Bikker Herbertus


Herbertus Bikker

* 15.07.1915 in Wijngaarden
(Wijngaarden ist ein Dorf in der niederländischen Provinz Südholland . Es ist ein Teil der Gemeinde Molenwaard, und liegt etwa 7 km nordöstlich von Dordrecht).

+ 01.11.2008 in Hagen-Haspe
(Am 1. August 1929 wurde Haspe im Rahmen der kommunalen Neugliederung des Ruhrgebiets zusammen mit den Gemeinden Boele, Fley, Halden, Herbeck, Holthausen und Vorhalle in die Stadt Hagen eingemeindet. Damit endete nach 56 Jahren die Geschichte der selbstständigen Stadt Haspe).

Er starb in seiner Wohnung, aber sein Tod wurde erst im April 2009 bekanntgemacht.

Bereits vor der Besetzung der Niederlande durch Nazideutschland trat der niederländische Metallarbeiter Herbertus Bikker aus einer armen Bauernfamilie mit neun Kindern - aber nur drei Kühen - der niederländischen Nazibewegung bei. Bikker versteckte sich als die Wehrmacht 1940 das neutrale Holland überfiel um die französischen Festungen der Maginotlinie an der deutsch-französischen Grenze zu umgehen. Obwohl der Krieg nur fünf Tage dauerte, gelang es den niederländischen Behörden ihn vor der vollständigen Besetzung des Landes zu verhaften. Von deutschen Truppen wurde er dann aus dem Gefängnis befreit.
Bikker war am Krieg gegen die Sowjetunion beteiligt. An der Ostfront erhält er dann mit einer schweren Verwundung nach seinen eigenen Worten den "Heimatschuss". Nach der Genesung im Lazarett wird der jetzt "frontdienstuntaugliche" Bikker zum Polizisten umgeschult. Er wird dann Polizist bei der verhassten - in Konkurrenz zur normalen niederländischen Polizei stehenden - deutschgeführten Ordnungspolizei (Kontroll Kommando).

Am 26. Juni 1949 verurteilte ihn ein niederländisches Gericht zum Tode, seine Strafe wurde zu lebenslanger Haft ohne Bewährung umgewandelt.
Am 26. Dezember 1952 es ist der zweite Weihnachtsfeiertag, im Knast lief der Streifen "Himmel auf Erden
gelang es ihm zusammen mit Klaas Carel Faber, Sander Borgers und vier anderen verurteilten Kriegsverbrecher aus dem Gefängnis Breda zu entkommen und kurz vor Mitternacht, die Grenze am Grenzübergang Ubbergen in der Nähe von Kleve zu passieren, und meldeten sich dann auf der nächsten Zollstation. Tags darauf verdonnerte ein deutscher Amtsrichter jeden von ihnen wegen illegalen Grenzübertritts zu zehn Mark Strafe. Das war''s.
Hilfe fanden die Flüchtigen bei ehemaligen SS-Angehörigen, die damals schon wieder in einflußreichen Positionen saßen und durch die Organisation "die schwarze Tulpe", dem Interessenverband der vertriebenen Holland-Deutschen. Herbertus Bikker betrat am letzten Tag des Jahres 1952 das Sozialamt in Hagen. Er wollte dreisterweise Sozialfürsorge beantragen, was ihm eine kurzzeitige Verhaftung einbrachte. Aber er war bald wieder frei.
Die Holländer schäumten. Sofort ersuchte Den Haag bei der Adenauer-Regierung in Bonn um Festnahme und Rückführung der Ausbrecher. Die Demarche blieb freilich erfolglos.

4. November 1995.
Ein klappriger Reisebus mit holländischen Kennzeichen stoppt an einer Bundesstraße in der westfälischen Stadt Hagen. Ihm entsteigen junge AntifaschistInnen aus Nijmegen, Rotterdam und Amsterdam. Um die Ecke wartet bereits eine andere Gruppe. Vor allem jüngere AntifaschistInnen, aber auch einige wenige ehemalige Widerstandskämpfer, schließen sich dem schweigenden Zug an, der sie in die Hagener Dickenbruchstraße führt. Vor dem Haus mit der Nummer 77 wird es plötzlich laut: "Herbertus Bikker ist ein Mörder" hallt es dort durch die Nacht. Scheinwerfer gehen an, ein holländischen Fernsehteam taucht die Demonstranten in grelles Licht. Farbbeutel fliegen in Richtung Bikker´s Haus. Nach mehr als fünfzig Jahren kehrt die Geschichte zurück vor die Haustür des "Henkers von Ommen." Herbertus Bikker mußte aus keinem Versteck gezerrt werden. Sein Name stand in jedem Telefonbuch, seine Verbrechen sind in den Niederlanden einer breiten Öffentlichkeit bekannt.

1957 entschied das Dortmunder Landgericht, alle Ermittlungsverfahren gegen Bikker einzustellen. Er habe "in rechtmäßiger Ausübung unmittelbaren Zwangs gehandelt", als er die Gefangenen im "Arbeitseinsatzlager Erika" im niederländischen Ommen quälte.

