Barthelmäs Adolf

Reichsbahnoberinspektor

* 21.05.1900 in Schrozberg
† 12.02.1976
Stuttgart-Birkach

1906 - 1914
Besuch der Volksschule in Schrozberg

1914 - 1917 die
Besuch der Verkehrsbeamtenschule in Mögglingen bei Schwäbisch Gmünd

1917
Abitur

ab 1918
Eisenbahner bei der
Deutschen Reichsbahn

01.05.1937
Eintritt in die NSDAP

06.10.1939 - 1945
Oberinspektor (Vorsteher der Güterabfertigung am
Bahnhof Auschwitz)
Er residierte mit seiner Familie, in einer "noblen Dienstwohnung" mit "fünf bis sechs Zimmern" und einer "polnischen Frau als Haushaltshilfe".
(In Auschwitz gehörte es zu seinen dienstlichen Aufgaben, mehr als eine Million in Waggons verstaute Juden störungsfrei auf den letzten Teil ihrer Todesreise zu schicken. Er hatte dafür zu sorgen, dass ankommende Deportationswaggons auf ein Nebengleis gelenkt und an eine neue Lokomotive gehängt wurden, um anschließend über 1937 Meter hinweg im Konzentrations- und Vernichtungslager Birkenau einzufahren. Drei oder vier Bahnbedienstete begleiteten den Zug dabei. Oft wurden sie Zeugen, wie die Insassen aus den Waggons getrieben und zur Selektion geführt wurden. Bereits nach wenigen Minuten kehrten die entleerten Waggons zurück, die schließlich noch von Zwangsarbeitern gereinigt wurden.)

Auch wenn er persönlich bei den "Ausladungen nie zugegen" gewesen sein will, wusste er doch zu berichten, dass in jedem Wagen etwa 60 Personen untergebracht waren. Die geschätzte Zahl der Insassen der Waggons war, wie sein Stellvertreter Wilhelm Hilse beim Auschwitz-Prozess 1964 als Zeuge angegeben hatte, "wichtig für die Abrechnung", also die Ermittlung der Transportkosten. Originalton Barthelmäs 1967: Nach ihrer "Entladung auf der Rampe im Lager" seien die Wagen "vom Rangierdienst herausgezogen und zur Entseuchung bezettelt und abgefertigt" worden.

1945 - 1965
Mitarbeiter der Güterabfertigung am Bahnhof Nürnberg

1965
Pensioniert

1967
Vernehmung durch Beamte des Landeskriminalamtes
Barthelmäs erklärtegegenüber den Beamten des Landeskriminalamtes, "kein persönliches Interesse" an einer weiteren Klärung des Schicksals dieser Menschen gehabt zu haben.
Als der ihn vernehmende Kriminalkommissar von Barthelmäs wissen wollte: "Stand den Opfern in den Waggons eine Toilette zur Verfügung?", entgegnete der Ex-Reichsbahner: "Die Juden waren in geschlossenen Güterwagen untergebracht, in denen bekanntlich keine Klosette eingebaut sind. Inwieweit möglicherweise Fäkalienkübel in den einzelnen Waggons aufgestellt waren, ist mir nicht bekannt."

Vier Tage ohne Essen, Trinken und Toilette
Zur Verpflegung der Menschen in den Zügen und über die Dauer der Transporte gab er an: "Was auf dem Transport geschah, entzieht sich meiner Kenntnis. Wenn ich aber nach meiner Meinung gefragt werde, so muss ich sagen, dass es technisch kaum möglich gewesen sein wird, die in den einzelnen Güterwagen zusammengepferchten Personen ordnungsgemäß zu versorgen. Wenn ich gefragt werde, wie lange ein Transportzug von seinem Ausgangsbahnhof bis nach Auschwitz unterwegs war, so schätze ich, dass ein Transport von Frankreich nach Oberschlesien etwa vier Tage gedauert haben dürfte."
Adolf Barthelmäs war sich völlig darüber im Klaren, dass bereits während der Fahrt viele Menschen die Strapazen nicht aushielten. Dazu urteilte er betont distanziert: "Wie schon erwähnt, dürfte die Todesursache der unterwegs verstorbenen Personen in der damals herrschenden großen Hitze gelegen haben. Im Winter dürfte Kälte die Todesursache gewesen sein. Ich habe nicht beobachtet, dass Öfen installiert waren. Auch dürfte die unzulängliche Unterbringung Grund für das Sterben auf dem Transport gewesen sein. Ich habe einmal einen Leerzug angesehen. Dabei musste ich feststellen, dass der Wagenboden etwa 10 cm mit Menschenkot und Unrat bedeckt war. Diese Beobachtung erfolgte von der Türe aus, ohne den Wagen zu betreten."