Konzentrationslager I.G. Farben in Monowitz

I.G. Auschwitz (Buna- Werk Monowitz)

Bezeichnung
Auschwitz III, Nebenlager Buna (bis 01.12.1943), danach Arbeitslager Monowitz

das gesamte Gelände wurde 1943 von der Stadt Auschwitz eingemeindet, die korrekte Bezeichnung ist folglich immer:
Werk Auschwitz der I.G. Farben und nicht Werk Monowitz, wie leider häufig in der Literatur angeführt.


Monowitz war ein Dorf, das in das Werkesgelände der I.G. Auschwitz einbezogen wurde, auf dessen Gemarkung das KZ Auschwitz III errichtet worden ist.

Gebiet
Der Baugrund bestand aus Moor mit einem Wassergehalt von 40%. Die Moorschicht war 1-4 Meter dick, sie konnte nicht abgetragen werden. Das Gelände war gut geeignet zum Torfstechen, weniger zum Bau schwerer Fabrikgebäude. Fundamente konnten auf dem schwammigen Untergrund kaum oder nur eingeschränkt errichtet werden. Ein Betonfundament über einer 4 Meter hohen Moorschicht ist natürlich nicht tragfähig, sondern ist diversen Senkungen und vertikalen Verschiebungen ausgesetzt. Die Folge sind instabile, baufällige Gebäude. Die einzige Möglichkeit bestand im Einbringen von Pfählen. In die Kiesschicht unter dem Moor mußten Pfähle verankert werden, die tragfähig für schwere Gebäude waren. Der Boden war allerdings offenbar so ungeeignet, daß auch leichte Gebäude auf Pfählen zu errichten waren. Die Pfähle sollten gebohrt werden, um sicher zu gehen, die Kiesschicht erreicht zu haben, die meisten wurden schließlich gerammt. Die Pfahlgründung verzögerte die Bauzeit um ca. ein halbes Jahr. Bis Anfang Oktober 1942 waren 13.275 Pfähle in den Boden von Auschwitz gerammt worden, 14.488 waren vorgesehen. 1.059 Pfähle wurden in den moorigen Grund gebohrt, 1.512 waren geplant worden. Hinzu kamen Fertigbetonpfähle, die von der I.G. offenbar selbst hergestellt worden sind. 16.051 dieser Betonpfähle waren vorgesehen, 14.385 bereits im Boden.

Beschreibung
Der erste Eindruck von Auschwitz war niederschmetternd. Ein schmutziges, verwahrlostes Bahnhofsgebäude, einige Häuser von Eisenbahnern in der nächsten Umgebung ohne jegliche Pflege, eine ausgefahrene mit Schlamm und Pfützen bedeckte Zufahrtsstrasse, dicht daneben ein schwarzes Schild mit etwa folgender Aufschrift und Zeichnung: „Gelände des KL. Auschwitz (Zeichnung Totenkopf) wer weiter geht, wird ohne Warnung erschossen.“ Die Stadt Auschwitz war als Silhouette vom Bahnhof erkennbar, etwa 2 km vom Bahnhof entfernt, machte den typisch galizisch verwahrlosten Eindruck, ohne Bauflucht, verwahrloste Gebäude, die Läden in unglaublich schmutzigem Zustand, Fleisch und Nahrungsmittel mit unzähligen Fliegen bedeckt, Strassen in vollkommen vernachlässigtem Zustand.


Eröffnung
Mitte April 1941 rückte das Buna-Kommando erstmals auf die Werksbaustelle der I.G. Farbenindustrie in Auschwitz-Monowitz aus. In der Anfangszeit wurden die Häftlinge täglich mit Lastwagen zu der 6–7 km östlich des Konzentrationslagers Auschwitz gelegenen Werksbaustelle transportiert.

Das Lager hatte eine Ausdehnung von 500 m Länge und 270 m Breite und war von einem dreifach gegliederten Zaun und zwölf Wachtürmen umgeben. Zunächst gab es sechs Baracken, die ursprünglich je 55 Zwangsarbeiter aufnehmen sollten. Diese Baracken wurden bald mit 190, später sogar mit durchschnittlich 250 Häftlingen belegt. Bis zum Frühjahr 1943 wurden 20 Baracken aufgestellt, von denen anfangs 14 als Wohnunterkünfte für 3.800 Häftlinge dienten. Ende 1943 gab es im Lager 7.000 Zwangsarbeiter. Da der weitere Ausbau nicht Schritt hielt, wurden im Sommer 1944 zwei große Zelte für 700 Häftlinge aufgestellt. Vor dem Winter fand eine Selektion statt, da die Zelte zu kalt gewesen wären und nicht genug Platz in den Baracken war.

Im nordwestlichen Teil des Konzentrationslagers Buna/Monowitz wurde am 15. Januar 1943 ein separates Arbeitserziehungslager der Staatspolizeileitstelle Kattowitz eingerichtet. In fünf mit Stacheldraht abgetrennten Baracken wurden dort etwa 400–500 „Erziehungshäftlinge― gefangen gehalten.

Schließung
Evakuierung ab 18.01.1945 in mehreren Transporten in das Außenlager Gleiwitz; Befreiung am 27.01.1945

Häftlinge
Am 21.04.1941 150 Häftlinge
Am 01.01.1945 10.350 Häftlinge
Am 17.01.1945 10.223 Häftlinge

Der erste Lagerälteste von Buna/Monowitz war Josef Windeck. Er wurde 1903 in Rheydt als Sohn eines Bauarbeiters geboren.
Nach der Absetzung von Windeck übernahm der aus Oberschlesien stammende als „Berufsverbrecher― inhaftierte Franz Raschke vorübergehend die Funktion des Lagerältesten in Buna/Monowitz. Nach einigen Wochen löste ihn der zuvor in der Lagerküche eingesetzte Hans Georg Scholle ab, der ebenfalls als „Berufsverbrecher― inhaftiert war. Von Ende 1943 bis zur Räumung des Lagers im Januar 1945 fungierte Paul Kozwara als sein Nachfolger.

Im KZ Buna/Monowitz waren fast ausschließlich männliche Häftlinge inhaftiert. Die Ausnahme bildete eine kleine Gruppe von etwa 10–20 weiblichen Zwangsprostituierten, die spätestens seit Sommer 1944, möglicherweise auch schon seit Ende 1943 in einem zusätzlich eingezäunten Bordell-Block zwischen den Blocks 29 und 30 untergebracht wurden.

Widerstand
An der Spitze des im Lager gebildeten internationalen Netzwerks des Widerstandes standen als Leitungsmitglieder vor allem Polen sowie deutsche und österreichische Juden. Sie nahmen wichtige Funktionsposten in der Lagerverwaltung ein, wie in der Schreibstube (Gustav Herzog), im Arbeitsdienst (Walter Freiser), im Krankenbau (Stefan Heymann, Leiser Sylmann, Felix Rausch, Eric Eisler, Nathan Hirschtritt, Erich Markowitz, Ludwig Wörl und Sepp Luger) oder in den Außenkommandos (Louis Nissel, Walter Petzold, Erwin Taubert, Robert Wolff, Eduard Besch, Kasimir Stankiowitz und Curt Posener)

Das KZ Buna/Monowitz war nach seiner Eröffnung im Oktober 1942 zunächst der Kommandantur des Stammlagers unterstellt. Nach Einrichtung einer eigenständigen Kommandantur im November 1943 wurde SS-Hauptsturmführer Heinrich Schwarz der erste Lagerkommandant. Er behielt diesen Posten bis zur Räumung des Konzentrationslagers am 18. Januar 1945 inne.
Schwarz wurde wegen seiner im KZ Natzweiler verüb-ten Verbrechen von einem französischen Militärgerichtshof in Rastatt zum Tode verurteilt und am 20. März 1947 in der Nähe von Sandweiher hingerichtet.93

Adjutant von Schwarz war vom 1. Juni 1944 bis zum 18. Januar 1945 SS-Untersturmführer Rudolf Orlich.

Einsatz der Häftlinge bei
IG-Farben AG (Buna)

Die tägliche Mietpauschale für jeden KZ Häftling, welche die I.G. Farben an die SS zu entrichten hatte, betrug 3 RM pro Hilfsarbeiter und 4 RM pro Facharbeiter bei einer Tagesarbeitszeit von zehn bis elf Stunden im Sommer und mindestens neun Stunden im Winter.

