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Lager

Zwangsarbeitslager für Juden (DAW)
Janowska-Straße 132–134 (heute: Schewtschenko-Straße (Вулиця Шевченка)
Ukraine, Oblast Lwiw, Kreisfreie Stadt Lwow (Lemberg)

Der Janowska-Komplex war in drei Teile gegliedert. Im ersten Bereich befanden sich Einrichtungen der SS: Garagen, Werkstätten, Büros, Wohnbaracken und das Haus des Kommandanten im Zentrum. Im zweiten Bereich, dem eigentlichen ZAL, standen die Baracken für die Zwangsarbeiter. Jede konnte bis zu 2.000 Insassen aufnehmen. Die Lebensverhältnisse in den Baracken waren erschreckend. Die Menschen mussten auf Brettern oder auf dem Boden schlafen. Durch die schlechten sanitären Verhältnisse brachen Krankheiten aus. Viele Gefangene verhungerten wegen der geringen Essensrationen in Kombination mit der schweren Arbeit. Es gab morgens einen Becher Ersatzkaffee, mittags wässrige Suppe mit ungeschälten Kartoffeln und abends 200 g Brot. Im dritten Teil des Geländes,etwas entfernt, befanden sich die eigentlichen Fabrikgebäude der DAW.
Jeder Lagerteil war mit Stacheldrahtzäunen abgetrennt, das gesamte Lager mit einem doppelten Stacheldrahtzaun gesichert. In Abständen von 50 m befanden sich Wachtürme mit Suchscheinwerfern. Bewaffnete ukrainische Hilfstruppen und SS-Männer patroullierten am Zaun.

Die meisten Zwangsarbeiter kamen aus ost-galizischen Distrikten sowie den Kreisen Rawa-Ruska, Kamionka Strumilowa, Sambor, Brzezany und Kaluz. SS-Männer aus Janowska suchten diese Regionen auf, um dort Vernichtungsaktionen durchzuführen oder Zweiglager von Janowska einzurichten. z.B. in Laski Kurowice und Jaktarowe.

Bei der Einlieferung ins Lager mussten die Juden sämtliche Wertsachen abgeben. Dann teilte man sie in Kommandos von 20-30 Personen ein. Sie arbeiteten täglich 12 Stunden sowohl im Lager als auch in Lviv, wo sie Grabsteine von den jüdischen Friedhöfen entfernen mussten. Ein Kommando hatte die im Lager verstorbenen Juden und die in den Sandhügeln hinter dem Lager (Piaski) Erschossenen zu begraben. Dieses Kommando musste auch Kleidung und Wertsachen der Toten sortieren.

00.09.1941
Im September 1941 übernahmen die deutschen Besatzer das Fabrikgelände an der Janowska-Straße 132–134 (heute: Schewtschenko-Straße (Вулиця Шевченка)) von Lemberg und richteten dort zunächst einen Versorgungsbetrieb für die Wehrmacht ein. Das Gebäude gehörte vor der Besatzung einem Einheimischen jüdischen Glaubens, namens Steinhaus.

Kurze Zeit später wurde das Lager Teil der Deutschen Ausrüstungswerke (DAW), einem SS-Unternehmen (zum Amt W unter der Leitung Oswald Pohls im SS-Wirtschafts- und Verwaltungshauptamt (WVHA)). Es wurden zunächst Zwangsarbeiter für die dortige Produktion eingesetzt. Im Spätherbst 1941 wurde ein Teil des Geländes als „Zwangsarbeitslager Lemberg-Janowska“ abgetrennt und vom Betriebsleiter der DAW, SS-Hauptsturmführer Fritz Gebauer, als Lagerführer geleitet

00.10.1941
Mitte Oktober 1941 mussten 350 Zwangsarbeiter neben dem DAW-Betrieb ein eingezäuntes Barackenlager bauen.

00.11.1941
durch die SS im Distrikt Galizien im deutsch besetzten Polen errichtet.
(Am 1. November riegelte die SS die Baustelle ab und erklärte es zu einem Zwangsarbeitslager (ZAL).

00.02.1942
SS-Gruppenführer und Generalleutnant der Waffen-SS und der Polizei Katzmann Friedrich befahl das Lager Janowska auf dem angrenzenden Gelände zu erweitern und für 10.000 Häftlinge auszubauen.

