Pottenstein I

Außenlager des Konzentrationslagers Flossenbürg

Bezeichnung:

Gebiet: Bayern

Eröffnung: 12.10.1942

Schließung: Die Häftlinge wurden am 15.04.1945 befreit.

Deportationen:

Häftlinge: 746

Geschlecht: Männer

Einsatz der Häftlinge bei: Bauleitung der Waffen-SS und Polizei; SS-Karst-Wehr-Kompanie (Bauwesen); SS-Fortifikations-Forschungsstelle

Art der Arbeit: Bau eines Barackenlagers, Straßenbau, Arbeiten an einem Stausee

Bemerkungen:
Himmler verständigte sich am 18. Dezember 1941 mit Hitler auf die Gleichbehandlung von Juden und Partisanen: Beide Gruppen seien "auszurotten". Die "Partisanenausrottung" (Himmler) oblag in der Alpen-Adria-Region in erster Linie der so genannten SS-Karstwehr. Diese war im oberfränkischen Pottenstein von dem Geologen und SS-Standartenführer Hans Brand zusammengestellt und trainiert worden. Brand, der in den 1920er Jahren die als "Teufelshöhle" bekannt gewordene Tropfsteinhöhle bei Pottenstein erschlossen hatte, erreichte bei seinem Freund Himmler, dass in Pottenstein 1942 eine Außenstelle des Konzentrationslagers Flossenbürg eingerichtet wurde. Zwischen Oktober 1942 und April 1945 waren mindestens 694 KZ-Insassen in Pottenstein inhaftiert. Mitten im Ort in der so genannten Magerscheune untergebracht, mussten sie Unterkünfte und Trainingsgelände für die Karstwehr bauen und Verbindungswege, einen Stausee und eine Stützmauer an der heutigen Bundesstraße 470 errichten. Fast die Hälfte der Gefangenen wurde zu Tode geschunden. Der "Staatlich anerkannte Luftkurort im Herzen der Fränkischen Schweiz" profitierte nach dem Krieg von der von den Häftlingen geschaffenen Infrastruktur.

Die Karstwehr kam seit August 1943 in Südkärnten, im adriatischen Küstengebiet und im slowenischen Karst zum Einsatz. Die Truppenstärke betrug im September 1944 fast 2000 Mann. Die "Partisanenausrottung" bestand darin, dass Dörfer in Schutt und Asche gelegt wurden. Die SS-Männer erschossen oder verbrannten die Menschen, derer sie habhaft wurden, und nur ausnahmsweise überließen sie Dorfbewohner, die sie als arbeitsfähig ansahen, der Deportation. Unter Brands Leitung hat die Truppe nachweislich mindestens elf Ortschaften im slowenischen Karstgebiet dem Erdboden gleichgemacht. Der Historiker Tone Ferenc (1927 - 2003) ist bereits vor 30 Jahren zu dem Schluss gekommen, dass keine andere SS-Einheit so viele und so grauenhafte Verbrechen an der Zivilbevölkerung beging wie die Karstwehr unter Brand. Die 1995 von der Staatsanwaltschaft Würzburg aufgenommenen, 2001 eingestellten Ermittlungen haben die Angaben von Ferenc bestätigt. Dennoch ist kein Angehöriger der SS-Karstwehr je zur Verantwortung gezogen worden. Die verhörten Veteranen, 134 an der Zahl, erinnerten sich nur an Gefechte, nicht an ihre Verbrechen - die typische Erinnerungsverweigerung einer Tätergesellschaft, wie sie der Dramatiker Peter Weiss in seinen Stücken Inferno und Die Ermittlung in den 1960er Jahren aufgezeigt hat. Von 1975 bis 1987 versammelten sich die Veteranen siebenmal in Pottenstein, um ihre Toten zu ehren und deftig zu feiern, jeweils drei, vier Tage lang.
Quelle: Bundeszentrale für politische Bildung