SS-Hauptscharführer

* 04.03.1915 Hohen Schönberg bei Kalkhorst
† 28.05.1946
Landsberg am Lech (gehängt)
(Er liegt auf dem Spöttinger Friedhof in Landsberg begraben)

Berufsausbildung
Gärtnergehilfe

verheiratet
Tochter Gerlinde (am 15. Dezember 1942 geboren)

1933
Eintritt in den freiwilligen Arbeitsdienst in Velten

00.05.1935
SS-Anwärter in der SS-Totenkopfstandarte „Brandenburg“ in Oranienburg nördlich von Berlin

16.11.1935
Aufnahme in die SS (SS Nu 267670)

1938 - 1941
Kommandoführer der Gärtnerei im Konzentrationslager
Sachsenhausen

02.05.1941
Versetzung ins Konzentrationslager
Auschwitz

ab 00.06.1942
Blockführer und Kommandoführer der Strafkompanie
(Aussage Häftling Jozef Kret: »Moll, klein, blond, mit einem pausbäckigen Gesicht voll Sommersprossen, verbreite immer Schrecken unter den Häftlingen. Es gab keine Grenze für seine Rohheit und Grausamkeit)

11.09.1942
Kommandanturbefehl Nr. 17/42
mit Wirkung vom 01.09.1942
Beförderung zum SS-Hauptscharführer

ab 00.12.1942
Chef der Sonderkommandos von Bunker I und II
Dabei zeichnete er sich bei der Behandlung der Häftlinge durch besonderen Sadismus aus, der ihm den Beinamen „Henker von Auschwitz“ eintrug. Die Häftlinge des Sonderkommandos gaben ihm den Namen „Malahamoves“, das hebräische Wort für Todesengel.
(über Moll war bekannt, daß er bei Ankunft von Transporten zunächst wahllos einige Häftlinge erschoß, um sich Achtung und Respekt zu verschaffen.)
Er pflegte durch die Menge der sich auskleidenden Todeskandidaten zu gehen und sich einige junge, nackte Frauen auszusuchen. Diese trieb er zu den Verbrennungsgruben, weidete sich an ihren Ängsten und erschoss sie dann von hinten, sodass sie in die Grube fielen. Müller wurde einmal Zeuge, wie einige dieser Frauen davonliefen, worauf Moll seinen Hund auf sie hetzte, der sie in die nackten Beine biss. Seine Helfer trieben sie dann an die Grube zurück. `Moll fühlte sich jetzt in seinem Element. Erregt und lüstern rief er den wehrlosen Frauen zu: `Schaut es euch genau an, schaut euch alles gut an! Gleich werdet ihr genau so brennen wie die da unten` Dann erschoss er eine nach der anderen mit seinem schallgedämpften Karabiner, sodass sie vornüber in das Inferno der Grube fielen"

30.04.1943 (KB Nr. 10 / 43)
Auszeichnung mit dem Kriegsverdienstkreuz 1. Klasse mit Schwertern

02.09.1943 - 00.03.1944
Kommandant des Nebenlager
Fürstengrube
(Nach Zeugenaussagen war „der kleine dicke Mann“ bei einer ersten Begegnung durchaus freundlich. Otto Moll jedoch zeichnete sich bei der Behandlung der Häftlinge durch einen besonderen Sadismus aus. Dies brachte ihm schnell den Beinamen „Henker von Auschwitz“ ein.)

18.12.1943
nach der mißglückten Flucht des am 16.05.1919 in Brzesko (Brzeskow) geborenen Häftlings Gabriel Rothkopf am 18.12.1943 sucht Moll ohne jede Untersuchung einige Häftlinge aus und erschießt eigenhändig die Selektierten vor den Reihen der angetretenen Häftlinge

00.03.1944 - 00.05.1944
Kommandant des Nebenlager
Gleiwitz I

ab 00.05.1944
Chef der Sonderkommandos der Krematorien im KL Auschwitz zur »Abwicklung« der Massentransporte aus Ungarn.
(Häftling Filip Müller: »Er weidete sich an den Qualen, die er seinen Opfern zufügte, und dachte sich ständig neue Quälereien und Foltermethoden aus.« Shlomo Dragon gegenüber Gideon Greif (Auszug): »Einmal fanden wir einen lebendigen Säugling, der in ein Kissen eingewickelt war. Nachdem wir das Kissen entfernt hatten, schlug das Baby die Augen auf. Wir brachten das Bündel zum Oberscharführer Moll mit der Meldung, das Kind lebe. Moll brachte das Kind an den Rand der Grube, legte es auf die Erde, trat ihm auf den Hals und warf es ins Feuer.)