Am 08. September 2003 fast 59 Jahre nach dem Tod des niederländischen Widerstandskämpfer Jan Houtman wird vor dem Landgericht Hagen der Prozess gegen den 88-jährigen Nazi Herbertus Bikker eröffnet. Kreislaufbeschwerden quälen ihn ebenso wie das Blitzlichtgewitter der Fotografen. Bikker ist zwar gebürtiger Holländer - wurde jedoch durch den Führererlass heimgeholt ins Reich.
Der Prozess war bereits mehrmals wegen des Gesundheitszustandes des 88-jährigen Bikker unterbrochen. Mehrere medizinische Experten hatten bereits erklärt, er sei ungeeignet, vor Gericht zu stehen.
In einem elften Gutachten, das dem Gericht vorgelegt wurde, hatte der Neurologe Bernd Roggenwallner den Angeklagten nun für verhandlungsunfähig erklärt, obwohl Bikker bisher selbständig seinen Haushalt führte und auch noch selbst Auto fuhr. Altersbedingte Krankheiten beeinträchtigten seine Konzentrations- und Merkfähigkeit. Deswegen könne er sich nicht selbst verteidigen und dem Prozessverlauf auch nicht mehr inhaltlich folgen.
Der Prozess wurde am 02. Februar 2004 wegen Verhandlungsunfähigkeit des Beklagten eingestellt.

Herbertus Bikker wird vorgeworfen:
Herbertus Bikker und ein weiterer Mann wollten am 17. November 1944 auf einem Bauernhof im Bezirk Dalfsen eine Razzia durchführen. Das Ziel der Aktion war das Aufspüren von niederländischen Widerstandskämpfern. Der Widerstandskämpfer Jan Houtman versteckte sich auf diesem Bauernhof. Als er versuchte zu fliehen, schoss Bikker ihm in den Rücken und verletzte ihn dabei schwer. Herbertus Bikker ging zu seinem verletzten Opfer, machte diesem gegenüber eine abschätzige Bemerkung und erschoss den Widerstandskämpfer Houtman schliesslich.

Vorgang
Im November 1944 wird er wieder zu Polizeistreifen außerhalb des Lagers eingeteilt. Bei einer Hausdurchsuchung in der Gemeinde Dahlfsen entdeckt er außen auf der Strasse zwei Fahrradfahrer mit Benzinkanistern. Als sie die Polizisten in der verhassten grünen Uniform entdecken, versucht einer der beiden zu Fuß zu fliehen. Bikker verfolgt ihn und leiht sich ein Fahrrad. Als er ihn erreicht, sagt der Flüchtende, er müsse sich noch seine Sachen auf einem nahegelegenen Bauerhof holen. Bikker und der Widerstandskämpfer und Besitzer einer Metallwarenfabrik Jan Houtman gehen auf den am Waldrand gelegenen Bauernhof zu. Die Bewohner auf dem Bauernhof reagieren panisch, da sie davon ausgehen, dass sie gerade Besuch von zwei Mitgliedern der "Grünen Polizei" erhalten.
Als Jan Houtman die Diele des Hofes betritt und sagt, er müsse seine Sachen holen, sagt die Hausfrau "Ich kenne Sie nicht". Jan Houtman flüchtet sofort durch die Diele in den Kuhstall mit einem Heuboden unter dem Dach. Er versuchte durch eine hintere Tür in den Wald zu entkommen. Doch die Tür ist leider fest verschlossen. Bikker schießt ihn mit einem Schuss in die Hüfte nieder. Als der verwundete Jan Houtman auf dem Bauch liegt, setzt er seine Waffe unterhalb des Schulterblattes auf und schießt ihm eine Salve in den Oberkörper und sagt dann "Und jetzt ein guter Tod" auf niederländisch. Auf dem Heuboden hatten sich zwei untergetauchte niederländische Zwangsarbeiter versteckt, die alles beobachteten. Die Leiche blieb dann über Nacht im Stall des Wohnhauses liegen. Am nächsten Tag wurde die Leiche dann u.a. noch einem am nächsten Tag in der Nähe verhafteten 15-jährigen untergetauchten jüdischen Jungen gezeigt und später beerdigt.



Herbertus Bikker

Per Gesetz zur Regelung von Fragen der Staatsangehörigkeit vom 22. Februar 1955 hat die Bundesrepublik Deutschland die im “Dritten Reich” vorgenommenen Einbürgerungen anerkannt, sofern die/der Betroffene die deutsche Staatsangehörigkeit nicht ausdrücklich ausgeschlagen hat. Deren Abkömmlinge sind damit ebenfalls deutsche Staatsangehörige.

Es gibt staatsangehörigkeitsrechtlich keinen Unterschied zwischen StaAng und Staatsbürger (es gab den hier aber irrelevanten Begriff des Reichsbürgers bis 1945).