02,03.1942
Am 2. März 1942, dem jüdischen Purim-Fest, zwang man 6 Juden, die Nacht auße halb der Baracke zu verbringen. Sie sahen angeblich krank aus und sollten die anderen nicht anstecken. Die Außentemperatur war unterhalb des Nullpunktes. Leon Wells (Wieliczker) berichtet:
"Am Morgen lagen alle 6 Juden erfroren da, wo man sie hingelegt hatte, total weiß, wie lange Schneebälle."

04.03.1942
Am 4. März 1942 befahl Gebauer, ein Fass mit Wasser zu bringen. Er suchte 8 Zwangsarbeiter aus. Man zwang sie, sich zu entkleiden und in die Fässer zu steigen. Die ganze Nacht mussten sie in den Fässern bleiben. Wieliczker sagte aus, dass man am Morgen das Eis aufhacken musste, um die zu Tode gefrorenen Männer zu befreien.

00.07.1942
Willhaus Gustav wird Kommandant des Zwangsarbeiterlagers Janowska, das er bis zum Juni 1943 leitete und von den DAW-Betrieben abgetrennt war

ab 00.1943
das Lager erreicht seine höchste Belegung mit bis zu 15.000 Häftlingen.

ab 00.1943
hatte das Lager eine Frauenabteilung mit 400 Jüdinnen

20.04.1943
Am 20. April 1943, Hitlers 54. Geburtstag, suchte sich Wilhaus 54 Gefangene aus uns erschoss sie

1943
Janowska noch Arbeitslager wird zugleich selbst zum Vernichtungslager. Neuankömmlinge wurden meistens gleich an die Mordstätten in den Sandhügeln nahe beim Lager gebracht und dort erschossen. Bis Mitte Mai 1943 wurden mehr als 6000 Juden auf diese Weise ermordet.

29.06.1943
Als am Dienstag, dem 29. Juni 1943, 275 Leute ankamen, wurden diese in Gruppen von 25 mit einem Maschinengewehr erschossen. Nachdem die ersten 25 in die Grube gegangen und erschossen worden sind, folgten die nächsten 25. Die 275 Erschossenen zeigten uns etwas, was wir schon vorher festgestellt hatten: Es gab einige Gräber, wo es schien, als ob die Leute gar nicht erschossen worden waren... Die Münder waren offen, die Zungen herausgestreckt. Sie sahen aus, als ob sie erstickt waren. Das zeigte uns, dass diese Leute lebendig begraben worden sind. Als wir sie verbrannten, merkten wir, dass sie teilweise nur leicht verletzt worden waren von den MG-Salven. Einige waren nur leicht am Arm verletzt, fielen nieder und wurden unter anderen Körpern begraben. So kam es vor, dass diese Nacht, als wir einen Körper ins Feuer warfen, die Person im letzten Moment anfing zu schreien - laut brüllend, weil noch am Leben...

SS-Standartenführer Paul Blobel war mit der Spurenverwischung der Mordtaten beauftragt und stellte im Juni 1943 ein Kommando von 70 Schutzpolizisten des Polizeiregiments 23 für die Bewachung von rund 130 jüdischen Häftlingen zusammen, welche die Leichen exhumieren und auf Scheiterhaufen verbrennen mussten. In Janowska wurden zudem SD- und SiPo-Beamte aus dem Generalgouvernement für derartige Enterdungsaktionen geschult Zu den jüdischen Häftlingen des Enterdungskommandos gehörte Leon Weliczke der ein Tagebuch führte und im November 1943 in einer Gruppe aus dem Lager fliehen konnte.

25.10.1943
Fast alle Zwangsarbeiter, die zu Außenkommandos von Janowska gehörten, wurden am 25. Oktober 1943 erschossen. Lediglich ein Arbeitskommando, das zur „Enterdungsaktion“ eingeteilt war, blieb noch verschont.

