I.

Der Lebenslauf des Angeklagten Olejak:
Der Angeklagte wurde am 8.9.1918 in Kunzendorf Kreis Bielitz in Polen geboren. Sein Vater war als Emaillebrennermeister tätig und der Angeklagte hatte noch 7 Geschwister. Er wuchs im Elternhaus auf und besuchte zunächst 5 Jahre die deutsche Volksschule in Kunzendorf und anschießend 2 Jahre eine deutsche Volksschule in Bielitz. Er war ein guter Durchschnittsschüler und wurde aus der 7. Klasse entlassen.
Nachdem er zunächst ein Jahr arbeitslos gewesen war, arbeitete er 2 Jahre als Hilfsarbeiter in einer Gärtnerei Maurer. Von März 1937 bis Dezember 1939 arbeitete er als angelernter Tuchweber in der Tuchfabrik Schanze in Bielitz. Während dieser Zeit war er Mitglied bei der deutschen katholischen Jugend und bei einem deutschen Männergesangverein.
Seit September 1939 war der Angeklagte Mitglied bei einem deutschen Selbstschutz. Nachdem er zuvor schon für die polnische Armee gemustert worden war, ohne eingezogen worden zu sein, erfolgte am 12.12.1939 die Musterung durch deutsche Behörden. Am 16.12.1939 wurde der Angeklagte zur Waffen-SS eingezogen.
Zur Ausbildung kam der Angeklagte zu einem in Buchenwald stationierten Regiment, das ausschließlich aus volksdeutschen Rekruten bestand. Im Januar oder Februar 1940 wurde er zur weiteren Ausbildung nach Radolfszell am Bodensee verlegt. Dort wurde er jedoch schon nach kurzer Zeit wegen eines Herzfehlers, der von einer doppelseitigen Lungenentzündung herrührt, gvh (Garnisonsverwendungsfähig Heimat) geschrieben
und bekam keine Weitere militärische Ausbildung mehr. Von Radolfszell ans wurde der Angeklagte nach Berlin verlegt wo damals gvh-Kompanien stationiert waren.
Aufgrund verschiedener Aufforderungen meldete sich der Angeklagte dann zum Dienst in Lager Auschwitz. Grund hierfür war, daß der Angeklagte aus der Nähe von Auschwitz stammte und durch die Versetzung erreichen wollte, wieder näher an seine Heimat zu kommen. Im Juli oder August 1940 wurde der Angeklagte dann von Berlin nach Auschwitz versetzt.
In Lager Auschwitz, das sich damals noch in Stadium des Aufbaus befand, machte der Angeklagte zunächst kurze Zeit bei der Wacheinheit Dienst. Wegen seiner Herzbeschwerden und wegen seiner polnischen Sprachkenntnisse wurde er alsbald zur Kommandantur des Lagers Auschwitz versetzt.
In der Folgezeit hatte er in Lager Auschwitz die Funktionen eines Kommandoführers, Blockführers und Arbeitsdienstführers inne. Von Januar 1941 bis Juni 1941 war der Angeklagte als Kommandoführer für ca. 20 Häftlinge beim Bau eines SS.-Erholungsheimes in Mienzebrodze eingesetzt. Nach seiner Rückkehr in das Lager Auschwitz war der Angeklagte zeitweilig auch als Kommandoführer beim Aufbau des Lagers Birkenau tätig, stationiert war er in Lager Birkenau zu keinem Zeitpunkt.