Art der Arbeit
Bau des Buna-Werks (Chemiefabrik)

Täter

Aussagen von Überlebenden

Leitende Mitarbeiter der I.G. Auschwitz

Direktor (Bau-Leitung)
techn. Leitung-Benzin
techn. Leitung-Buna
Bauleitung
Prokurist. Kaufm. Abteilung
Handlungsvollmacht
Handlungsvollmacht
Handlungsvollmacht Einkauf
Handlungsvollmacht Rechnungswesen
Handlungsvollmacht Sozialabt.
Handlungsvollmacht Verkehrswesen
Handlungsvollmacht Wirtschaftsbetrieb
Handlunasvollmacht Elektrobetrieb

Handlungsvollmacht Techn. Überwachung
Handlungsvollmacht Energieabt
Handlungsvollmacht Gefolgschaftsabt. (Abwehr)

Dr. Walter Dürrfeld
Dr. Karl Braus
Dr. Kurt Eisfeld
Max Faust
Dr. Heinz Savelsberg
Reinhard Heidebroek
Albert v. Lom
Hans Schmitt
Walter Frommfeldt
Dr. Martin Roßbach
Willi Schweizer
Paul Reinhold
Walter Müller
Johannes Ehrcke
Dr. Gerhard Appel
Helmut Schneider

Schreibstube

Angehörige der Schreibstube
Kozwara Paul (Häftling)
Herzog Gustav (Häftling)
Leiter der Schreibstube
Lembke Stefan (Häftling)


Schulhof Erwin (Häftling) (Abteilung Arbeitseinsatz)

Schachtarbeitskommando

Kapo
Jupp, der Holländer

Betonkommando (Kommando 8)

Im Betonkommando (Kommando 8) mussten Häftlinge 15–30 m unter der Erde gelegene Bunker errichten, die als Luftschutzunterstände dienten.

1944 schreckte die Bauleitung der I.G. Auschwitz nicht davor zurück, im Betonkommando (Kommando 8) "Todeskommando" 35 jüdische Kinder aus Ungarn im Alter von acht bis zwölf Jahren Schwerstarbeit leisten zu lassen, die mit Fußtritten und Ohrfeigen zu schnellerem Arbeitstempo angetrieben wurden.

Kabelkommando

Zahlreiche Tote forderte das berüchtigte Kabelkommando, mit etwa 200 Häftlingen eines der größten, in dem häufig an einem Tag mehrere Häftlinge durch Unfälle oder Prügel umkamen.

erste Lagerälteste von Monowitz

Der erste Lagerälteste von Monowitz war Josef Windeck. Er wurde 1903 in Rheydt als Sohn eines Bauarbeiters geboren. Nach seiner Schulzeit in Mönchen-Gladbach arbeitete er auf dem Bau. Mehrfach wegen Eigentumsdelikten verurteilt, wurde er 1936 beschuldigt, seine Kollegen aufgefordert zu haben, die Arbeit auf der Baustelle niederzulegen. Seine Haft verbrachte er im Konzentrationslager Esterwegen-Papenburg als politischer Häftling. Anschließend überstellte ihn die SS in das Konzentrationslager Sachsenhausen, aus dem er im Sommer 1937 entlassen wurde. Im Oktober 1937 wurde er abermals wegen Eigentumsdelikten zu zweieinhalb Jahren Zuchthaus verurteilt. Nach Verbüßung der Strafe wurde Windeck in das Polizeigefängnis Düsseldorf und anschließend wieder nach Sachsenhausen verlegt. Von dort erfolgte am 29. August 1940 seine Deportation nach Auschwitz, wo er die Häftlingsnummer 3221 erhielt. Zunächst als Kapo mit schwarzem Winkel (Asozialer) eingesetzt, stieg er nach kurzer Zeit zum Lagerkapo auf. Von April 1941 bis Frühjahr 1942 war er mit witterungsbedingten Unterbrechungen Kapo eines Arbeitskommandos beim Bau des Buna-Werks der I.G. Farben. Am 28. Oktober 1942 verlegte die SS ihn mit 600 Häftlingen nach Monowitz. Windeck kam in den Block vier, wo die Schreibstube untergebracht war und avancierte zum Lagerältesten. Nach Korruptionsvorwürfen versetzte ihn die SS in eine Strafkompanie nach Birkenau, wo er nach einigen Wochen den Posten des Lagerkapos im Männerlager BIId erhielt. Im Spätsommer 1944 wurde er in das KZ Ohrdruf überstellt und Ende 1944 kam er schließlich in das KZ Buchenwald. Windeck wurde 1968 von dem Landgericht Frankfurt am Main wegen Mordes in 2 Fällen zu lebenslangem Zuchthaus sowie wegen versuchten Mordes in 3 Fällen unter Anrechnung der Untersuchungshaft und der Zwangsarbeit in Russland zu einer Gesamtstrafe von 15 Jahren Zuchthaus verurteilt. Im Juni 1969 erhielt Windeck aus gesundheitlichen Gründen Haftverschonung. Juli 1977 starb er in Mönchen-Gladbach. Nach der Absetzung von Windeck übernahm der aus Oberschlesien stammende als Berufsverbrecher inhaftierte Franz Raschke vorübergehend die Funktion des Lagerältesten in Monowitz. Nach einigen Wochen löste ihn der zuvor in der Lagerküche eingesetzte Hans Georg Scholle ab, der ebenfalls als Berufsverbrecher inhaftiert war. Von Ende 1943 bis zur Räumung des Lagers im Januar 1945 fungierte Paul Kozwara als sein Nachfolger.

Häftlingsverpflegung

Gekocht wurde in 300 Liter Kesseln, 30-40 waren in der Küche für das Lager vorhanden. Die
Küche wurde mit Dampf geheizt. War die Heizung kaputt, gab es kein warmes Essen für die Häftlinge. Die Leitung der Wirtschaftsbetriebe der I.G. Auschwitz hatte den Verdacht, daß von den Kapos, den deutschen Aufsehern, den verurteilten Kriminellen, Essen, Lebensmittel unterschlagen würde.
Zubereitet wurde das Essen der Häftlinge in der Küche von Monowitz. Mitarbeiter der I.G. durften die Küche betreten, besonders I.G. Kücheninspektor Wurziger.
Der Hauptbestandteil der Häftlingsverpflegung bestand aus Eintopf, bzw. Kartoffeln, mehr oder weniger flüssig gekocht. Warme Mahlzeiten bestanden für die Häftlinge ausschließlich in Eintopfgerichten, In einem Gemüseeintopf sollten 225 Gramm Gemüseanteil pro Häftling vorhanden sein. Das Gemüse war allerdings teilweise unzureichend geputzt.
Die Hauptmahlzeit wurde abends ausgegeben. Abends wurde ebenfalls neben diesen Eintopfgerichten die Kaltverpflegung in Form von Brot und Margarine zugeteilt. Die Häftlinge aßen am Abend meist diese Kaltverpflegung, so daß Morgens kein Essen vorhanden war. Das Brot für die Häftlinge hatte mehr oder weniger große Beimengungen von Sägemehl. Je nach Zuteilung gab es noch Quark, Kunstwurst oder Wurst und Marmelade, aber keine Butter oder Käse. Die fehlenden Eiweisbestandteile waren ein großes Problem der Häftlingsverpflegung. Geliefert wurden viele Nahrungsmittel von einem Großhändler aus Kattowitz. Brot, Wurst und Fleisch wurde von den SS Wirtschaftsbetrieben bezogen. Fleisch wurde sehr selten geliefert, wenn es ausgegeben wurde, dann war es Pferdefleisch oder Fleisch Klasse D-Freibank. Dies war sofort der SS zu zahlen.
Für die Anlieferung der Lebensmittel war die I.G. verantwortlich. Das Problem war aber, daß der Küchenkapo Paul, bzw. der SS Küchenunteroffizier Baiersdorf für die Verteilung zuständig waren. Die I.G. Farben versuchte zwar auf diese Personen Kontrolle und Einfluß auszuüben, offenbar aber mit mäßigem Erfolg. Man geht davon aus, daß ein Teil der Nahrungsmittel auf dem Schwarzmarkt gelandet ist und nicht in den Mägen der Häftlinge. Der Krankenbau von Monowitz wurde nicht besonders verpflegt, sondern mit den selben Sätzen wie sie normalerweise ausgegeben wurden. Das Bordell im Konzentrationslager, bzw. die dort arbeitenden Frauen wurden ebenfalls von der I.G. Farben mit Nahrungsmitteln versorgt, kochten aber offenbar selbst. In Auschwitz war es auf der Baustelle der I.G. Farben üblich, den Arbeitsfluß nicht durch lange Mittagspausen aufzuhalten. Der Zeitdruck, der von der Werksleitung propagiert wurde war einfach zu hoch. Mitarbeiter der I.G., Deutsche wie Ausländer, ebenso die Arbeiter der beauftragten Baufirmen wurden mittags an ihren Arbeitsplätzen mit der sogenannten Bau -oder Bunasuppe versorgt. Gekocht wurde in unterschiedlichen Küchen, unterschiedliche Suppen. Für die Häftlinge wurde Wasser erhitzt und dann eine Art Fertigsuppe eingerührt, ein Pulver mit einer bestimmten Geschmacksrichtung, z.B. Zwiebel. In dieser Brühe schwammen teilweise Gemüseabfälle, unter Umständen zeitweise auch Sägespäne. Dies Suppe wurde morgens gegen 10 Uhr gekocht und um 12 00 Uhr von der SS per Lkw aus Thermosgefäßen auf der Baustelle der I.G. Farben verteilt. Die direkte Ausgabe erfolgte durch die Kapos. Das Problem war, daß für die Häftlinge nicht genügend der verrosteten Schüsseln vorhanden waren, aus denen sie die Suppe essen sollten. Die Häftlinge mußten folglich sehr schnell essen, damit alle wenigsten einen Teil Suppe bekamen. Die Schüsseln wurden kaum gespült, das Wasser in Auschwitz war für solche Zwecke auch weniger geeignet. Das Wasser war ungenießbar und gesundheitsschädlich. Es erhielt nach Angaben der SS-Ärzte Stickstoffderivate, Zeichen von Verwesung.