19./20.11,1943
rund 4000 jüdische Häftlinge werden nach einem Massenfluchtversuch ermordet; dies wird als Teil der „Aktion Erntefest“ gedeutet

19.07.1944
durch die SS aufgelöst.
vor der anrückenden Roten Armee geräumt und die Häftlinge in westlicher gelegene Lager verschleppt. Unter ihnen befand sich Simon Wiesenthal

Aufgrund der katastrophalen Lebensbedingungen zogen es viele Gefangene vor, sich zu erhängen anstatt den nächsten Tag erleiden zu müssen. Die Rückkehr von der Arbeit mussten die Menschen im Laufschritt absolvieren. Wilhaus und sein Assistent sortierten dabei die Ermüdeten gnadenlos aus. Die Erschöpften wurden zwischen den Stacheldrahtzäunen eingeschlossen um dort zu sterben. Jeden Morgen mussten die Gefangenen zum Appell antreten, dabei inspiziert durch einen SS-Mann. Jeder, der bei dieser Musterung "durchfiel", wurde sofort erschossen. SS-Mann Rokita tötete dabei jeden, der ihm nicht passte, durch Genickschuss. So hatte jeder SS-Mann seine spezielle Methode...
Juden wurden wegen des geringsten "Vergehens" bestraft: Für langsames Arbeiten, nicht aufpassen usw. Die Tötungsmethoden waren unterschiedlich, je nach SS-Mann: Erschießen, totprügeln, erhängen, erwürgen, mit dem Kopf nach unten kreuzigen, zerstückeln mit Äxten und Messern. Frauen wurden meistens erwürgt oder erstochen. Oft wurden die Quälereien oder Morde von Musik des Lagerorchesters begleitet, das von Professor Stricts und dem bekannten Dirigenten Mund geleitet wurde. Inhaftierte Komponisten wurden gezwungen, eine bestimmte Melodie zu schaffen, genannt "Der Todestango". Kurz bevor das Lager aufgelöst wurde, erschoss die SS alle Mitglieder des Orchesters.

Baracke 5, in der die "Ostbahn-Brigade" inhaftiert war, war Schauplatz besonderer Brutalitäten. Die hier eingesperrten Juden, die die Lokomotiven auf dem Bahnhof zu säubern hatten, litten unter besonders häufigen Exekutionen. Am 16. März 1943 wurden z.B. 30 Männer des Kommandos in einer Vergeltungsaktion umgebracht, weil der Jude Kotnowski einen SS-Mann getötet hatte. Weitere 11 jüdische Ghetto-Polizisten wurden in der Hauptstraße des Ghettos Lviv an Balkonen erhängt. Etwa 1.000 Juden wurden aus diversen Arbeitskommandos außerhalb von Janowska herausgeholt und erschossen. 200 Insassen von Janowska ebenfalls.

nach 1945
Eine ungenannte Zeugin berichtete der sowjetischen Untersuchungskommission:
"Ich sah mit eigenen Augen, wie Gebauer Frauen und Kinder erwürgte. Ich sah, wie man Männer im tiefsten Winter in Wasserfässer steckte bis sie einfroren. Die Fässer waren mit Wasser gefüllt, und die Opfer wurden an Händen und Füßen gefesselt ins Wasser gesteckt. Die armen Leute blieben in den Fässern, bis sie erfroren waren."

Wilhaus mochte es, mit einem Maschinengewehr vom Balkon des Lagerbüros auf Menschen zu schießen, die in den Werkstätten arbeiteten. Dies aus "sportlichen Gründen" und auch zur Belustigung seiner Frau (
Willhaus Elisabeth verw. Willhaus (geb, Riedel ) und Tochter. Dann übernahm seine Frau das MG und tat dasselbe. Um seiner neunjährigen Tochter zu imponieren, ließ er einmal zwei vierjährige Kinder als fliegende Ziele in die Luft werfen und schoss auf sie. Seine Tochter klatschte Beifall und rief:
"Papa, mach's noch einmal! Papa, mach's noch einmal!" Er tat es.

