Auschwitz, 14. Juli 1944

1. 4. Opfersonntag für das DRK
Die Sammlung für das DRK am 8. und 9.7.1944 brachte das Ergebnis von RM 16.756,36.
Ich spreche allen SS-Angehörigen und Gefolgschaftsmitgliedern des SS-Standortes Auschwitz für ihre Opferbereitschaft meine Anerkennung aus.

2. Verwendung dienstlicher Briefbogen
(siehe V.Bl.d.Waffen-SS Nr. 13 vom 1.7.44, Ziffer 352)
Es besteht Veranlassung darauf hinzuweisen, daß die Verwendung dienstlicher Briefbogen in privaten Angelegenheiten zu unterbleiben ist. Besonders streng ist auf die Einhaltung dieses Verbotes zu achten, wenn es sich um persönliche Wünsche im Zusammenhang mit den aus Anlaß des Krieges erlassenen Bewirtschaftungsmaßnahmen handelt. Es wird jeder zur Rechenschaft gezogen, der durch Verwendung eines dienstlichen Briefbogens der Durchsetzung eines persönlichen Anliegens mehr Nachdruck verleihen will.

3. Tragen von Stoffgamaschen zur Rundbundhose und langen Tuchhose
Auf HVBl. Teil B, Blatt 12, vom 12.6.44, Ziffer 227, wird hingewiesen. Danach wird befohlen:
a) Zur Rundbundhose (Keilhose) sind stets Stoffgamaschen zu tragen.
b) Beim Tragen der Stoffgamaschen zur langen Tuchhose wird die Hose an der vorderen Bügelfalte der Hosenbeinenden erfaßt, nach rechts bezw. links auswärts umgeschlagen, die Stoffgamaschen angelegt und der Überfall nur an der äußeren Seite durch mäßiges Herausziehen der Hosenenden aus der Stoffgamasche gebildet.
c) Beim Tragen der langen Tuchhose ohne Stoffgamaschen ist die Tuchhose über den Schnürschuhschaft zu ziehen. Die Streifen haben Verstöße gegen diesen Befehl zu melden. Es ist verboten, beim Tragen von Schnürschuhen die Stoffgamaschen wegzulassen und dafür die Socken aufgerollt zu tragen.

4. Ablieferung von Waffen bei Versetzungen
In letzter Zeit ist es wiederholt vorgekommen, daß sich SS-Angehörige bei ihrer Versetzung nicht beim zuständigen Waffenwart abgemeldet haben oder es wurde von der betr. Einheit oder Dienststelle unterlassen, den Laufzettel auszustellen, so daß es den SS-Angehörigen möglich war, Waffen, insbesondere Pistolen, unbefugterweise mitzunehmen und diese dadurch dem Standort Auschwitz zu entziehen. Ferner mehren sich die Fälle, daß bei Inhaftnahme von SS-Angehörigen die Dienstpistolen nicht bei der zuständigen Stelle abgeliefert werden. Nach Entlassung aus der Haft bezw. bei Versetzung zu Bewährungseinheiten kann niemand Auskunft über den Verbleib der Waffen geben. Dadurch entsteht umfangreicher, sich über Monate hinziehender Schriftwechsel, dessen Enderfolg meist ergebnislos ist. Es wird daher erneut befohlen, bei Versetzung von SS-Angehörigen ordnungsgemäße Abrüstung mittels Laufzettel zu veranlassen. Bei Nichtbeachtung dieser Anordnung werde ich die Einheitsführer bezw. Dienststellenleiter persönlich verantwortlich machen.

5. Mitnahme der Gasmasken bei Lazaretteinlieferungen
Trotz mehrmaliger Anordnung werden noch immer den lazarettkranken SS-Angehörigen des Standortes Auschwitz keine Gasmasken mitgegeben. Es wird deshalb letztmalig befohlen, daß allen SS-Angehörigen vor Aufnahme in das SS-Revier, in ein Lazarett oder in das SS-Lagerlazarett Auschwitz Gasmaske und Stahlhelm mitzugeben sind.