12.11.1940

Wie der ehemalige Angestellte der I.G. Farben Hans Deichmann bezeugte, war er am 12. November 1940 bei einem Treffen von Fritz ter Meer und Georg von Schnitzler zugegen, bei dem die beiden I.G. Vorstandsmitglieder verabredeten, am folgenden Tag in dem höchsten Vorstandsgremium, dem sogenannten Zentralausschuss, den Standort Auschwitz für den Bau eines vierten Bunawerkes vorzuschlagen.

18.02.1941

Der IG-Farben-Konzern genoss die besondere Gunst Görings. In einer von ihm persönlich unterzeichneten Anordnung vom 18. Februar 1941 heißt es: ”Zur Sicherstellung des Arbeitskräftebedarfs und der Unterbringung der Arbeiter für den Anfang April beginnenden in höchstmöglichem Tempo durchzuführenden Bau des Bunawerkes Auschwitz bitte ich folgende Maßnahmen zu treffen:

1. Rasche Ansiedlung der Juden in Auschwitz und der weiteren Umgebung, insbesondere zwecks Freimachung von Wohnungen.
2. Bereitstellung einer möglichst großen Anzahl von Baufacharbeitern und Bauhilfsarbeitern für den Bau des Bunawerkes aus dem benachbarten Konzentrationslager.“

07.04.1941

Die Gründungssitzung des Werkes Auschwitz fand am 07.04.1941 in Kattowitz statt. Diverse Vertreter der zuständigen Reichsbehörden waren anwesend, so z.B. Dr. Eckell vom Reichswirtschaftsamt. Es wurde betont wie wichtig der Aufbau einer weiteren Bunafabrik sei. Zusätzlich wurde herausgesellt, die I.G. habe den Auftrag erhalten in Auschwitz eine „Treibstoffanlage mit einer Leistungsfaehigkeit von 75.000 t/Jahr“ zu bauen.

12.04.1941

Das Mitglied des Vorstandes des IG-Farben-Konzerns Dr. Otto Ambros stellt in einem Brief, den er am 12. April 1941 an den Direktor der IG-Farben, Walter Dürrfeld, richtete, fest, dass sich am Beispiel des Aufbaus des Bunawerkes ”unsere neue Freundschaft mit der SS sehr segensreich auswirkt“

21.04.1941

Am 21.04.1941 begann der Einsatz der Häftlinge vom KZL Auschwitz beim Strassenbau (150 Häftlinge)

15.09.1941

Fluchtversuch
dem am 04.06.1907 in Sarajewo geborenen "Häftling" Schornstein Karl (
Karol) Häftlingsnummer 6273, gelingt am Vormittag die Flucht aus einem Arbeitskommando im KL Monowitz die Flucht. Schornstein wurde am 23.11.1940 mit einem Transport ins KL Auschwitz eingewiesen

21.10.1941

Am 21. Oktober 1941 hatte der Werksleiter der I.G. Auschwitz dem Lagerkommandanten des Konzentrationslagers Auschwitz, Rudolf Höß, den Vorschlag unterbreitet, sämtliche 4.–5.000 KZ Häftlinge, die im kommenden Jahr fest für den Werksbau eingeplant waren, unmittelbar auf dem Firmengelände unterzubringen. Dieser Vorstoß der I.G. Manager kam der Forderung nach der Einrichtung eines KZ Außenlagers gleich. Höß sah sich zu diesem Zeitpunkt aus Mangel an Wachpersonal und Betriebsmitteln außer Stande, dem Wunsch der Werksleitung nachzukommen. Vereinbart wurde allerdings die dauerhafte Unterbringung von 200 Häftlingen des Buna Kommandos in zwei Reichsarbeitsdienst Baracken auf der Baustelle in unmittelbarer Nähe der Fertigbetonhallen.

17.12.1941

Mit diesem Transport wird 1 "Erziehungshäftling" ins KL Auschwitz deportiert. Die Einweisung erfolgte durch die Betriebswache des IG-Farbenkonzerns, Werk Auschwitz. Nach der Übernahme ins Lager erhält der Übernommene "Erziehungshäftling" die Häftlingsnummer 24605

08.01.1942

Am 8. Januar 1942 bewilligte der für die Vergabe von Krediten zuständige Technische Ausschuss der I.G. Farben einen Antrag, der die Finanzierung des unternehmensintern als „Lager IV― bezeichneten späteren KZ Buna/Monowitz einschloss.

10.01.1942

Aufgrund starken Frostes und Schneefälle waren am 10.01.1942 nur 104 Häftlinge auf der Baustelle der I.G. Auschwitz tätig.Für die Häftlinge eine positive Tendenz, da ihre dünne Kleidung für die Arbeit im Freien im Winter nicht geeignet war, für die I.G. Farben ausgesprochen negativ, da die Arbeiten stagnierten.

02.06.1942

die "Häftlinge" Spitzstein Emanuel * 24.09.1912 in Topolcany Häftlingsnummer 31871 (Häftlingsnummer Sterbebuch 9656/1942)
u.
Hein Karl * 03.04.1912 Häftlingsnummer 33715
kommen im Arbeitskommando Buna-Werke ums Leben.
(Das bedeutet, daß diese Häftlinge entweder einen Arbeitsunfall erlitten haben, oder daß sie «auf der Flucht» erschossen worden sind. In solchen Fällen begeben sich ein Funktionär der Politischen Abteilung, ein SS-Sanitätsdienst-grad sowie die Häftlingsleichenträger mit einem Krankenwagen zum Unfallort. Nach der Leichenschau und der Anfertigung eines Protokolls werden die Leichen der Getöteten ins Lager befördert und in die Leichenhalle neben dem Häftlingskrankenbau getragen.)

02.07.1942

11 "Häftlinge" kommen während der Arbeit im Kommando Buna-Werke ums Leben. (Namensliste)

23.09.1942

Am 23. September 1942 wurde der inzwischen zum Chef des SS Wirtschafts Verwaltungshauptamtes (WVHA) aufgestiegene SS-Obergruppenführer Oswald Pohl in Auschwitz von I.G. Managern, darunter das Vorstandsmitglied Otto Ambros, empfangen und ließ sich über die „Gesamtlage des Werkes informieren. Pohl stellte dabei die pünktliche Bereitstellung der angeforderten Häftlinge bis zum 15. Oktober 1942 der erwarteten Fertigstellung des Konzentrationslagers in Aussicht.

