SS-Hauptsturmführer

* 12.04.1895 in Hamburg
t 26.04.1969 in Hamburg

Sohn eines Postassistenten

Besuch der Volks- und Realschule

1911
Einjährige (Obersekunda)

Ausbildung zum Exportkaufmann bei Arndt und Cohn

00.08.1914
Kriegsfreiwilliger
(war neben Frankreich auch in Russland und der Türkei im Pioniereinsatz und brachte es im kaiserlichen Heer bis zum Leutnant der Reserve.)

1918 - bis 1920
Angehöriger der Baltischen Landeswehr

1920
Hochzeit mit Erna Mulka (Vater zweier Söhne und einer Tochter)

1920
wegen Hehlerei vor Gericht gestellt und zu acht Monaten Gefängnis und zwei Jahren Ehrverlust verurteilt. Ihm zum Vorwurf wurde gemacht, er habe zusammen mit anderen treuhänderisch überlassene Rubel unterschlagen.
(1936 vom NS-Justizministerium aus Strafregister getilgt).

1928–1934
beim Stahlhelm

bis 1931
Angestellter in der Firma, in der er seine Ausbildung absolviert hatte

1931
Mit 36 Jahren machte sich Mulka als Außenhandelskaufmann selbständig. Die Geschäfte liefen gut.

1935
Eintritt in die Reichswehr
Beförderung zum Oberleutnant d. R. Als aber seine wohlweislich verschwiegene Vorstrafe ruchbar wurde, entließ ihn die Wehrmacht aus ihren Reihen.
(Alle Bemühungen nach dem Beginn des Zweiten Weltkriegs, als Offizier wieder Aufnahme in Hitlers Armee zu finden, scheiterten.)

1939
Im Hamburger Adressbuch von 1939 findet man den Sohn eines Postassistenten und Kriegsfreiwillligen von 1914/18 unter der Adresse Wendlohstraße 28 im Vorort Lokstedt-Niendorf.

00.09.1939
In das Antragsformular auf Mitgliedschaft in der NSDAP trug er im September 1939 als Adresse "Isestraße 127, Hochparterre" ein.
Ein ordentlicher Sprung, aus einem Häuschen draußen am Stadtrand in die Beletage eines der schönsten Häuser in einer der schönsten Straßen in einem der schönsten Viertel der Stadt. Offenbar gingen Mulkas Geschäfte Ende der Dreißiger gut. Womöglich war es auch einfach eine günstige Gelegenheit. Es war nicht lange nach der "Reichspogromnacht", vielleicht war jemand geflohen.

1940
Eintritt in die NSDAP (Mitglieds Nu. 7 848 085)

1941
Nicht bereit, als gemeiner Soldat von vorn anzufangen und sich hochzudienen, bewarb sich Mulka 1941 bei der Waffen-SS. Hier fand er, der bereits Mitte September 1939 einen Beitrittsantrag in die NSDAP gestellt hatte, Aufnahme und erhielt sogleich, seinem Wehrmachtsdienstgrad entsprechend, den Rang eines SS-Obersturmführers. Nach einem kurzen Zwischenspiel als Kompanieführer einer Pioniereinheit wurde Mulka, wegen Krankheit nur als garnisonsverwendungsfähig Heimat eingestuft)
(garnisonsverwendungsfähig = tauglich für den Dienst in der Garnison)

00.06.1941
Beförderung zum SS-Obersturmführer

06.08.1941
Eintritt in die Waffen-SS

Anfang 1942
Angehöriger der Lagermannschaft im KL
Auschwitz
nach Auschwitz kommandiert, führte dort eine Wachkompanie.

26.05.1942
Mulkas Ehefrau Erna besucht ihren Mann in Auschwitz

01.07.1942 - 30.03.1943
Lagerkommandant Rudolf Höß, dessen Adjutant erkrankt war, macht Mulka vertretungsweise zu seinem Adjutanten. Als Adjutant und als »Stabsführer« des sogenannten Kommandanturstabes blieb Mulka bis März 1943 die zweite Hand von Höß.

04.08.1942
Beförderung zum SS-Hauptsturmführer

12.08.1942
In einem von Mulka unterzeichneter Sonderbefehl vom 12. August 1942 fordert er die an Vergasungen beteiligten SS-Angehörigen auf, beim Öffnen der vergasten Räume über 5 Stunden mindestens 15 Meter Abstand von der Gaskammer zu halten.

