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Prof. Hans L. Przibram * 07.07.1874 in Lainz bei Wien + 20.05.1944 im Ghetto Theresienstadt. Seine Eltern waren der aus Prag stammende Fabrikant und Abgeordnete des Böhmischen Landtages Gustav Przibram (1844–1904) und seine Gattin Charlotte geb. Freiin Schey von Koromla. Er war in erster Ehe mit Gräfin Anna Komorovska verheiratet, die einer alten polnischen Familie entstammte. Der Ehe mit Hans Przibram entstammten drei Töchter, Marguerite, Vera und Doris. Nach dem Tod der ersten Frau im Jahre 1933 heiratete Przibram 1935 die Witwe Elisabeth Fröhlich, geb. Ruhmann, die eine Stieftochter, Marie Fröhlich, in die Ehe mitbrachte. Elisabeth Fröhlich war jüdischer Herkunft. Przibram wohnte in der Hietzinger Hauptstrasse 122.
Er war ein österreichischer Zoologe und der Begründer der experimentellen Biologie in Österreich. Przibram gründete die erste Station für experimentelle Biologie, die Biologische Versuchsanstalt im Vivarium in Wien, konstruierte dort für seine Versuche Kammern mit konstanter Temperatur und entwickelte die autophore Transplantation. Er war Mentor des Biologen Paul Kammerer und schrieb eine 7-bändige Experimental-Zoologie.
1938, nach dem Anschluss ans Deutsche Reich, wurde Przibram von den Nationalsozialisten als Jude aus rassischen Gründen seiner Stellungen enthoben und durfte die von ihm gegründete und jahrzehntelang geleitete Anstalt nicht mehr betreten, auch seine große Privatbibliothek musste er dort lassen. Arthur Koestler, der Biograph Paul Kammerers, schrieb: Der Gefahr, die Hitler für Österreich darstellte, war er sich überhaupt nicht bewusst. Sein früherer Mitarbeiter Paul Weiss, damals an der University of Chicago, machte sich erbötig, ihm eine Position in Amerika zu verschaffen. Przibram lehnte ab, er wollte nicht glauben, dass Österreich in Barbarei versinken könnte.
1939 gelang es Przibram, mit seiner Frau nach Amsterdam auszuwandern, wo er Dank dem Entgegenkommen dortiger Kollegen zunächst noch seine Arbeit über den Chemismus der Zirbeldrüse fortsetzen konnte. Nach der Okkupation der Niederlande wurde das Ehepaar am 21./22. April 1943 mit Transport 24/1 ins Konzentrationslager Theresienstadt deportiert.
Sein Bruder Karl Przibram, der 1939 nach Brüssel emigriert war, wo er die deutsche Okkupation im Untergrund überleben konnte, erhielt noch aus Amsterdam eine vom 21. April 1943 datierte Karte seines Bruders: Wir sind aufgefordert worden, nach Theresienstadt zu fahren.
Am 20. Mai 1944 starb Hans Leo Przibram im KZ Theresienstadt an Entkräftung, seine Frau Elisabeth beging Selbstmord durch Vergiften. Die Times brachte am 16. Juli 1945 einen Nachruf.
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