30.10.1942

Am 30.10.1942 arbeiteten Deutsche, Zwangsarbeiter und Häftlinge in folgenden Bereichen:
1. Erdarbeiten 1 798 Mann.
2. Kanalisation und Rohrbrücken 1 650
3. Synthese -Teil 1 212
4. Buna-Teil, Fabrikations -Bauten 1 120
5. Kraftwerk 949
6. Straßenbau 825
7. Siedlung 551
8. Fertigbetonbauten 470
9. Barackenlager 450
10. Kiesbetrieb 364
11. Gartenbau 218
12. Wasserwerk 157
13. Wirtschaftsbetriebe 150
14. Brunnenbau 137
15. Malerarbeiten 103
16. Altwohnungen Renovierung 103
17. in sonstigen Bereichen waren 707 Mann tätig und 2.280 in diversen Nebenlagern und Baustellen.
Gesamt 10.962 Arbeiter

07.12.1942

Speisezettel (Verpflegung für Angestellte in Bunawerk Monowitz) vom Montag 07.12.1942
Mittagessen:
Suppe, Königsbergerklops, Salzkartoffel und Kaperntunke

08.12.1942

Speisezettel (Verpflegung für Angestellte in Bunawerk Monowitz vom Dienstag 08.12.1942
Frühstück:
350 g Brot, 50 g Leberwurst, 200g Zucker, Kaffee
Mittagessen:
Gerstensuppe, Grünkohlgemüse, Salzkartoffel, Fleischtunke
Abendessen:
Pfahlmuschelsalat mit Kartoffeln, Haustee

09.12.1942

Speisezettel (Verpflegung für Angestellte in Bunawerk Monowitz vom Mittwoch 09.12.1942
Mittagessen:
Suppe, paniertes Schweinekotelett mit Kartoffelsalat

15.01.1943

Im nordwestlichen Teil des KL Monowitz wurde am 15. Januar 1943 ein separates Arbeitserziehungslager der Staatspolizeileitstelle Kattowitz eingerichtet. In fünf mit Stacheldraht abgetrennten Baracken wurden dort etwa 400–500 Erziehungshäftlinge gefangen gehalten. In das Lager wurden zur Disziplinierung und Bestrafung sogenannte Arbeitsvertragsbrüchige, Arbeitsverweigerer und Arbeitsbummelanten eingewiesen. Die SS bewachte das von der Gestapo verwaltete Lager, das bis zur Räumung des KL Monowitz im Januar 1945 existierte.

10.02.1943

Am 10. Februar 1943 trifft der Amtschef der Amtsgruppe D II (Arbeitseinsatz) des SS-WVHA, SS-Obersturmbannführer Gerhard Maurer in Monowitz zu Verhandlungen mit der I.G. Werksleitung ein.
Maurer versicherte der I.G. Werksleitung gegenüber, dass „alle schwachen Häftlinge abgeschoben werden können, wodurch fast die volle Leistung, verglichen mit einem deutschen Hilfsarbeiter, herausgeholt werden kann.

28.04.1943

Am 28. April 1943 verursachten Häftlinge eine Explosion der Hochdruckstation. Gleichzeitig brannte eine Wagenhalle mit etwa 50 LKW's und 20 Treckern ab.

04.05.1943

Der erste Luftangriff alliierter Streitkräfte mit mehreren Flugzeugen auf das I.G. Farben-Werk in Auschwitz fand in der Nacht vom 4. auf den 5. Mai 1943 statt. Einer Meldung des Chefs der Amtsgruppe A des SS-Wirtschaftsverwaltungshauptamtes, SS-Gruppenführer August Frank, an Himmler vom 13. Mai 1943 zufolge wurde das Lager Monowitz von feindlichen Flugzeugen angegriffen und in der Nähe des Häftlingslagers von neun Bomben getroffen, ohne jedoch Schaden anzurichten. Ein Flugzeug habe die Wachtürme angegriffen und belegte dieselben mit MG-Feuer. Der Lagerkommandant wurde daraufhin angewiesen, beim zuständigen Luftgaukommando eine entsprechende Abwehr, bestehend aus einem Dutzend 2 cm Flakkanonen, anzufordern.

16.05.1943

Anlässlich eines Besuches von Otto Ambros, Karl Krauch und diversen Staatssekretären am 16.05.1943 in Auschwitz wurden Hunderte von Schildkröten nach Auschwitz auf das Gelände der I.G. gefahren. Zur Erheiterung einiger Mitarbeiter der I.G. krochen diese Schildkröten noch einige Tage durch die Lagerräume, bis sie für den Vorstand der I.G. Farben, Otto Ambros, als Suppe endeten.

31.10.1943

Oberingenieur Faust Max
Der Konstruktionschef von IG Auschwitz, Ober­ingenieur Max Faust, ein alter erfahrener BASF-Mann, der selbst manchmal mit dem Knüppel Hand anlegte, wenn es galt, Häftlinge zu züchtigen, schrieb in seinem Wochenbericht vom 31. Oktober 1943: »Eine Sorge, die von Woche zu Woche brennender wird, bildet die ständig abnehmende Arbeitsmoral auf der Baustelle. So werden z. B. Reklamationen bei der Gestapo wegen Behandlung von uns gemeldeter Arbeitsbummelanten mit dem einfachen Hinweis beantwortet, dass sich die Gestapo nicht drängeln ließe. Diese Tatsache allein zeigt, dass man dort noch nicht erkannt hat, um was es geht. Bezüglich der Behandlung der Häftlinge habe ich zwar stets dagegen opponiert, dass Häftlinge auf der Baustelle erschossen oder halbtot geschlagen werden. Ich stehe jedoch auf dem Standpunkt, dass eine Züchtigung in gemäßigten Formen unbedingt notwendig ist, um die nötige Disziplin unter den Häftlingen zu wahren.«

22.11.1943

Monowitz, 22. November 1943
Standort- und Kommandanturbefehl 1/43
Die Wachkompanie Buna und die 5. Wachkompanie werden dem Lagerkommandanten von Auschwitz III, SS-Hauptsturmführer Heinrich Schwarz, unterstellt.

gez. Schwarz

02.12.1943

Monowitz, 2. Dezember 1943
Kommandanturbefehl Nr. 1/43

Bekleidung der Häftlinge
Die Lagerführer der Außenlager haben für ordnungsgemäße Bekleidung der Häftlinge
sowie deren Versorgung mit Decken usw. Sorge zu tragen.
Vollzugsmeldung an Kommandantur: 10.12.43

Haarschnitt der Häftlinge
Der Haarschnitt der Häftlinge ist in allen Außenlagern vorschriftsmäßig kurz zu halten.
Vollzugsmeldung an Kommandantur: 10.12.43

Der Lagerkommandant
gez. Schwarz
SS-Hauptsturmführer

F.d.R.
Schütte
SS-Obersturmführer

20.12.1943

Monowitz, 20. Dezember 1943
Kommandanturbefehl Nr. 2/43

Geheimhaltung- und Schweigepflicht
Es wird darauf hingewiesen, daß der Verkehr mit Zivilisten in und außer Dienst stets so
gehalten wird, daß Dienst-, Lager- und Häftlingsangelegenheiten nicht berührt werden.
Jeder SS-Angehörige hat seine Erklärung über Geheimhaltung und Schweigepflicht
unterschrieben und wird bei Nichtbeachtung unweigerlich dem SS- und Pol.-Gericht
überstellt. Die Kompanie- Lager- und Kommandoführer haben laufend in ihren
Belehrungen darauf hinzuweisen.

Mitnahme von Baumaterialien u. dergl.
Die Wachkompanie Monowitz wird angewiesen, die Männer dahin zu belehren, daß aus
dem IG-Gelände kein Gegenstand, sei es Glas, Holz, Eisen oder sonstiges Baumaterial
von Häftlingen mit ins Lager genommen werden darf. Jeder Häftling, der beim Entwenden
derartiger kriegswichtiger und kontigentierter Materialien angetroffen wird, ist
aufzuschreiben und unverzüglich dem 1. Schutzhaftlagerführer zu melden. Fußappelle der Häftlinge.
In jedem Außenlager sind 10% der Gesamtbetten für das Häftlingsrevier abzustellen. Ferner muß darauf geachtet werden, daß durch die Blockältesten unter Aufsicht eines Blockführers wöchentlich 3 mal bei den Häftlingen Fußappell abgehalten wird, um sich von Fußverletzungen und Sauberkeit der Häftlinge zu überzeugen.