23.01.1943
Ein Schreiben des Leiters der Zentralbauleitung der Waffen-SS und Polizei in Auschwitz, des Herrn Bischoff, der die Krematorien in Auschwitz gebaut hat, an den Amtsgruppenchef C, SS-Brigadeführer und Generalmajor der Waffen-SS Doktor Ingenieur Kammler, vom 23. Januar 1943 beweist, daß Mulka über die Baufortschritte bei den Krematorien, denen ja die Gaskammern angeschlossen
waren, genau orientiert war.

wegen einer abfälligen Äußerung über Joseph Goebbels von der Ehefrau des Leiters der Zentralbauleitung Hildegard Bischoff denunziert und festgenomm (wurde zum SS- Obersturmführer degradiert); später rehabilitiert und während der Bombenangriffe auf Hamburg eingesetzt; letzter Dienstgrad: SS-Obersturmführer.

Anfang 1945 wurde er wegen Krankheit nach Hamburg beurlaubt und erlebte in seiner Heimatstadt das Ende des Krieges.

08.06.1945 - 28.03.1948
Zwischen dem 8. Juni 1945 und dem 28. März 1948 war er in verschiedenen Lagern interniert, wie Iserbrook , Neumünster, Eselheide / Paderborn, sowie in den Kriegsverbrecher Lager in Fischbek und Neuengamme.

1954
Antrag auf Entschädigung nach dem Kriegsentschädigungsgesetz

00.11.1960
verhaftet (Dem Untersuchungshäftling Mulka gelang es immer wieder, durch Kautionsstellung der Untersuchungshaft zu entgehen.)

Untersuchungshaft von November 1960 bis März 1961, Mai bis Dezember 1961, Februar bis Oktober 1964, seit Dezember 1964

1.
Frankfurter Auschwitz-Prozess
Strafsache gegen Mulka und andere, Az. 4 Ks 2/63
Landgericht Frankfurt am Main

Rund drei Jahre zuvor: Die Olympischen Spiele 1960 in Rom. Zu den Siegern in der deutschen Mannschaft gehört auch Rolf Mulka. Der zweifache Weltmeister im Flying-Dutchman ist etwas enttäuscht. Er muss sich mit einer Bronzemedaille zufriedengeben. Zu Hause in Deutschland bleibt Staatsanwalt Joachim Kügler auf der Sportseite der Zeitung hängen. "Gar nicht so häufig, der Name Mulka", denkt er bei sich:

"Der Adjutant des Kommandanten von Auschwitz war ein gewisser Herr Mulka, und der war für mich unauffindbar. Und dann las ich eines Tages eine Zeitungsüberschrift, die sich auf die Olympischen Spiele in Rom bezog, da war ein Herr Mulka als Sieger im Segeln genannt. Dem bin ich nachgegangen, und dann hat sich herausgestellt, dass das der Sohn jenes Mulka war, und dann fand ich ihn in Hamburg."

Die olympische Medaille des Sohnes führt auf die Spur des Vaters. Wenige Monate nach den Wettkämpfen wird Robert Mulka verhaftet. Drei Jahre später findet vor dem Frankfurter Landgericht der Prozess gegen "Mulka und andere" statt, so der offizielle Name des Auschwitz-Prozesses. Angeklagt sind 22 Angehörige der Waffen-SS.
Schier unvorstellbares Grauen

"Erstens. Der Exportkaufmann Robert Karl Ludwig Mulka, geb. am 12.4.1895 in Hamburg, verheiratet, Deutscher."

20.08.1965
vom LG Frankfurt am Main zu 14 Jahren Haft verurteilt.
Urteil: Schuldig der gemeinschaftlichen Beihilfe zum gemeinschaftlichen Mord in mindestens 4 Fällen an mindestens je 750 Menschen

13.01.1966
Neues Deutschland Ausgabe vom 13.01.1966
Der zu nur 14 Jahren Zuchthaus verurteilte Hauptangeklagte im ersten Auschwitzprozeß, SS-Massenmörder Robert Mulka, ist auf Beschluß des Landgerichts Frankfurt (Main) wegen angeblicher Kreislaufschwäche aus der Haft entlassen worden.

1968
wegen Haftunfähigkeit vorzeitig entlassen

Sein Sohn Rolf Mulka blieb dem Segelsport sein Leben lang treu. Seine Enkelin Friederike Belcher und Kathrin Kadelbach, die Tochter des einstigen Ersatzmannes von 1960, setzten die Familientraditionen gemeinsam fort. Von 2006 bis 2012 segelten sie in einem Boot. Im 470er wurden sie bei den Olympischen Spielen 2012 in Barcelona Achte.

Wendlohstraße 28, Hamburg

Isestraße 127, Hamburg