Ananiev (Ananjew, Ananiu)

Ghetto Ananjew


Übersicht

Ukraine, Oblast Odessa, Rayon Ananivskyi

Ananjiw liegt im Süden der Ukraine, etwa 151 Kilometer nördlich von Odessa entfernt. Sie ist Zentrum des gleichnamigen Rajons Ananjiw und liegt am Ufer des Flusses Tylihul

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts lebten rund 3500 Juden in Ananjew. (ungefähr 20 Prozent der Stadtbevölkerung)

1919 (Russischer Bürgerkrieg 1918-1920)
verübten Ukrainer zwei Pogrome in Ananjew. Sie beraubten die jüdische Bevölkerung und ermordeten mehr als 40 Juden.
Hintergrund:
In der zweiten Aprilhälfte fanden Pogrome in vielen Dörfern des Kreises von Elisawetgrad und in einigen anderen Städten und Flecken des Gouvernements Cherson (Golta, Beresowka, Ananjew mit Kreis) statt. In den Dörfern begnügte man sich zumeist mit der Zertrümmerung der von Juden betriebenen Kneipen, wobei die Bauern glaubten, einem Ukas nachzukommen. In den Städten und Flecken aber wurden alle jüdischen Häuser und Läden zertrümmert und die Habe geraubt. In der Stadt Ananjew wurde die Menge von einem russischen Spießbürger zum Pogrom aufgestachelt, der ihr sagte: „Die Juden haben den Zaren ermordet und die höchste Regierung hat befohlen, sie zu ermorden, aber unsere Obrigkeit hält diesen Befehl geheim.“ Der Anstifter wurde verhaftet, aber die Menge befreite ihn gewaltsam aus den Händen der Polizei und begann darauf den Judenpogrom. Etwa 200 Häuser und Läden am Rande der Stadt, wo die jüdische Armut hauste, wurden zertrümmert; das Stadtzentrum aber, wo Wohlhabendere wohnten, wurde von Polizei und Truppenaufgebot beschützt und blieb daher wohlbehalten.

1920 kämpften ukrainische Banden in Ananjew gegen 300 Juden, die der jüdischen Selbstverteidigungsorganisation angehörten; dabei kamen 220 ihrer Mitglieder ums Leben.
Unter der sowjetischen Herrschaft unterhielt die jüdische Gemeinde in Ananjew eine jüdische Schule, die auf Jiddisch unterrichtete.

Am Vorabend des deutschen Einmarsches lebten noch etwa 1800 Juden in Ananjew

Am 06. August 1941 war die deutsche
22. Infanterie-Division in Kämpfe bei Ananjew und dann bis zum Bug im Raum direkt südlich von Wosnessensk verwickelt

Noch kurz vor der deutschen Besetzung gelang es einer unbekannten Zahl Juden nach Osten zu fliehen.

Am 07. August 1941 wird Ananjew durch Einheiten der 22. Infanterie-Division besetzt.

Am 07. August 1941 wird Ananjew durch deutsche Ordnungspolizisten nach Juden durchkämmt.

In den ersten Tagen der Besatzung erging der Befehl, dass Juden einen gelben Davidstern auf ihre Kleidung zu nähen hatten; außerdem wurde ihnen verboten, sich im Ort frei zu bewegen und auf dem Markt Gemüse und Obst einzukaufen. Juden, die man auf der Straße aufgriff, wurden schwer körperlich misshandelt.

Am 08. August 1941 gelangte das Sonderkommando 10B in das Landstädtchen
Ananjew. Dort erschossen die Männer, gemeinsam mit einer anderen Einheit, 300 Männer, Frauen und Kinder. Das Erschießen der Frauen und Kinder war zu diesem Zeitpunkt neu. Offensichtlich zögerten die Schützen einen Moment. Jedenfalls stachelte ihr Truppführer, ein SS-Unterscharführer namens Karl Finger, sie an: „Nun schießt doch, schießt doch, oder habt ihr Angst, dass ihr einen zuviel umlegt?“
Wie es weiterging, beschrieb einer der so Motivierten 1961 in einer Vernehmung: „Es waren Frauen mit Kleinkindern dabei, die ihre Kinder beim Erschießen auf dem Arm hielten und die sich im Augenblick des Erschießens dann umdrehten und auf ihr auf das Herz gedrückte Kleinkind deuteten, um damit anzudeuten, dass man so das Kind und sie gleichzeitig erschießen soll. Kleine Kinder, die selbst stehen konnten, wurden für sich erschossen.“

Am 15. August 1941 wurden sieben Juden erschossen.

Am 28. August 1941 werden 300 Juden aus Ananjew durch das inzwischen eingetroffene
Einsatzkommando 10b unter dem Vorwand der »Umsiedlung« zu einem Panzergraben außerhalb der Ortschaft getrieben und ermordet.

In den folgenden Tagen entdeckten die Deutschen etliche Juden, die sich während der Aktion versteckt hatten, und ermordeten auch diese.

Am 30. August 1941 wurden die ungefähr 300 Juden, die noch in Ananjew lebten, in einem Ghetto konzentriert.

Anfang Oktober 1941 kamen mehrere Ghetto-Bewohner in der Nähe des Dorfes Mostowoje gewaltsam zu Tode.

Am 1. September 1941 wurde Ananjew der rumänischen Verwaltung unterstellt und Transnistrien angegliedert.

Unter dem Vorwand, sie würden in ein Arbeitslager gebracht, wurden die 145 noch lebenden Juden in das Dorf Gwosdjowka transportiert, wo sie im November 1941 ermordet wurden.

18.03.1944 letzte Erwähnung des Ghettos


Gerichtsverfahren nach 1945

26. Februar 1948
Im Einsatzgruppen-Prozeß
Ohlendorf Otto selbst begründete die Notwendigkeit der Exekutionen, die er für seinen Bereich – die in Bessarabien, Czernowitz, Mogilew-Podulski. Jampol, Ananjew, Berezowka, Nikolajew, Melitopol, Marinpol Rostow und auf der Krim eingesetzt gewesene Gruppe. „D“ – nicht leugnete, mit dem außergewöhnlichen Charakter der in Rußland entstandenen Kriegführung. Unter anderem erklärte er, daß sich die Luftangriffe der Alliierten auf offene Städte wie Dresden oder das Werfen der Atombombe auf Hiroshima im Prinzip nicht von den Massakern der Einsatzgruppen abhöben und daß die Angeklagten nicht schuldiger seien als die alliierten Führer, die jene Aktionen anordneten oder in die Tat umsetzten.