Verhalten auf Posten.
Es sind wiederholt, trotz mehrfacher Hinweise der Kommandantur, Fälle vorgekommen,
daß Männer auf Posten Zeitungen lesen und dadurch ihre Aufmerksamkeit auf ein
Häftlingskommando verlieren. Dasselbe gilt auch bei Unterhaltung mit Frauen. Der
einzelne Mann macht sich dabei eines schweren Wachvergehens schuldig und kann sich
sowie seine ganze Familie durch sein wachwidriges Verhalten ins Unglück stürzen.
Ich verweise letztmalig auf eingehende Belehrung und werde die Kontrollorgane bei einer
Wiederholung der o.a. Fälle zur Rechenschaft ziehen und nötigenfalls ihre sofortige
Versetzung veranlassen.
Bei dieser Gelegenheit wird nochmals besonders auf die Beachtung des Befehls des SS-Gruppenführers und Generalleutnants der Waffen-SS, Glücks, vom 8.12.43 - Beaufsichtigung der Häftlingskommandos - hingewiesen.

Der Lagerkommandant
gez. Schwarz
SS-Hauptsturmführer

28.01.1944

Kommandanturbefehl vom 28.01.1944
Mit dem heutigen Tage wurde der SS-Unterscharführer
Karl-Heinrich Ebeling als Waffenwart bei der Kommandantur KL Auschwitz III Monowitz eingesetzt

22.02.1944

Monowitz, 22. Februar 1944
Kommandanturbefehl Nr. 4/44

Unterricht
Die Kompanieführer haben in ihren Kompanien wöchentlich einmal und in den Außenlagern mindestens alle 14 Tage Belehrungen über
Verhalten als Häftlingsbegleitposten
Verhalten als Häftlingspostenführer
Verhalten als Turmposten
Häftlingsmißhandlung
Verhalten bei Flucht von Häftlingen
Verhalten auf Wache
Verhalten auf der Eisenbahn
Verhalten in Urlaub
Erziehung der Wachmannschaften
abzuhalten

Zählappelle
Bei der letzten Kommandeurtagung in Berlin wurde seitens des Hauptamtschefs betont, daß Zählappelle so kurz als irgendmöglich zu halten sind, damit die Häftlinge nicht länger als notwendig stehen müssen. Ich weise die Lagerführer auf die Durchführung der notwendigen Abkürzung des einmaligen Appells besonders hin.
Bei der verhältnismäßig geringen Häftlingszahl in den einzelnen Außenlagern darf ein Appell nicht länger als 5, höchstens 10 Minuten dauern.

Begünstigungen für Häftlinge - Prämienscheine
Aus dem Bericht über die Arbeitslage ist zu ersehen, daß verschiedene Rüstungsfirmen, bei denen Häftlinge eingesetzt sind, sehr geringe Prämienbeträge an die Häftlinge zahlen.
Einige Lager waren überhaupt von den Prämien ausgeschlossen. Es ist sofort von den Lagerführern festzustellen, aus welchem Grunde die Prämienzahlung im Januar 1944 so gering oder überhaupt nicht erfolgte. Nach Eintreffen der einzelnen Meldungen werde ich mich sofort bei den Firmen bezw. Bauherren persönlich einschalten.
Meldung bis zum 27.2.1944

Häftlingsmißhandlung
In einem Außenlager ist es vorgekommen, daß Häftlinge von Zivilisten, mit denen sie auf der gleichen Arbeitstelle beschäftigt waren, geschlagen und z.T. mißhandelt wurden, so daß sie vorübergehend in den Krankenbau aufgenommen werden mußten. In den Fällen, in denen ein Zusammenarbeiten mit Zivilisten unvermeidlich ist, sind mir die Lagerführer für Ordnung verantwortlich und haben die Zivilisten nochmals durch das Werk über den Umgang mit Häftlingen belehren zu lassen. Andererseits ist mir jede Mißhandlung eines Häftlings durch einen Zivilisten umgehend zu melden.
Bei dieser Gelegenheit mache ich nochmals ausdrücklich auf den bestehenden Befehl aufmerksam, daß kein SS-Mann Hand an einen Häftling legen darf. Im 5. Kriegsjahr ist alles daran zu setzen, die Arbeitskraft des Häftlings zu erhalten.
Vergeht sich ein Häftling, so ist vorgeschriebene Meldung zu erstatten.

Freizeit der Häftlinge
Häftlinge, die von der Nachtschicht kommen, sind für andere Arbeiten nicht einzusetzen. Um die Arbeitskraft dieser Häftlinge zu erhalten, ist darauf zu achten, daß sie 7-8 Stunden Ruhe haben, um ausgeruht ihre Arbeit wieder beginnen zu können.

Der Lagerkommandant
gez. Schwarz
SS-Hauptsturmführer

f.d.R.
Schütte
SS-Obersturmführer

04.04.1944

In Vorbereitung strategischer Luftangriffe auf Industrieanlagen, die für die deutsche Kriegsproduktion hohe Bedeutung hatten, wurde das I.G. Farbenwerk in Auschwitz erstmals am 4. April 1944 bei einem amerikanischen Aufklärungsflug fotografiert. Bei der Auswertung der Luftaufnahmen identifizierten Spezialisten der Royal Air Force in Medmenham ein Kraftwerk, eine Karbidfabrik, eine Fabrik für synthetischen Gummi und eine Bergius-Anlage für die Produktion synthetischen Öls.

22.04.1944

Monowitz, 22. April 1944
Kommandanturbefehl Nr. 6/44

Krankenstand der Häftlinge
In einigen Lagern ist der Krankenstand der Häftlinge gewaltig angestiegen. Die Lager-, Rapport-, und Arbeitsdienstführer haben laufend den Krankheitsstand der Häftlinge zu kontrollieren und Simulanten durch den 1. Lagerarzt überprüfen zu lassen.

Der Lagerkommandant
gez. Schwarz
SS-Hauptsturmführer

f.d.R.
Schütte

SS-Obersturmführer

28.05.1944

Am 28. Mai 1944 wurde durch einen Kommandantur Sonderbefehl des Lagerkommandanten von Monowitz, Heinrich Schwarz, das in sieben Kompanien untergliederte SS Totenkopfsturmbataillon KL Auschwitz III gebildet. Zur Bewachung des Lagers wurde die 1. Kompanie unter dem Kompanieführer SS-Obersturmführer Paul Heinrich Theodor Müller eingeteilt. Die übrigen sechs Kompanien, ebenso wie die später gebildete 8. Kompanie, bewachten die dem KZ Auschwitz III Monowitz unterstellten Nebenlager

19.06.1944

Monowitz, 19. Juni 1944
Kommandanturbefehl Nr. 7/44

Verhalten der Posten im Dienst
Aus gegebener Veranlassung muß ich erneut auf folgendes hinweisen:
Auf Postenkette werden immer wieder einzelne SS-Männer angetroffen, die ein unmögliches, gänzlich unmilitärisches Benehmen zeigen, sei es, daß sie sitzend, angelehnt, mit den Händen in den Hosentaschen angetroffen werden, oder, daß andererseits ihr Anzug oder Haarschnitt zu wünschen übrig läßt. Andere wieder schauen planlos und träumend in der Gegend herum. Bei Meldungen bleibt selbstverständlich der Blick auf die zu bewachenden Häftlinge gerichtet. Die Kommandoführer der Außenlager müssen sich noch mehr als bisher um die Postenkette kümmern und die Aufmerksamkeit der Posten öfters überprüfen. Es ist unmöglich, daß bei Nacht eingesetzte Pendelposten sich mit den Turmposten unterhalten, weil dadurch ihre Aufmerksamkeit leidet und sie damit außerdem den Häftlingen bezw. sich anschleichenden Zivilisten ihren Standpunkt verraten. Weiters mußte in einzelnen Fällen wieder festgestellt werden, daß Posten dem unbotmäßigen Verhalten einzelner Häftlinge mit großer Gleichgültigkeit zusehen, ohne diese zu melden oder zur Arbeit zu ermahnen. Ich mache in diesem Zusammenhang erneut darauf aufmerksam, daß es Aufgabe eines Postens ist, nicht nur für die Sicherheit zu sorgen, sondern auch das Arbeitstempo zu überwachen und gegebenenfalls Meldung zu machen. Sollte sich ein Häftling den Anordnungen eines Postens widersetzen und - wie in einem Sonderfall - gefährliche Drohungen ausstoßen, die die SS und den nationalsozialistischen Staat beleidigend angreifen, so ist sofort von der Schußwaffe Gebrauch zu machen. Außerdem weise ich nochmals darauf hin, daß bei Häftlingsbegleitung der notwendige Abstand von den Häftlingen eingehalten wird und das Gewehr nicht umgehängt, sondern auf der Patronentasche aufgelegt zu tragen ist. Trotz wiederholtem Verbot wurde wieder ein Fall gemeldet, daß ein Posten während der Häftlingsbegleitung auf einen Hasen schoß. Ich werde alle derartigen Wachvergehen in
Zukunft auf das strengste bestrafen.