6. Jagdschutz
Am 27.6.44 wurde im Revierteil Birkenau ein Schmalreh aufgefunden, das an einem Kugeldurchschuß verendet war. Die SS-Angehörigen sind zu belehren, daß bei Feststellung etwaiger Schuldiger schärfste Strafen beantragt werden.

7. Unterkunft der SS-Helferinnen
Es wird nochmals darauf hingewiesen, daß der Reichsführer-SS grundsätzlich Männerbesuche in den Unterkünften der SS-Helferinnen verbietet. Die SS-Angehörigen der Einheiten und Dienststellen sind laufend über das Verbot zu belehren. Sollten mir noch Verstöße gemeldet werden, haben die Betreffenden mit strengster Bestrafung zu rechnen.

8. SS-Mann Guido Immerdar
Es ist festzustellen, ob sich vor etwa 2 Jahren bei irgend einer Einheit oder Dienststelle innerhalb des KL Auschwitz ein SS-Mann Guido Immerdar befunden hat. Meldung ist an die Gerichtsabteilung des KL Auschwitz zu erstatten. Fehlanzeige ist nicht erforderlich.

9. Sportgemeinschaft SS Auschwitz
Nach den Erfolgen bei den Kreismeisterschaften in Kattowitz holten die Vertreter der hiesigen Sportgemeinschaft auch bei den Gaumeisterschaften am 8. und 9.7.44 in Königshütte mehrere Meistertitel nach Auschwitz.
Es wurden Gaumeister:
SS-Uscha. Winter Standortverwaltung im Kugelstoßen mit 13,01 m
im Speerwurf mit 49,25 m
im Diskuswurf mit 36,10 m
SS-Uscha. Eberle Standortverwaltung im Hammerwurf mit 41,06 m

Ferner errangen:
SS-Uscha. Achtelik 4./SS-T.Stuba. KL Au. I 2. Platz im Dreikampf der allgemeinen Klasse
SS-Uscha. Jansen Kommandanturstab KL Au. I überlegenen Sieg im Dreikampf der Altersklasse I.
Die genannten Teilnehmer belegten außerdem mehrere 2., 3. und 4. Plätze in allen anderen Disziplinen.

Den erfolgreichen SS-Angehörigen herzlichsten Glückwunsch zu ihren Meistertiteln und meine besondere Anerkennung für ihre ausgezeichneten Leistungen. Es ist gelungen, die Gaubesten 1944 für ein Sportfest in Auschwitz am 16.7.1944 zu gewinnen. Dabei haben die SS-Angehörigen des Standortes Auschwitz Gelegenheit, sich von den guten Leistungen der nieder- und oberschlesischen Spitzenkönner in der Leichtathletik persönlich zu überzeugen.

Die Veranstaltung wird mit folgender Wettkampffolge durchgeführt:
9.30 und 14.00 Uhr leichtathletische Wettkampfe:
Frauen: 100 m-Lauf, Weit-, Hochsprung, Kugelstoßen, Diskus-, Speerwerfen.
Männer: allgemeine Klasse:
100, 400, 1500 m-Lauf, Weit-, Hochsprung, Kugelstoßen, Diskus-, Hammer-, Speerwerfen.
Männer: Altersklasse I (dies. Jahr 32 Jahre)
100 m-Lauf, Weitsprung, Steinstoßen.
Männer: Altersklasse fl (dies. Jahr 40 Jahre)
50 m-Lauf, Weitsprung, Steinstoßen.

17.00 Uhr : Fußball-Städtespiel Bielitz-Auschwitz.

Die Einheitsführer und Dienststellenleiter haben SS-Angehörige mit entsprechendem Können zur aktiven Teilnahme an den Wettkämpfen anzuhalten. Darüberhinaus erscheinen alle dienstfreien SS-Angehörigen auf dem Sportplatz, um durch ihren Besuch die aktiven Teilnehmer in ihrem Kampf gegen die nieder- und oberschlesische Konkurrenz zu stärken.