nach 1945
Die sowjetische Untersuchungskommission, die nach dem Krieg Nazi-Verbrechen untersuchte, fand eine Anzahl Gruben, die noch mit Leichen von Gefangenen aus der zweiten Hälfte des Juli 1944 gefüllt waren. Nach Aussagen von Zeugen und Verwandten von Opfern benutzten die Nazis Janowska auch als Exekutionsstätte für Leute, die aus verschiedenen Gestapo-Gefängnissen angeliefert wurden. Im Gegensatz zur üblichen Praxis wurde die Kleidung dieser Opfer nicht durchsucht. So fand die Kommission noch Ausweise in den Taschen der Erschossenen. Dadurch konnte die Identität der Opfer festgestellt werden. Die Kommission ermittelte Folgendes:
1. Im Lager Janowska wurde Massenmord an Zivilisten begangen.
2. Die Morde wurden nach der deutschen Standardmethode begangen: Genickschuss oder Schuss durch die Schädeldecke.
3. Auf dem dem Lager benachbarten Gelände legten die Deutschen Massengräber an und verbrannten die Leichen. Die Verbrennungen fanden über einen gewissen Zeitraum statt, verteilt über das Lagergelände, aber meistens in Piaski.
4. Der Boden in Piaski ist bis zu einer beträchtlichen Tiefe mit Leichenflüssigkeit und Fetten, zusammen mit fauligem Geruch und Brandgeruch getränkt.
5. Der Zustand der entdeckten Asche, die aus kleinen Knochenstücken besteht, und die Brüchigkeit der größeren Knochenstücke zeigen, dass die Verbrennung der Körper bei hohen Temperaturen stattgefunden hat. Die nach der Verbrennung übrig gebliebene Asche wurde an verschiedenen Plätzen im Lagerbereich in 90-180 cm Tiefe vergraben. Zusammen hat man 59 solcher Stellen gefunden. Obendrein fand man Asche und Knochen an der Oberfläche des Bodens fast überall im von der Kommission untersuchten Lagerbereich. Weil sich die Gräber und die Verteilung von Asche und Knochen über fast 2 km2 erstrecken, geht die Expertenkommission von mehr als 200.000 in Janowska ermordeten Menschen aus.

So wie auch bei anderen Tötungsstätten der Nazis lässt sich für Janowska keine genaue Zahl der Opfer feststellen. Untersuchungskommissionen tendierten gleich nach Kriegsende zu überhöhten Zahlen. Wieliczker sagte der sowjetischen Kommission:
"Ich war ein ehemaliger Insasse des Janowska-Lagers, dem befohlen wurde, in Blobels "Kommando 1005" zu arbeiten; gezwungen, bei diesem Trupp Leichen auszugraben und zu verbrennen. Ich tat dies vom 6, Juni 1943 bis 20. November 1943. Während dieser Zeit verbrannte die Gruppe mehr als 310.000 Leichen, darin eingeschlossen etwa 170.000 auf dem Sandstein von Janowska und über 140.000 im Lisincki Wald. Diese Zahl beinhaltet Leichen, die vom "Kommando" exhumiert wurden und auch solche, die nicht begraben, sondern nach dem Erschießen sofort verbrannt worden sind.
Am 20. November 1943 floh unsere ganze Gruppe. Nur wenige sind am Leben geblieben, die meisten wurden auf der Flucht ermordet.
Danach bildeten die Deutschen eine andere Gruppe von Gefangenen, die die Verbrennungsarbeit fortsetzte. Ich weiß nicht, wieviele Leichen nach meiner Flucht noch verbrannt worden sind; aber ich weiß, dass das Verbrennen von Leichen im Lisincki Wald bis Januar 1944 ging."

Ein anderer Zeuge, Manussevich:
"Nach Verbrennung der Leichen im Graben, nahe des Janowska-Lagers, wurden wir nachts auf Lastwagen nach dem Lisincki Wald gebracht, wo wir 45 Gruben voll mit Erschossenen öffneten. An den Uniformen, Erkennungsmarken, Knöpfen, Medaillen und Orden identifizierten wir u.a. Rotarmisten und französische, belgische und italienische Kriegsgefangene. Es waren auch Leichen von Zivilisten dabei."

Zur Zeit schätzt man die Zahl der in Janowska Ermordeten auf 100.000-200.000 Menschen.
Die Verbrennungs-Gruppe wurde ab 25. Oktober 1943 aufgelöst. Als die etwa 30 verbliebenen Juden des Sonderkommandos merkten, welches Ende ihnen zugedacht war, flüchteten sie. Bei dem Ausbruch wurden mehrere Deutsche umgebracht. Wieviele entkommen konnten, ist nicht bekannt.

Die Rote Armee befreite Lviv am 26. Juli 1944. Gebauer wurde von einem westdeutschen Gericht zu lebenslanger Haft verurteilt
In den Nachkriegsjahren blieb Janowska ein Gefängnis, das sowjetische Lager Nr. 30. Heute ist dort ein ukrainisches Gefängnis.