11.11.1944
Er wird in einem Kommandanturbefehl vom 11. November 1944 als SS-Hauptscharführer erwähnt.

Ende 1944
Ende 1944, nach Beendigung der Ungarn-Aktion, bis zur Evakuierung des KZ Auschwitz Mitte Januar 1945 leitete er wieder das Nebenlager Gleiwitz I. Er erdachte auch den sogenannten „Moll-Plan“, die Bombardierung des Lagerkomplexes nach der Evakuierung durch die Luftwaffe und damit die Tötung der zurückbleibenden Häftlinge, der jedoch nicht umgesetzt wurde.

00.01.1945
Leiter eines Mordkommandos - Erschießungen wie Vergasungen - im KL
Ravensbrück

ab 25.02.1945
Lagerführer im Dachau-Außenlager
Kaufering II

15.11.–13.12.1945
im 1. Dachauer-Prozess vor einem amerikanischen Militärgericht zum Tode verurteilt
(am 13. Dezember 1945 mit 35 weiteren Mitangeklagten zum Tod durch den Strang verurteilt. Beim Urteil wurden als individuelle Exzesstaten bei Moll die Misshandlung von Häftlingen sowie die Erschießung von Häftlingen auf dem von Kaufering ausgehenden Evakuierungsmarsch berücksichtigt)

28.05.1946
Das Urteil wurde am 28. Mai 1946 im Kriegsverbrechergefängnis
Landsberg vollstreckt

Bericht des überlebenden Häftling Abram Shul:
Abram Shul wurde 1926 in Nowy Dwor bei der Festung Modlin geboren
Am frühen Morgen des 12.12.1942 wurden die etwa 2000 Menschen die auf einem Platz ca. 10 km südlich der Ortschaft Pomiechow bei einem Wald namens Reissewo noch lebten, (etwa 4000 Menschen waren bereits in zwei Transporten nach Treblinka geschickt worden, von ihnen blieb niemand mehr am Leben), in Viehwagen ohne Essen und ohne Wasser ins Konzentrationslager Auschwitz deportiert. Nach der Ankunft am 14.12.1942 hat man die Familie getrennt. Seine Erinnerung an die Rampe ist die Hölle. Es wurde den Menschen mit Gewehrkolben auf die Köpfe geschlagen. Die Frauen mussten mit den Kindern auf die linke Seite und die Männer auf die rechte Seite. Dort hat Abram sich seinem Vater angeschlossen.
Seine Mutter, sein 3 Jahre jüngerer Bruder sowie seine sieben jahre alte Schwester Bella wurden am selben Tag in den Gaskammern mit Cyklon B vergast.
So klein Bella auch noch war, die Siebenjährige ahnte beim Abschied, das wir uns nicht mehr wiedersehen. Das siebenjährige Kind wurde zu Fuss mit cirka 1500 anderen aus diesem Transport zum Vergasen in eine große Baracke getrieben.
Abram betont zudem, dass er diese gespenstischen brennenden Leichenberge und die Massengräber damals selbst gesehen hat. Abram und sein Vater wurden ins Lager gebracht.
Während also die übrige Familie sofort ins Gas geschickt worden war, begann lediglich für Abram und seinen Vater in Auschwitz-Birkenau der Kampf ums Überleben. Es war sehr schwer. Unglaublich, was ein Mensch alles ertragen kann. Wir wurden wie Tiere, so gleichgültig, so leidend und machtlos.
Wegen der schlechten Ernährung hatte Abram eine Magenvergiftung, er konnte drei Wochen nichts essen und kaum Trinken, er nahm nur etwas Ersatzkaffee zu sich. Aber er konnte es nicht wagen, um medizinischen Hilfe zu bitten, sonst wäre er nicht am Leben geblieben. Denn die im Häftlingskrankenbau Selektierten kamen gleich ins Krematorium.
Zu Beginn des Jahres 1943 bekam Abram Malaria. Sein Vater trieb irgend woher etwas Chinin auf. Und so habe ich im März 1943 eine Selektion von Dr. Mengele mitgemacht und überlebt.
Aus Abrams Sicht begannen damals die Krematorien zu arbeiten. Bereits vorher hatte er dort auch schon in dem sogenannten Herkules-Kommando beim Bau gearbeitet. Herkules-Kommando wurde die Baustelle des Krematoriums genannt. Abram erklärt die Bedeutung des Namens als die eines Monsters von ungeheurer Scheußlichkeit, stark und unbekämpfbar. Außerdem schickte man ihn auch noch in andere Kommandos zum Planieren des neu gebauten Lagers.
Im November 1944 kam er auf den Transport nach Sachsenhausen, anschließend ins Kauferinger Lager XI. Im Lager XI wurden sie gleich zur Arbeit getrieben, ca. 4 km zur Baustelle Moll. Früh Morgens war es noch dunkel und am Abend bei der Rückkehr war es ebenfalls dunkel. Die Arbeit nennt er eine „Vernichtungsarbeit“, weil er bei Bauarbeiten des „Moll-Bunkers“ 50 kg Zementsäcke auf dem Rücken im Laufschritt schleppen mussten. Diese Schwerarbeit war besonders wegen der extrem schlechten Ernährung einfach nur ganz kurze Zeit zu leisten. In den aufgebrachten Zement auf der Baustelle Moll sind auch Juden ausgerutsch, sie fielen hinein oder sind hineingestoßen worden. Die Fundamente sind voll mit Juden, sie wurden misshandelt und sind in den Beton hineingeworfen worden, oder sind ausgerutscht. weil sie von SS-Männern aber auch von Wehrmachts Soldaten die dort tätig waren, geschlagen wurden.
Einer von ihnen war der SS-Hauptscharführer Moll Otto. Er war Leite der Krematorium. Wir haben ihn Schweinemetzger genannt, denn er war kein Mensch, sondern ein Schlächter. Kinder hat er lebendig ins Feuer geschmissen. Ich bin ein Zeuge davon weil ich es selber gesehen habe.
Zunächst war Otto Moll Blockführer der Strafkompanie und vom Juli bis September 1944 Chef der Krematorien in Birkenau. Während er diese Funktion einnahm, hat Abram besonders unter ihm gelitten.
Im Lager XI blieb Abram Shul bis zur Evakuierung dieses Lagers.
Am 27.04.1945 wurde uns auf dem Appellplatz mitgeteilt, das wir das Lager XI sofort verlassen müssen. Den Grund hat man uns nicht gesagt. Aber wir haben uns den Grund schon denken können. Wir bekammen etwas Brot mit Margarine aber nicht viel. Dann hieß es: schnell schnell, raus raus, zum Marsch ins ungewiesse. Wir marschierten bis Fürstenfeldbruck.
Dort war ein Militärflughafen und in der nähe fand eine Beratung von den Wachmannschaften statt. in der Zwischenzeit, wurden wir von hinten durch alliierte Jagdflugzeuge angegriffen worden.
Einige von der Wachmannschaft sind dabei verlezt worden und wir sind gleich in den Wald hineingelaufen. Manchen ist es gelungen tief in dem Wald vorzudringen und sich zu verstecken. Und dann hat man uns wieder zusammengetrieben um weiter in Richtung Allach zu gehen.
Als wir in Allach angekommen sind, war wieder eine panik, und niemand wußte was sie mit uns machen sollten. Wir wurden in eine Halle hineingetrieben und haben eine Wassersuppe bekommen.
Dann wurden wir wieder schnell herausgejagt, um weiter zu marschieren. draussen hat es sehr stark geregnet, es war sehr kalt und es fing an dunkel zu werden. Wie es sich herausstellte sind wir über Planeg, Krailing und Gauting marschiert. Hier wurden wir auf ein Feld getrieben um zu übernachten, aber wer konnte unter solchen Umständen schlafen. Todmüde hungrig und durchfroren wurden wir am anderen Morgen zusammengetrieben, und wir marschierten über Starnberg dann weiter Richtung Wolfratshausen weiter.

