 werden durch die Nazis an der Pinsk und Kobryn Straße (später kommen Teile der Zhalov und Grushev Straße hinzu) zwei Ghettos errichtet:
In dieses Ghetto wurden Anfangs alle Juden aus Anopol sowie Juden aus benachbarten Dörfern und aus Horodec, Szereszow und Zabinka hierher verlegt, wodurch die Ghetto-Bevölkerung auf rund 2500 Bewohner anstieg. Im weiteren Verlauf teilte man das Ghetto: Ghetto A wurde mit Brettern und Stacheldraht eingezäunt und war für Facharbeiter aus dringend benötigten Berufen und ihre Familien gedacht; sie erhielten Passierscheine.
Ghetto B wurde Ende Juli 1942 aufgelöst, die Bewohner wurden in
Bronna Gora ermordet. Ghetto A wurde Ende August 1942 ebenfalls liquidiert. 300 Juden blieben am Leben, darunter jene, die sich versteckt hatten; sie alle wurden am 16. Oktober 1942 ermordet.

Im Oktober 1941wurden 150 Jugendliche verhaftet. Die Deutschen verlangten vom Judenrat für ihre Freilassung ein hohes Lösegeld. Nachdem die Deutschen das Lösegeld erhalten hatten, wurde den Juden klar, dass die jungen Menschen von den deutschen getötet worden waren.

In der Nacht vom 15. Oktober 1942 wurden die Mitarbeiter des Judenrates und der jüdischen Polizei ins Gefängnis geworfen. Ein Strafbataillon (ob es sich um die Kriegsgefangenenkompanie 228 c aus Bronna Gora handelt, ist nicht eindeutig belegt) umstellt das Ghetto, die Menschen wurden gezwungen, auf LKWs zu steigen. Die LKWs fuhren zum 1 km östlich von der Stadt entfernten Friedhof, wo die deutschen zuvor große Gräben ausheben ließ. Das Gebiet war durch Polizei und Gendarmerie abgeriegelt worden. Die Menschen wurden gezwungen, sich vollständig zu entkleiden und in die Gräben zu steigen. In den Gräben mußten sie sich mit dem Gesicht nach unten auf dem Boden legen, dann wurden sie von den deutschen erschossen. Die Mörder, trugen Gummistiefel und Handschuhe, stiegen danach in die Gruben, platzierten die Leichen so, um Platz für die nächsten zu schaffen. Bei dieser „Arbeit“, raubten sie die Ermordeten noch aus. Sie nahmen den Leichen Gold und andere Wertgegenstände (goldene Ringe, Ketten und Trauringe) ab. Spezialisten rissen den Leichen sogar die Goldzähne aus dem Mund.

Am 16.07.1944 wird Antopol durch Einheite der Roten Armee befreit.

Unter den wenigen aus Antopol, die überlebten, war Dr. Pinchas Cherniak, und seine Frau.

Anmerkung
00.08.1942
Etwa im August 1942 zog der Stab der Pol.Reiterabt I nach Brest-Litowsk.
Die Schwadronen waren zu dieser Zeit auf verschiedene Einsatzräume verteilt.
Die 2.Schwadron rückte im Sommer 1942 von Kamenez-Podolsk nach Tomaschowka aus, wo sie bis zum Jahre 1943 blieb. Neben Tomaschowka unterhielt die Schwadron Außenposten in Domatschewo.
Erschießungen führte sie an beiden Orten aus.
Nachdem sie zunächst in den Pripjetsümpfen eingesezt war kam sie anschließend in dem Raum Rowno – Dubno zum Einsatz.
Die fast ausschließlich aus Österreichern bestehende 3.Schwadron zog 1942 von Shebitowka nach Drohytsin, anschließend gelangte sie über Antopol und Kobryn in den Raum Kostopol.
Sie soll sich von Herbst 1941 bis 1942 an Judenerschießungen in Shebitowka, Shitomir, Drohytsin, Kobryn, Diwin beteiligt haben.

Anmerkung
Polizei-Bataillon 322
Kommandeur des Bataillons war der württembergische Polizeimajor Gottlieb Nagel, sein Adjutant der aus Baden stammende Polizeioberleutnant Josef Uhl. An der Spitze der 3. Kompanie stand Gerhard Riebel, Polizeioberleutnant aus Hessen und SS-Obersturmführer. Einen Zug führte der westfälische Polizeileutnant Gerd Hülsemann.
Nach 1945: Nagel, während des Krieges zum Oberst befördert, lebte als Pensionär in Stuttgart. Uhl wurde Polizeirat und Personalchef der südbadischen Polizei, Riebel Steuerinspektor in Bensheim an der Bergstraße. Hülsemann diente als Polizeiobermeister bei der Kreisbehörde in Siegen.
Keiner von ihnen wurde bestraft für das, was sie getan hatten. Lange Zeit nahm die Justiz sie gar nicht wahr. Erst Ende 1958 kam im Zuge von strafrechtlichen Ermittlungen in Nürnberg gegen den SS-Obergruppenführer und Polizeigeneral Erich von dem Bach-Zelewski der Verdacht auf, daß auch das Polizeibataillon 322 an Massenmorden beteiligt gewesen war.