Mit Wirkung vom 1.12.1941 wurde der Angeklagte zum SS.Rottenführer und mit Wirkung vom 1.9.1942 zum SS.-Unterscharführer befördert. Diesen Rang hatte der Angeklagte bis Kriegsende inne.
In Januar 1943 erkrankte der Angeklagte an Fleckfieber und wurde deswegen einige Zeit in einem Lazarett in Kattowitz stationär behandelt. Anschließend erhielt der Angeklagte 4 Wochen Genesungsurlaub, den er in den SS.-Erholungsheim
in Mienzebrodze, an dessen Errichtung er mitgearbeitet hatte, verbrachte. Nach einem weiteren Heimaturlaub von ca. 4 Wochen kehrte der Angeklagte zur Dienstleistung in das Lager Auschwitz zurück.
Mitte Juni 1943 wurde der Angeklagte Olejak als Rapportführer in das neuerrichtete Lager Jaworzno versetzt.
Ende März oder Anfang April 1944 wurde der Angeklagte von Jaworzno aus in das Konzentrationslager Blechhammer versetzt, wo er ebenfalls als Rapportführer eingesetzt war. Dort blieb der Angeklagte bis zum 9.11.1944.
Am 23.9.1944 heiratete der Angeklagte in Schakowa Fräulein Else Kaesmarker. Der Angeklagte hatte seine spätere Ehefrau, die damals mit ihrer Familie in dem nur wenige Kilometer von Jaworzno entfernten Schakowa wohnhaft war, während seiner Stationierung in Lager Jaworzno kennengelernt. Nach einem kurzen Urlaub, den er in Schakowa verbrachte, kehrte der Angeklagte nach Blechhammer zurück, während seine Ehefrau bei ihren Eltern in Schakowa blieb.
Von Blechhammer aus wurde der Angeklagte am 9.11.1944 nach Czechowitz in der Nähe von Bielitz versetzt, wo er in einem kleineren, in der Nähe einer Öl-Raffinerie gelegenen Lager die Funktion des Lagerführers übernahm. Dort blieb er bis zum 18.1.1945.
Die Häftlinge dieses Lagers wurden am 18.1.1945 evakuiert und erreichten nach einem längeren Fußmarsch und einem mehrtägigen Bahntransport am 23.1.1945 das Konzentrationslager Buchenwald bei Weimar. An dieser Evakuierung nahm der Angeklagte Olejak teil.
Nachdem er noch einen Transport von weiblichen Häftlingen von Buchenwald aus nach Bergen-Belzen begleitet hatte, kam der Angeklagte zu einem Panzergrenadierbataillon, mit dem er kurz vor Kriegsende in englische Kriegsgefangenschaft geriet. Im Juni 1948 wurde er aus einem Lager in Nottingham entlassen.
Bis 1954 wohnte der Angeklagte, aus dessen Ehe zwei 1949 bzw. 1954 geborene Saline hervorgegangen sind, mit seiner Familie in einem Flüchtlingslager in Hammelburg. Von dort verzog er nach Miltenberg und im Jahre 1958 nach Bürgstadt bei Miltenberg, wo er sich ein eigenes Haus errichtet hat, in dem er heute noch wohnt. Die Ehefrau des Angeklagten ist im Jahre 1970 verstorben.
Seit 1949 ist der Angeklagte bei der Firma Miltenberger Bilderleisten und Rahmenfabrik R. ä H. Austel beschäftigt, in der er derzeit die Funktion eines Betriebsmeisters inne hat.