In der nähe von Wolfratshausen wurden wir bei einem Dorf von einem hohen Wehrmachtoffizier, wahrscheinlich ein General, gestopt, er gab unseren Kommandoführer ein Sturmbannführer, den Befehl, das er uns bis zur nächsten Ortschaft Buchberg bringen sollte. Das war am Abend des 29 zum 30 April.

Abrams Weg auf dem Todesmarsch bedeutete für die Häftlinge furchtbare Ungewissheit. Er führte die völlig Erschöpften über die Orte Fürstenfeldbruck, Allach, hier vermutlich nach Dachau und dann erst nach Planegg, Krailing, Gauting, Starnberg, Wolfratshausen, bis nach Buchberg, heute Geretsried. Es war bitterkalt, und der Hunger schwächte besonders. Mitleidige Dorfbewohner hatten ihnen kleine Stückchen Brot zugeworfen, aber die Wachmannschaften ließen das nicht zu. Sie schlugen schwer mit dem Gewehrkolben auf diejenigen ein, die sich bücken wollten, um das Brot aufzuheben.
Die letzte Nacht verbrachten sie in einer Halle für slawische Zwangsarbeiter. Dort befürchteten die Häftlinge, dass sie in die Luft gesprengt werden, trotz der Order des Generals. Sie überlegten miteinander, ob sie eher bei einer Flucht ein Versteck finden könnten. Als sie aber am Morgen aus der Halle traten, wollten sie es nicht glauben, die Wachen waren verschwunden. Alle waren geflohen, lediglich der Lagerführer aus Kaufering XI war immer noch anwesend. Einige Stunden später hörte man eine Explosion, es handelte sich um die Sprengung der Brücke von Wolfratshausen.
Der verhasste Lagerführer Otto Moll tauchte plötzlich in Zivilkleidung mit einigen Begleitern auf, die schossen mit Maschinenpistolen herum und forderten 120 bis 150 Häftlinge vom Kommandoführer. Moll forderte diesen Sturmbannführer auf, mit allen weiter zur Alpenfestung nach Tirol zu marschieren.
Die beiden SS-Leute wurden sich nicht einig, man diskutierte. Schließlich erhielt Moll die verlangten 120 bis 150 Mann. Sie trugen schwarze Winkel und waren vermutlich Ukrainer, die mussten mit ihm weitermarschieren, die anderen blieben zurück.