SS-würdiges Benehmen im Dienst
Trotz wiederholter Ermahnung und Belehrung kommen immer wieder Fälle vor, in denen als Posten eingeteilte SS-Männer gemeinsam mit den Häftlingen „organisieren“ und von diesen Geld oder Zigaretten entgegen nehmen. Es zeigt von großer Charakterschwäche, mangelnder Ehrauffassung und fehlendem Pflichtgefühl, wenn SS Männer durch eine solche Handlungsweise die Schiebereien von Häftlingen unterstützen und sogar noch decken. Ich werde derartige Fälle zur strengsten Bestrafung dem Gerichts-SS-Führer übergeben.

Der Lagerkommandant
gez. Schwarz
SS-Hauptsturmführer

f.d.R.
Orlich
SS-Untersturmführer und Adjutant


Monowitz, 19. Juni 1944
Kommandanturbefehl Nr. 7/44
Gemäß Verfügung des SS-WVH, Orbg. vom 01.06.1944 wurde
SS-Unterscharführer (R) Rudolf Orlich
als Adjutant zur Kommandantur KL Auschwitz III versetzt.

14.07.1944

Monowitz, 14. Juli 1944
Kommandanturbefehl Nr. 8/44

Zuständigkeit der Capos
Es wird nochmals darauf hingewiesen, daß die Capos nicht zur Arbeit einzuteilen sind, da
ihnen lediglich die Aufsicht über die Häftlinge obliegt und sie jederzeit für die Vollzähligkeit
ihrer Kommandos sowie für die Arbeitsleistung verantwortlich sind.

Häftlingseinsatz
Ab sofort ist der Arbeitseinsatz der Häftlinge durch die Lagerführer genau zu überprüfen.
Es ist vor allem zu beachten, daß jeder Facharbeiter in seinem Beruf eingesetzt wird, weil
nur dadurch eine 100%-ige Arbeitsleistung erzielt werden kann. Sind Facharbeiter aus
irgendeinem Grunde nicht entsprechend eingesetzt, so sind diese sofort der Kdtr. KL Au
III, Abt. III zu melden.
Auch ist es unstatthaft, daß Facharbeiter von einzelnen Meistern ohne genügende
Zwischenfreizeit von einer Tagschicht auf die folgende Nachtschicht überwiesen werden.
Ich mache die Lagerführer dafür verantwortlich, daß eine solche Außerachtlassung der
notwendigen Ruhezeit nicht mehr vorkommt.


Folgende SS-Angehörigen haben durch ihr umsichtiges Verhaken die Flucht von Häftlingen verhindert:
am 22.6.44 - SS-Oberscharführer Fritz Frischholz - 1. Komp.
am 23.6.44 - SS-Sturmmann Johann Ciener - 2. Komp.
am 23.6.44 - SS-Schütze Martin Kempl - 2. Komp.
am 24.6.44 - SS-Sturmmann Josef Miowitz - 3. Komp.
am 27.6.44 - SS-Sturmmann Franz Klemm -3. Komp.
am 29.6.44 - SS-Sturmmann Adam Rausch - 4. Komp.
am 07.7.44 - SS-Sturmmann Josef Berger - 4. Komp.
Ich spreche den Genannten für ihre bewiesene Aufmerksamkeit meine Anerkennung
aus.

Der Lagerkommandant
gez. Schwarz
SS-Hauptsturmführer

i.d.R.
Schütte
SS-Obersturmführer

20.08.1944

Am 20. August 1944 erfolgte der erste größere Bombenangriff der U.S. Air Force auf die Werksanlagen der I.G. Auschwitz. Nachdem Aufklärer gesichtet wurden, war mit der Vernebelung des Werkes begonnen worden. Aufgrund der besonderen Windstille trat das Werksgelände deutlich als Nebelpilz in der Umwelt hervor. Um 10:15 Uhr erfolgte der Fliegeralarm, um 10:41 begann die Bombardierung. Die Flugzeuge griffen in drei Wellen in einer Höhe von 7 500-8 500 Flughöhe an. Gegen 11:00 Uhr war der Angriff abgeschlossen.
Aufgrund des starken Begleitschutzes von 100 Mustang-Jägern wurde von den 127
B-17 eingesetzten Bombenflugzeugen des Geschwaders nur ein Flugzeug abgeschossen.
Bereits bei den ersten Bombentreffern fiel der Strom aus. Für die Verletzten waren nicht genügend Tragbahren vorhanden. Krankenfahrzeuge wurden aus Angst vor einem weiteren Angriff nicht eingesetzt. Es kam zu einem Hauptbrand im Elektrolager. Da auch Meldungen über Verpuffungen im Methanoltanklager erfolgten, waren zahlreiche Löschfahrzeuge im Einsatz. Die Brandherde waren nur schwer zu erreichen, da die Straßen durch Bombentrichter kaum passierbar waren. Zwischen den Bombenkratern wurden diverse Blindgänger gefunden. Zur Entschärfung rückte ein Sprengkommando aus Krappitz (Krapkowice) an, das mit Häftlingen arbeitete. Es wurde im engl. Kriegsgefangenen-Lager der Treppengang eines Splitterschutzgrabens getroffen. Die Engländer hatten sich alle an den Eingang gestellt und wollten nicht in den Graben gehen. Hierbei wurden auf einen Schlag 37 Engländer getötet. Es zeigte sich nach dem ersten Angriff sowohl unter der Belegschaft als auch bei den Häftlingen panikartige Stimmung. Besonders bei den ausländischen LS-Kräften war es nur unter Aufbietung aller Machtmittel möglich, dieselben auf ihren Posten zu behalten. Diverse Ausbruchsversuche wurden unternommen, die Häftlinge aber zum Teil von der SS und der A-Kompanie der I.G. Farben wieder eingefangen. Dem Monowitz-Häftling Adam Szaller gelang während des Luftangriffs die Flucht.
Diverse Ausbruchsversuche wurden unternommen, die Häftlinge aber zum Teil von der SS und der A-Kompanie der I.G. Farben wieder eingefangen. Dem Monowitz-Häftling Adam Szaller gelang während des Luftangriffs die Flucht.

Die SS löste den A-Fall aus:
Im Lager sei ein Aufstand, die SS schieße scharf. Die deutschen I.G. Mitarbeiter sollen bewaffnet gegen das Lager vorgestoßen sein, die Flak auf dem I.G. Gelände habe von der SS Befehl bekommen, mit ihren Geschützen das Lager und die Häftlinge unter Beschuß zu nehmen. (auf dem Werksgelände waren 2 Batterien mit 3,7 cm Kanonen und 3 Batterien mit 8,8 cm Kanonen stationiert. Insgesamt waren dies 30 Geschütze. Bei der Flak waren 1.027 Mann tätig, und 1.200 Deutsche im Werkluftschutz.)
Hätten die 30 Geschütze auf das Lager gefeuert, wären in kürzester Zeit sämtliche Bauten zerstört worden und die Menschen ohne jede Chance getötet worden, in diesem Fall wären die rund 11.000 Menschen, die Häftlinge in Monowitz verloren gewesen. Dieser Befehl war der Aufruf zum Massenmord. Der Befehlshaber der Flakabteilung (Major) hat diese Katastrophe verhindert. Er versuchte, direkt mit dem Lager und der SS vor Ort zu telefonieren. Offenbar weigerte er sich, den Beschuß in der befohlenen Weise durchzuführen.

Für den Erfolg der Bombardierung der I.G. wäre es unwesentlich gewesen, ob 50 Flugzeuge Birkenau angegriffen hätten oder nicht. Bombardiert wurde ausschließlich die I.G. Farben, obwohl Luftbilder von Aufklärungsflugzeugen dermaßen detailliert waren, daß sogar die Ankunft der Häftlinge auf der Rampe in Auschwitz II fotografiert worden waren, ebenso deren anschließender Marsch in die Gaskammern. Aufgrund des Bombenangriffes kam es unter den Häftlingen zu panikartigen Reaktionen.

06.09.1944

Monowitz, 6. September 1944
Kommandanturbefehl Nr. 9/44

In treuer Pflichterfüllung starben den Heldentod:
SS-Strm. Karl Seifen
SS-Schtz. Viktor Kopyro
Sie gaben anläßlich der letzten Terrorangriffe auf Oberschlesien ein hervorragendes
Beispiel unerschrockenen Einsatzes bis zum Letzten.
Wir wollen Ihrer stets in Ehren gedenken.