10. Schulung für die gesamte Truppe
Für die gesamte Truppe des Standortes spricht der Leiter der Abt. VI, SS-Oberscharführer Knittel, über das Thema: .Die Vergeltung“.
am 14.7.44 20.30 Uhr für Kommandantur III in der Kantine Monowitz
am 17.7.44 20.30 Uhr für Kommandantur II in der Kantine Birkenau
am 21.7.44 20.30 Uhr für Kommandantur I und die 10 selbständigen Dienststellen des Standortes (SS-Standortverwaltung, SS-Standortarzt, Bauinspek-
tion ,,Schlesien“ und Zentralbauleitung, Landwirtschaftsbetriebe, DLM-GmbH, Sonderbeauftragter RF-SS f. Schädlingsbekämpfung, D AW, TWL, Hygiene-Institut) im großen Saal des Kameradschaftsheimes.

11. Schulung für Führer
Am Dienstag, 25.7.1944, 20.30 Uhr, findet für alle Führer des Standortes eine Schulung im Führerheim statt. Es spricht der Leiter der obt. VI, SS-Oberscharführer Knittel, über das Thema:
,,Der Nationalsozialismus in seiner Stellung zum deutschen und europäischen Geistesleben“.

12. Truppenbetreuungsveranstaltungen im Juli
18.7.44: Gastspiel der Filmschauspielerin Maria Landrock, Berlin mit Ensemble,
27.7.44: Gastspiel des Tanz- und Schauorchesters Bernhard Ette mit mehreren Solisten.

13. Buchverkauf in der Abt. VI
Der Abt. VI wurde von einer höheren Dienststelle eine Reihe von Büchern zum Verkauf an SS-Angehörige zugewiesen. Diese Bücher werden nur am Montag, dem 17.7.44, in der Zeit von 7.00-12.30 Uhr und 14.00-18.00 Uhr im Zimmer 21 abgegeben. Jeder SS-Angehörige erhält nur 1 Buch.

14. Meldung der Schulungsstunden
Sämtliche Einheiten des Standortes (der Kommandanturen I, II u. III, Stabskompanien der SS-Standortverwaltung und der Bauinspektion Schlesien) melden dem SS-Standortältesten zum Sonnabend jeder Woche 12.00 Uhr, wann und wo die Schulung der betreffenden Einheit in der darauffolgenden Woche stattfindet.

15. Jahrbücher der Deutschen Volksgruppe
Die Jahrbücher 1944 der Deutschen Volksgruppe in Ungarn, Kroatien und Nord-Schleswig sind in der Abt. VI eingetroffen und werden in die SS-Bücherei für die allgemeine Ausleihe zur Verfügung gestellt. Für die Deutschen aus den Volksgruppen bieten diese Kalender, die über 200 Seiten Umfang haben, durch ihre literarischen Beiträge, Berichte aus den Siedlungsgebieten, der An des Einsatzes der Gruppenmitglieder und die reiche Bildgestaltung eine unerschöpfliche Quelle zur laufenden Unterrichtung über die Heimat und für eine lebendige geistige Zwiesprache mit ihrer engeren Landschaft. Es ist dafür Sorge zu tragen, daß jeder Angehörige aus den Volksgruppen über das Vorhandensein dieser Kalender in der SS Bücherei Kenntnis erhält.

16. Nachwuchs an schaffenden Künstlern
Einem Wunsche des Reichsführers-SS entsprechend ist dem Nachwuchs an schaffenden Künstlern in der Waffen-SS für deren Fortkommen vermehrte Aufmerksamkeit zu schenken. Unterführer und Männer des gesamten Standortes, die ein ausgeprägtes künstlerisches Talent besitzen, sind unter Angabe von Name, Dienstgrad, Geburtsdatum und bereits erfolgter Ausbildung bis zum 15. Juli 1944 an den SS-Standortältesten - Abt. VI - zu melden.