Am Spätnachmittag kam zunächst ein amerikanischer Jeep über die Fußgängerbrücke, für die Panzer musste erst noch eine Behelfsbrücke gelegt werden.
In Buchberg wurde Abram am späten Nachmittag des 30. April befreit. Drei Tage später verließ er gemeinsam mit einem Freund Buchberg und lebte in Garmisch Partenkirchen. Zunächst versuchte er, jemanden von seiner Familie wiederzufinden, aber es hatte niemand überlebt. Er war 19 Jahre alt und ohne jede Ausbildung, zudem ohne Schulbildung.
Im September 1948 wanderte er nach Israel aus und mußte dort zunächst für zwei Jahre zum Militär, dann erst konnte er ein neues Leben beginnen.

Zeugenaussagen überlebender Häftlinge
Nach Zeugenaussagen überlebender Häftlinge verübte Moll in Auschwitz-Birkenau zahlreiche Morde wie die Erschießung von Frauen und Kindern persönlich. Dabei hatten die Erschießungen oftmals rituellen oder sexuellen Charakter. Er erdachte auch den sogenannten „Moll-Plan“, die Bombardierung des Lagerkomplexes nach der Evakuierung durch die Luftwaffe und damit die Tötung der zurückbleibenden Häftlinge, der jedoch nicht umgesetzt wurde.

Nach der Evakuierung des KZ Auschwitz soll Moll kurzzeitig zwischen dem KZ Sachsenhausen und dem KZ Ravensbrück mit einer Gruppe von Spezialisten gependelt sein und dort Vergasungen und Erschießungen von Häftlingen geleitet beziehungsweise durchgeführt haben.

Die letzte Station von Molls SS-Laufbahn waren ab dem 25. Februar 1945 diverse Kauferinger Nebenlager des KZ Dachau. Hier war er für die Arbeitseinteilung der Häftlinge verantwortlich. Dabei soll Moll Häftlinge geschlagen und ihre Versorgung vernachlässigt haben. Nach übereinstimmenden Aussagen ehemaliger Häftlinge und Zwangsarbeiter war Moll Ende April 1945 auf dem Todesmarsch von Dachau nach Tirol an der Erschießung von mindestens 120 russischen Zwangsarbeitern bei Buchberg beteiligt. Nach Aussagen des zuletzt in Kaufering II inhaftierten Kapos Wilhelm Metzler soll Moll dabei 26 russische Zwangsarbeiter eigenhändig erschossen haben.

Im Mai 1945 wurde Moll von den Amerikanern verhaftet. Am 15. November 1945 wurde Moll im Dachau-Hauptprozess, der im Rahmen der Dachauer Prozesse stattfand, von einem amerikanischen Militärgericht als Kriegsverbrecher angeklagt und am 13. Dezember 1945 mit 35 weiteren Mitangeklagten zum Tod durch den Strang verurteilt. Beim Urteil wurden als individuelle Exzesstaten bei Moll die Misshandlung von Häftlingen sowie die Erschießung von Häftlingen auf dem von Kaufering ausgehenden Evakuierungsmarsch berücksichtigt. Das Urteil wurde am 28. Mai 1946 im Kriegsverbrechergefängnis Landsberg vollstreckt.

Augenzeugenbericht
Einige hundert vorwiegend jüdische KZ-Häftlinge erreichen am Sonntag, den 29. April 1945, das Lager Buchberg auf der heutigen Böhmwiese in Geretsried. Dort leben russische und ukrainische Zwangsarbeiter, die in der Munitionsfabrik eingesetzt sind.
Augenzeugenberichten zufolge hat ein General der Wehrmacht den SS-Bewachern befohlen, die geschwächten Häftlinge dorthin zu führen, um auf die Amerikaner zu warten.

