Transport 27.01.1942 Gelsenkirchen

Transportliste

355 jüdische Mitbürger wurden zunächst - sichtbar für alle - auf dem Wildenbruchplatz an der dortigen Ausstellungshalle gesammelt. Viele von ihnen mussten für Ihre "Evakuierung nach dem Osten" sogar die Fahrkarten bezahlen. Am Güterbahnhof stiegen sie in die Züge - es waren Personenzüge - und wurden in das Ghetto nach Riga geschafft. Aus diesem Transport haben 121 Deportierte den Krieg überlebt.

Bericht von Neudorf Herman
Am Sammelplatz (Ausstellungshalle Wildenbruchstrasse) schliefen wir eine Nacht am Boden und am nächsten Tag wurden wir verladen. Es war der 27. Januar 1942. Aber diese Mörder wußten zu gut, wohin unsere Fahrt führt. Hoher Schnee mit ca. 25 Grad Kälte. Der Zug stand bereit. Ungeheizt. Am Ende des Zuges wurden drei Wagen mit unseren Koffern, Verpflegung und Küchengeräten angehängt. Dann fuhren wir ab. Türen natürlich abgeschlossen. Vor Hannover erfuhren wir, daß die letzten Wagen "heißgelaufen" waren und abgehängt werden mußten. Nun besaßen wir nur noch das, was wir am Leibe trugen. Sechs Tage Fahrt durch Ostpreußen, Litauen, Lettland. Aborte verstopft, die Abteilwände mit einer Eisschicht überzogen. Am 1. Februar erreichten wir unsere neue Heimat. Der Transport hielt am Bahnhof Riga-Skirotava. Auf uns warteten schon SS-Leute in dicken Pelzmänteln. Sie trieben uns mit Schlägen und Gebrüll aus dem Zug. Die Glieder waren noch starr vor Kälte. Zum Teil mit Autos oder zu Fuß ging es ab. Ungefähr drei Stunden Marsch.
Lettische Wachen hüteten uns sorgfältig und rissen einigen gute Kleidungsstücke vom Leibe herunter. Ein mit Stacheldraht umgebener Stadtteil tauchte auf. Personen mit gelben Judensternen konnte ich erkennen. Das war also das Rigaer Ghetto, das uns allen ewig in Erinnerung bleiben sollte.