Belobigung
Folgenden SS-Angehörigen spreche ich hiermit meine besondere Anerkennung aus, weil sie durch ihr umsichtiges Verhalten die Flucht von Häftlingen verhinderten:
SS-Uscha. Wilhelm Haeffner 1. Komp.
SS-Rottf. Ferdinand Oblachläger 3. Komp.
SS-Strm. Stefan Hummel 4. Komp.
SS-Strm. Josef Kleinfelder 4. Komp.
gez. Pohl
SS-Obergruppenführer und General der Waffen SS

Abzug von Häftlingen
Verschiedene Direktoren führen mit Recht Beschwerde darüber, daß Häftlinge abgezogen
bzw. ausgetauscht werden, welche zur Herstellung kriegswichtiger Geräte monatelang
angelernt worden waren. Ich mache darauf aufmerksam, daß in Zukunft jeder Abzug
bezw. jeder Austausch von Häftlingen meiner Genehmigung bedarf.

Der Lagerkommandant
gez. Schwarz
SS-Hauptsturmführer

f.d.R.
Orlich
SS-Untersturmführer und Adjutant

13.09.1944

Am 13. September 1944 richteten Luftangriffe der U.S. Air Force von 96 Bombern des Typs Liberator im I.G. Farben-Werk Auschwitz schwere Schäden an. Auch das Stammlager und das Lager Auschwitz II in Birkenau wurden getroffen. Bei diesem Luftangriff wurden schätzungsweise 300 Personen verletzt und getötet, darunter auch SS-Männer.

01.12.1944

Am 01. Dezember 1944 richteten Luftangriffe der U.S. Air Force im I.G. Farben-Werk Auschwitz schwere Schäden an.
Personenverluste:
7 Gefallene außerhalb des Werkes
1 Getöteter im Werk
10 Getötete außerhalb des Werkes
3 Schwerverwundete
16 Schwerverletzte
45 Leichtverletzte
4 Vermisste

14.01.1945

Am Sonntag den 14. Januar 1945 kommt die Meldung, dass die Sowjets die Bahnlinien bis auf 40 km Entfernung vom Werk ständig aus der Luft angreifen. Zur Abwehr etwaiger Unruhen wird für den Werkschutz Alarmbereitschaft befohlen

15.01.1945

Am Montag, den 15. Januar 1945 stehen die Sowjets in breiter Angriffsfront zwischen Weichsel und der Lysa Gora. Über dem Werk sind ständig russische Aufklärer. Die ersten Kolonnen der Wehrmacht rollen nach Westen durch. Die Wiederherstellungsarbeiten im Werk gehen auch nach dem 13. Januar 1945 trotz der alamierenden Nachrichten von der Front programmgemäss voran.

16.01.1945

Auf der Durchgangsstrasse längs des Werkes rollen ständig Wehrmachtskolonnen mehr oder weniger ungeordnet nach Westen durch. Dem Betriebsführer werden die ersten nächtlichen Fluchten von Ausländern und Volksdeutschen gemeldet. Auch reichsdeutsche Firmenangehörige versuchen sich bereits abzusetzen. Abends erfolgte zwischen 21 Uhr 30 und 22 Uhr der erste nächtliche und erste russische Luftangriff auf das Werk.

17.01.1945

Am Mittwoch, den 17.Januar 1945 kommt um 0 Uhr 30 die Nachricht, dass am Morgen mit der Evakuierung der Gauhauptstadt Kattowitz zu rechnen ist. Um 9 Uhr... die Evakuierung der nicht arbeitgebundenen Bevölkerung des Raumes Auschwitz befohlen. Die Evakuierungszüge verlassen Auschwitz erst in der Nacht. Es herrscht eisige Kaelte. Sehr zum Unwillen Dürrfelds rückten die Häftlinge an diesem 17. Januar nicht zur Arbeit aus. Es herrsche nach Ansicht der SS Fallschirmspringergefahr. Nach der Intervention von Dürrfeld arbeiten die Häftlinge am Nachmittag wieder, zu einem Zeitpunkt, als die Wehrmacht bereits mit der Rückführung ihrer Truppen begonnen hatte. Panzer wurden am Werk in rückwärtige Stellungen gebracht, aber Dürrfeld arbeitete weiter. Von der Front hört man Artilleriefeuer.

18.01.1945

Auch am 18.01.1945 rückten die Häftlinge nicht zur Arbeit aus. Die SS erwartete den Abmarschbefehl. Dürrfeld liess die englischen Kriegsgefangenen dennoch arbeiten. Durch Bombenangriffe starben Menschen, der Gauleiter teilte Dürrfeld mit, die Lage sei ernst, aber nicht beunruhigend

Bericht des ehemaligen Häftlings Unikower Franz:
„Wir waren am 18. Januar am Nachmittag von Monowitz abmarschiert, die ganze Nacht hindurch und stießen in Nikolai (Mikolow) auf die Marschsäule aus Fürstengrube. Der Fußmarsch von Nikolai bis Gleiwitz dauerte ungefähr noch 9 Stunden. Wer nicht mitkonnte, wurde sofort erschossen. Die SS aus den Lägern war verstärkt worden durch sogen. Wlassow-Leute, die aus der Ukraine stammten. Der Marsch war sehr anstrengend, der Boden hart gefroren, wir waren schlecht angezogen und hatten Hunger, auch sehr schlechtes Schuhwerk. Die genaue Zahl der Marschierenden kann ich nicht angeben, schätze sie aber bei der Ankunft in Gleiwitz auf etwa 18000. Es trafen immer noch neue Außenläger dazu, auch in Gleiwitz. Dort wurde willkürlich verladen, d.h. die ersten etwa 6000 Mann wurden auf offene Waggons verladen und kamen nach Buchenwald. Ich selbst kam am 21. Januar 1945 mit der letzten Gruppe auf offene Wagen eines fast endlosen Zuges. Wir hatten uns in Gleiwitz in einem Zementschuppen versteckt und wurden schließlich von SS entdeckt und herausgeholt. Hierbei wurden einige von uns erschossen, während wir anderen in der Dunkelheit zu den Waggons laufen konnten und dort von Kameraden nach oben gezogen wurden. Die Wagen waren so voll, daß wir Kopf an Kopf standen. Wir waren 7 Tage und 7 Nächte unterwegs und erhielten einmal hartgefrorenes Brot und mehrere Mann zusammen eine Konserve, und zwar auf dem Bahnhof, der zum KZ Lager Maudhausen gehörte. Dieses Lager sollte uns aufnehmen, war aber überfüllt. Zum Trinken gab es nichts. Bei der Durchfahrt durch die Tschechoslowakei haben uns aber die tschechischen Eisenbahner Schnee in die Waggons geworfen. Leider erkrankten hierdurch eine Menge Leute und gingen schnell an Durchfall, Typhus usw. ein. Im ganzen haben wir auf den rd. 7 Tagen des Transportes etwa ein Drittel der Leute verloren. Sie wurden meistens während der Fahrt über die Bordwände geworfen.“ Ankunft im Konzentrationslager Mittelbau-Dora am 28. Januar 1945
.

19.01.1945

Am 19.1.1945 rückten die Baufirmen ab. Auch Mitglieder des Volkssturmes flüchteten. Der Volkssturm führte einen Appell durch, rund 900 Männer fehlten. Gegen 16:00 Uhr erging der Abmarschbefehl für die Häftlinge. Schwere Luftangriffe folgten, Vorratslager wurden von ausländischen Arbeitskräften geplündert. Der Gauleiter beruhigte die Gemüter mit der Meldung, an der Front seien jetzt Tigerpanzer aufgefahren.

20.01.1945

Am 20.01.1945 kam der Befehl Lothar, die Lähmung des Werkes sollte durchgeführt werden, Apparate abgebaut, ein Betrieb verhindert werden. Eine völlig unsinnige Maßnahme, da die Züge nicht mehr regelmäßig fuhren, bzw. Züge nicht verfügbar waren, folglich die Maschinen kaum abtransportiert werden konnten. Die weiblichen Gefolgschaftsmitglieder wurden Sonntag früh gegen 6 Uhr evakuiert. Nachdem die Front immer deutlicher zu hören war, besonders aus dem Raum Babice, schickte Dürrfeld zwei Werkschutzmänner zur Erkundung. Eine ebenso überflüssige, wie sinnlose Maßnahme. Dürrfeld wurde mitgeteilt, deutsche Panzerverbände seien im Anmarsch.