Der Häftling Dr. Franz Hahn erinnert sich später:
Am nächsten Tag erschien in einem Mercedes anscheinend der General persönlich und stellte den SS-Hauptsturmführer vor versammelter Mannschaft zur Rede: Ich habe Ihnen gestern durch meinen Adjudanten sagen lassen, Sie sollen mit Ihren Leuten von der Straße verschwinden. Trotzdem schleppen Sie die armen Menschen weiter in meinem Aufmarschgebiet herum.
Zu uns gewandt:
Hier in der Nähe ist ein Russenlager.
Der Hauptsturmführer habe hiermit den Befehl, uns dorthin zu bringen und dem amerikanischen Roten Kreuz zu übergeben.
So rückten wir also in das Russenlager ein,und die SS begann sich zu verdrücken."
Einem anderen Zeugen zufolge soll jener angebliche Wehrmachtsgeneral ein verkleideter Russe gewesen sein.
Die Häftlinge sind voller Hoffnung: Die Amerikaner, die Befreier, sind nicht mehr weit entfernt. Doch das Unheil naht erneut, in Gestalt des SS-Hauptscharführers Otto Moll. Dieser fanatische Nazi hatte in den KZs Auschwitz und Birkenau Hunderte von Menschen, darunter auch viele Kinder, eigenhändig umgebracht. Auch in Buchberg will er die Juden "vernichten", wie es im Befehl heißt.

Leon Klingerman:
"In der Fri is gekomen der bewusster Mamser fon Auschwitz mit Namn Mol. Er hot befoln dem Lagerfirer er sol ibergeben die Jidn.
Mol is gewen mit a Grupe SS-Lait. Jedener von sei is gewen ongelodn mit Revolvern un mit Maschingewer."

Der SS-Mann Wilhelm Metzler gibt 1947 vor Gericht zu Protokoll:
"Ich schaue auf und sehe Moll vor mir allein mitten auf der Straße, die Hände in die Hüften gestützt. vor ihm etwa 150 Meter der Wachzug marschierend. Da nimmt Moll seine MP. (Maschinenpistole) in die Hand, geht links an die Straßenböschung und schießt. Zu den an der Böschung Liegenden geht Moll und schießt auf jeden Kopf. Ich habe 26 gezählt."

Am späten Nachmittag des 30. April wird Buchberg von den Amerikanern befreit. Die Häftlinge bekommen am 2. Mai aus einer mobilen Militärküche zu essen. Otto Moll wird im Dachau-Prozeß zum Tode verurteilt. Wo die erschossenen Zwangsarbeiter begraben wurden, ist bis heute nicht geklärt.

Der Mörder, SS-Hauptscharführer Moll Otto wurde nach seiner Hinrichtung auf dem Spöttinger Friedhof in Landsberg begraben. Sein Grab wird auf Kosten des Freistattes Bayern gepflegt. Deutschland vergißt seine Täter nicht, wohl aber die Opfer.


Esther Bejarano
Ein SS-Offizier kam fast jeden Tag: Arbeitsführer Otto Moll, ein speckiger Mann, untersetzt und mit einem Glasauge. "Er war eine Bestie", sagt Bejarano, "er war ein Tier." Mit vier grauen Schäferhunden stolzierte Moll meist über die Lagerstraße, zwei links, zwei rechts. Wenn ihm danach war, hetzte er sie auf Häftlinge: "Die haben die Frau dann zerfleischt, niedergerissen, und dann war sie tot."
Ausgerechnet Moll rettete Esther das Leben, als sie Typhus bekam. Sie hatte weitergespielt, obwohl das Fieber stieg, die Schmerzen ihr fast den Bauch zerrissen und sie nichts mehr essen konnte. Wer sich krank meldete, war ein Kandidat für die Gaskammer. Schließlich mußte sie aber doch ins Krankenrevier.
"Ich wußte, daß ich jetzt sterben würde", sagt sie, denn Medikamente bekam sie nicht. Koje für Koje rückte Esther auf den Todesraum zu, wo die Schwerkranken auf die Gaskammer warteten.
Als sie schon nahe an der Trennwand lag, fiel Moll auf, daß dem Orchester das Akkordeon fehlte. Eine Krankenschwester erzählte Esther später, er habe der Ärztin, einer Gefangenen, befohlen, ihr Medizin zu geben. "Wenn die Akkordeonspielerin stirbt", drohte er ihr, "werde ich dich erschießen."