17. Erholungsheime der Waffen-SS
Es ist immer noch nicht genug bekannt, daß es 17 Erholungsheime der Waffen-SS gibt und zwar im Gebirge, an der See, im Hügelland (in bekannten Kurorten des Altreiches, im Protektorat, im Elsaß wie z.B. in Bad Gastein, Bad Elster, Seebad Binz usw. auch in Oberitalien wie Meran, Castrozza), in denen SS Angehörige mit ihrer Frau und den Kindern ihren Urlaub verbringen können. Der Pensionspreis für Erwachsene liegt durchschnittlich bei RM 6,00, der Preis für Kinder ist 50% niedriger. Die Heime liegen alle in wunderbarer Lage und bieten Gelegenheit für eine durchgreifende Entspannung. Anträge sind unmittelbar an das SS-Wirtschafts- Verwaltungshauptamt - Amt W VIII (Sonderaufgaben) - in Kranichfeld bei Weimar, Oberschloß, zu richten. Weitere Auskünfte erteilt die Abt. VI.

18. Betreuung der Deutschen aus dem Südosten

Für alle Fragen der geistigen und seelischen Betreuung der SS-Angehörigen aus dem Südosten ist grundsätzlich die Abt. VI für den gesamten Standort zuständig. Es muß allen Männern aus dem Südost-Raum Gelegenheit gegeben werden, in persönlichen und menschlichen Angelegenheiten den Leiter der Abt. VI um Rat anzugehen und ihn über wichtige Fragen der Volksgruppe sowie der weltanschaulich-politischen Haltung zu sprechen. Als spezieller Sachbearbeiter für Südost Fragen wurde SS-Unterscharführer Behrends in der Abt. VI eingesetzt. Die wirtschaftlichen und finanziellen Angelegenheiten regelt wie bisher der Gerichts-SS-Führer.

19. Diebstahl
Aus dem Fahrradständer gegenüber dem SS-Revier wurde das Dienstfahrrad Lw 68 gestohlen. Kennzeichen des Rades: Marke Apollo, Gestell-Nr. 307216, Rahmen schwarz lackiert, komplette Beleuchtungsanlage. Zweckdienliche Angaben sind an die Gerichtsabteilung zu machen.

20. Verloren - gefunden
Es gingen verloren:
am 28.6.44 auf der Straße Kattowitz-Auschwitz, oberhalb des Myslowitzer Berges bei Reparaturarbeiten an einem Lkw
1 Brieftasche mit sämtlichen Ausweispapieren, ausgestellt auf den Namen SS-Strm. Wilhelm Kistler im Truppenbad Birkenau
1 Erkennungsmarke Nr. 32 3. Fest. Inf. Btl. XVIII/999 im Lagerbereich
1 SA Wehrabzeichen in Bronce Nr. 308 774
Gefunden wurden:
1 Federetui mit Inhalt,
1 größerer Geldbetrag vor dem SS-Revier,
1 Geldbetrag im Unterführerheim des Kameradschaftsheimes.
Die verlorenen und gefundenen Gegenstände sind beim SS-Standortältesten, Zimmer 14, abzugeben bezw. gegen Nachweis abzuholen.

21. Ungültige Ausweise
Nachstehende Ausweise gingen verloren und werden für ungültig erklärt; vor Mißbrauch wird gewarnt:
Nr. 3022 Zemczak, Michael beschäftigt bei Fa. Riedel Sc Sohn,
Nr. 4293 Fudela, Johann beschäftigt bei Fa. Josef Kluge,
Nr. 1226 Piotrowski, Viktor beschäftigt bei Fa. Josef Kluge.

22. Radioapparate
Die mit Standortbefehl Nr. 18/44, Ziffer 11, vom 27.6.44 befohlene Meldung der im Besitz von Einheiten, Dienststellen, Führern, Unterführern und Männern befindlichen Rundfunkgeräte ist nur teilweise erstattet worden. Die ausstehenden Meldungen sind umgehend, spätestens bis 20.7.44, an den SS-Standortältesten - Abt. VI - einzureichen.

gez. Höß
SS-Obersturmbannführer

F.d.R.
Höcker
SS-Obersturmführer und Adjutant