21.01.1945

Am 21.01.1945 erfolgte endlich die Evakuierung der Frauen. Dürrfeld sprach zur männlichen Belegschaft. Er betonte, die militärische Lage sei stabilisiert. Gegen 14 Uhr begann die russische Artillerie das Werk zu beschießen. Die Russen waren bei Babice, 10 km vom Werk entfernt durch die deutsche Front gebrochen. Die Flakeinheiten des I.G. Werkes begannen Kampfhandlungen mit den russischen Truppen aufzunehmen. Als der Bürgermeister der Stadt Auschwitz mit seinen Mitarbeitern die Stadt räumte, fragte nun auch Dürrfeld telefonisch bei dem stellvertretenden Gauleiter an, ob nicht auch die I.G. Auschwitz mit der Räumung beginnen sollte. Um 20 Uhr 45 erhielten die Ausländer Abmarschbefehl. Für die deutsche Belegschaft stand im Bahnhof ein Zug bereit. Viele Arbeiter, Deutsche wie Ausländer, auch Frauen mit Kindern, mußten zu Fuß abtransportiert werden. Tagesetappe waren 25 km. Die DAF hatte Marschstraßen ausgegeben.

Bankguthaben der I.G. Auschwitz
Am Tag der Evakuierung, dem 21.1.1945 waren folgende Bankguthaben der I.G. Auschwitz offiziell vorhanden:
Länderbank Berlin ca. 3,5 Millionen RM
Kreissparkasse Bielitz ca. 1,9 Millionen RM
Reichsbank Kattowitz ca. 3,9 Millionen RM
Deutsche Bank Kattowitz ca. 5,0 Millionen RM
Dresdner Bank Kattowitz ca. 3,0 Millionen RM
Postscheckamt Breslau ca. 0,6 Millionen RM
gesamt ca. 17,9 Millionen RM

22.01.1945

Am 22.01.1945 verließen diverse LKW das Werk, die bereits in Auschwitz von dem zuständigen Kampfkommandanten beschlagnahmt wurden.

23.01.1945

Am 23.01.1945 wurde sämtliches rollendes Material der Reichsbahn aus dem Werk entfernt, mehrere Lokomotiven und 130 Waggons. Das Werk wurde von Ausländer gesäubert. Die ausländischen Arbeitskräfte wurden Schanzarbeiten zugeführt. Die Räumung des Werkes war am 23.01.1945 weitgehend durchgeführt.

24.01.1945

Am 24.01.1945 vereinbarte Dürrfeld noch, daß in der Fürstengrube keine Lähmung durchgeführt werden sollte.

12.04.1965

Frankfurter Auschwitz-Prozess (4 Ks 2/63)
Landgericht Frankfurt am Main (149. Verhandlungstag, 12.04.1965)
Aussage Ambros Otto (ehemaliges Vorstandsmitglied des Technischen und Chemischen Ausschusses der I.G. Farben)
In dem entscheidenden Bericht, den ich Anfangs Januar 1941 in Berlin abgegeben habe und der zur Wahl dieses Standortes führte, habe ich von dem KZ überhaupt noch keine Ahnung gehabt. Ich habe diesen Standort gewählt aus rein technischen Elementen. Vorausgegangen ist die Forderung, wegen der kommenden Luftangriffe ein Buna-Werk im weitesten Osten zu errichten. Es gab nur zwei Flüsse, die dieses Buna-Werk hätten versorgen können: die Oder oder die Weichsel. Zu dem Zeitpunkt, als das Buna-Werk gebaut werden sollte, war die Oder durch viele andere Werke besetzt. So blieb nur der Standort östlich von Auschwitz zwischen Dwory und Monowitz übrig, wo die Lage war, ein Buna-Werk zu errichten, das 15.000 Kubikmeter Wasser in der Stunde brauchte, also an einem Fluss liegen musste. Das war der geeignete Ort, wo die Kohle lag. Und das war der geeignete Ort, wo Kalk lag. Das sind entscheidende Momente, weil sie für die Dauer eines Werks - und man weiß ja nicht, wie lang ein Werk besteht - viel maßgebender sind als die Verhältnisse einer vorübergehenden Bauzeit von zwei Jahren. Infolgedessen wiederhole ich hier mit aller Unterstreichung: Der Platz Auschwitz als Buna-Werk wurde gewählt einzig und allein aus technischen Gründen. Zur gleichen Auffassung kam die zuständige Landesplanung. Und da beide Vorschläge anfangs Januar an das entscheidende Amt gerichtet wurden, wurde dieser Bauplatz gewählt. Die Arbeitsfrage war zu jener Zeit, und zwar noch bis April, so, dass wir annehmen mussten, dass das Werk mit freien Arbeitskräften gebaut werden konnte. Im Februar wurden 2.000 Arbeitskräfte angeboten, bevor das Werk überhaupt begonnen wurde. Und in der Gründungssitzung hat das Arbeitsamt Bielitz erklärt, dass es in der Lage sei, genügend Arbeitskräfte für diese Baustelle zu stellen, so dass ein Einsatz von transferierten Arbeitskräften, nämlich den Häftlingen aus dem KZ, um jene Zeit überhaupt nicht in Frage kam

Häftlingsaussage im Nürnberger Prozess

Wir waren in dem Sonderkonzentrationslager Monowitz untergebracht. Die Bedingungen waren unerträglich. Am ersten Arbeitstag, Vorabend vor Weihnachten, 24. Dezember 1942, mußten wir ohne Essen bis 3.00 Uhr morgens des 25. Dezember durcharbeiten. Unser Dienst bestand im Ausladen von Waggons, Eisenstangen und Zementsäcken und Schweren Öfen.
Am 5. Januar 1943 war mein Vater bereits derartig geschwächt, daß er, als er im Laufschritt einen solchen 50 Kilo schweren Zementsack schleppen mußte, vor meinen Augen zusammenbrach. Ich wollte ihm helfen, wurde aber von einem SS-Mann mit einem Stock geschlagen und zurückgestoßen.
Ein Bruder meines Vaters verletzte sich während der Arbeit am Arm und wurde vergast. Der zweite Bruder meines Vaters ist ungefähr ein oder zwei Wochen nach dem Tode meines Vaters aus Schwäche in Buna während der Arbeit gestorben.
Ich selbst hielt die Arbeit bis 15. Januar 1943 aus, dann bekam ich Lungenentzündung und arbeitete wieder vom 15. Februar bis Ende Februar. Dann wurde ich als Arbeitsunfähig erklärt, weil ich nicht mehr gehen konnte und zur Vergasung bestimmt.
Zufälligerweise kam aber an diesem Tage kein Lastauto, das zu den Vergasungskammern ging, in das Bunawerk und ich wurde daher in das Konzentrationslager Auschwitz zurückgebracht.
Im April 1943 wurde ich, weil ich krank war und mich unter einem Verschlag versteckt hatte, da ich nicht mehr arbeiten konnte, von zwei SS-Leuten und einem Blockassistenten solange geprügelt, bis sie glaubten, daß ich tot sei. Als ich wieder zu Bewußtsein kam, sah ich, daß ich unter den Leichenhaufen in einem Keller geworfen worden war. Ein Häftling sah mich und zog mich heraus.
Nach meiner Erfahrung haben Häftlinge, die zum Arbeitseinsatz in den Bunawerken verwendet wurden, es höchstens zwei Monate ausgehalten, bis sie entweder zur Vergasung, oder wie in meinem Falle, in das Konzentrationslager Auschwitz zurückgeschickt wurden.

Karl Feinberg, ehemaliger Häftling

nach 1945

Bei der überhasteten Flucht wurde das fast fertiggestellte Werk nicht zerstört, sondern durch Ausbau wichtiger Teile „gelähmt“. Unter polnischer Regie konnte die Produktion bald aufgenommen werden. Den Wert des Werkes einschließlich aller Nebenanlagen bezifferte die I.G. Farben im Jahre 1950 auf 800 bis 900 Millionen Reichsmark.
Vom Buna-Konzentrationslager sind nur Reste von gemauerten Schornsteinen erhalten, die sich heute auf Privatgelände befinden und abgerissen werden sollen. Westlich der Haupteinfahrt zum Betrieb steht ein Denkmal für die Opfer des Zwangsarbeitslagers.