Akten
Ermittlungsverfahren gegen Otto Moll, Staatsanwaltschaft beim Landgericht Köln, Az. 130 (24) Js 30/62 (Z);
Kopien aus: Nordrheinwestfälisches Hauptstaatsarchiv - Zweigarchiv Schloß Kalkum, Rep 118/246

Der Sadist

Er wollte sich ein Vergnügen bereiten, holte jemanden aus den Reihen, steckte ihm eine brennende Zigarette in den Mund und versuchte, die Zigarette mit einem Pistolenschuß auszulöschen - einmal mit der Pistole in der Rechten, einmal in der Linken. Mit der linken Hand verfehlte er das Ziel und erschoß den Mann. Gleich danach holte er noch jemanden aus den Reihen, um sein Spiel fortzusetzen. Die Männer dazu wurden ganz willkürlich ausgewählt. Niemand wagte, auch nur den geringsten Widerstand zu leisten, denn wir wußten ja auch, daß wir letztendlich nicht am Leben bleiben würden. Der Name Moll alleine ließ alle erzittern. Er hatte noch eine weitere Aufgabe: er mußte alle Alten und Kranken auf Lastwagen hinter das Krematorium IV bringen. Dort brannte in einer Grube ein Feuer. Er ließ die lebenden Menschen hineinwerfen und bei lebendigem Leibe verbrennen.

Aussage Dragon Abraham
Ich fürchtete mich nicht davor, daß man mich umbringen könnte, doch vor den Schikanen und Folterungen hatte ich Angst. Bei einem der Sonderkommando-Häftlinge hatte man Gold gefunden. Den verhörte man, wollte den Namen von demjenigen wissen, der ihm das Gold gegeben hatte, woher der das Gold hatte. Aber er sagte nichts und verriet keinerlei Namen. Welche Qualen mußte er durchstehen! Moll kam herbei und schleppte ihn zum Ofen. Er verbrannte ihm den Kopf, und bevor er starb, mußte er gegen den Zaun laufen. Er lief tatsächlich gegen den Zaun und erhielt einen tödlichen elektrischen Schlag. Das war Absicht, damit wir dies sahen und die Konsequenzen daraus zogen. Das war 1944. Verbrennungen, Schläge, bis man Ihn in den elektrischen Zaun trieb. Zu sterben war für uns gar nichts, die Qualen bis zum Tod, die waren das große Problem, vor dem wir uns fürchteten.


Shlomo Venezia
Die Männer des Sonderkommandos wurden gänzlich isoliert von an den anderen Häftlingen gehalten, nur in diesen Gruppen gab es jüdische Kapos, Männer also, die die Arbeitsanweisungen der SS für die Gruppe annahmen. So waren diese Männer nicht auch noch der Willkür dieser Gruppe der grausamen Kapos ausgesetzt. In Außenkommandos war das dann nicht mehr so. „Er muss ein paar Jahre älter als ich gewesen sein, kaumZyklon-Bfünfundzwanzig. Alle, die zwischen dem Bunker und den Gräben an ihm vorbeigingen, drängten ihn weiterzugehen, bevor Otto Moll ihn so sehen würde. Aber er antwortete niemandem und verharrte völlig reglos, den Blick ins Leere gerichtet. Als der SS-Oberscharführer ihn sah, ging er zu ihm und brüllte: „Du verfluchter Jude! Warum arbeitest du nicht, du Judenschwein? Beweg dich!“ Dabei begann er auf ihn einzupeitschen. Der Mann rührte sich jedoch nicht, als ob nichts zu ihm durchdrang. Er versuchte noch nicht einmal, sich vor den Schlägen zu schützen. Ich denke, er hatte vollständig den Verstand verloren, sein Geist war bereits nicht mehr in dieser Welt. Er schien weder Schmerz noch Angst zu spüren. Otto Moll war wütend über diesen Widerstand und über das Ausbleiben jeder Reaktion auf seine Schläge. Er zog seine Pistole aus dem Gurt. Wir gingen weiter hin und her und sahen, wie der Deutsche aus einer Entfernung von nur wenigen Metern auf den Mann schoss.“

00.05.1944 - 00.07.1944

Sonderkommando
Die zwei Gruben, die ausgehoben worden waren, hatten eine Länge von 40 bis 50 Metern, waren etwa 8 Meter breit und 2 Meter tief. Die grosse Vernichtungsstätte war aber noch lange nicht einsatzbereit. Nachdem die grobe Arbeit getan war, ging es an die Ausführung der von Moll ersonnenen Details, die eine Vernichtungsphantasie von schauerlicher Erfindungskraft offenbarten.
Zusammen mit seinem Helfer Eckhardt stieg der Mordingenieur in eine der Gruben hinunter und markierte auf dem Grund einen 25 bis 30 cm breiten Streifen, der in Längsrichtung mitten durchlief. Hier sollte durch Ausstechen der Erde ein von der Mitte nach beiden Seiten hin leicht abschüssiger Kanal entstehen, damit das Fett der Leichen, wenn sie in der Grube brannten, in zwei Auffangbehälter abfliessen konnte, die auf beiden Seiten am Ende des Kanals ausgehoben werden sollten.