Strafrechtlich ist der Angeklagte Olejak bisher noch nicht in Erscheinung getreten.
In vorliegender Sache befand sich der Angeklagte vom 8.7. 1976 bis zum 24.4.1978 in Untersuchungshaft.

II.

Der Lebenslauf des Angeklagten Pansegrau:
Der Angeklagte Ewald Pansegrau wurde am 13.8.1921 in Fleißacker/Kreis Rippin geboren. Seine Eltern hatten dort einen landwirtschaftlichen Betrieb. Der Angeklagte hatte noch 4 jüngere Geschwister. Er besuchte zunächst 4 Jahre die deutsche und anschießend 3 Jahre die polnische Schule. Nach der Entlassung aus der Schule arbeitete er bis zu seiner am 19.11.1939 erfolgten Einberufung im elterlichen Betrieb mit.
Obwohl sich der Angeklagte zu einem Einsatz bei der Polizei gemeldet hatte, wurde er zur SS. eingezogen. In Buchenwald erhielt er als Angehöriger des 10. Totenkopfregimentes eine sechsmonatige Grundausbildung. Wegen eines Magenleidens wurde der Angeklagte gvh geschrieben und etwa Mitte 1940 zur Wachmannschaft des Konzentrationslager Auschwitz versetzt. Nach kurzer Zeit kam er von dort auf eigenen Wunsch in die Abteilung Landwirtschaft des Konzentrationslagers Auschwitz, wo er bis Juni 1943 verblieb.
Mit Wirkung von 30.1.1941 wurde der Angeklagte zum SS.-Sturmmann und mit Wirkung von 1.12.1941 zum SS-Rottenführer der Reserve ernannt. Diesen Rang hatte der Angeklagte bis Kriegsende inne.
Anläßlich der Errichtung des Nebenlagers Jaworzno im Juni 1943 wurde der Angeklagte von Auschwitz in dieses Lager versetzt, wo er als Angehöriger der Lagerkommandantur als Blockführer und Kommandoführer tätig war.
Mm 18.12.1943 heiratete der Angeklagte in Jaworzno Frau Irmgard Wollny, mit der er zusammen eine Wohnung in Jaworzno bezog. Zuvor hatte der Angeklagte, wie die Mehrzahl der übrigen in Lager Jaworzno eingesetzten SS.-Leute, in einer Unterkunftsbaracke in der Nähe des Lagers gewohnt.
In Lager Jaworzno verrichtete der Angeklagte Pansegrau mit Ausnahme eines Zeitraums von mehreren Monaten, während dessen er sich in Lager Auschwitz in Haft befand und auf den später noch näher eingegangen wird, seinen Dienst bin zum 17.1.1945. Am Abend dieses Tages wurde das Lager Jaworzno wegen des Heranrückens der russischen Armee evakuiert. Der Angeklagte begleitete eine zeitlang die Häftlingskolonne auf ihren Fußmarsch zu dem Lager Blechhammer. Während dieser Zeit hielt sich die Ehefrau des Angeklagten, auf einem Pferdefuhrwerk mitfahrend, ebenfalls in der Nähe der Häftlingskolonne auf.
Im weiteren Verlauf der Evakuierung verließ der Angeklagte mit seiner Ehefrau die Häftlingskolonne und fuhr in Begleitung eines weiteren SS.-Mannes namens Riedel mit dem Pferdefuhrwerk in Richtung Berlin weiter. Unterwegs verließ Frau Pansegrau ihren Mann und setzte die Flucht aus den Osten mit der Bahn fort.
Bis Kriegsende kam der Angeklagte Pansegrau noch zu verschiedenen anderen Einheiten. In Mai l945 geriet er in Kriegsgefangenschaft, aus der er in August 1945 wieder entlassen wurde. Bis 1952 hielt sich der Angeklagte mit seiner Familie in Sachsen auf, seit dieser Zeit wohnt er nunmehr in Viersen bei Düsseldorf. Aus der Ehe des Angeklagten sind 4 Kinder hervor gegangen, die zwischenzeitlich alle verheiratet sind.
Bis zu seiner vorläufigen Festnahme arbeitete der Angeklagte als Elektroschweißer bei der Fa. Babcock in Oberhausen. Seit Anfang des Jahres 1980 bezieht der Angeklagte wegen Erwerbsunfähigkeit eine Rente.

Strafrechtlich ist der Angeklagte bisher noch nicht in Erscheinung getreten.
Der Angeklagte Pansegrau befand sich in vorliegender Sache
von 8.7.1976 bis. 14.12.1978,
vom 27.1.1979 bis 12.4.1979,
von 17.5.1979 bis 31.5.1979
und vom 12.7.1979 bis 13.7.1979
in Untersuchungshaft.

Zu diesen mehrmaligen Verhaftungen des Angeklagten kam es dadurch, daß der zuständige Senat des Oberlandesgerichts Bamberg jeweils auf Beschwerden der Staatsanwaltschaft hin Beschlüsse der Kammer, durch die der Haftbefehl des Amtsgerichts Aschaffenburg außer Vollzug gesetzt wurde, aufgehoben hat.


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