Moll jagte nun eine Gruppe von Häftlingen in die Grube, die mit Spaten, Schaufeln, Hämmern, Kellen, Ziegelsteinen, Zement und Wasserwagen ausgerüstet waren. Sie sollten den Abflusskanal für das Menschenfett herstellen. Es schien unfassbar. Abflusskanäle für Menschenfett, das man als
Brennstoff verwenden wollte, um die Mordspuren möglichst rasch zu tilgen. Empört, aber hilflos und niedergeschlagen sahen wir die Tragödie in ihrem schrecklichen Ausmass auf uns zukommen. Auf dessen hinterem Hof [gemeint ist der Hof des K V], wo sich die Verbrennungsgruben befanden, türmten sich, ein paar Meter vor den Türen der Gaskammern entfernt, zahlreiche amorphe Leichenhaufen. Aus ihnen wurde ein Leichnam nach dem anderen von den Leichenschleppern herausgezogen und in einer langen Reihe, die zu der dritten Grube führte, nebeneinandergelegt. Dann tauchten die Zahnextrahierer und die Leichenfriseure auf, um in hektischer Eile den auf dem Rücken liegenden Toten die Goldzähne herauszubrechen, ihre Körperöffnungen nach versteckten Wertsachen abzusuchen und den Frauen die Haare abzuschneiden. Erst wenn das alles geschehen war, durften die Leichen eingeäschert werden.

Bei Morgengrauen war in zwei Gruben, in denen vielleicht 2500 Leichen aufeinandergeschichtet worden waren, das Feuer entfacht worden. Zwei Stunden später konnte man die Toten schon nicht mehr erkennen. In den weissglühenden Flammen lagen unzählige verkohlte, ausgedörrte Rümpfe
nebeneinander. Ihre schwarzphosphoreszierende Farbe liess erkennen, dass der Einäscherungsprozess sich schon in einem fortgeschrittenen Stadium befand. Das Feuer musste jetzt immer wieder von aussen in Gang gehalten werden, weil der Scheiterhaufen, der anfangs etwa einen
halben Meter über den Rand der Grube herausgeragt hatte, inzwischen unter dieses Niveau zusammengefallen war. Während in den Öfen der Krematorien mit Hilfe der Ventilatoren eine dauerhafte Gluthitze erhalten werden konnte, wenn die Leichen richtig Feuer gefangen hatten,
brannte das Feuer in den Gruben nur so lange, als die Luft zwischen den Leichen zirkulieren konnte.
Da der Leichenhaufen immer mehr in sich zusammensackte und von aussen keine Luft mehr bekam, mussten wir Heizer die brennende Masse in der Grube ständig mit Öl, Methanol und Menschenfett begiessen, das sich in den Auffangbehältern an den beiden Stirnseiten der Grube reichlich
angesammelt hatte und dort am Sieden war. Mit langen Rundeisen, die am unteren Ende wie der Griff eines Spazierstocks gebogen waren, wurde das brutzelnde Fett mit Eimern herausgeschöpft, die wir mit dicken Fäustlingen anfassten. Wenn das Fett an allen möglichen Stellen in die Grube geschüttet wurde, schlugen Stichflammen unter heftigem Zischen und Prasseln in die Höhe. Unaufhörlich entstieg der Grube dichter Rauch und Qualm. Die Luft stank nach 01, Fett, Benzol und verbranntem Fleisch.
Die an und für sich schon lästige Arbeit wurde durch die ständigen zweifelhaften Spässe des Unterscharführers Moll auch nicht angenehmer:
Er trieb Mendele zu einer der Gruben, auf deren Oberfläche Hunderte von eingeäscherten Skeletten herumlagen. Die obere Aschenschicht war noch am Glühen. Am Rand der Grube zog Moll seine Pistole und wandte sich zynisch an Mendele: «Eigentlich müsste ich dich jetzt erschiessen, du Judenhund. Aber so bin ich nicht, du sollst eine Chance haben. Ich lass dich laufen, wenn du barfuss durch die Grube läufst. » In seiner Verzweiflung schöpfte Mendele wohl noch einmal Hoffnung, sein Leben retten zu können. Er streifte seine Schuhe ab, sprang unerschrocken in die Grube und versuchte, um sein Leben zu laufen und das Unmögliche zu schaffen. Als er mit einem markerschütternden Schrei in der höllischen Glut zusammensackte, gab Moll ihm den Fangschuss.
Moll hatte einen krankhaft scheinenden Hang zu perversen, wollüstigen Quälereien. So gehörte es beispielsweise zu seinen Gewohnheiten, von Zeit zu Zeit im Krematorium aufzutauchen, wenn sich die Todeskandidaten gerade ihrer Kleider entledigten. Er lief dann wie ein Fleischbeschauer durch den Auskleideraum und suchte sich ein paar junge, nackte Frauen aus, die er anschliessend auf den hinteren Hof des Krematoriums zu einer der Gruben trieb, wo gerade Leichen verbrannt wurden.
Einmal wurde ich Zeuge, wie in einer solchen Situation mehrere junge Frauen wie scheue Rehe auseinanderstoben und auf den Stacheldraht zuliefen, vor dem ein tiefer Graben ausgehoben worden war. Moll hetzte sofort seinen Schäferhund hinterher, der sich mit langen Sätzen auf die Frauen stürzte und eine nach der anderen, wütend hin und her jagend, in die Beine und das Gesäss biss. Inzwischen waren auch Molls Helfer herbeigeeilt und trieben die verstörten, verängstigten Frauen mit Knüppeln zu der Grube zurück, aus der immer noch Feuer herausschlug. Dort fieberte Moll schon der Befriedigung seiner Mordlust entgegen. Erforderte die verzweifelten Frauen auf, sich nebeneinander mit dem Gesicht zur Grube aufzustellen. Der Anblick der brennenden Leichen löste erneut panische Angst und Schrecken bei ihnen aus. Währenddessen lief Molls Schäferhund, der wohl darauf abgerichtet war, mit langen Schritten etwa einen halben Meter hinter den Frauen nervös auf und ab, wobei er seinen Schwanz fast waagerecht nach hinten abgespreizt hatte. Mit glänzenden Augen und hechelnder Zunge wachte er darüber, dass keines der Opfer auch nur die geringste Bewegung machte. Die Frauen, deren Wunden, die von den Hundebissen herrührten, bluteten, standen in ihrer Todesangst starr und steif am Rand der Grube, in der zahllose Leiber brannten. Moll fühlte sich jetzt in seinem Element. Erregt und lüstern rief er den wehrlosen Frauen zu: «Schaut es auch genau an, schaut euch alles gut an! Gleich werdet ihr genau so brennen, wie die da unten. » Dann erschoss er eine nach der anderen mit seinem schallgedämpften Karabiner, so dass sie vornüber in das Inferno der Grube fielen. Eine ungewöhnliche Belustigung bereitete ihm das sogenannte Froschschwimmen, das er ab und zu, wenn er Laune hatte, in einem der beiden Löschteiche beim Krematorium IV oder beim Bunker V veranstaltete. Er jagte dann die von ihm ausgesuchten Opfer ins Wasser und liess sie unter ständigem Quaken so lange schwimmen, bis ihre Kräfte erlahmt waren und sie vor Erschöpfung ertranken. Bis es soweit war, ergötzte und weidete er sich mit seinen Henkersknechten am Todeskampf der unglücklichen Opfer, denen bei jedem Versuch, sich dem Rand der Grube zu nähern, eine Pistole oder ein Gewehr drohend vor die Nase gehalten wurden. Eine andere Art, seine perverse Mordgier zu befriedigen, war die Tötung von Kleinkindern, die er lebendig in das siedende Menschenfett an den Stirnseiten der Gruben warf.

1946

Im ersten Ravensbrück-Prozess in Hamburg machte Schwarzhuber Johann u.a. folgende Aussage:
“Ich war bei einer Vergasung anwesend. Es wurden immer 150 Frauen auf einmal in die Gaskammer gezwungen. Hauptscharführer Moll gab den Frauen den Befehl, sich auszukleiden und teilte ihnen mit, dass sie eine Entlausung mitmachen müssten. Daraufhin wurden sie in den Gasraum geführt und die Tür verschlossen. Ein männlicher Häftling, mit einer Gasmaske versehen, kletterte auf das Dach und warf oben durch eine kleine Öffnung, die er danach sofort wieder zumachte, eine Gas-Büchse in den Raum. Ich hörte Stöhnen und Wimmern im Raum. Nach zwei bis drei Minuten wurde es still im Raum.

Herrmann Joseph

"In seiner neuen Funktion eskortierte Moll mehrere Häftlinge nach Birkenau zur Rampe, wo sie unter seiner Anleitung 600 Steppdecken für das Lager organisierten. Einer von ihnen, Joseph Herrmann, berichtete: `Der Diebstahl gelang und Moll freute sich sehr darüber. Er war geradezu in einer übermütigen Stimmung. Beim Weggehen erblickte er ein zwei- oder dreijähriges Mädchen und meinte zu uns, dieses Kind wird jetzt vergast, wir wollen ihm dieses Schicksal ersparen. Er hob das Kind an den Haaren hoch, verabreichte ihm einen Genickschuss und warf es einer Frau vor die Füsse.` Zu diesem Zeitpunkt hatte Moll bereits eine kleine Tochter, sie hieß Gerlinde und war am 15. Dezember 1942 geboren.